Münchener Biotope - Außen2: Landschaftspark Pasing

Stadtteilbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: kritisch

Schutzstatus: ausreichend

Lage: Freifläche zwischen Pasing und Blumenau westwärts bis zum Schlagweg, südwärts bis zum Randstreifen der Autobahn A96
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: Kein Schutzgebiet
Münchner Stadtbiotop-Nr.: 144; 461; 464 und 465 / insgesamt geringer Anteil an der Gesamtfläche
ABSP-Nr.: 140-144 / insgesamt geringer Anteil an der Gesamtfläche
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Regionaler Grünzug aus landwirtschaftliche Flächen, Allgemeine Grünfläche, Sonstige Grünflächen, Waldflächen
Flächengröße: 91,8 ha

4.1 Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation:
Der Landschaftspark Pasing wurde im Oktober 2001 eröffnet. Der Freiraum zwischen den Siedlungsgebieten Pasing und Blumenau wird weitgehend von Ackerflächen mit mehrere Hektar großen Schlägen eingenommen. An den Rändern und dazwischen finden sich jedoch auch andere Nutzungsformen und kleinflächig schützenswerte Biotope. Erst seit den 1980er Jahren wurden an einigen Stellen gezielt gärtnerische Gestaltungsmaßnahmen vorgenommen, um den Erholungs- und Erlebniswert des Gebiets zu erhöhen. Der Begriff „Landschaftspark“ entstammt erst der Planung von Grünzügen in den 1990er Jahren.


Kein Platz für einen Wegrain mit Wild-
kräutern: Es wurde bis unmittelbar an
das Wegebankett geackert
Die vor allem den Westen und Norden des Gebiets einnehmenden Ackerflächen werden in Nordwest-Südost-Richtung von der Blumenauer Straße gequert. Es werden Weizen, Sommer- und Wintergerste, aber auch Raps und in geringem Umfang Kartoffeln angebaut .Einige kleine, zentral gelegene Parzellen sind während der letzten 2 Jahre brachgefallen. An den Rändern der zum größten Teil asphaltierten Fuß- und Radwege sind meist nur sehr schmale Gras-Raine von weniger als einem Meter Breite ausgebildet. Eine wirklich strukturelle und ökologische Bereicherung der Feldflur ist Mitte der 1990er Jahre mit der Anlage des unversiegelten Verbindungswegs von der Perlschneiderstraße zur Kleingartenanlage südlich des Westbades entstanden. Die dort 3-10 Meter breiten Raine sind mit einer Fettwiese mit reichlich Hornklee (Lotus corniculatus) bewachsen, an einem besonders breiten Teil des Rains wurde ein Feldgehölz gepflanzt.

 


Ökologisch vorbildliche Wegever-
bindung von der Perlschneiderstraße
zu einer Kleingartenanlage. Der Weg
ist unversiegelt und weist 3-5 m breite,
artenreiche Raine auf
Im Südwesten des Parks kann man entlang des Waldrands am Schlagweg noch an einigen Stellen Relikte von Heidevegetation, z. B. das Nordische Labkraut (Galium boreale) finden. Nördlich eines Anwesens am Luzernenweg blieb ein Wärme liebender Saum von wenigen 100 Quadratmetern Größe erhalten. Dieser ist aber durch langjährige Brache und das Zuwachsen mit Himbeeren, Echter Nelkenwurz und Gehölzen stark degradiert. Nahe dem Anwesen kommen an einer Baumhecke die gefährdeten Planzenarten Knollige Spierstaude (Filipendula vulgaris), Weißes Fingerkraut (Potentilla alba) und Hügel-Klee (Trifolium alpestre) vor. Nördlich davon blieb ein kleiner Restbestand eines Eichen- Hainbuchenwalds mit lückigem Waldmantel und spärlicher Krautschicht erhalten. Dort kommt u. a. das Buschwindröschen (Anemone nemorosa) vor.

Westlich der Göllheimer Straße befindet sich eine ca. 1 Hektar große weitgehend verfüllte ehemalige Kiesgrube mit reliefierter Oberfläche, die vorwiegend von einer nährstoffarmen Grasflur bzw. Magerwiese mit viel Hornklee und einigen Pioniergehölz-Gruppen eingenommen wird. Sie ist am Süd- und Südostrand von einer annähernd geschlossenen Hecke, im Osten und Norden von einem knapp 1 m hohem Wall mit Bewuchs aus Nitrophytenfluren umgrenzt. In einem relativ flachen, vegetationsfreien Kleingewässer wurden im Frühjahr Kaulquappen einer Kröte (Bufo sp.) festgestellt. Eventuell hat es sich um die aus dem Bereich Blumenau bekannte Wechselkröte gehandelt. Östlich und nördlich der Göllheimer Straße hat sich auf bereits vor über 10 Jahrenbrachgefallenen Ackerflächen eine nitrophile Grasflur etabliert. Ein ca. 70 m langer, gut 10 m breiter Seitenstreifen an der Blumenauer Straße wird seit wenigen Jahren zunehmend als Gewerbefläche missbraucht. 2003 war neben einem Verkaufsstand für (hier nirgends angebauten) Spargel im Mai mehrere Monate lang ein Zelt mit Verkauf von Gartenpflanzen und -zubehör aufgebaut. Entlang des Siedlungsrandes im Nordwesten wurde im Bereich eines bis Anfang der 1960er Jahre vorhanden Industrie-Anschlussgleises ein 40 m breiter Scherrasenstreifen angelegt, der zur Hälfte von Laubbäumen überschirmt ist. Die angrenzenden Gärten sind mit einer weitgehend geschlossenen Strauchabpflanzung versehen. Im Osten schließt der Landschaftspark an das umzäunte Städtische Baumschulgelände an, das sich mit einem wenige Hektar großen Areal westwärts bis zum hier 2,5 m breiten Asphaltweg der Silberdistelstraße fortsetzt. Das von Laubbäumen von 2-5m Höhe in weitem Abstand bepflanzte Gelände trägt vorwiegend Grasunterwuchs, streifenweise ist es auch umgebrochen. Infolge der häufigen Bodenbewegungen hat sich am östlichen Rand die Schlanke Karde (Dipsacus strigosus) stark ausgebreitet. Die Baumschule ist von einer gut ausgebildeten Baumhecke aus vielerlei Gehölzen umrahmt. Dominant ist die Esche (Fraxinus excelsior), recht zahlreich ist die Steinweichsel (Prunus mahaleb). Mit wenigen Exemplaren, ist als floristische Besonderheit der Französische Ahorn (Acer monspessulanum) enthalten. Südlich grenzt eine kleine, ziemlich nährstoffarme, leicht ruderalisierte Sukzessionsfläche an, die von Gebüsch umgeben ist. Im Kernbereich überwiegt eine leicht verbuschte und verfilzte Grasflur mit Kanadischer Goldrute sowie niedrigwüchsigen, von Kräutern wie z.B. Mauerpfefferarten (Sedum sp.) dominierten Stellen und zahlreichen Ameisenhaufen. Hier sind wohl spontan Wein-Rose (Rosa rubiginosa) und Feld- Ulme (Ulmus minor) aufgewachsen; am südwestlichen Rand ist auf einem weitgehend aufgelassenen Schotterweg ein kleiner Bestand der Steinbrech-Felsennelke (Petrorhagia saxifraga) angesiedelt.

Nördlich des Baumschul-Areals findet sich eine aufgelassene Kiesgrube, die ebenfalls von Baumhecken umrahmt ist. Auf den nährstoffreichen Abraumhalden in den Randbereichen breitet sich eine nitrophytische Ruderalflur aus Brennnesseln, Schlanker Karde und im Südteil reichlich Kamtschatka-Beifuß (Artemisia verlotiorum) aus. Im Mittelteil erstreckt sich eine leicht wellige, lehmige Rohbodenfläche mit zwei Tümpeln. Dort kommt u. a. das Norwegische Fingerkraut (Potentilla norvegica) vor. Durch Müll, Mountainbiking und häufige Hundebesuche sind sie ihrer ursprünglichen Bedeutung als Amphibienbiotop aber beraubt. Östlich davon befindet sich ein umzäunter, aber für Spaziergänger ohne Hunde zugänglicher Bereich mit geometrischen Gestaltungselementen. Es wurden z. B. parabolische Wege mit niedrigen Betonmauern und platzartige Aufweitungen des längs verlaufenden Kieswegs angelegt. Auf den sandigkiesigen Plätzen entwickelt sich ein mäßig artenreicher Pionierrasen. Neben streng geschnittenen Hecken bzw. einem niedrigen Laubengang im Westteil und extensiv gepflegten Zierstaudenbeeten sind vor allem die Ende der 1990er Jahre angelegten Blumenwiesen auf unterschiedlich nährstoffreichen Standorten von ziemlich fett bis sehr mager hervorzuheben. Wegen des sehr hohen Leguminosenanteils (Hornklee, Saat-Wiesnklee, Futter-Esparsette) wirkt die Wiese naturfern, ähnlich einer Futter-Einsaat. Die Kalkmagerrasen-Anteile im Ostteil mit Schaf-Schwingel (Festuca ovina agg.), Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum) und reichlich Wundklee (Anthyllis vulneraria) haben dafür einen relativ hohen ästhetischen und ökologischen Wert.

Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)

Laubbaumbestände (Kronendach)     6

Artenarme Fettwiese              3

Mischbaumbestände                   <0,1

Acker/junge Ackerbrache      62

Deckung der Strauchschicht             3

Sonderkulturen                    10

Gras- und Krautfluren nährstoffreicher Standorte                                        8

Scherrasen                           3

Wärmeliebende Ruderalfluren und Säume                                            1

Intensiv gepflegte Zierbeete <0,1

Altgrasbestand/Grünlandbrache        2

Zierhecken                          0,1

Trittrasen und Trampelpfade           0,5

Magerrasen, basenreich (geschützt durch Art. 13 d BayNatSchG)                      0,2

Initialvegetation trocken                 0,3

Stillgewässer                     <0,1

Vegetationsfreie Fläche                 0,1

Sonstige Flächenanteile          4

Artenreiches Extensivgrünland/ Magerwiese                                     1

 

4.2 Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten (*= angepflanzt):
*Französischer Ahorn (Acer monspessulanum), *Kornelkirsche (Cornus mas), Knollige Spierstaude (Filipendula vulgaris), *Ausdauernder Lein (Linum perenne), Steinbrech-Felsennelke (Petrorhagia saxifraga), Weißes Fingerkraut (Potentilla alba), Hügel-Klee (Trifolium alpestre), Feld-Ulme (Ulmus minor), Wechselkröte (Bufo viridis) [ABSP,2005], Laubfrosch (Hyla arborea) [ABSP, 2005]

Gehölze:
Feld-Ahorn (Acer campestre), Französischer Ahorn (Acer monspessulanum), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Rote Ross-Kastanie (Aesculus x carnea), Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Hänge-Birke (Betula pendula), Erbsenstrauch (Caragana arborescens), Trompetenbaum (Catalpa bignonioides), Hainbuche (Carpinus betulus), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguineus), Hasel (Corylus avellana), Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Gewöhnliches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Buche (Fagus sylvatica), Esche (Fraxinus excelsior), Liguster (Ligustrum vulgare), Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Ahornblättrige Platane (Platanus x hispanica), Balsam-Pappel (Populus balsaminifera), Espe (Populus tremula), Vogel-Kirsche (Prunus avium), Steinweichsel (Prunus mahaleb), Trauben-Kirsche (Prunus padus), Schlehe (Prunus spinosa), Kaukasische Flügelnuss (Pterocarya fraxinifolia), Stiel-Eiche (Quercus robur), Hunds-Rose (Rosa canina agg.), Zimt-Rose (Rosa majalis), Vielblütige Rose (Rosa multiflora), Wein-Rose (Rosa rubiginosa), Kratzbeere (Rubus caesius), Brombeere (Rubus fruticosus agg.), Silber-Weide (Salix alba), Sal-Weide (Salix caprea), Bruch-Weide (Salix fragilis), Purpur-Weide (Salix purpurea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Eberesche (Sorbus aucuparia), Winter-Linde (Tilia cordata), Winter-Linde (Tilia cordata), Berg-Ulme (Ulmus glabra), Feld-Ulme (Ulmus minor), Laubholz- Mistel (Viscum album)

Gräser und Kräuter:
Acker-Hundspetersilie (Aethusa cynapium), Gewöhnlicher Odermennig (Agrimonia eupatoria), Wohlriechender Odermennig (Agrimonia procera), Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris agg.), Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), Busch-Windröschen (Anemone nemorosa), Wundklee (Anthyllis vulneraria agg.), Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris), Kamtschatka-Beifuß (Artemisia verlotiorum), Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia vulgaris), Stein-Zwenke (Brachypodium rupestre), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Weg-Distel (Carduus acanthoides), Frühlings-Segge (Carex caryophyllea), Östliche Schmalblättrige Flockenblume (Centaurea pannonica), Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), Gewöhnliche Wiesen-Flockenblume (Centaurea vulgaris), Bleiches Zwerg-Hornkraut (Cerastium glutinosum), Maiglöckchen (Convallaria majalis), Wiesen-Pippau (Crepis biennis), Kleinköpfiger Pippau (Crepis capillaris), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Wilde Karde (Dipsacus fullonum), Frühlings-Hungerblümchen (Erophila verna), Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium), Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum), Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias), Schaf-Schwingel (Festuca ovina agg), Hügel-Erdbeere (Fragaria viridis), Gewöhnlicher Erdrauch (Fumaria officinalis), Wiesen-Labkraut (Galium album agg.), Nordisches Labkraut (Galium boreale), Echtes Labkraut (Galium verum), Schlitzblättriger Storchschnabel (Geranium dissectum), Flaumhafer (Helictotrichon pubescens), Florentiner Habichtskraut (Hieracium piloselloides), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Flatter-Binse (Juncus effusus), Blaugrüne Binse (Juncus inflexus), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis), Rauer Löwenzahn (Leontodon hispidus), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), Ausdauernder Lein (Linum perenne), Hornklee (Lotus corniculatus), Feld-Hainsimse (Luzula campestris), Weißliche Hainsimse (Luzula luzuloides), Goldfelberich (Lysimachia punctata), Echte Kamille (Matricaria recutita), Echter Steinklee (Melilotus officinalis), Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia), Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas), Wasser-Knöterich (Persicaria amphibia), Gewöhnliches Bitterkraut (Picris hieracioides), Platthalm-Rispengras (Poa compressa), Norwegisches Fingerkraut (Potentilla norvegica), Vielblütiger Hain-Hahnenfuß (Ranunculus polyanthemos/cf.), Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Gewöhnliches Seifenkraut (Saponaria officinalis), Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria), Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre), Weisser Mauerpfeffer (Sedum album), Große Fetthenne (Sedum maximum), Milder Mauerpfeffer (Sedum sexangulare), Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris), Gewöhnlicher Beinwell (Symphytum officinale), Gewöhnlicher Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), Feld-Klee (Trifolium campestre), Geruchlose Kamille (Tripleurospermum perforatum), Wiesen-Goldhafer (Trisetum flavescens), Gewöhnlicher Feldsalat (Valerianella locusta), Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum), Gewöhnliches Eisenkraut (Verbena officinalis)

Problempflanzen = invasive Neophyten (1% Deckungsanteil):
Kanadischer Katzenschweif (Conyza canadensis), Schlanke Karde (Dipsacus strigosus), Einjähriges Berufkraut (Erigeron annuus), Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis), Späte Traubenkirsche (Prunus serotina), Robinie (Robinia pseudoacacia), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)

Besondere Pflanzengesellschaften:

  • Felsgrus- und Felsbandgesellschaften (Sedo-Scleranthetalia Br.-Bl. 55)

  • Kalkmagerrasen (Brometalia erecti Br.-Bl. 36, Art. 13 d BayNatSchG)

  • Windhalm-Getreidewildkrautfluren (Aperion spicae-venti Tx. 50)

  • hermophile Blutstorchschnabelsäume (Geranion sanguinei Tx. in Th. Müll. 61), fragmentarisch

Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.): Feld-Lerche (Alauda arvensis), Gold-Ammer (Emberiza citrinella), Erdkröte (Bufo bufo), Bergmolch (Triturus alpestris) [ABSP, 2005], Nachtigall-Grashüpfer (Chorthippus biguttulus), Brauner Grashüpfer (Chorthippus brunneus), Schachbrettfalter (Melanargia galathea), Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus); Großes Ochsenauge (Maniola jurtina) [ABSP, 2005], im westlich angrenzenden Lochhamer Schlag: Kuckuck (Cuculus canorus)

Besondere Strukturen:

  • Kleinrelief, zerfurchte Oberfläche

  • Totholzlagerhaufen

  • hohes Blütenangebot in kleinen Teilbereichen

  • ephemere Gewässer/Tümpel
     

4.3 Nutzungen und Konflikte

Nutzung/Pflege/Zustand

Konflikt

Begründung

Biotopverbund unterbrochen

stark

Die Biotopvernetzung in die südlich gelegenen Offenland- und Waldbereiche ist durch die Autobahn 96 zerschnitten.

Fehlende Pflege der Gehölzsäume im Südwesten

stark

Verlust der früher gebietstypischenHeidevegetation

Picknick, Lagern in den ehemaligen, naturnahen Kiesabbaustellen

stark

Die starke Störung des nährstoffarmen Sekundärstandorts verhindert die Entwicklung artenreicher Biozönosen.

Ackernutzung fast bis an die Wegränder; oft bleiben nur sehr schmale Wegraine deutlich unter 1 m Breite erhalten.

stark

fehlende Rückzugsräume für Wildtiere, erheblicher Verlust an Standortpotential für Wildpflanzen; durch Pflügen stellenweise Schädigung des Banketts und Abtrennen von Baumwurzeln

Hunde ausführen, meist unangeleint

mäßig bis stark

Störung der Amphibien-Laichgewässer durch Hundesuhlen, Störung von Bodenbrütern; Störung von Fahrradfahrern, Joggern und Spaziergängern

Biozideinsatz auf den Ackerflächen und Sonderkulturen

mäßig

Im untersuchten Bereich werden allem Anschein nach nur selten Biozide eingesetzt. Durch Biozide gehen Ackerbegleitflora und ûfauna verloren.

Ablagerungen organischer Abfälle am Rand von ungenutzten Flächen

mäßig

Eutrophierung, Ausbreitung von Problempflanzen

Baumschule im Ostteil

gering

Gelegentliche Bodenbearbeitung, relativ artenarmer Bereich

Gewerbliche Nutzung am Rand der Blumenauer Straße während des Sommerhalbjahrs

gering

Zelt und Verkaufsstände sowie vereinzelt parkende Autos, vor allem Beeinträchtigung des Landschaftsbildes

Naherholung (Spazieren gehen), fast ausschließlich auf den Wegen

konfliktfrei

Liegen/ Sonnenbaden auf den Rasenflächen im Nordostteil

konfliktfrei

Fahrradfahren, fast ausschließlich auf den Wegen

konfliktfrei

Ziergarten und Biotopanlage (umzäunter Bereich im Nordosten)

konfliktfrei

Bereicherung des Landschaftsbildes und der Artenvielfalt

4.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge

  • Eine Mindestbreite der Ackerraine von 1,5 Metern sollte entlang aller Wege eingehalten werden. Zwischen größeren Ackerschlägen sollten ebenfalls 1,5 Meter breite Raine entwickelt werden. Beide Maßnahmen würden einen Biotopverbund ermöglichen und das Landschaftsbild erheblich aufwerten.
  • Auf den Ackerrandstreifen sollten keine Herbizide eingesetzt werden, um Entwicklungsmöglichkeiten für eine typische Ackerbegleitflora ûund Fauna zu gewährleisten.
  • Entwicklung von etwa 2 m breiten Krautsäumen an der Grenze zwischen Baumhecken und Gehölzbeständen zu den Ackerflächen. Pflegemethode könnte eine extensive Mahd (Mahdintervall: 1-3 Jahre) sein.
  • Heidereste innerhalb der Gehölzsäume sollten durch tiefes Ausasten von Beschattung befreit werden. Dies gilt vor allem für den Bereich im Südwesten entlang des Lochhamer Schlags und südlich des Luzernenwegs.
  • Grünland und Magerrasen sollten grundsätzlich ein- oder zweischürig gemäht werden, um möglichst artenreiche für die Schotterebene typische Pflanzengemeinschaften zu entwickeln.
  • Die Laichgewässer von Wechselkröte und Laubfrosch sind erheblich durch die Nutzung als Hundesuhle beeinträchtigt. Sie sollten durch dichte Brombeerhecken o. ä. gesichert werden, wie das z. B. bei den Amphibienbiotopen des Denniger Angers bereits erfolgreich praktiziert wird.
  • Mittelfristig sollte ein geeignetes Besucherlenkungskonzept entwickelt werden, das empfindliche Bereiche schont und den Besuchern eine landschaftsgebundene Erholung ermöglicht.