Stadtbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Schlecht
● Schutzstatus: Nicht Ausreichend
Lage: Stadtbezirk Thalkirchen –
Obersendling – Fürstenried – Forstenried – Solln: westliches Isarhochufer
in Hinterbrühl, nördlich der Gerblstraße
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: Landschaftsschutzgebiet (LSG)
und nach Art. 13d(1), BayNatSchG geschützte Fläche
Münchner Stadtbiotop-Nr: 228
ABSP-Nr.: 1209
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Ökologische Vorrangfläche
Flächengröße: 0,12 ha
26.1 Geschichte, Geländebeschreibung,
Vegetation: Die Fläche umfasst den verbliebenen Teil eines ehemals
deutlich größeren Hangsumpfes am Hinterbrühler Quellhang. Der
quellig-sumpfige Teil des Hangs reichte früher talwärts bis zum
Maria-Einsiedel-Mühlbach, welcher von diesen Quellen gespeist wird. Der
untere Bereich des Hangsumpfes und damit der Biotopverbund wurde durch die
Erweiterung des Golfplatzes Thalkirchen vermutlich um 1980 vollständig
zerstört. Unerklärlicherweise ist der intensivst gepflegte Scherrasen des
Golfplatzes heute noch als Ökologische Vorrangfläche im
Flächennutzungsplan der Landeshauptstadt München dargestellt.

Der
Quellsumpf ist durch einen Entwässerungsgraben in seiner ökologischen
Funktion stark beeinträchtig. Die Randzone wurde
in einen Golfrasen
umgewandelt |
Der Hangsumpf mit mehreren Sickerquellaustritten erstreckt sich am
westlichen Isarhochufer unterhalb des Hangleitenwalds auf einer Länge
von einhundertfünfzig Metern. Er ist etwa zehn bis fünfundzwanzig
Meter breit, die Hangneigung beträgt etwa zehn Grad. Durch den
Laubfall hat sich im oberen Teil des Sumpfes ein mindestens fünf Meter
breiter Streifen tiefgründigen, quellfeuchten Humusbodens gebildet.
Dort bilden die Sumpfsegge (Carex acutiformis) oder das Mädesüß
(Filipendula ulmaria) hochwüchsige Röhrichte oder Staudenfluren. Diese
Feuchtvegetation reicht bis in Traufzone des von Ahorn- Arten (Acer
sp.) und der Esche (Fraxinus excelsior) geprägten Hangleitenwaldes.
Auf einem ungefähr in der Mitte gelegenen Teilabschnitt sind mehrere
Fichten mit sehr tief reichender Beastung aufgewachsen, welche die
krautige Feuchtvegetation dort zunehmend abschatten und dadurch
verdrängen. |
In der Mitte des
Quellsumpfes befindet sich als botanische Kostbarkeit ein Bestand des in
Bayern hoch bedrohten Davallseggenrieds (Caricetum davallianae), dessen
Wuchsbereich sich aber infolge der Ausbreitung von Stör- und
Nährstoffzeigern mit kräftigem Wuchs immer mehr verkleinert. Derzeit sind
nur noch etwa fünfzig Quadratmeter dieser in München vom Aussterben
bedrohten Kalkflachmoorgesellschaft ungestört erhalten geblieben, weitere
hundert Quadratmeter weisen zwar bereits Störarten auf, wären aber bei
geeigneter Pflege noch regenerierbar. Ein weiterer ehemaliger Teil des
Flachmoors wurde durch die Ablagerung von Räumgut aus den angrenzenden
Drainage-Gräben und die ordnungswidrige Entwässerung der Moorfläche
zerstört. Eine Wiederherstellung des Davallseggenrieds durch fachgerechte
Pflegemaßnahmen ist dringend geboten. Absolut schützenswert ist auch eine
kleine Feuchtwiese schräg unterhalb des Quellsumpfes, die Bestände von
Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) und Kleinem Baldrian (Valeriana dioica)
enthält.
Südlich und nördlich des Kalkflachmoores
erweist sich die Ablagerung von Räumgut aus den Drainage-Gräben als großes
Problem. In den dortigen Feuchtflächen breiten sich Hochstauden wie der
Gewöhnliche Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) und die Kohl-Kratzdistel
(Cirsium oleraceum) und vor allem das Drüsige Springkraut (Impatiens
glandulifera) enorm aus und bedrohen mittelfristig den Fortbestand der
gesamten Lebensgemeinschaft. Besonders degradierend wirken sich die
Entwässerungsgräben unmittelbar nördlich des verbliebenen
Davallseggenrieds und am Fuß des aktuell noch vorhandenen Hangsumpfs sowie
die Drainagen im Südteil aus. Hochwüchsige Arten wie z.B. Sumpf-Segge,
Mädesüß und die Brennnessel verdrängen die quelltypischen Kleinseggen und
Kleinbinsen.
Für das LBV-Projekt „Quellschutz in
München“ wurden 2005 (LBV, 2005) sowohl das Makrozoobenthos der
Hinterbrühler Quellen als auch deren chemisch-physikalische Parameter
untersucht. Dabei wurde an quellspezifischen Tierarten nur die
Köcherfliegenart Crunoecia irrorata festgestellt. Das austretende
Quellwasser hatte in Bezug auf seine chemisch-physikalischen Parameter
Trinkwasserqualität.
Mangelnde Pflege des überregional bedeutsamen
Biotops: Streufilz wurde nicht entfernt, dadurch hat eine Eutrophierung
eingesetzt
Vegetations- und Strukturtypen
(Anteilsschätzung in %)
|
Laubbaumbestände (Kronendach) |
15 |
Gedüngte Feuchtwiese |
6 |
|
Nadelbaumbestände (Kronendach) |
5 |
Mädesüß-Hochstaudenflur (durch Art. 13 d
BayNatSchG geschützt) |
40 |
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Deckung der Strauchschicht |
8 |
Großseggenried (durch Art. 13 d BayNatSchG
geschützt) |
30 |
|
Nährstoffreiche Neophyten- und Krautfluren |
6 |
Kleinseggenried (durch Art. 13 d BayNatSchG
geschützt) |
8 |
|
Initialvegetation feucht auf Grabenaushub |
3 |
Fließgewässer |
1 |
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Artenreiches Extensivgrünland/Magerwiese |
3 |
|
|
26.2 Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten:
Davall-Segge (Carex davalliana), Starknervmoos (Palustriella commutata),
Köcherfliege: Crunoecia irrorata
Gehölze: Feld-Ahorn (Acer campestre),
Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Ross-Kastanie (Aesculus hippocastanum),
Gewöhnliches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Buche (Fagus sylvatica),
Esche (Fraxinus excelsior), Fichte (Picea abies), Kratzbeere (Rubus
caesius), Hohe Weide (Salix x rubens), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
Gräser und Kräuter: Kriechender Günsel
(Ajuga reptans), Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris agg.),
Bärlauch (Allium ursinum), Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis),
Busch-Windröschen (Anemone nemorosa), Gewöhnliches Ruchgras (Anthoxanthum
odoratum), Zittergras (Briza media), Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Steife
Segge (Carex elata), Gelbe Segge (Carex flava), Hirsen-Segge (Carex
panicea), Rispen-Segge (Carex paniculata), Kohl-Kratzdistel (Cirsium
oleraceum), Einspelzige Sumpfbinse (Eleocharis uniglumis), Zottiges
Weidenröschen (Epilobium hirsutum), Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense),
Mädesüß (Filipendula ulmaria), Bach-Nelkenwurz (Geum rivale), Wolliges
Honiggras (Holcus lanatus), Flügel-Johanniskraut (Hypericum tetrapterum),
Großes Springkraut (Impatiens noli-tangere), Flatter-Binse (Juncus effusus),
Goldnessel (Lamium galeobdolon), Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis),
Pfennigkraut (Lysimachia nummularia), Gewöhnlicher Gilbweiderich (Lysimachia
vulgaris), Blaues Pfeifengras (Molinia caerulea), Schilf (Phragmites
australis), Blutwurz (Potentilla erecta), Hohe Schlüsselblume (Primula
elatior), Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris), Scharbockskraut (Ranunculus
ficaria), Waldsimse (Scirpus sylvaticus), Kleiner Baldrian (Valeriana
dioica), Bachbunge (Veronica beccabunga)
Problempflanzen = invasive Neophyten (15%
Deckungsanteil): Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)
Wertbestimmende Pflanzengesellschaften:
-
Davallseggenried (Caricion davallianae Klika 34,13d)
-
Mädesüß- Hochstaudenflur (Filipendulion Seg. 66,Art. 13 d BayNatSchG)
-
Großröhricht/Großseggenried (Phragmition/Magnocaricion W. Koch 26, Art. 13
d BayNatSchG)
Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.):
Brutvögel: Zilpzalp (Phylloscopus collybita), Buntspecht (Picoides major);
Amphibien: Bergmolch (Triturus alpestris), Grasfrosch (Rana temporaria)
Besondere Strukturen:
26.3 Nutzungen und Konflikte
|
Nutzung/Pflege/Zustand |
Konflikt |
Begründung |
|
Biotopvernetzung gestört |
stark |
Durch die Drainage des unteren Bereichs des
früheren Hangsumpfes und die Anlage eines Golfplatzes wurde der für
München wohl einzige Biotopverbund zwischen einem Hangquellsumpf und
einem einst naturnahen Quellbach zerstört. |
|
Anlage eines Golfabschlagplatzes im
quelligen Hangbereich |
stark |
Die Auffüllung des Geländes hat eine
Zerschneidung des Quellhanges bewirkt. |
|
Entwässerung des Niedermoors durch
Drainagegräben |
stark |
Entwässerter Niedermoortorf zersetzt sich
und setzt dabei Nitrat frei, dadurch verändert sich auch die Vegetation,
Nährstoff liebende Pflanzen breiten sich aus. |
|
Biozideinsatz unmittelbar angrenzend
|
mäßig bis stark |
Auswirkungen auch auf die empfindlichen
Quellbereiche sind anzunehmen. Von allen im Rahmen des Projektes
„Quellschutz in München“ (LBV, 2004-2006) untersuchten Quellen wiesen
nur die im Bereich des Golfplatzes erhöhte Simazin-Werte (allerdings
noch unterhalb des zulässigen Grenzwertes) auf. |
|
Fehlende oder nur unregelmäßige Mahd der
Feuchtwiesenbereiche |
mäßig |
Bestandesrückgang und Verschwinden
bedrohter, lichtbedürftiger Moor- und Sumpfpflanzen |
|
Fichten mit tief angesetzten, ausladenden
Ästen |
mäßig |
Die zunehmende Beschattung verdrängt
lichtbedürftige Arten der Kalkflachmoore |
|
Golfspiel am Hangfuß |
gering |
Betretungsverbot des verbliebenen
Quellsumpfs |
26.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge
-
Die Seggenrieder und Hochstaudenfluren werden
am besten durch eine jährliche Herbstmahd erhalten.
-
Den Quellbiotop stark abschattende, ausladende
Äste der benachbarten Gehölze sollten zurückgeschnitten werden.
-
In der Flächenmitte stehen vier Fichten,
die den Biotop verschatten und entwässern. Sie sollten deshalb gefällt
werden.
-
Die quelligen Bereiche werden durch mehrere
Drainage-Rohre und kleine Gräben entwässert. Die Rohre sollten deshalb
verfüllt und die Gräben angestaut oder mit Blattstreu u. ä. aus der
nächsten Umgebung verfüllt werden.
-
Das expansive Indische Springkraut sollte
durch Mähen oder besser Ausreißen im Frühsommer bei Blühbeginn eingedämmt
werden.
-
Talwärts des sickerfeuchten Bereichs ist die
Einrichtung eines mindestens fünf Meter breiten Pufferstreifens notwendig.
Dort ist auf Biozide und Düngemittel zu verzichten
|