Münchner Biotope - Außen2: Grünanlage Neuhofen

Stadtteilbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: schlecht
● Schutzstatus: ausreichend

Lage: Neuhofen: Johannes-Alois-Lippl-Weg
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: Kein Schutzgebiet
Münchner Stadtbiotop-Nr.: 287, ABSP-Nr.: 457
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Allgemeine Grünfläche
Flächengröße: 13,8 ha

3. 1 Geschichte, Geländebeschreibung
Vegetation: In Neuhofen wurde kurz nach dem zweiten Weltkrieg ein Trümmerschuttberg („Neuhofer Schuttkippe“) aufgeschichtet, der um 1950 als einfache Grünanlage gestaltet wurde.Der um 50-100 m nach Osten vorgeschobene Hang von 10-15 Meter Höhe wurde morphologisch stark verändert, indem er oberflächlich neu modelliert und nach Süden zu erheblich abgeflacht wurde. Am nordöstlichen Rand wurde ein 5 m das ursprüngliche Geländeniveau überragender Hügel aufgeschüttet, auf dessen Gipfel ein kleiner runder Tempel für die Kriegsopfer errichtet wurde. Im Bereich der Aufschüttung sind von der ehemals wohl reichhaltigen, für die Isar-Hangleiten charakteristischen Pflanzenwelt keine Relikte mehr vorhanden. Nur im Südwesten, südlich der Abzweigung des Alois-Johannes-Lippl-Weges von der Plinganser Straße, ist auf ca. 200 Metern Länge das morphologisch kaum veränderte Steilufer mit einem gestuften Edellaubholzwald mit hohem Linden- und Ahornanteil bewachsen. In einer mäßig dichten Strauchschicht findet man reichlichen Jungwuchs von Laubbäumen, darunter eine gut ausgebildete, vorwiegend eutraphente Krautschicht, die von Giersch (Aegopodium podagraria) und Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) dominiert wird. Ganz im Süden nahe dem Greinerberg blieb ein Relikt eines Buchen-Hangleitenwaldes mit Bäumen von 50-60 cm Stammdurchmesser erhalten. Dieser ohnehin kleine, naturnahe Bereich wird leider von zwei diagonal verlaufenden Asphaltwegen zerschnitten. Am Hangfuß im Südteil haben sich im Traufbereich des Waldrands schmale Nitrophytensäume mit dominierender Brennnessel entwickelt.


Arten- und blütenreiches Gehölz im Ostteil der Grünanlage – der Kraut-
saum ist aber zu schmal. Es wurde
bis unmittelbar an den Gehölzrand gemäht

Der inzwischen weitgehend geschlossene Gehölzstreifen am Westrand des Parks neben der Plinganser Straße ist relativ strukturreich. Einzelne Abschnitte sind dicht bepflanzt, in anderen findet sich unter dem lichten Kronendach zwischen wenigen Sträuchern ein artenreicher Blumenrasen. Er enthält u. a. das Wald-Habichtskraut (Hieracium murorum) und die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia). Ostwärts schließen an den Saum einige dichte, kleinflächige Feldgehölze mit Flügelnüssen (Pterocarya fraxinifolia) sowie Baumgruppen aus vorwiegend Eichen und Robinien an. Sie sind jeweils von schmalen Krautsäumen umgeben. Im Mittelteil ist neben einem Spielplatz am Alois-Johannes-Lippl-Weg eine etwa 150 Meter lange Lindenallee angelegt.



Typische Ansicht der Grünanlage in
Neuhofen: Einheitliche, häufig gemähte
Kurzrasen weisen nur eine geringe
Artenzahl auf


Die einheitlichen Kurzrasen und monotonen, dichten Gehölzpflanzungen machen den Park trotz der Reliefierung für den Besucher relativ langweilig und naturkundlich uninteressant. Noch Mitte der 1970er Jahre war der Hang nach Norden und Nordosten nahezu gehölzfrei und mit Grünland bewachsen, von der Hangkante hatte man eine wunderbare Aussicht auf die Innenstadt und die südlich angrenzenden Stadtteile (dazu sind Winterfotos von 1976 vorhanden!). Heute beschränkt sich die Aussichtsmöglichkeit auf eine ca. 25 m breite, vom Rundtempel nach Nordosten orientierte Schneise, welche von stark trittbelastetem Grünland mit dem Charakter einer Fettweide eingenommen wird.

Der restliche Hang wurde von der Brudermühlstraße südwärts bis auf Höhe der Zechstraße offenbar um 1980 aufgeforstet. Er ist heute mit einem 10-15 Meter hohen, dichten Laubmischwald bewachsen, der die Morphologie mit Hangrippen, die Aussicht und auch den Rundtempel nahezu vollständig verdeckt. Dem Westrand wurden stellenweise Ziersträucher wie Kolkwitzien vorgepflanzt bzw. kleine Zierbeete vorgelagert. Südlich der Hangbepflanzung verläuft auf einer starkabgeflachten, bis zum östlichen Parkrandvorspringenden Hangrippe in Form einesSchwemmfächers ein Weg. An dessen Rändern zeugen 2 m breite Streifen nährstoffreicher Ruderalfluren mit Großer Klette (Arctium lappa) und Beifuß (Artemisia vulgaris) von der Entstehung des Untergrunds aus Trümmerschutt. Sonst findet man in der gesamten Parkanlage so gut wie keine Krautsäume, weil sie sehr intensiv ausgemäht wird.

Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)

Laubbaumbestände (Kronendach)    45 Artenarme Fettwiese            2
Mischbaumbestände                        1 Scherrasen                        45
Deckung der Strauchschicht             8 Intensiv gepflegte Zierbeete 0,5
Gras- und Krautfluren nährstoffreicher Standorte                                        5 Blumenrasen                        3
Trittrasen und Trampelpfade              1 Sonstige Flächenanteile        4

3.2 Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten (*= gepflanzt): *Weiß-Tanne (Abies alba), *Eibe (Taxus baccata), Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus)

Gehölze: Weiß-Tanne (Abies alba), Feld-Ahorn (Acer campestre), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Hainbuche (Carpinus betulus), Weißer Hartriegel (Cornus alba), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguineus), Hasel (Corylus avellana), Gewöhnliches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Buche (Fagus sylvatica), Forsythie (Forsythia x intermedia), Esche (Fraxinus excelsior), Walnuss (Juglans regia), Kolkwitzie (Kolkwitzia amabilis), Fichte (Picea abies), Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Pappel (Populus sp.), Vogel-Kirsche (Prunus avium), Steinweichsel (Prunus mahaleb), Schlehe (Prunus spinosa), Kaukasische Flügelnuss (Pterocarya fraxinifolia), Stiel-Eiche (Quercus robur), Rot-Eiche (Quercus rubra), Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum), Brombeere (Rubus fruticosus agg.), Himbeere (Rubus idaeus), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Winter-Linde (Tilia cordata), Sommer-Linde (Tilia platyphyllos)

Gräser und Kräuter: Kriechender Günsel (Ajuga reptans), Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), Bärlauch (Allium ursinum), Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris), Große Klette (Arctium lappa), Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia vulgaris), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides), Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Wald-Segge (Carex sylvatica), Schöllkraut (Chelidonium majus), Hohler Lerchensporn (Corydalis cava), Wilde Karde (Dipsacus fullonum), Steife Wolfsmilch (Euphorbia stricta), Wiesen-Labkraut (Galium album agg.), Pyrenäen-Storchschnabel (Geranium pyrenaicum), Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium), Wald-Habichtskraut (Hieracium murorum), Weiße Taubnessel (Lamium album), Goldnessel (Lamium galeobdolon), Hain-Rispengras (Poa nemoralis), Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), Gewöhnliche Wegrauke (Sisymbrium officinale), Gewöhnlicher Beinwell (Symphytum officinale), Hain-Veilchen (Viola riviniana)

Problempflanzen = Invasive Neophyten (0,5% Deckungsanteil): Schlanke Karde (Dipsacus strigosus), Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum), Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera), Robinie (Robinia pseudoacacia), Schneebeere (Symphoricarpus rivularis)

Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.): 29 Brutvogelarten darunter: Waldkauz (Strix aluco), Dompfaff (Pyrrhula pyrrhula), Star (Sturnus vulgaris), Zilpzalp (Phylloscopus collybita) (avifaunistische Angaben aus: LBV, 2000 und Erhebungen Reimann, 2004); Nachtigall-Grashüpfer (Chorthippus biguttulus), Gemeiner Grashüpfer (Chorthippus parallelus)

Besondere Pflanzengesellschaften:
Kletten-Beifußgestrüpp (Arctio-Artemisietum vulgaris Oberd. ex Seyb. Et Müll. 72)

Besondere Strukturen:
markantes Oberflächenrelief

3.3 Nutzungen und Konflikte

Nutzung/Pflege/Zustand Konflikt Begründung
Fast flächendeckende, häufige Mahd, teils auch unter Gehölzbeständen stark Fehlen fast jeglicher Saumstrukturen, extreme Blütenarmut im Frühsommer; Artenarmut

Diagonal verlaufende Hangwege, auch im Südteil, wo die ursprüngliche Hangkante erhalten ist

stark

Zerschneidung des letzten Restes eines naturnahen Hangwalds in Neuhofen bzw. Mittersendling

Ausführen von Hunden vor allem um den nördlichen Hügel in ungewöhnlichem Umfang

mäßig Ausscheiden anderer Nutzungsformen wie Liegerasen oder Spielrasen; Belästigung von Passanten

Nährstoffreicher Untergrund, unzureichende Stoffabfuhr

mäßig

Nitrophile Vegetationsbestände gelangen zur Dominanz, geringe Artenvielfalt infolge flächenhafter Eutrophierung;

Rodeln im Winter, auf den wenigen nicht gehölzbestandenen Hangbereichen

gering

Bei geringer Schneelage ist eine Schädigung der Vegetationsdecke möglich. Wegen der geringen ökologischen Wertigkeit der Fläche ist das aber unbedenklich.

3.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge

  • Auf etwa 20 Meter breiten Streifen entlang der Hangkanten im Südteil und am westlichen Rand der Grünanlage sollte die Mahdhäufigkeit deutlich reduziert werden, damit sich artenreiche Wiesen entwickeln können.
  • Entwicklung eines Blumenrasens oder einer Blumenwiese am südwestlichen Abhang der Schuttkippe; Mahdhäufigkeit maximal fünfmal im Jahr
  • Entwicklung 2-3 m breiter Krautsäume an den Gehölzrändern und um die solitären Bäume im Westteil; Mahdhäufigkeit: maximal eine (Herbst)-Mahd im Jahr
  • Schaffung einer weiteren, mindestens 40 m breiten Sichtachse auf die Münchner Innenstadt durch Entfernung der Hangbepflanzung 80-100 m südlich des Kriegsopfer-Tempels