Stadtbedeutsames
Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Kritisch
● Schutzstatus: Nicht
Ausreichend
Lage: westlich des Bahnhofs Pasing
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: kleine
Teilflächen nach Art. 13d BayNatSchG geschützt
Kartierter Münchner Stadtbiotop mit der Nr.:
102
ABSP-Nr.: 104
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan:
Bahnanlagen und ökologische Vorrangflächen
Flächengröße: 7,7 ha
13.1 Geschichte,
Geländebeschreibung, Vegetation: Im Zuge der geplanten Verlegung des
Hauptbahnhofs an die Friedenheimer Brücke entstand 1940/41 westlich des
Bahnhofs Pasing ein neues Bahnbetriebswagenwerk (Lisson et al. 1991). Die
Verlegung des HBF wurde nie realisiert. Dessen südöstliche Abstell- bzw.
Rangiergleise befinden sich auf einer kiesigen Aufschüttung im
Gleiszwickel zwischen den Strecken Richtung Augsburg und Buchloe. Die
Kiesflächen des Gleiszwickels werden heute von struktur- und artenreicher
Vegetation besiedelt.
Zwei Gleisinseln und
der südwestliche Randstreifen der Zufahrtsgleise zum Abstellbahnhof sind
mit artenreichen Gebüschen bewachsen. Im Norden und Nordwesten des
Geländes sind bereits geschlossene Pioniergehölze entstanden, die von
20-30 m hohen Hybrid-Pappeln überschirmt werden. Kleine Lichtungen sind
meist mit ruderalisierten Grasfluren bzw. Kratzbeerengestrüpp bewachsen.
Örtlich haben sich auch artenarme Neophytenbestände, insbesondere aus
Kanadischer Goldrute (Solidago canadensis), Japanischem und
Sachalin-Flügelknöterich (Fallopia japonica et sachalinensis) stark
ausgebreitet. Gehölzmäntel aus Blutrotem Hartriegel (Cornus sanguinea),
Liguster (Ligustrum vulgare) und stellenweise auch der Schlehe (Prunus
spinosa) lösen sich infolge Ausläuferbildung örtlich wieder auf. Besonders
an südseitigen Gehölzrändern sind thermophile Säume mit Gewöhnlichem
Odermennig (Agrimonia eupatoria), Wildem Dost (Origanum vulgare) und
Bunter Kronwicke (Securigera varia) ausgebildet. Einzig der Randbereich im
Westen, ein Saum auf der Nordostseite eines Pappelforstes, ist durch
Ablagerungen von Gartenabfällen und Gehölzschnittgut auf eine Länge von
150 m stark eutrophiert und mit einer bis zu 10 m breiten Nitrophytenflur
bewachsen. Auf dem daran nordwärts anschließenden offenen
Gleisrandstreifen hat sich eine ausgesprochen artenreiche
Möhren-Steinkleeflur mit Natternkopf (Echium vulgare) und Arten der
Magerwiesen und Hackfrucht-Wildkrautgesellschaften entwickelt. Der
Schotterkörper des angrenzenden Abstellgleises für Lokomotiven
(„Ausziehgleis“) ist mit lückiger Pioniervegetation bewachsen. Auf den
übrigen Flächen beschränkt sich die Initialvegetation trockener Standorte
auf kiesige Fahrwege einschließlich deren Randzonen und schmale
Randbereiche der Gleiskörper.

Artenreiche
Krautfluren mit blau blühendem Natternkopf sind im
Bereich des
Gleisdreiecks Pasing
nicht selten |
Am östlichen Ende bedeckt ein ziemlich artenreicher Pioniermagerrasen
mit Golddistel (Carlina vulgaris) und Feld-Thymian (Thymus pulegioides)
sowie einem kleinen Bestand des Quirl-Salbeis (Salvia verticillata) eine
gut 200 m2 große sandig-kiesige Rohbodenfläche. Nach Westen setzt sich
entlang eines verwachsenen Schotterweges fragmentarisch ein magerer
Kraut- bzw. Grassaum mit hohem Anteil Wärme liebender Saumstauden fort.
Auf der unmittelbar angrenzenden, ca. 2 m breiten südexponierten
Bahnböschung befindet sich ein verfilzter Altgrasbestand mit Dominanz
von Aufrechter Trespe (Bromus erectus) bzw. Schaf-Schwingel (Festuca
ovina) im Wechsel, der mangels Pflege in Teilabschnitten zunehmend mit
Kratzbeere oder Ruderalstauden überwachsen wird.
|

Besondere Ansicht des
Gleisdreiecks: Im Bildvordergrund ein Pionier-Mager-
rasen, fast überall sonst
siedeln bereits Gehölze |
Die südöstliche
Gleisinsel wird von einem Komplex aus einer stark verfilzten, vorwiegend
mageren Grasflur und einem dichten Trockengebüsch mit einigen bis zu ca.
10 m Höhe aufgewachsenen Bäumen eingenommen. Die insgesamt gut
ausgebildeten Gehölzmäntel lösen sich stellenweise durch Ausläufer von
Hartriegel (Cornus sanguinea) und Schlehe (Prunus spinosa) auf. Im Gebüsch
ist flächenhaft Sperrmüll aus den letzten 2-3 Jahrzehnten zu finden. Die
größtenteils vom Flaumhafer (Helictotrichon pubescens) dominierte Grasflur
mit vielen Ameisenhügeln enthält bereichsweise Saumstauden wie den
Mittleren Klee (Trifolium medium); sie ist Habitat zahlreicher
Frühlings-Mohrenfalter (Erebia medusa) und des Idas-Silberfleck-Bläulings
(Lycaeides idas). |
Vegetations- und
Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)
|
Laubbaumbestände (Kronendach) |
40 |
Trittrasen und Trampelpfade |
1 |
|
Deckung der Strauchschicht |
35 |
Initialvegetation trocken |
5 |
|
Gras- und Krautfluren nährstoffreicher
Standorte |
6 |
Vegetationsfreie Fläche |
7 |
|
Wärmeliebende Ruderalfluren und Säume |
10 |
Artenreiches
Extensivgrünland/Magerwiese |
2 |
|
Altgrasbestand/Grünlandbrache |
25 |
Sonstige Flächenanteile |
8 |
13.2 Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten:
Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus), Zauneidechse (Lacerta agilis);
Tagfalter: Zwergbläuling (Cupido minimus), Idas-Silberfleck-Bläuling
(Lycaeides idas); Heuschrecken: Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda
caerulescens), Gestreifte Zartschrecke (Leptophyes albovittata);
Landschnecken: Gemeine Heideschnecke (Helicella itala),
Zylinderwindelschnecke (Truncatellina cylindrica), Gemeine Windelschnecke
(Vertigo pygmaea) [alle faunistischen Angaben aus ABSP, 2005)
Gehölze: Berg-Ahorn (Acer
pseudoplatanus), Grau-Erle (Alnus incana), Hänge-Birke (Betula pendula),
Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Hasel (Corylus avellana),
Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Esche (Fraxinus excelsior),
Liguster (Ligustrum vulgare), Garten-Apfel (Malus domestica), Fichte (Picea
abies), Pappel (Populus sp.), Vogel-Kirsche (Prunus avium), Trauben-Kirsche
(Prunus padus), Schlehe (Prunus spinosa), Stiel-Eiche (Quercus robur),
Hunds-Rose (Rosa canina agg.), Kartoffel-Rose (Rosa rugosa), Kratzbeere
(Rubus caesius), Sal-Weide (Salix caprea), Lavendel-Weide (Salix eleagnos),
Purpur-Weide (Salix purpurea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra),
Eberesche (Sorbus aucuparia), Winter-Linde (Tilia cordata), Wolliger
Schneeball (Viburnum lantana) Laubholz-Mistel (Viscum album)
Gräser und Kräuter:
Acker-Steinquendel (Acinos arvensis), Gewöhnlicher Odermennig (Agrimonia
eupatoria), Riesen-Straußgras (Agrostis gigantea), Heide-Günsel (Ajuga
genevensis), Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria), Akelei (Aquilegia
sp.), Raue Gänsekresse (Arabis hirsuta), Sandkraut (Arenaria serpyllifolia),
Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia vulgaris), Gewöhnliches Barbarakraut
(Barbarea vulgaris), Stein-Zwenke (Brachypodium rupestre), Aufrechte Trespe
(Bromus erectus), Dach-Trespe (Bromus tectorum), Wiesen-Glockenblume
(Campanula patula), Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia),
Sand-Schaumkresse (Cardaminopsis arenosa), Weg-Distel (Carduus acanthoides),
Raue Segge (Carex hirta), Stachel-Segge (Carex muricata agg.), Golddistel
(Carlina vulgaris), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Wegwarte
(Cichorium intybus), Wilde Möhre (Daucus carota), Wilde Karde (Dipsacus
fullonum), Natternkopf (Echium vulgare), Frühlings-Hungerblümchen (Erophila
verna), Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias), Schaf-Schwingel
(Festuca ovina agg.), Schlitzblättriger Storchschnabel (Geranium dissectum),
Pyrenäen-Storchschnabel (Geranium pyrenaicum), Ruprechtskraut (Geranium
robertianum), Flaumhafer (Helictotrichon pubescens), Wiesen-Bärenklau
(Heracleum sphondylium), Kahles Bruchkraut (Herniaria glabra), Gewöhnliches
Habichtskraut (Hieracium lachenalii), Kleines Habichtskraut (Hieracium
pilosella), Florentiner Habichtskraut (Hieracium piloselloides), Geflecktes
Johanniskraut (Hypericum maculatum), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum
perforatum), Großes Springkraut (Impatiens noli-tangere), Kleinblütiges
Springkraut (Impatiens parviflora), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis),
Weiße Taubnessel (Lamium album), Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis),
Rauer Löwenzahn (Leontodon hispidus), Feld-Kresse (Lepidium campestre),
Gewöhnliches Leinkraut (Linaria vulgaris), Gewöhnlicher Hornklee (Lotus
corniculatus), Sichelklee (Medicago falcata), Gewöhnlicher Steinklee
(Melilotus officinalis), Zitronen-Melisse (Melissa officinalis), Kriechende
Hauhechel (Ononis repens), Wilder Dost (Origanum vulgare), Pastinak
(Pastinaca sativa), Gewöhnliches Bitterkraut (Picris hieracioides),
Mittlerer Wegerich (Plantago media), Platthalm-Rispengras (Poa compressa),
Frühlings-Fingerkraut (Potentilla tabernaemontani), Gelbe Resede (Reseda
lutea), Quirl-Salbei (Salvia verticillata), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba
minor), Bunte Kronwicke (Securigera varia), Große Fetthenne (Sedum maximum),
Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea), Weiße Lichtnelke (Silene alba),
Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris), Wald-Ziest (Stachys sylvatica),
Gewöhnlicher Beinwell (Symphytum officinale), Rainfarn (Tanacetum vulgare),
Feld-Thymian (Thymus pulegioides), Großer Bocksbart (Tragopogon dubius),
Feld-Klee (Trifolium campestre), Mittlerer Klee (Trifolium medium),
Wiesen-Goldhafer (Trisetum flavescens), Gewöhnlicher Feldsalat (Valerianella
locusta), Mehlige Königskerze (Verbascum lychnitis), Kleinblütige
Königskerze (Verbascum thapsus), Schmalblättrige Wicke (Vicia angustifolia),
Zaun-Wicke (Vicia sepium)
Problempflanzen = Invasive
Neophyten (12% Deckungsanteil): Orientalisches Zackenschötchen (Bunias
orientalis), Kanadischer Katzenschweif (Conyza canadensis), Schlanke Karde
(Dipsacus strigosus), Einjähriger Feinstrahl (Erigeron annuus), Japanischer
Flügelknöterich (Fallopia japonica), Sachalin-Flügelknöterich (Fallopia
sachalinensis), Virginische Kresse (Lepidium virginicum), Gewöhnliche
Nachtkerze (Oenothera biennis), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)
Besondere
Pflanzengesellschaften:
-
Thermophile Saumstaudenfluren
(Origanetalia vulgaris Th. Müll. 61)
-
Halbtrockenrasen (Brometalia erecti Br.-Bl. 36),
nur fragmentarisch
Fauna (ohne gefährdete Arten,
s. o.): Zilpzalp (Phylloscopus collybita), Kleiner Fuchs (Aglaja urticae),
Klee-Spanner (Chiasma clatrata), Kleines Wiesenvögelchen (Coenonympha
pamphilus), Zwerg-Bläuling (Cupido minimus), Heidekraut-Spanner (Ematurga
atomaria), Frühlings-Mohrenfalter (Erebia medusa), Idas-Silberfleck-Bläuling
(Lycaeides idas), Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus), Junikäfer
(Amphimallon solstitiale), Weinbergschnecke (Helix pomatia)
Besondere Strukturen:
13.3 Nutzungen und
Konflikte
|
Nutzung/Pflege/Zustand |
Konflikt |
Begründung |
|
Ablagerung von Gartenabfällen an mehreren
Stellen des Gebüschsaums |
stark |
Entwicklung artenarmer Nitrophytenfluren;
starke Ausbreitung nicht standortheimischer Neophytenbestände |
|
Ausbreitung von Goldrutenfluren mit
Gehölzaufwuchs |
mäßig bis stark |
Sehr artenarme Lebensgemeinschaften nahezu
ohne Bedeutung für heimische Tier- und Pflanzenarten |
|
Fehlende Pflege, Sukzession |
mäßig |
Verlust artenreicher
Offenland-Lebensgemeinschaften |
|
Herbizideinsatz im Bereich regelmäßig
befahrener Gleise |
gering bis mäßig |
Verminderung der floristischen Artenvielfalt
und Belastung des Bodens |
13.4 Pflege- und
Maßnahmevorschläge
-
Um die Trockenrasen und Magerwiesen zu
erhalten, sollten Teile der mit Büschen zugewachsenen Flächen wieder
freigestellt werden. Aus dem gleichen Grund sollten die Gehölzbestände im
nahen Umfeld der Magerrasenrelikte im Südosten ausgelichtet werden.
-
Flächen, die bereits von expansiven,
neophytischen Goldruten- und Staudenknöterichfluren eingenommen werden,
sollten über mehrere Jahre bereits im Frühsommer gemäht werden. So könnte
ein allmählicher Vegetationswandel zu artenreichen Trockenwiesen eingeleitet
werden.
-
Die Magerwiesen im Südostteil können am besten
durch eine im jährlichen Turnus durchgeführte Spätsommermahd erhalten
werden.
-
Gartenabfälle und Sperrmüll sollten
baldmöglichst aus der Fläche entfernt werden. Geeignete Maßnahmen
(Zufahrtserschwerung, Schilder) gegen weitere Müllablagerungen sollten
ergriffen werden.
-
In einigen Bereichen, die ausschließlich mit
expansiven Goldrutenfluren bewachsen sind, empfiehlt sich ein Abschieben des
Oberbodens. Auf den Rohbodenflächen können sich dann wieder arten- und
blütenreiche Pionierrasen entwickeln.
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