Münchener Biotope - Außen2: Waldfriedhof, neuer Teil

Stadtbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Gut
● Schutzstatus: Ausreichend

Lage: 
  zwischen Großhadern und Schloss Fürstenried: begrenzt durch Zöllerstraße, Tischlerstraße, Forst-Kasten-Allee
Schutzstatus nach Naturschutzrecht:
Landschaftsschutzgebiet (LSG)
Kartierter Münchner Stadtbiotop mit der Nr.
: 202
ABSP-Nr.
: 469 (enthält auch den alten Teil des Friedhofs)
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan:
Friedhof; z. T. mit Nutzungsbeschränkung zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft
Flächengröße:
62,1 ha

8.1 Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation: Der Waldfriedhof wurde in den Jahren 1905-1907 als größter und am weitesten vom Stadtzentrum entfernt liegender Friedhof gebaut. Er war aufgrund im Zuge der damals rasch wachsenden Einwohnerzahl Münchens notwendig geworden. Der Planer Hans Grässel beabsichtigte die „Waldnatur“ des damals 40-60 jährigen Fichtenbestands weitgehend zu erhalten, Gräber dem Baumbestand unterzuordnen und auf Grabeinfriedungen wegen der Bodenoberfläche zu verzichten. In der Nachkriegszeit dehnten sich neue Gräber zunehmend Richtung Südwesten aus, so dass um 1963 durch Verlegung des Außenzauns offiziell ein „Neuer Teil“ des Waldfriedhofs eingerichtet wurde mit einer eigenen, im Januar 1966 eingeweihten Aussegnungshalle südlich des Lorettoplatzes.



Frühling im Waldfriedhof: Die Hohe Schlüsselblume bildet einen dichten Blütenteppich

Der Mittelpunkt des Neuen Friedhofsteils wurde als Park gestaltet. Als prägende Elemente wirken ein ca. 6000 Quadratmeter großer Weiher und ein fast 800 Meter langer Wiesenstreifen. Auf der Südseite des Weihers wurden aus dem Bodenaushub flache Hügel bzw. Wälle modelliert. Das relativ aufwuchsschwache, artenreiche Grünland ist größtenteils als magere Rotstraußgras-Rotschwingelwiese (Agrostis capillaris - Festuca rubra - Ges.) einzustufen, es wird nur einmal jährlich im Spätsommer bis Herbst gemäht. Bereichsweise dominieren unterschiedliche Wiesenblumen, u. a. Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochoeris radicata) oder Kleiner Klappertopf (Rhinanthus minor).


Östlich der Aussegnungshalle befindet sich am Rand eines Eichenhains sogar noch ein außergewöhnliches Florenrelikt. Auf einer wenige hundert Quadratmeter großen Fläche wächst ein für die Hartwiesen im Süden Münchens charakteristischer bodensaurer Magerrasen. Dort finden sich als floristische Raritäten Restpopulationen des Gewöhnlichen Dreizahns (Danthonia decumbens), der Besenheide (Calluna vulgaris) und des Hunds-Veilchens (Viola canina).

Der ca. 1,2 m tiefe Weiher mit einer Bitumenabdichtung wurde Mitte der 1980er Jahre umgestaltet und mit teils nicht heimischen Arten aus dem Botanischen Garten bepflanzt (Bauer, mdl.). Man findet z. B. eine rot blühende Zierform der Seerose und an den Teichufern Bastard-Weidensträucher. Auf der Hälfte der Uferlänge wächst ein schmaler Röhrichtstreifen aus Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus) und Breitblättrigem Rohrkolben (Typha latifolia). In dem Röhricht kommen auch die Hochstauden Rötliches Mädesüß (Filipendula rubra) und Purpur-Wasserdost (Eupatorium purpureum) vor. Beides sind exotische Zierstauden. Die beiden Inseln im Friedhofsteich sind mit einem Silberweidenbestand bewachsen.

Der größte Flächenanteil des Friedhofs wird von einem Mischbaumbestand mit 20-25% Deckungsanteil der Fichte (Picea abies) und zahlreichen Laubbaumarten, vor allem Sand-Birken (Betula pendula), Ahorn (Acer platanoides et pseudoplatanus) und stellenweise Stiel-Eichen (Quercus robur) eingenommen. Im Westteil überwiegen Baumbestände mit aufgelichtetem Kronendach, welche auch die vorwiegend in kleinen Lichtungen angelegten Gräberfelder zum Teil überschirmen. Hier findet man nahezu in allen Sektionen buchtige Innensäume, die jedoch größtenteils ziemlich tiefreichend ausgemäht sind. Nicht von Grabstätten eingenommene, locker überschirmte Bereiche sind vorwiegend mit aufwuchsarmen Moosrasen bewachsen. Im Ostteil, im Anschluss an den Alten Teil des Friedhofs, ist der Kronenschluss des Mischwalds wesentlich dichter und die Gräber sind weitgehend überschirmt. Kleinflächig haben sich vor allem im Norden und Osten noch nahezu reine, hochwüchsige Fichten-Altersklassenbestände mit sehr spärlichem Unterwuchs u. a. mit Sauerklee (Oxalis acetosella) erhalten. An dessen Rändern haben sich Schlagfluren mit reichlich Himbeere und Kratzbeere entwickelt. Zwischen den Gräberfeldern ist eine Strauchschicht aus gepflanzten Sträuchern und einer Naturverjüngung der vorhandenen Baumarten vorhanden.

Die Sturmwürfe während der letzten 2 Jahrzehnte haben den Fichtenanteil des Gehölzbestandes stark reduziert. Die dort entstandenen, blütenreichen Schlagfluren wurden jedoch leider weitgehend in artenarme, pflegebedürftige Vielschnittrasen umgewandelt (insbesondere am Eingangsbereich Waldgartenstraße). Die Baumstümpfe bzw. Wurzelteller der umgefallenen Bäume wurden im Südwestteil des Friedhofs als Heckenwälle abgelagert und mit Humuserde von der benachbarten Kompostieranlage aufgefüllt bzw. überdeckt. Auf den 1-2 m hohen Wällen haben sich Nährstoff liebende Kraut- und Grasfluren mit Aufwuchs von Sukzessionsgehölzen, z. B. der Sal-Weide (Salix caprea) und des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra) entwickelt. Diese Strukturen sind Lebensraum zahlreicher Vogelarten, u. a. können Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris), Dorngrasmücke (Sylvia communis) und sogar Neuntöter (Lanius collurio; im Durchzug) beobachtet werden. Sogar Rehe kommen im Waldfriedhof vor (Fellner, pers. Mitt.)



Biotopweiher mit Fieberkleebestand. Der Fieberklee und andere Moor-
pflanzen wurden angepflanzt

In der Südwestecke des Friedhofs befinden sich in einer schwer zugänglichen Gebüschlichtung zwei mit Folien abgedichtete eng benachbarte Kleingewässer von je ca. 30 m2 Größe. Der nördliche lang gestreckte Tümpel ist fast vollständig mit einem Teppich aus Fieberklee (Menyanthes trifoliata) und Krebsschere (Stratiotes alioides) sowie einem kleinflächigen Schilfröhricht zugewachsen. Vom südlichen, runden Gewässer ist ca. die Hälfte mit Verlandungsvege-tation aus Fieberklee sowie Schmalblättrigem Wollgras (Eriophorum angustifolium) und Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua) bedeckt. In der offenen Wasserfläche findet sich ein ausgedehnter Bestand des Südlichen Wasser-schlauchs (Utricularia australis).

Die Kleingewässer sind Lebensraum des Laubfrosches (Hyla arborea; Bauer 2003 mdl.). Die für die Kleingewässer erwähnten Pflanzen-arten sind allesamt in Bayern gefährdet. Im Waldfriedhof handelt es sich wohl ausschließlich um angesalbte Vorkommen. Im Süden schließt an die große, zentrale Wiesenfläche ein 2 Hektar großer, rundum von einer weiß blühenden Spierstrauch-Hecke eingefasster, italienischer Soldatenfriedhof an. Die liegenden Grabtafeln sind in Blumenrasen eingebettet. Die umgebenden, einzeln stehenden alten Eichen sind Bruthabitate des Gartenrotschwanzes (Phoenicurus phoenicurus) und des Trauerschnäppers (Ficedula hypoleuca). Bis 1990 hat sogar der in Südbayern außerordentlich seltene Wendehals (Jynx torquilla) gebrütet (Bauer, k. mdl., 2003). Vor dem Kriegerdenkmal hat sich im Granitpflaster ein nährstoffarmer Pionierrasen mit Scharfem Mauerpfeffer (Sedum acre) entwickelt. An einigen Stellen sind ca. 100 Quadratmeter große Zierbeete u. a mit Schneeheide (Erica carnea), Türkenbund (Lilium martagon) oder Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus) angelegt.

Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)

Laubbaumbestände (Kronendach)

45

Scherrasen

5

Nadelbaumbestände (Kronendach)

12

Blumenrasen

4

Deckung der Strauchschicht

18

Intensiv gepflegte Zierbeete

0,3

Gras- und Krautfluren nährstoffreicher Standorte

5

Zierhecken

0,1

Trittrasen und Trampelpfade

2

Magerrasen, bodensauer (geschützt durch Art. 13 d BayNatSchG)

0,2

Moos- und Flechtenbewuchs/Moosrasen

2

Großröhricht (geschützt durch Art. 13 d BayNatSchG)

0,1

Artenreiches Extensivgrünland/Magerwiese

6

Stillgewässer

3

Artenarme Fettwiese

2

Sonstige Flächenanteile

30



8.2 Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten: *= angepflanzt/ eingebracht): *Kornelkirsche (Cornus mas), *Schachblume (Fritillaria meleagris), *Sanddorn (Hippophae rhamnoides), *Tannenwedel (Hippuris vulgaris), *Stechpalme (Ilex aquifolium), *Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica), *Weiße Seerose (Nymphaea alba), *Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua), *Pech-Nelke (Silene viscaria), *Krebsschere (Stratiodes aloides), *Eibe (Taxus baccata), *Südlicher Wasserschlauch (Utricularia cf. australis);

Baummarder (Martes martes); Hermelin (Mustela erminea), Sperber (Accipiter nisus), Eisvogel (Alcedo atthis, regelmäßiger Nahrungsgast), Mittelspecht (Dendrocopos medius; unregelmäßiger), Kleinspecht (Dendrocopos minor), Wendehals (Jynx torquilla; Brutvogel bis ca. 1990, Vorkommen erloschen), Neuntöter (Lanius collurio; Brutvogel bis ca. 1990), Gänsesäger (Mergus merganser, Gastvogel im Herbst und Winter), Grünspecht (Picus viridis), Laubfrosch (Hyla arborea), Heide-Grashüpfer (Stenobothrus lineatus); Hornisse (Vespa crabro)

Gehölze: Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Grau-Erle (Alnus incana), Hänge-Birke (Betula pendula), Moor-Birke (Betula pubescens), Besenheide (Calluna vulgaris), Hainbuche (Carpinus betulus), Kornelkirsche (Cornus mas), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguineus), Hasel (Corylus avellana), Schneeheide (Erica carnea), Buche (Fagus sylvatica), Faulbaum (Frangula alnus), Sanddorn (Hippophae rhamnoides), Stechpalme (Ilex aquifolium), Europäische Lärche (Larix decidua), Liguster (Ligustrum vulgare), Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), Fichte (Picea abies), Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Trauben-Kirsche (Prunus padus), Schlehe (Prunus spinosa), Stiel-Eiche (Quercus robur), Kratzbeere (Rubus caesius), Brombeere (Rubus fruticosus agg.), Silber-Weide (Salix alba), Sal-Weide (Salix caprea), Bruch-Weide (Salix fragilis), Korb-Weide (Salix viminalis), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Eberesche (Sorbus aucuparia), Weißblühende Spiräe (Spiraea alba), Eibe (Taxus baccata)

Gräser und Kräuter (*= gezielt angepflanzt/ eingebracht): Rotes Straußgras (Agrostis capillaris), Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris agg.), Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), Bärlauch (Allium ursinum), Gewöhnliches Ruchgras (Anthoxanthum odoratum), Kamtschatka-Beifuß (Artemisia verlotiorum), *Wald-Geißbart (Aruncus dioicus), Heil-Ziest (Betonica officinalis), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides), Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium), Zwiebel-Zahnwurz (Cardamine bulbifera), Wald-Schaumkraut (Cardamine flexuosa), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Zittergras-Segge (Carex brizoides), Frühlings-Segge (Carex caryophyllea), Bleiche Segge (Carex pallescens), *Hänge-Segge (Carex pendula), Wald-Segge (Carex sylvatica), Gewöhnliche Wiesen-Flockenblume (Centaurea vulgaris), Kleinköpfiger Pippau (Crepis capillaris), Kreuz-Labkraut (Cruciata laevipes), Zimbelkraut (Cymbalaria muralis), Dreizahn (Danthonia decumbens), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Gewöhnlicher Wurmfarn (Dryopteris filix-mas), Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum), *Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium), *Purpur-Wasserdost (Eupatorium purpureum), Hain-Augentrost (Euphrasia nemorosa), Großer Augentrost (Euphrasia rostkoviana), Mädesüß (Filipendula ulmaria), Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Waldmeister (Galium odoratum), Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum), Gundermann (Glechoma hederacea), Gewöhnliches Habichtskraut (Hieracium lachenalii), Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochoeris radicata), Kleinblütiges Springkraut (Impatiens parviflora), Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Platthalm-Binse (Juncus compressus), Flatter-Binse (Juncus effusus), Weiße Taubnessel (Lamium album), Goldnessel (Lamium galeobdolon), Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus), Rauer Löwenzahn (Leontodon hispidus), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), *Türkenbund-Lilie (Lilium martagon), Purgier-Lein (Linum catharticum), Großes Zweiblatt (Listera ovata), Hornklee (Lotus corniculatus), Feld-Hainsimse (Luzula campestris), Behaarte Hainsimse (Luzula pilosa), Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus), Pfennigkraut (Lysimachia nummularia), *Goldfelberich (Lysimachia punctata), Gewöhnlicher Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Nickendes Perlgras (Melica nutans), Wasser-Minze (Mentha aquatica), Fieberklee (Menyanthes trifoliata), Armenische Traubenhyazinthe (Muscari cf. armeniacum), Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica), *Osterglocke (Narcissus pseudonarcissus), Gewöhnlicher Sauerklee (Oxalis acetosella), Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), Mittlerer Wegerich (Plantago media), Blutwurz (Potentilla erecta), Hohe Schlüsselblume (Primula elatior), Kleine Brunelle (Prunella vulgaris), Geflecktes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis agg.), *Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), Goldschopf-Hahnenfuß (Ranunculus auricomus), Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus), Kleiner Klappertopf (Rhinanthus minor), Sauer-Ampfer (Rumex acetosa), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), *Schatten-Steinbrech (Saxifraga umbrosa), Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre), Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea), Gras-Sternmiere (Stellaria graminea), Feld-Thymian (Thymus pulegioides), Mittlerer Klee (Trifolium medium), Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia), Wald-Ehrenpreis (Veronica officinalis), Hunds-Veilchen (Viola canina), Wohlriechendes Veilchen (Viola odorata), Hain-Veilchen (Viola riviniana)

Problempflanzen = Invasive Neophyten (0,5% Deckungsanteil): Schlanke Karde (Dipsacus strigosus), *Rötliches Mädesüß (Filipendula cf. rubra), Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum), Späte Trauben-Kirsche (Prunus serotinus), Kanadische Goldrute (Solidago gigantea), *Telekie (Telekia speciosa)

Besondere Pflanzengesellschaften:

  • Rotstraußgras-Rotschwingelwiese (Agrostis tenuis - Festuca rubra-Ges. em. Oberd. 83)

  • Sand- und Felsgrusfluren (Sedo-Scleranthetalia Br.-Bl. 55 )

  • Bodensaurer Magerrasen (Violion caninae Schwick. 44, 13d)

  • Großröhricht (Phragmition W. Koch 26, nur fragmentarisch)

Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.):  Fuchs (Vulpes vulpes), Steinmarder (Martes foina), Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis), Mauswiesel (Mustela nivalis), Haselmaus (Muscardinus avellanarius), Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), Sumpf-Rohrsänger (Acrocephalus palustris), Kanadagans (Branta canadensis), Nonnengans (Branta leucopsis), Ringel-Taube (Columba palumbus), Kuckuck (Cuculus canorus), Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca), Bläßhuhn (Fulica atra), Teichhuhn (Gallinula chloropus); Garten-Rotschwanz (Phoenicurus phoenicurus), Zilpzalp (Phylloscopus collybita), Dorngrasmücke (Sylvia communis), Wacholder-Drossel (Turdus pilaris), Rotwangen-Schmuckschildkröte (Chrysemis scripta elegans); Aurorafalter (Anthocharis cardamines), Schornsteinfeger (Aphantapus hyperanthus), C-Falter (Polygonia c-album), Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus), Gewöhnlicher Grashüpfer (Chorthippus parallelus), Nachtigall-Grashüpfer (Chorthippus biguttulus), Großes Heupferd (Tettigonia viridissima), Gewöhnliche Strauchschrecke (Pholidoptera griseoaptera), Roesels Beißschrecke (Metrioptera roeselii), Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella), Wollschweber (Bombylius sp.), Wespenspinne (Argiope bruennichii)

Besondere Strukturen:

  • Mauer-, Pflasterfugenvegetation

  • dichtes Gebüsch

  • von Wasservögeln abgeweidete Wiesen

  • hohes Blütenangebot


8.3 Nutzungen und Konflikte

Nutzung/Pflege/Zustand

Konflikt

Begründung

Ausmähen vieler Krautsäume, zu häufige Mahd schwach wüchsiger Moosrasen

stark

Für die Entwicklung blütenreicher Wiesen sollte ein erster Mahdtermin frühestens Ende Juni gewählt werden.

Humus- und Mulchauftrag innerhalb der Gehölze und dadurch Umwandlung natürlich entstandener Schlagfluren zu Schnittrasen

stark

Weitgehend unbeeinflusste Krautfluren werden unnötig gestört, artenreiche Biotopstrukturen werden durch artenarme ersetzt.

Falllaub wird mit Laubblasegeräten entfernt

mäßig

Falllaub ist bevorzugter Überwinterungsort zahlreicher Kleintiere, auch manche krautige Pflanzen können sich nur unter Falllaub entwickeln.

Fütterung von Wasservögeln im Weiher

mäßig

Eutrophierung des Gewässers

Floren- bzw. faunenfremde Arten wurden in den Bereich des Weihers eingebracht (z. B. Goldfische, nicht heimische Weiden und Hochstauden)

mäßig

Der Weiher ist für Amphibien nicht als Laichgewässer nutzbar; am Ufer können sich keine standorttypischen Pflanzengesellschaften entwickeln.

Zeitgleich Spätsommermahd aller Wiesen

gering

Das zeitgleiche Abmähen aller Wiesen ohne Aussparen von Säumen bzw. Brachestreifen wirkt sich negativ auf bestimmte Tierarten aus (z. B. Heuschrecken, Schmetterlinge, Amphibien). Diese Arten sind auf das ständige Vorhandensein von Altgrasbeständen angewiesen.

Beweidung der Magerwiesen durch Gänse

gering

Negativ wirken sich Verkotung und starke Tritteinwirkung aus. Andererseits entstehen relativ artenreiche Kurzwiesen (Gänsewasen).

Auspflanzen florenheimischer, seltener Arten mit nicht autochthonem Material

gering

Sehr problematisch, da ohnehin kleine Wildpopulationen durch das massenhafte Ausbringen nicht autochthonen Materials erlöschen können. Es finden sich dann nur noch Zuchtformen.

Friedhofsbetrieb und Naherholung

konfliktfrei

 



8.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge

  • Die Artenvielfalt der Magerwiesen kann am besten durch einschürige Mahd gewährleistet werden. Dabei sollten die einzelnen Wiesen nach Möglichkeit nicht komplett, sondern zeitlich gestaffelt zwischen Ende Juli und Mitte September gemäht werden.

  • Die Krautsäume um die Gehölzbestände sollten, wo ohne Störung für die Gräberfelder möglich, nur alle zwei Jahre einmal im Herbst gemäht werden, da die meisten Stauden sonst nicht zur Blüte gelangen können.

  • Im dauernden Baumschatten wachsende, aufwuchsschwache Rasen sollten maximal zweimal jährlich gemäht werden, da sonst eine starke Artenverarmung einsetzt.

  • Möglichst häufig sollte von gefällten Bäumen ein Stamm mit einer Mindesthöhe von 3-5 m stehen bleiben. Totholzbäume haben eine besonders hohe Bedeutung für höhlenbrütende Vögel, Fledermäuse, Käfer, Pilze, Flechten und Moose

  • Auf den Einsatz von Laubgebläsen sollte aus Gründen des Lärmschutzes und zur Schonung der Kleintierlebewelt verzichtet werden. Das Falllaub sollte, wo möglich, in den Gehölzbeständen liegen bleiben. Falllaub ist der bevorzugte Überwinterungsort zahlreicher Kleintiere.

  • Am Friedhofsteich sollte neben dem Schild, das die Fütterung der Wasservögel verbietet, auch eine Informationstafel über Wasservögel und Uferpflanzen angebracht werden. In der Regel werden Verordnungen dann häufiger befolgt.

  • Der giftige Riesen-Bärenklau sollte gezielt bekämpft werden.

siehe auch Waldfriedhof