Münchner Biotope - Außen2: Hirschgarten
|
Überregional bedeutendes
Biotop
1.1 Geschichte,
Geländebeschreibung Der Nordteil erinnert mit seinem Baumbestand an einen lichten Lohwald. Leider ist die Krautschicht aber durch Trittschäden und Nährstoffeintrag verarmt, z. T. treten auch untypische Nährstoffzeiger auf. So ist die Echte Nelkenwurz (Geum urbanum), eine Stickstoff anzeigende Pflanze, neben der Wald-Segge (Carex sylvatica) und dem Knaulgras (Dactylis glomerata) eine der häufigsten Pflanzenarten. Für diesen Waldtyp eigentlich charakteristische Frühlingsblüher sind nur sehr spärlich vorhanden. An zahlreichen Stellen vor allem im Nordosten liegen Totholz- Stammstücke von 3-7 m Länge in unterschiedlichen Zersetzungsstadien, die wertvolle Habitate für Totholz bewohnende Insekten darstellen. Unter anderem wurde im Rahmen der Arten- und Biotopschutz- Kartierung der Stadt München der Eremit (Osmoderma eremita) festgestellt. Diese Käferart ist in Bayern stark gefährdet und findet sich auch in Anhang 2 der Flora- Fauna-Habitatrichtlinie der Europäischen Union (d. h. für die Art müssen geeignete Schutzgebiete ausgewiesen werden). Der Eremit lebt im Mulm uralter toter oder absterbender Bäume. (Angaben zum Eremit aus http://www.eremit.net/ ). Zum Schutz des Eremiten werden von gefällten Alt-Eichen zumeist Stammstümpfe von 4-7 m Höhe belassen. Bedeutsam ist auch die Vogelwelt des Hirschgartens, vor allem innerhalb der Altbaumbestände brüten u. a. Grünspecht und Sperber. Im Wald finden sich mehrere Rasenflächen und auch unter dem Baumbestand werden einige Bereiche ohne Strauchwuchs wohl mehr als fünfmal jährlich gemäht, was die Artenvielfalt dort erheblich einschränkt. In der Studie München blüht (LBV, 2002) wurde die Wiesenpflege im Hirschgarten deshalb als ökologisch unzureichend eingestuft. In 2005 wurde aber die Mahdhäufigkeit einiger Teilflächen deutlich reduziert und dadurch eine Verbesserung erreicht (Luy mdl.).
Der Ziergarten am
Steubenplatz: Im Nordosten des Hirschgartens, nahe des Steubenplatzes,
befindet sich ein ca. 2000 m2 großer, geometrisch angelegter Ziergarten. In
den schattigen Staudenund Ziergehölzbeeten finden sich viele immergrüne
Gehölze, vor allem Eibe (Taxus baccata), Rhododendron und Lorbeerkirsche
(Prunus laurocerasus). In diesem Bereich sind auch mehrere kreisrunde
Steinwasserbecken von etwa zwei Metern Durchmesser angelegt worden. Südlich
an die Beete schließt sich ein kleiner ovaler Teich an, dessen Ufer zu einem
Drittel mit einer Steinstufe verbaut ist. Am unbefestigten Uferabschnitt
siedeln punktuell ein Sumpfseggenbestand (Carex acutiformis) und ein
Großröhricht mit Gelber Schwertlilie (Iris pseudacorus). Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)
|
|
1.2 Artenzusammensetzung Vorkommen gefährdeter Arten (*= gepflanzt): *Weiß-Tanne (Abies alba), *Kornelkirsche (Cornus mas), *Stechpalme (Ilex aquifolium), *Eibe (Taxus baccata), Abendsegler (Apus apus), Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus), Grünspecht (Picus viridis), Klappergrasmücke (Sylvia curucca), Sperber (Accipiter nisus), Eremit (Osmoderma eremita) [alle faunistischen Angaben: ABSP, 2005] Gehölze: Weiß-Tanne (Abies alba), Feld-Ahorn (Acer campestre), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Rote Rosskastanie (Aesculus x carnea), Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Grau-Erle (Alnus incana), Osterluzei (Aristolochia sp.), Hänge-Birke (Betula pendula), Europäischer Buchsbaum (Buxus sempervirens), Hainbuche (Carpinus betulus), Kornelkirsche (Cornus mas), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Hasel (Corylus avellana), Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Buche (Fagus sylvatica), Esche (Fraxinus excelsior), Weiße Maulbeere (Morus alba), Fichte (Picea abies), Vogel-Kirsche (Prunus avium), Kaukasische Flügelnuss (Pterocarya fraxinifolia), Kultur-Birne (Pyrus communis), Zerr-Eiche (Quercus cerris), Stiel- Eiche (Quercus robur), Rot-Eiche (Quercus rubra), Rhododendron (Rhododendron sp.), Kratzbeere (Rubus caesius), Himbeere (Rubus idaeus), Sal-Weide (Salix caprea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Schwedische Mehlbeere (Sorbus x intermedia), Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) Gräser und Kräuter: (*=sicher angesalbt): Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris agg.), Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), Bärlauch (Allium ursinum), *Wald-Geißbart (Aruncus dioicus), Stein-Zwenke (Brachypodium rupestre), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Spring-Schaumkraut (Cardamine impatiens), *Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Behaarte Segge (Carex hirta), Sparrige Segge (Carex muricata agg.), Wald-Segge (Carex sylvatica), Hohler Lerchensporn (Corydalis cava), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), *Mädesüß (Filipendula ulmaria), Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Wiesen-Labkraut (Galium album agg.), Echte Nelkenwurz (Geum urbanum), *Schneefeder-Funkie (Hosta undulata), *Atlantisches Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), *Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus), Weiße Taubnessel (Lamium album), Feld-Hainsimse (Luzula campestris), Mittlerer Wegerich (Plantago media), Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina), Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), Bunte Kronwicke (Securigera varia), *Schirmbambus (Sinarundinaria murielae), Gewöhnlicher Beinwell (Symphytum officinale), Hain-Veilchen (Viola riviniana) Problempflanzen = Invasive Neophyten (1% Deckungsanteil): Schlanke Karde (Dipsacus strigosus), Japanischer Flügelknöterich (Fallopia japonica), Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis agg.), Robinie (Robinia pseudoacacia), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.): Damwild (Dama dama), Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), Zilpzalp (Phylloscopus collybita), Stieglitz (Carduelis carduelis), Grauschnäpper (Muscicapa striata), (ca. 30 weitere Brutvogelarten)
Besondere
Pflanzengesellschaften:
Besondere Strukturen:
|
|
1.3 Nutzungen und Konflikte |
|
Nutzung/Pflege/Zustand |
Konflikt |
Begründung |
|
Zu häufige und flächenhafte Mahd des Grünlandes und der lichten Bereiche im Baumbestand |
stark |
Weitgehender Verlust der typischen Lebensgemeinschaften eines Lohwaldes, fehlende Waldsäume und Blumenwiesen; starke Artenverarmung |
|
Biotopvernetzung bedroht |
stark |
Durch die geplante Bebauung am Birketweg und an der Herthastr. wird die Vernetzung zum räumlich nahen Nymphenburger Schlosspark beeinträchtigt werden, weil die vernetzenden Bahnbiotope überbaut werden. |
|
Altbäume werden aus Gründen der Verkehrssicherheit deutlich vor dem Erreichen der natürlichen Altersphase (Faulstellen, Höhlenentstehung) gefällt. |
mäßig |
Erheblicher Verlust an stehendem Totholz als potentieller Lebensraum für Totholz bewohnende Insekten und Baumhöhlen bewohnende Wirbeltiere. Dafür verbleiben aber oft mehrere Meter hohe Baumstümpfe und liegendes Totholz im Bestand |
|
Teich im Nordosten: Verbautes, betoniertes Gewässerufer, Mahd bis an das steile Ufer |
mäßig |
Die Ausbildung einer naturnahen Ufer- und Gewässervegetation wird verhindert. |
|
Hoher Versiegelungsgrad im Südteil des Parks, fast alle Wege mit Aufweitungen; Spielflächen asphaltiert |
mäßig |
Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und der Bodenfunktionen |
|
Grillen/Feuerstellen vor allem auf den artenarmen Scherrasen und ausgewiese-nen versiegelten Grillplätzen |
gering bis mäßig |
Auf dem Aussichtshügel flächenhaft zerstörte Vegetationsdecke, Geruchsbelästigung |
|
Hunde ausführen |
gering |
Verunreinigung von Spiel- und Liegewiesen, Störung von Erholungssuchenden |
|
Spielen und Sonnenbaden |
gering |
Auf den Liegewiesen ist eine regelmäßige Müllbeseitigung notwendig. |
|
Trittbelastung / Trampelpfade |
gering |
Wegen der sehr geringen ökologischen Wertigkeit des hauptsächlich betroffenen Südteils treten keine nennenswerten Beeinträchtigungen auf. |
|
Gastronomie / sehr großer Biergarten im Westen |
gering |
Ökologisch wenig bedeutsamer Bereich, aber starke Trittbelastung auch im Umfeld, stellenweise zerstörte Grasnarbe |
|
|