Stadtbedeutsames
Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Gut
● Schutzstatus: Ausreichend
Lage: zwischen Großhadern und Schloss Fürstenried: begrenzt durch
Zöllerstraße, Tischlerstraße, Forst-Kasten-Allee
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: Landschaftsschutzgebiet (LSG)
Kartierter Münchner Stadtbiotop mit der Nr.: 202
ABSP-Nr.: 469 (enthält auch den alten Teil des Friedhofs)
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Friedhof; z. T. mit
Nutzungsbeschränkung zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung von Boden,
Natur und Landschaft
Flächengröße: 62,1 ha
8.1 Geschichte,
Geländebeschreibung, Vegetation: Der Waldfriedhof wurde in den Jahren
1905-1907 als größter und am weitesten vom Stadtzentrum entfernt liegender
Friedhof gebaut. Er war aufgrund im Zuge der damals rasch wachsenden
Einwohnerzahl Münchens notwendig geworden. Der Planer Hans Grässel
beabsichtigte die „Waldnatur“ des damals 40-60 jährigen Fichtenbestands
weitgehend zu erhalten, Gräber dem Baumbestand unterzuordnen und auf
Grabeinfriedungen wegen der Bodenoberfläche zu verzichten. In der
Nachkriegszeit dehnten sich neue Gräber zunehmend Richtung Südwesten aus,
so dass um 1963 durch Verlegung des Außenzauns offiziell ein „Neuer Teil“
des Waldfriedhofs eingerichtet wurde mit einer eigenen, im Januar 1966
eingeweihten Aussegnungshalle südlich des Lorettoplatzes.

Frühling im
Waldfriedhof: Die Hohe Schlüsselblume bildet einen dichten Blütenteppich |
Der Mittelpunkt des Neuen Friedhofsteils wurde als Park gestaltet. Als
prägende Elemente wirken ein ca. 6000 Quadratmeter großer Weiher und
ein fast 800 Meter langer Wiesenstreifen. Auf der Südseite des Weihers
wurden aus dem Bodenaushub flache Hügel bzw. Wälle modelliert. Das
relativ aufwuchsschwache, artenreiche Grünland ist größtenteils als
magere Rotstraußgras-Rotschwingelwiese (Agrostis capillaris - Festuca
rubra - Ges.) einzustufen, es wird nur einmal jährlich im Spätsommer
bis Herbst gemäht. Bereichsweise dominieren unterschiedliche
Wiesenblumen, u. a. Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis),
Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochoeris radicata) oder Kleiner
Klappertopf (Rhinanthus minor). |
Östlich der Aussegnungshalle befindet sich am Rand eines Eichenhains sogar
noch ein außergewöhnliches Florenrelikt. Auf einer wenige hundert
Quadratmeter großen Fläche wächst ein für die Hartwiesen im Süden Münchens
charakteristischer bodensaurer Magerrasen. Dort finden sich als
floristische Raritäten Restpopulationen des Gewöhnlichen Dreizahns
(Danthonia decumbens), der Besenheide (Calluna vulgaris) und des
Hunds-Veilchens (Viola canina).
Der ca. 1,2 m tiefe
Weiher mit einer Bitumenabdichtung wurde Mitte der 1980er Jahre
umgestaltet und mit teils nicht heimischen Arten aus dem Botanischen
Garten bepflanzt (Bauer, mdl.). Man findet z. B. eine rot blühende
Zierform der Seerose und an den Teichufern Bastard-Weidensträucher. Auf
der Hälfte der Uferlänge wächst ein schmaler Röhrichtstreifen aus
Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus) und Breitblättrigem Rohrkolben
(Typha latifolia). In dem Röhricht kommen auch die Hochstauden Rötliches
Mädesüß (Filipendula rubra) und Purpur-Wasserdost (Eupatorium purpureum)
vor. Beides sind exotische Zierstauden. Die beiden Inseln im
Friedhofsteich sind mit einem Silberweidenbestand bewachsen.
Der größte
Flächenanteil des Friedhofs wird von einem Mischbaumbestand mit 20-25%
Deckungsanteil der Fichte (Picea abies) und zahlreichen Laubbaumarten, vor
allem Sand-Birken (Betula pendula), Ahorn (Acer platanoides et
pseudoplatanus) und stellenweise Stiel-Eichen (Quercus robur) eingenommen.
Im Westteil überwiegen Baumbestände mit aufgelichtetem Kronendach, welche
auch die vorwiegend in kleinen Lichtungen angelegten Gräberfelder zum Teil
überschirmen. Hier findet man nahezu in allen Sektionen buchtige
Innensäume, die jedoch größtenteils ziemlich tiefreichend ausgemäht sind.
Nicht von Grabstätten eingenommene, locker überschirmte Bereiche sind
vorwiegend mit aufwuchsarmen Moosrasen bewachsen. Im Ostteil, im Anschluss
an den Alten Teil des Friedhofs, ist der Kronenschluss des Mischwalds
wesentlich dichter und die Gräber sind weitgehend überschirmt.
Kleinflächig haben sich vor allem im Norden und Osten noch nahezu reine,
hochwüchsige Fichten-Altersklassenbestände mit sehr spärlichem Unterwuchs
u. a. mit Sauerklee (Oxalis acetosella) erhalten. An dessen Rändern haben
sich Schlagfluren mit reichlich Himbeere und Kratzbeere entwickelt.
Zwischen den Gräberfeldern ist eine Strauchschicht aus gepflanzten
Sträuchern und einer Naturverjüngung der vorhandenen Baumarten vorhanden.
Die Sturmwürfe während
der letzten 2 Jahrzehnte haben den Fichtenanteil des Gehölzbestandes stark
reduziert. Die dort entstandenen, blütenreichen Schlagfluren wurden jedoch
leider weitgehend in artenarme, pflegebedürftige Vielschnittrasen
umgewandelt (insbesondere am Eingangsbereich Waldgartenstraße). Die
Baumstümpfe bzw. Wurzelteller der umgefallenen Bäume wurden im Südwestteil
des Friedhofs als Heckenwälle abgelagert und mit Humuserde von der
benachbarten Kompostieranlage aufgefüllt bzw. überdeckt. Auf den 1-2 m
hohen Wällen haben sich Nährstoff liebende Kraut- und Grasfluren mit
Aufwuchs von Sukzessionsgehölzen, z. B. der Sal-Weide (Salix caprea) und
des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra) entwickelt. Diese Strukturen sind
Lebensraum zahlreicher Vogelarten, u. a. können Sumpfrohrsänger
(Acrocephalus palustris), Dorngrasmücke (Sylvia communis) und sogar
Neuntöter (Lanius collurio; im Durchzug) beobachtet werden. Sogar Rehe
kommen im Waldfriedhof vor (Fellner, pers. Mitt.)

Biotopweiher mit
Fieberkleebestand. Der Fieberklee und andere Moor-
pflanzen wurden
angepflanzt |
In der Südwestecke des
Friedhofs befinden sich in einer schwer zugänglichen Gebüschlichtung zwei
mit Folien abgedichtete eng benachbarte Kleingewässer von je ca. 30 m2
Größe. Der nördliche lang gestreckte Tümpel ist fast vollständig mit einem
Teppich aus Fieberklee (Menyanthes trifoliata) und Krebsschere (Stratiotes
alioides) sowie einem kleinflächigen Schilfröhricht zugewachsen. Vom
südlichen, runden Gewässer ist ca. die Hälfte mit Verlandungsvege-tation
aus Fieberklee sowie Schmalblättrigem Wollgras (Eriophorum angustifolium)
und Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua) bedeckt. In der offenen
Wasserfläche findet sich ein ausgedehnter Bestand des Südlichen
Wasser-schlauchs (Utricularia australis). |
Die Kleingewässer sind
Lebensraum des Laubfrosches (Hyla arborea; Bauer 2003 mdl.). Die für die
Kleingewässer erwähnten Pflanzen-arten sind allesamt in Bayern gefährdet.
Im Waldfriedhof handelt es sich wohl ausschließlich um angesalbte
Vorkommen. Im Süden schließt an
die große, zentrale Wiesenfläche ein 2 Hektar großer, rundum von einer
weiß blühenden Spierstrauch-Hecke eingefasster, italienischer
Soldatenfriedhof an. Die liegenden Grabtafeln sind in Blumenrasen
eingebettet. Die umgebenden, einzeln stehenden alten Eichen sind
Bruthabitate des Gartenrotschwanzes (Phoenicurus phoenicurus) und des
Trauerschnäppers (Ficedula hypoleuca). Bis 1990 hat sogar der in Südbayern
außerordentlich seltene Wendehals (Jynx torquilla) gebrütet (Bauer, k.
mdl., 2003). Vor dem Kriegerdenkmal hat sich im Granitpflaster ein
nährstoffarmer Pionierrasen mit Scharfem Mauerpfeffer (Sedum acre)
entwickelt. An einigen Stellen sind ca. 100 Quadratmeter große Zierbeete
u. a mit Schneeheide (Erica carnea), Türkenbund (Lilium martagon) oder
Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus) angelegt.
Vegetations- und
Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)
|
Laubbaumbestände
(Kronendach) |
45 |
Scherrasen |
5 |
|
Nadelbaumbestände
(Kronendach) |
12 |
Blumenrasen |
4 |
|
Deckung der Strauchschicht |
18 |
Intensiv gepflegte
Zierbeete |
0,3 |
|
Gras- und Krautfluren
nährstoffreicher Standorte |
5 |
Zierhecken |
0,1 |
|
Trittrasen und Trampelpfade |
2 |
Magerrasen, bodensauer
(geschützt durch Art. 13 d BayNatSchG) |
0,2 |
|
Moos- und
Flechtenbewuchs/Moosrasen |
2 |
Großröhricht (geschützt
durch Art. 13 d BayNatSchG) |
0,1 |
|
Artenreiches
Extensivgrünland/Magerwiese |
6 |
Stillgewässer |
3 |
|
Artenarme Fettwiese |
2 |
Sonstige Flächenanteile |
30 |
8.2 Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter
Arten: *= angepflanzt/ eingebracht): *Kornelkirsche (Cornus mas),
*Schachblume (Fritillaria meleagris), *Sanddorn (Hippophae rhamnoides),
*Tannenwedel (Hippuris vulgaris), *Stechpalme (Ilex aquifolium), *Sibirische
Schwertlilie (Iris sibirica), *Weiße Seerose (Nymphaea alba),
*Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua), *Pech-Nelke (Silene viscaria),
*Krebsschere (Stratiodes aloides), *Eibe (Taxus baccata), *Südlicher
Wasserschlauch (Utricularia cf. australis);
Baummarder (Martes martes);
Hermelin (Mustela erminea), Sperber (Accipiter nisus), Eisvogel (Alcedo
atthis, regelmäßiger Nahrungsgast), Mittelspecht (Dendrocopos medius;
unregelmäßiger), Kleinspecht (Dendrocopos minor), Wendehals (Jynx torquilla;
Brutvogel bis ca. 1990, Vorkommen erloschen), Neuntöter (Lanius collurio;
Brutvogel bis ca. 1990), Gänsesäger (Mergus merganser, Gastvogel im Herbst
und Winter), Grünspecht (Picus viridis), Laubfrosch (Hyla arborea),
Heide-Grashüpfer (Stenobothrus lineatus); Hornisse (Vespa crabro)
Gehölze: Spitz-Ahorn
(Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Grau-Erle (Alnus
incana), Hänge-Birke (Betula pendula), Moor-Birke (Betula pubescens),
Besenheide (Calluna vulgaris), Hainbuche (Carpinus betulus), Kornelkirsche
(Cornus mas), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguineus), Hasel (Corylus
avellana), Schneeheide (Erica carnea), Buche (Fagus sylvatica), Faulbaum
(Frangula alnus), Sanddorn (Hippophae rhamnoides), Stechpalme (Ilex
aquifolium), Europäische Lärche (Larix decidua), Liguster (Ligustrum
vulgare), Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), Fichte (Picea abies),
Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Trauben-Kirsche (Prunus padus), Schlehe
(Prunus spinosa), Stiel-Eiche (Quercus robur), Kratzbeere (Rubus caesius),
Brombeere (Rubus fruticosus agg.), Silber-Weide (Salix alba), Sal-Weide
(Salix caprea), Bruch-Weide (Salix fragilis), Korb-Weide (Salix viminalis),
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Eberesche (Sorbus aucuparia),
Weißblühende Spiräe (Spiraea alba), Eibe (Taxus baccata)
Gräser und Kräuter (*=
gezielt angepflanzt/ eingebracht): Rotes Straußgras (Agrostis
capillaris), Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris agg.),
Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), Bärlauch (Allium ursinum),
Gewöhnliches Ruchgras (Anthoxanthum odoratum), Kamtschatka-Beifuß (Artemisia
verlotiorum), *Wald-Geißbart (Aruncus dioicus), Heil-Ziest (Betonica
officinalis), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Land-Reitgras
(Calamagrostis epigejos), Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides),
Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), Nesselblättrige
Glockenblume (Campanula trachelium), Zwiebel-Zahnwurz (Cardamine bulbifera),
Wald-Schaumkraut (Cardamine flexuosa), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine
pratensis), Zittergras-Segge (Carex brizoides), Frühlings-Segge (Carex
caryophyllea), Bleiche Segge (Carex pallescens), *Hänge-Segge (Carex
pendula), Wald-Segge (Carex sylvatica), Gewöhnliche Wiesen-Flockenblume
(Centaurea vulgaris), Kleinköpfiger Pippau (Crepis capillaris),
Kreuz-Labkraut (Cruciata laevipes), Zimbelkraut (Cymbalaria muralis),
Dreizahn (Danthonia decumbens), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa),
Gewöhnlicher Wurmfarn (Dryopteris filix-mas), Zottiges Weidenröschen
(Epilobium hirsutum), *Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium),
*Purpur-Wasserdost (Eupatorium purpureum), Hain-Augentrost (Euphrasia
nemorosa), Großer Augentrost (Euphrasia rostkoviana), Mädesüß (Filipendula
ulmaria), Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Waldmeister (Galium odoratum),
Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum), Gundermann (Glechoma hederacea),
Gewöhnliches Habichtskraut (Hieracium lachenalii), Kleines Habichtskraut
(Hieracium pilosella), Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochoeris radicata),
Kleinblütiges Springkraut (Impatiens parviflora), Sumpf-Schwertlilie (Iris
pseudacorus), Platthalm-Binse (Juncus compressus), Flatter-Binse (Juncus
effusus), Weiße Taubnessel (Lamium album), Goldnessel (Lamium galeobdolon),
Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus), Rauer Löwenzahn (Leontodon
hispidus), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), *Türkenbund-Lilie
(Lilium martagon), Purgier-Lein (Linum catharticum), Großes Zweiblatt
(Listera ovata), Hornklee (Lotus corniculatus), Feld-Hainsimse (Luzula
campestris), Behaarte Hainsimse (Luzula pilosa), Ufer-Wolfstrapp (Lycopus
europaeus), Pfennigkraut (Lysimachia nummularia), *Goldfelberich (Lysimachia
punctata), Gewöhnlicher Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Nickendes
Perlgras (Melica nutans), Wasser-Minze (Mentha aquatica), Fieberklee
(Menyanthes trifoliata), Armenische Traubenhyazinthe (Muscari cf.
armeniacum), Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica), *Osterglocke
(Narcissus pseudonarcissus), Gewöhnlicher Sauerklee (Oxalis acetosella),
Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), Mittlerer Wegerich (Plantago media),
Blutwurz (Potentilla erecta), Hohe Schlüsselblume (Primula elatior), Kleine
Brunelle (Prunella vulgaris), Geflecktes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis
agg.), *Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris),
Goldschopf-Hahnenfuß (Ranunculus auricomus), Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus
bulbosus), Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), Zottiger Klappertopf
(Rhinanthus alectorolophus), Kleiner Klappertopf (Rhinanthus minor),
Sauer-Ampfer (Rumex acetosa), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis),
*Schatten-Steinbrech (Saxifraga umbrosa), Scharfer Mauerpfeffer (Sedum
acre), Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea), Gras-Sternmiere (Stellaria
graminea), Feld-Thymian (Thymus pulegioides), Mittlerer Klee (Trifolium
medium), Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia), Wald-Ehrenpreis
(Veronica officinalis), Hunds-Veilchen (Viola canina), Wohlriechendes
Veilchen (Viola odorata), Hain-Veilchen (Viola riviniana)
Problempflanzen = Invasive
Neophyten (0,5% Deckungsanteil): Schlanke Karde (Dipsacus strigosus),
*Rötliches Mädesüß (Filipendula cf. rubra), Herkulesstaude (Heracleum
mantegazzianum), Späte Trauben-Kirsche (Prunus serotinus), Kanadische
Goldrute (Solidago gigantea), *Telekie (Telekia speciosa)
Besondere
Pflanzengesellschaften:
-
Rotstraußgras-Rotschwingelwiese (Agrostis
tenuis - Festuca rubra-Ges. em. Oberd. 83)
-
Sand- und Felsgrusfluren (Sedo-Scleranthetalia
Br.-Bl. 55 )
-
Bodensaurer Magerrasen (Violion caninae
Schwick. 44, 13d)
-
Großröhricht (Phragmition W. Koch 26, nur
fragmentarisch)
Fauna (ohne gefährdete
Arten, s. o.): Fuchs (Vulpes vulpes), Steinmarder (Martes foina),
Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis), Mauswiesel (Mustela nivalis), Haselmaus
(Muscardinus avellanarius), Eichhörnchen (Sciurus vulgaris),
Sumpf-Rohrsänger (Acrocephalus palustris), Kanadagans (Branta canadensis),
Nonnengans (Branta leucopsis), Ringel-Taube (Columba palumbus), Kuckuck
(Cuculus canorus), Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca), Bläßhuhn (Fulica
atra), Teichhuhn (Gallinula chloropus); Garten-Rotschwanz (Phoenicurus
phoenicurus), Zilpzalp (Phylloscopus collybita), Dorngrasmücke (Sylvia
communis), Wacholder-Drossel (Turdus pilaris), Rotwangen-Schmuckschildkröte
(Chrysemis scripta elegans); Aurorafalter (Anthocharis cardamines),
Schornsteinfeger (Aphantapus hyperanthus), C-Falter (Polygonia c-album),
Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus), Gewöhnlicher Grashüpfer
(Chorthippus parallelus), Nachtigall-Grashüpfer (Chorthippus biguttulus),
Großes Heupferd (Tettigonia viridissima), Gewöhnliche Strauchschrecke
(Pholidoptera griseoaptera), Roesels Beißschrecke (Metrioptera roeselii),
Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella), Wollschweber (Bombylius sp.),
Wespenspinne (Argiope bruennichii)
Besondere Strukturen:
8.3 Nutzungen und Konflikte
|
Nutzung/Pflege/Zustand |
Konflikt |
Begründung |
|
Ausmähen vieler Krautsäume, zu häufige Mahd
schwach wüchsiger Moosrasen |
stark |
Für die Entwicklung blütenreicher Wiesen
sollte ein erster Mahdtermin frühestens Ende Juni gewählt werden. |
|
Humus- und Mulchauftrag innerhalb der
Gehölze und dadurch Umwandlung natürlich entstandener Schlagfluren zu
Schnittrasen |
stark |
Weitgehend unbeeinflusste Krautfluren werden
unnötig gestört, artenreiche Biotopstrukturen werden durch artenarme
ersetzt. |
|
Falllaub wird mit Laubblasegeräten entfernt |
mäßig |
Falllaub ist bevorzugter Überwinterungsort
zahlreicher Kleintiere, auch manche krautige Pflanzen können sich nur
unter Falllaub entwickeln. |
|
Fütterung von Wasservögeln im Weiher |
mäßig |
Eutrophierung des Gewässers |
|
Floren- bzw. faunenfremde Arten wurden in
den Bereich des Weihers eingebracht (z. B. Goldfische, nicht heimische
Weiden und Hochstauden) |
mäßig |
Der Weiher ist für Amphibien nicht als
Laichgewässer nutzbar; am Ufer können sich keine standorttypischen
Pflanzengesellschaften entwickeln. |
|
Zeitgleich Spätsommermahd aller Wiesen |
gering |
Das zeitgleiche Abmähen aller Wiesen ohne
Aussparen von Säumen bzw. Brachestreifen wirkt sich negativ auf
bestimmte Tierarten aus (z. B. Heuschrecken, Schmetterlinge, Amphibien).
Diese Arten sind auf das ständige Vorhandensein von Altgrasbeständen
angewiesen. |
|
Beweidung der Magerwiesen durch Gänse |
gering |
Negativ wirken sich Verkotung und starke
Tritteinwirkung aus. Andererseits entstehen relativ artenreiche
Kurzwiesen (Gänsewasen). |
|
Auspflanzen florenheimischer, seltener Arten
mit nicht autochthonem Material |
gering |
Sehr problematisch, da ohnehin kleine
Wildpopulationen durch das massenhafte Ausbringen nicht autochthonen
Materials erlöschen können. Es finden sich dann nur noch Zuchtformen. |
|
Friedhofsbetrieb und Naherholung |
konfliktfrei |
|
8.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge
-
Die Artenvielfalt der Magerwiesen kann am
besten durch einschürige Mahd gewährleistet werden. Dabei sollten die
einzelnen Wiesen nach Möglichkeit nicht komplett, sondern zeitlich
gestaffelt zwischen Ende Juli und Mitte September gemäht werden.
-
Die Krautsäume um die Gehölzbestände sollten,
wo ohne Störung für die Gräberfelder möglich, nur alle zwei Jahre einmal
im Herbst gemäht werden, da die meisten Stauden sonst nicht zur Blüte
gelangen können.
-
Im dauernden Baumschatten wachsende,
aufwuchsschwache Rasen sollten maximal zweimal jährlich gemäht werden, da
sonst eine starke Artenverarmung einsetzt.
-
Möglichst häufig sollte von gefällten Bäumen
ein Stamm mit einer Mindesthöhe von 3-5 m stehen bleiben. Totholzbäume
haben eine besonders hohe Bedeutung für höhlenbrütende Vögel, Fledermäuse,
Käfer, Pilze, Flechten und Moose
-
Auf den Einsatz von Laubgebläsen sollte aus
Gründen des Lärmschutzes und zur Schonung der Kleintierlebewelt verzichtet
werden. Das Falllaub sollte, wo möglich, in den Gehölzbeständen liegen
bleiben. Falllaub ist der bevorzugte Überwinterungsort zahlreicher
Kleintiere.
-
Am Friedhofsteich sollte neben dem Schild, das
die Fütterung der Wasservögel verbietet, auch eine Informationstafel über
Wasservögel und Uferpflanzen angebracht werden. In der Regel werden
Verordnungen dann häufiger befolgt.
-
Der giftige Riesen-Bärenklau sollte gezielt
bekämpft werden.
|