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Stadtbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: gut
● Schutzstatus: ausreichend
Lage: Pasing,
südlich der Engelbertstr. bis Stadtgrenze, zwischen Am Stadtpark und
Planegger Straße
Schutzstatus nach Naturschutzrecht:
Landschaftsschutzgebiet
(LSG); 1 Baum Naturdenkmal (ND)
Münchner Stadtbiotop-Nr.:
142 ABSP-Nr.: 134
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan:
Allgemeine Grünfläche
(RegionalerGrünzug)
Flächengröße:
19,8 ha
2.1 Geschichte,
Geländebeschreibung
Vegetation:
Der Nordteil der lang gestreckten Grünanlage im Würmtal war
früher ein Bestandteil der „Gatterburg-Anlagen“, die sich um das Schloss des
Reichsgrafen Franz von Gatterburg erstreckten. Die Flächen gingen 1931 in
den Besitz der Stadtgemeinde Pasing über und wurden 1953 zum Park
umgestaltet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das auch heute noch
umzäunte Schloss Gatterburg befindet sich oberhalb der Talflanke
nordwestlich des Stadtparks an der Planegger Straße. Der an der südlichen
Parkgrenze an einem Wehr von der Würm abgeleitete Werkkanal wurde bereits
1844 angelegt, um die ehemalige Becksche Papierfabrik südwestlich der
Karl-Hromadnik-Straße mit Energie und Wasser zu versorgen. Die
Industriegebäude wurden 1995 abgebrochen (Ongyerth 1995).
Würm und Würm-Werkkanal: Der
Stadtpark wird vom Flussbett der Würm auf der Westseite und dem geradlinigen
Würm-Werkkanal auf der Ostseite eingefasst. Die Würm führt im Südteil des
Parks nur sehr wenig Wasser, die größere Wassermenge wird schon in Lochham
in den Werkkanal ausgeleitet und der Würm erst in der Mitte und im Norden
des Parks wieder zugeführt. Das Restwasser der Würm im ursprünglichen
Flussbett wird ein kurzes Stück hinter einem Wehr zu einem 150 Meter langen,
in der Mitte bis zu 1,3 Meter tiefen Teich aufgestaut. Dieser Würmstau ist
ökologisch problematisch, da er zur Entschlammung im Frühjahr abgelassen
werden muss und die Durchgängigkeit des Flusses darunter erheblich leidet.
Nach dem Staubereich ist das
zwischen 4 und 8 Meter breite, westliche Flussufer größtenteils verbaut. Vor
allem Gartengrundstücke sind oft nur durch eine Steinschüttung oder eine
Betonmauer vom Flussbett getrennt. Das ostseitige Ufer ist nur
abschnittsweise, meist mit Nagelfluh-Steinblöcken verbaut und zu großen
Teilen von einem Weg gesäumt. Über einen im Bereich der Dachstraße
zufließenden geraden Stichkanal mit mehreren Kaskaden wird die Wasserführung
der Würm nordwärts wieder deutlich erhöht. Früher wurde dieser Stichkanal im
Winter als Eisablass verwendet.
Besonders hervorzuheben ist
ein gut 50 Meter langer naturnah erscheinender Abschnitt der Würm mit einer
Insel in Höhe des Hugo-Fey-Wegs. Dort erzeugen einige dauerhaft im Wasser
stehende Hainbuchen den Eindruck eines urwüchsigen Bruchwaldes. Der
Würmkanal fließt dagegen in einem einheitlich ausgeformten ca. sechs Meter
breiten Bett mit sehr steilen Ufern.

Würm in Höhe Hugo-Fey-Weg: im Wasser stehende Hainbuchen erzeu-
gen den Eindruck eines
urtümlichen Bruchwaldes |
Nördlich der ehemaligen
Papierfabrik ist der Werkkanal etwa vier Meter tief ins Gelände
eingeschnitten. Am nördlichen Ende des Stadtparks, wo beide Fließgewässer
wieder das gleiche Niveau erreicht haben, fließen sie wieder zusammen. Die
Uferstreifen waren innerhalb des Parks durchgehend von dichtem Gehölzbestand
gesäumt. In den letzten Jahren sind durch die Fällung von etwa einem Fünftel
des Baumbestands aber merkbare Lücken entstanden. |
Wiesenflächen und Gehölze im
Park:
Das Parkgelände ist stark reliefiert, besonders im schmalen Mittelteil und
auf den von Scherrasen dominierten Flächen östlich des Würmkanals. Dort sind
durch Aufschüttungen mit dem Aushub des Kanalbetts ein bis drei Meter hohe
Böschungen unterschiedlicher Neigung entstanden. Die Böschungen sind mit
einem lichten Laubwald bewachsen. Dominierende Baumarten sind Hainbuchen
(Carpinus betulus) und Eschen (Fraxinus excelsior), die Strauchschicht ist
gut ausgebildet und artenreich. Vor allem im Südteil finden sich auch einige
hohe Fichten (Picea abies). Die Krautschicht enthält großflächig
Frühjahrsgeophyten, die in vielerlei Farben blühen. Mit besonders hoher
Deckung kommen Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), Hohler Lerchensporn
(Corydalis cava) und Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides) vor.
Kleinräumig findet man auch in München seltene Arten wie Moschuskraut (Adoxa
moschatellina), Einbeere (Paris quadrifolia) und das Anfang Juni blühende
Weiße Waldvögelein (Cephalanthera damasonium). An mehreren Stellen sind an
den buchtigen Rändern der Gehölzbestände Strauchmäntel aus Schlehen (Prunus
spinosa) und Weißdorn (Crataegus monogyna) ausgebildet. Waldsäume fehlen
jedoch wegen der zu umfangreichen Mahd bis weit unter die Traufzonen.
Die Grünlandflächen im
Nordteil werden fast vollständig als Vielschnittrasen gepflegt und teilweise
als Liegeflächen genutzt. Im Südteil wird eine ausgedehnte, ebene Lichtung
von einer arten- und blütenreichen, mageren Auenwiese eingenommen, die in
der Studie „München blüht„ (LBV, 2002) als eine der naturschutzfachlich
hochwertigsten Wiesen in München bewertet wurde. Am Nordrand der Wiese
befindet sich ein kleiner, rechteckiger Teich, der auf der Süd- und Ostseite
von einer ca. 3 m breiten Sumpfzone umgeben ist. Er wird offenbar durch
Qualmwasser aus dem Kanalablauf auf der Nordostseite gespeist und hat auf
der Südwestseite einen Abfluss zur Würm. Das Teichufer ist weitgehend
unverbaut.
Vegetations- und
Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)
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Laubbaumbestände (Kronendach) 60 |
Blumenrasen
2 |
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Nadelbaumbestände
2 |
Artenreiches Extensivgrünland/Magerwiese 12 |
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Deckung der Strauchschicht
20 |
Artenarme Fettwiese 1 |
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Gras-
und Krautfluren nährstoffreicher Standorte 3 |
Stillgewässer 0,5 |
|
Trittrasen und Trampelpfade 1 |
Still/Fließgewässer
5 |
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Scherrasen
15 |
Sonstige
Flächenanteile 7 |
2.2 Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter
Arten (*=
gepflanzt): *Kornelkirsche (Cornus mas), *Kleines Schneeglöckchen (Galanthus
nivalis), *Märzenbecher (Leucojum vernum), Eibe (Taxus baccata), Nerfling
(Leucisus idus), Barbe (Barbus barbus), Dreistachliger Stichling
(Gasterosteus aculeatus), Elritze (Phoxinus phoxinus), Koppe (Cottus gobio),
Schneider (Alburnoides bipunctatus), Zährte (Vimba vimba) [Fisch-Nachweise
von 1984 aus ABSP, 2005]
Großer Abendsegler (Apus
apus), Wasseramsel (Cinclus cinclus), Sperber (Accipiter nisus), Wasseramsel
(Cinclus cinclus), Brutverdacht Pirol (Oriolus oriolus); Aurorafalter
(Anthocharis cardamines), Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae) [Angaben
aus ABSP, 2005)
Gehölze:
Feld-Ahorn (Acer
campestre), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Ross-Kastanie (Aesculus
hippocastanum), Hänge-Birke (Betula pendula), Hainbuche (Carpinus betulus),
Kornelkirsche (Cornus mas), Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna),
Esche (Fraxinus excelsior), Efeu (Hedera helix), Rote Heckenkirsche
(Lonicera xylosteum), Fichte (Picea abies), Pappel (Populus sp.),
Vogel-Kirsche (Prunus avium), Trauben-Kirsche (Prunus padus), Schlehe
(Prunus spinosa), Stiel-Eiche (Quercus robur), Himbeere (Rubus idaeus),
Trauer-Weide (Salix
alba „Tristis„),
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Sommer-Linde (Tilia platyphyllos),
Laubholz-Mistel (Viscum album), Kleines Immergrün (Vinca minor)
Gräser und Kräuter:
(*=sicher
angesalbt): Moschuskraut (Adoxa moschatellina), Kriechender Günsel (Ajuga
reptans), Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris agg.), Ross-Lauch
(Allium oleraceum), Bärlauch (Allium ursinum), Busch-Windröschen (Anemone
nemorosa), Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides), Gewöhnliches Ruchgras
(Anthoxanthum odoratum), Wiesen- Kerbel (Anthriscus sylvestris), Stinkender
Hainsalat (Aposeris foetida), Akelei (Aquilegia sp.), Haselwurz (Asarum
europaeum), Zittergras (Briza media), *Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris),
Frühlings-Segge (Carex caryophyllea), Wald-Segge (Carex sylvatica),
Wiesen-Kümmel (Carum carvi), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Weißes
Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), Herbst-Zeitlose (Colchicum
autumnale), Acker-Winde (Convolvulus arvensis), *Frühlings-Krokus (Crocus
sp.), *Winterling (Eranthis hyemalis), Riesen-Schwingel (Festuca gigantea),
Wald-Gelbstern (Gagea lutea), *Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis),
Flaumhafer (Helictotrichon pubescens), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum
perforatum), Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochoeris radicata), Weiße
Taubnessel (Lamium album), Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis), Rauer
Löwenzahn (Leontodon hispidus), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare),
*Märzenbecher (Leucojum vernum), Großes Zweiblatt (Listera ovata), Hornklee
(Lotus corniculatus), *Armenische Traubenhyazinthe (Muscari armeniacum),
*Narzisse (Narcissus sp.), Europäischer Sauerklee (Oxalis acetosella),
Einbeere (Paris quadrifolia), Rote Pestwurz (Petasites hybrida), Ährige
Teufelskralle (Phyteuma spicatum), Große Bibernelle (Pimpinella major),
Mittlerer Wegerich (Plantago media), Vielblütige Weißwurz (Polygonatum
multiflorum), Erdbeer-Fingerkraut (Potentilla sterilis), Gold- Hahnenfuß
(Ranunculus auricomus agg.), Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus),
Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), Kleiner Klappertopf (Rhinanthus
minor), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), *Sibirischer Blaustern (Scilla
siberica), Knoten-Beinwell (Symphytum tuberosum), Schwarze Königskerze
(Verbascum nigrum), Wohlriechendes Veilchen (Viola odorata), Hain-Veilchen
(Viola riviniana)
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Blühende Frühlingsboten im
Pasinger Stadtpark: Gelbes und weißes Buschwindröschen, weiß und purpur
blühend
– der Hohle Lerchensporn. |
Problempflanzen =
Invasive Neophyten
(0,1% Deckungsanteil):
Schneebeere (Symphoricarpus rivularis)
Fauna (ohne gefährdete
Arten, s. o.):
Eichhörnchen (Sciurus
vulgaris), Maulwurf (Talpa europaea); 36 Brutvogelarten, darunter:
Waldlaubsänger (Phylloscopus sibilatrix), Trauerschnäpper (Ficedula
hypoleuca), Grauschnäpper (Muscicapa striata), Gebirgsstelze (Motacilla
cinerea), Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) (avifaunistische
Angaben aus: LBV, 2000)
Besondere
Pflanzengesellschaften:
·
Knoblauchsraukensäume (Alliarion Oberd. 62 em. Siss. 73 )
·
Knollenhahnenfuß-Halbfettwiese (Ranunculus bulbosi - Arrhenatheretum
ELLMAUER 93)
Besondere Strukturen:
· markantes
Oberflächenrelief
· hohes
Blütenangebot
· Baumhöhlen
·
Totholz/Totholzlagerhaufen,
· dickstämmige
Bäume (mindestens 75 cm Brusthöhen-Stammdurchmesser);
· wechselnde
Bettbreite bzw. Strömung
· Kolke
· Stromschnellen
2.3 Nutzungen und Konflikte
|
Nutzung/Pflege/Zustand |
Konflikt |
Begründung |
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Zu häufige und
flächenhafte Mahd, z. T. bis unter die Gehölzbestände, vor allem im
Nordteil |
stark
|
Fehlen typischer
Krautsäume an den Gehölzrändern; Verschwinden von typischen
Pflanzenarten der Waldsäume, auch innerhalb der Gehölzbestände |
|
Ablagerungen von
Grasschnitt im Wuchsbereich des Weißen Waldvögeleins |
stark
|
Eutrophierung des
Standorts; starke Bedrohung des Fortbestands der geschützten
Orchideenart |
|
Ausleitung von
Würmwasser in den Werkkanal; im Südteil nur sehr geringe Restwassermenge
im Würmbett |
mäßig bis stark |
stark verminderte
Fließgeschwindigkeit und stark reduzierter Wasserkörper, dadurch
Herabsetzung der Flussdynamik |
|
Hundesuhlen, vor allem
im südlichen Stauteich |
mäßig
|
Beeinträchtigung der
Wasserqualität der Würm, durch Aufwirbelung von Schwebstoffen; Störung
der Lebensgemeinschaften im Fließgewässer |
|
Ausführen von Hunden
vorwiegend unangeleint, auch in störempfindlichen Bereichen |
mäßig
|
Schädigung
trittempfindlicher Waldbodenvegetation; Verunreinigung von Liegerasen |
|
Abholzen
dickstämmiger Altbäume |
mäßig
|
Im Mittelteil bereits
ausgedehnte Auflichtungen im Auwaldstreifen; Verlust an stehendem
Totholz für Totholz bewohnende Insektenarten; Veränderung des
Bestandesklimas |
|
Liegen/ Sonnenbaden
vorwiegend auf den Scherrasen, vereinzelt auch auf der artenreichen
Magerwiese |
gering
|
Wenige Störstellen am
Rand der Magerwiese |
|
Rodeln am Abhang
nördlich des Hugo-Fey-Wegs im Winter |
gering
|
Bei geringer Schneelage
Bodenverdichtung und Schädigung der Vegetationsdecke mit Erosionsfolge
möglich |
|
Ablassen des südlichen
Stauteichs und Schlammräumung im Winterhalbjahr |
gering
|
Staugewässer hat keine
erkennbare ökologische Bedeutung |
2.4 Pflege- und
Maßnahmevorschläge
-
Jährlich einmalige
Spätsommermahd der Magerwiese (im Südosten)
-
Dreimalige jährliche Mahd
der ruderalisierten Fettwiese im Südteil
-
Entwicklung 2-3 m breiter
Krautsäume an den Gehölzrändern und um die solitären Altbäume im Nordosten
-
Schutz der relativ
nährstoffarmen Gehölzränder vor Nährstoffzufuhr (Verzicht auf
Rasendüngung, Gehölzschnittlagerung u. ä.)
-
Entfernung des
abgelagerten Grasschnitts an den Wuchsorten des Weißen Waldvögeleins
-
Entwicklung einer weiteren
Magerwiese nördlich des Hugo-Fey-Wegs. Die Scherrasen dort werden kaum für
Freizeitnutzung in Anspruch genommen.
-
Von gefällten,
dickstämmigen Bäumen sollte möglichst oft ein Stamm von 3-5 m Höhe stehen
bleiben. Totholzbäume haben eine besonders hohe Bedeutung für
höhlenbrütende Vögel, Fledermäuse, Käfer, Pilze, Flechten und Moose. Auch
abgeschnittenes oder gefälltes Totholz sollte nicht vollständig
abtransportiert werden.
-
Die Wasserführung der Würm
sollte auch im Südteil durch Wasserzuführung aus dem Kanal erhöht werden,
zumal der Kanal nach Abbruch der Papierfabrik keine gewerbliche Bedeutung
mehr hat.
-
Verzicht auf die
Erneuerung ausgebrochener Uferbefestigungen an der Würm, stattdessen
abschnittsweise naturnähere Umgestaltung des Flussbettes.
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