Stadtteilbedeutsames
Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Kritisch
● Schutzstatus: Ausreichend
Lage: Pasing-Ost, von Bahngleisen
umschlossen am östlichen Ende der Hildachstraße
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: kein Schutzgebiet
Münchner Stadtbiotop-Nr.: nicht erfasst
ABSP-Nr.: nicht erfasst
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Bahnanlage; Örtliche
Grünverbindung
Flächengröße: 4,4 ha
19.1 Geschichte,
Geländebeschrei-bung, Vegetation: Erste Kleingärten im Ostteil der
großräumigen Gleisinsel wurden bereits in den 1960er Jahren angelegt, der
Zufahrtsbereich um das Vereinshaus erst nach 1980 erbaut. Direkt südwärts
von der Brücke der Hildachstraße über zwei Bahngleise hinweg gelangt man
in ein Werksgelände, welches zumindest schon seit den 1950er Jahren
besteht und eine Barriere für die Erweiterung der Kleingartenanlage
darstellt. Das an mehreren Stellen undeutlich nach außen abgegrenzte
Kleingarten-Areal ist von einer dreimal abknickenden schmalen Fahrstraße
mit Asphaltdecke durchzogen, die südwärts in einen unversiegelten Fahrweg
übergeht. Die Kleingärten sind in sechs nicht zusammenhängende
Teilbereiche gruppiert. Die einzelnen Parzellen sind mit
Maschendrahtzäunen zu den Wegen und untereinander abgegrenzt.
Der nordwestliche
Bereich ist mit einem etwa zwei Meter breiten, zweimal abknickenden
Asphaltweg ohne jegliche Randstreifen erschlossen und fast rundum mit
dichten Hecken eingefasst. Im Norden und der Mitte begleiten ziemlich
breite, keilförmige Blumenrasen die Straße auf der Süd- bzw. Westseite. Im
südlichen Blumenrasen mit Vorkommen des Sichelklees (Medicago falcata)
befinden sich mehrere artenreiche Laubgehölzgruppen. Am Straßenrand und an
einem Zweigweg nach Osten haben sich stellenweise lückige Trittrasen auf
dem Feinschotteruntergrund entwickelt. Die an die Fahrstraße angrenzenden
Gartenparzellen sind zumindest nach außen überwiegend mit 1-2 m hohen
streng geschnittenen Laubholzhecken umgeben. Am häufigsten ist Liguster
(Ligustrum vulgare) vertreten, es gibt aber auch Abschnitte mit
Mischbeständen mit Blutrotem Hartriegel (Cornus sanguinea), Weißdorn
(Crataegus monogyna) und anderen Straucharten.
| Dem Eindruck nach
werden zumindest auf den Wegen keine Herbizide ausgebracht, aber der
Versiegelungsgrad im Nordteil ist ungewöhnlich hoch: Fahrbahn und
Erschließungswege sind asphaltiert. In den Gärten im Mittelteil wurden
einige Kleingewässer angelegt, welche Lebensraum u. a. der Ringelnatter
(Natrix natrix) sind. Am Rand der Kieswege, insbesondere am auf
Bahndammhöhe ansteigenden Weg im Südosten kommen Zauneidechsen (Lacerta
agilis) in den lückigen, teilweise gemähten Grasfluren vor. Auf der
nordexponierten, steilen Wegböschung im Südosten hat sich eine frei
wachsende naturnahe Hecke aus vorwiegend Schwarzem Holunder (Sambucus
nigra) und Hasel (Corylus avellana) entwickelt. Die kiesigen Randstreifen
entlang des Wegs auf der Südseite sind mit schmalen relativ
nährstoffreichen, ruderalen Säumen u. a. mit Wegwarte (Cichorium intybus)
und Graukresse (Berteroa incana) bewachsen. Hier macht sich im
Arteninventar deutlich der Einfluss der angrenzenden geschotterten Bahn-
und Gewerbeflächen bemerkbar. Abgetrennt durch eine gehölzreiche
Brachfläche und einen Hunde-Übungsplatz liegt im Südwesten fast 300 m vom
Hauptteil entfernt ein nur wenige Parzellen umfassender Teilbereich
zwischen den Bahngleisen und der Gewerbefläche. |

Typische Ansicht der
Kleingarten-
anlage: Viele Parzellen werden von dichten Laubhecken
eingefasst |
Vegetations- und
Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)
|
Laubbaumbestände
(Kronendach) |
8 |
Scherrasen |
30 |
|
Nadelbaumbestände
(Kronendach) |
0,2 |
Intensiv gepflegte
Zierbeete |
38 |
|
Deckung der Strauchschicht |
5 |
Zierhecken |
3 |
|
Gras- und Krautfluren
nährstoffreicher Standorte |
0,5 |
Blumenrasen |
5 |
|
Wärmeliebende Ruderalfluren
und Säume |
0,5 |
Stillgewässer |
0,2 |
|
Trittrasen und Trampelpfade |
1 |
Sonstige Flächenanteile |
15 |
|
Moos- und
Flechtenbewuchs/Moosrasen |
0,5 |
|
|
19.2
Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter
Arten: (* = gepflanzt; # = mdl. Mitteilung eines Kleingartenpächters):
*Sanddorn (Hippophae rhamnoides), *Eibe (Taxus baccata), Zaun-Eidechse
(Lacerta agilis), #Ringelnatter (Natrix natrix), #Wiedehopf (Upupa epops);
am Südostrand: Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens)
Gehölze: Grau-Erle
(Alnus incana), Hänge-Birke (Betula pendula), Hainbuche (Carpinus betulus),
Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Hasel (Corylus avellana),
Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Forsythie (Forsythia x
intermedia), Esche (Fraxinus excelsior), Efeu (Hedera helix), Walnuss
(Juglans regia), Kerrie (Kerria japonica), Lavendel (Lavandula officinalis),
Liguster (Ligustrum vulgare), Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Espe (Populus
tremula), Vogel-Kirsche (Prunus avium), Haus-Zwetschge (Prunus domestica),
Trauben-Eiche (Quercus petraea), Hunds-Rose (Rosa canina agg.), Brombeere
(Rubus fruticosus agg.), Himbeere (Rubus idaeus), Purpur-Weide (Salix
purpurea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Eberesche (Sorbus
aucuparia), Flieder (Syringa vulgaris), Abendländischer Lebensbaum (Thuja
occidentalis)
Gräser und Kräuter:
Sandkraut (Arenaria serpyllifolia), Graukresse (Berteroa incana),
Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia), Acker-Glockenblume
(Campanula rapunculoides), Rundblättrige Glockenblume (Campanula
rotundifolia), Weg-Distel (Carduus acanthoides), Wiesen-Kümmel (Carum
carvi), Gänsefuß (Chenopodium vgl. foto ) Wegwarte (Cichorium intybus),
Acker-Winde (Convolvulus arvensis), Wilde Möhre (Daucus carota),
Hunds-Quecke (Elymus caninus), Wiesen-Labkraut (Galium album agg.), Weicher
Storchschnabel (Geranium molle), Blutroter Storchschnabel (Geranium
sanguineum), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Wiesen-Margerite
(Leucanthemum vulgare), Gewöhnliches Leinkraut (Linaria vulgaris), Hornklee
(Lotus corniculatus), Sichelklee (Medicago falcata), Pastinak ( Pastinaca
sativa), Mittlerer Wegerich (Plantago media), Kriechendes Fingerkraut
(Potentilla reptans), Erdbeere-Fingerkraut (Potentilla sterilis), Gelbe
Resede (Reseda lutea), Gewöhnliches Seifenkraut (Saponaria officinalis),
Bunte Kronwicke (Securigera varia), Kronen-Lichtnelke (Silene coronaria),
Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris), Rainfarn (Tanacetum vulgare),
Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum), Mehlige Königskerze
(Verbascum lychnitis)
Problempflanzen = invasive
Neophyten (1% Deckungsanteil): Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii),
Orientalisches Zackenschötchen (Bunias orientalis), Kanadischer
Katzenschweif (Conyza canadensis), Schlanke Karde (Dipsacus strigosa),
Einjähriger Feinstrahl (Erigeron annuus), Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera
biennis), Europäischer Sauerklee (Oxalis europaea), Wilder Wein
(Parthenocissus quinquefolia), Robinie (Robinia pseudoacacia), Kanadische
Goldrute (Solidago canadensis)
Besondere Pflanzengesellschaften:
Fauna (ohne gefährdete
Arten, s. o.): Kaninchen (Oryctolagus cuniculus), Mauswiesel (Mustela
nivalis)
Besondere Strukturen:
-
offene Rohböden
-
hohes Blütenangebot
19.3 Nutzungen und
Konflikte
|
Nutzung/Pflege/Zustand |
Konflikt |
Begründung |
|
Asphaltierte Wege/ unnötig hoher
Versiegelungsgrad im Nord-/Nordwestteil |
mäßig bis stark |
Verlust unversiegelter Flächen |
|
Gartennutzung, Zier- und Nutzpflanzenanbau |
gering |
Großer Anteil naturnaher Gartenanlagen, vor
allem im Mittel- und Westteil |
|
Mahd der Grünflächen am Rand der Anlage |
gering |
Das kleinteilige Mahdregime fördert die
Artenvielfalt. Im Hochsommer fehlen jedoch ungemähte Bereiche. |
|
Picknick/Naturbeobachtung |
konfliktfrei |
|
19.4 Pflege- und
Maßnahmevorschläge
-
Reduzierung der Mahdhäufigkeit auf den
Grünflächen am Rand der Erschließungstraße, so könnten sich arten- und
blütenreiche Wiesen entwickeln.
-
Entwicklung und gelegentliche Mahd eines
durchgängigen Krautsaums entlang der Wegabschnitte am südlichen Rand neben
den Gleisen
-
Entsiegelung der Wege im Nordteil
|