Münchener Biotope - Außen2: Gleislager Neuaubing

Überregional Bedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: gut
● Schutzstatus: Nicht Ausreichend

Lage:   am südwestlichen Rand von Neuaubing, südlich der Papinstraße
Schutzstatus nach Naturschutzrecht:
kleinere Teilflächen nach Art. 13d(1), BayNatSchG geschützt
Münchner Stadtbiotop-Nr.:
317
ABSP-Nr.:
96
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan:
Sondergebiet industrieller Gemeinbedarf
Flächengröße:
13,5 ha

12.1 Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation: Das Gleislager in Neuaubing wurde 1937 auf der Westseite des Reisezugwagen-Ausbesserungswerks als Weichenlager angelegt. Auszubessernde Weichen und dazu notwendige Baustoffe aus ganz Bayern wurden dort deponiert. Nach Verlegung der Weichenwerkstätte zum Ausbesserungswerk Witten im Jahr 1967 diente die Fläche noch bis 1980 als Gleislager, wo Gleisjoche montiert und demontiert wurden (Lisson 1991). In den darauf folgenden Jahren wurde ein Großteil der Gleisanlagen teilweise oder vollständig abgebaut. Schrauben, andere Metallteile und Holzstücke liegen auch heute noch an vielen Stellen im Gelände herum.

Inzwischen ist das Gleislager Neuaubing als Ausgleichsfläche für die Bebauung im Gewerbegebiet Freiham vorgesehen. Im Flächennutzungsplan der Stadt München (Stand 2006) ist das ehemalige Gleislager als Ökologische Vorrangfläche festgelegt worden. Das Grünkonzept für das Gewerbegebiet Freiham wurde von Ochs et al. entwickelt. Für das überregional bedeutsame Biotop im Gleislager Neuaubing ist unter anderem folgendes vorgesehen: „So wird eine sparsame Erschließung mit ergänzenden „Attraktionen“ wie zum Beispiel interessanten Torsituationen, Senkgärten usw. sowie mit Elementen der ehemaligen Bahnbetriebsfläche kombiniert und so der Genius loci des Ortes interpretiert.“ (aus http://www.muenchen.de ).

Auf dem über 13 Hektar großen, ebenen Rohbodengelände haben sich vielfältige Vegetationsbestände mit einer hohen floristischen und faunistischen Artenvielfalt eingestellt. Bereiche mit geschlossener Vegetationsdecke auf feinkörnig, grusig-sandigen Rohböden mit schütter bewachsenen Flächen auf Grobschotter. Außerdem gibt es im Mittelteil des Areals, wo auch ein ca. 3 m breiter Betonweg das Gelände quert, mehrere asphaltierte oder betonierte Flächen. Die Asphalt- bzw. Betondecke ist an vielen Stellen rissig, so dass sich ein üppiger Pflasterfugenbewuchs aus Pionierfluren nährstoffarmer Standorte eingestellt hat. Z. B. kommen Mauerpfeffer-Arten (Sedum ssp.), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe) sowie Sandbirken (Betula pendula) und auch Moosteppiche vor. In Teilbereichen der feinerdereichen Streifen, vor allem im Nordosten des Areals, hat sich bereits ein ca. 8 m hoher Jungwald vor allem aus Birken und Pappeln entwickelt. Im westlichen Anschluss findet man eine mäßige Gehölzsukzession vor allem von Blutrotem Hartriegel (Cornus sanguinea), Hunds-Rosen (Rosa canina agg.) und Berg-Ulmen (Ulmus glabra) mit Wuchshöhen von 1-3 m.

Vorherrschender Vegetationstyp im Nordteil sind Ruderalfluren nährstoffarmer Standorte mit Wuchshöhen von 60-100 cm. Sie bestehen aus einem Komplex von Goldruten- und Landreitgrasfluren sowie Glatthafer-Beständen. Die lückigen Goldrutenbestände sind blütenreich. Sie enthalten als Begleiter Bunte Kronwicke (Securigera varia), Kratzbeere (Rubus caesius), Wald-Platterbse (Lathyrus sylvestris) sowie einige für nährstoffarme Standorte charakteristische 1-2jährige Stauden. Nahe der Nordostgrenze des Gleislagers deckt die dort dominante Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) auf fast 2 ha Fläche bereits ca. 50% und scheint südwärts weiter stark zu expandieren. Auf weniger feinerdehaltigem Substrat gedeihen Möhren-Steinkleefluren mit Gewöhnlichem Bitterkraut (Picris hieracioides), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe) und Kriechendem Hauhechel (Ononis repens).


Floristisches Kleinod: Individuen-
reichstes Vorkommen der vom Aussterben bedrohten Zottigen Fahnenwicke in Bayern

Die vor allem in der Südhälfte des Areals ausgedehnten Grobschotterflächen tragen lückige Initialvegetation, insbesondere Mauerpfefferfluren mit 4 Arten der Gattung Sedum, aber auch andere Pioniermagerrasen mit Teppichen des Frühblühenden Thymians (Thymus praecox), großen Beständen der Steinbrech-Felsennelke (Petrorhagia saxifraga) und mehreren Wuchsbereichen des Weidenblättrigen Ochsenauges (Buphthalmum salicifolium). Eine besondere Bedeutung für den Artenschutz hat das wohl größte bayerische Vorkommen der Zottigen Fahnenwicke (Oxytropis pilosa) auf der Westseite, aber auch der kleine Bestand des Grasnelken-Habichtskrauts (Tolpis staticifolia).
In den 1990iger Jahren wurden die Heidelerche (Lulula arborea) als wahrscheinlicher Brutvogel im Gleislager festgestellt. Aus den letzten Jahren liegen leider keine Nachweise mehr vor. Die Heidelerche ist inzwischen in ganz Bayern vom Aussterben bedroht. Außergewöhnlich artenreich ist die Entomofauna innerhalb des ehemaligen Gleislagers. Aus den Gruppen der Heuschrecken, Schmetterlinge, Käfer, Wildbienen und Wanzen wurden jeweils mehrere gefährdete Arten festgestellt. Es handelt sich vor allem um charakteristische Trockenrasen- oder Heidebewohner, wie z. B. den Himmelblauen Bläuling (Lysandra bellargus), die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) oder die vom Aussterben bedrohte Wildbiene Megachile rotundata.

Stellenweise findet man noch herumliegende Metallteile und verwitterte Holzstücke sowie kleine Mengen (Glas)scherben, Ziegel- bzw. Steinschutt aus der Zeit der früheren Nutzung als Wartungsanlage für Eisenbahnfahrzeuge. Mittig und im Nordteil ist der Betonboden an mehreren Stellen kleinflächig in eine ca. 2 m tiefe Unterkellerung durchgebrochen, so dass durch Betonsäulen gegliederte unterirdische Hohlräume unbekannter Größenausdehnug höhlenbewohnenden Tieren als Habitat zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es im genannten Bereich zwei knapp 2 m tiefe lang gestreckte Gruben mit Kiesrohboden und unregelmäßigen, teils steilen Randböschungen.

Am nördlichen und nordwestlichen Rand grenzt eine Laubholzhecke das Areal zu angrenzenden Sportstätten ab. An die Hecken schließen sich nach innen relativ nährstoffreiche, hochwüchsige, aber insgesamt artenreiche Ruderalfluren mit Gehölzaufwuchs an. Dazwischen befindet sich eine kleine Gruppe ca. 20 Meter hoher Fichten mit grasreichem, heideähnlichem Unterwuchs, welcher Frühlings- und Filz-Segge (Carex caryophyllea et tomentosa) enthält.

Den südlichen Abschluss bilden eine lichte Waldkiefern-Dickung mit einem magerrasenähnlichen, zwergstrauchreichen Unterwuchs u. a. aus Thymian (Thymus sp.) und Rentierflechte (Cladonia sp.). Als Pioniergehölz findet sich ein Pappel-Birken-Wäldchen. Weitreichende Ausläufer der Pappeln tragen im Übergangsbereich zu den Grobschotterfluren zu einer rasch fortschreitenden Verbuschung bei.

Bild:Typische Ansicht im ehemaligen Gleislager Neuaubing: Auf Kiesrohböden im Bereich der abmontierten Gleise wächst der Mauerpfeffer. Außerhalb der Rohböden siedeln Trockenwiesen mit Pioniergehölzen

Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)

Laubbaumbestände (Kronendach)

10

Trittrasen und Trampelpfade

1

Mischbaumbestände (Kronendach)

1

Initialvegetation trocken

30

Deckung der Strauchschicht

7

Vegetationsfreie Fläche

2

Gras- und Krautfluren nährstoffreicher Standorte

2

Moos- und Flechtenbewuchs/Moosrasen

1

Wärmeliebende Ruderalfluren und Säume

25

Magerrasen, basenreich (geschützt Art. 13 d BayNatSchG)

3

Altgrasbestand/Grünlandbrache

22

Sonstige Flächenanteile

4


12.2 Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten:
Gewöhnliche Mondraute (Botrychium lunaria), Filz-Segge (Carex tomentosa), Büschel-Nelke (Dianthus armeria), Steifblättriger Schöterich (Erysimum hieraciifolium), Sanddorn (Hippophae rhamnoides), Ausdauernder Lein (Linum perenne), Zottige Fahnenwicke (Oxytropis pilosa), Steinbrech-Felsennelke (Petrorhagia saxifraga), Grasnelken-Habichtskraut (Tolpis staticifolia)

Heide-Lerche (Lulula arborea), Zaun-Eidechse (Lacerta agilis); Tagfalter: Kleiner Magerrasen-Perlmuttfalter (Clossiana dia; v. Scholley-Pfab, 2002), Idas-Silberfleck-Bläuling (Lycaeides idas), Himmelblauer Bläuling (Lysandra bellargus), Kleiner Sonnenröschen-Bläuling (Aricia agestis), Zwergbläuling (Cupido minimus), Roter Würfelfalter (Spialia sertorius); Heuschrecken: Laubholz-Säbelschrecke (Barbitistes serricauda), Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens), Zwerg-Ahlenläufer (Tachys sexstriatus; GeisER), Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus), Gestreifte Zartschrecke (Leptophyes albovittata), Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens); Wildbienen: Anthidium lituratum, Anthidium punctatum, Halictus lativentris, Megachile rotundata, Nomada atroscutellaris, Osmia ravouxi, Stelis ornatulaLandwanzen: Megalonotus sabulicola, M. hirsutus, Neottiglossa leporina), Odontoscelis fuliginosa, Rhyparochromus phoenicus [alle faunistischen Angaben zur Entomofauma aus ABSP, 2005)

Gehölze: Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Felsenbirne (Amelanchier sp.), Hänge-Birke (Betula pendula), Erbsenstrauch (Caragana arborescens), Hainbuche (Carpinus betulus), Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguineus), Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Walnuss (Juglans regia), Liguster (Ligustrum vulgare), Garten-Apfel (Malus domestica), Fichte (Picea abies), Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Weiß-Pappel (Populus alba), Espe (Populus tremula), Stiel-Eiche (Quercus robur), Artengruppe Hunds-Rose (Rosa canina agg.), Kratzbeere (Rubus caesius), Silber-Weide (Salix alba), Sal-Weide (Salix caprea), Lavendel-Weide (Salix eleagnos), Purpur-Weide (Salix purpurea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Eberesche (Sorbus aucuparia), Gewöhnlicher Flieder (Syringa vulgaris), Winter-Linde (Tilia cordata), Berg-Ulme (Ulmus glabra), Wolliger Schneeball (Viburnum lantana), Kleines Immergrün (Vinca minor)

Gräser und Kräuter: Gewöhnlicher Odermennig (Agrimonia eupatoria), Heide-Günsel (Ajuga genevensis), Feld-Beifuß (Artemisia campestris), Weidenblättriges Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Feld-Steinquendel (Calamintha acinos), Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides), Blaugrüne Segge (Carex flacca), Vogelfuß-Segge (Carex ornithopoda), Golddistel (Carlina vulgaris), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe), Sand-Hornkraut (Cerastium semidecandrum), Natternkopf (Echium vulgare), Rosmarin-Weidenröschen (Epilobium dodonaei), Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens), Scharfes Berufkraut (Erigeron acris), Schmalblättriger Hohlzahn (Galeopsis angustifolia), Echtes Labkraut (Galium verum), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), Breitblättrige Platterbse (Lathyrus latifolius), Wald-Platterbse (Lathyrus sylvestris), Gewöhnliches Leinkraut (Linaria vulgaris), Purgier-Lein (Linum catharticum), Zwerg-Schneckenklee (Medicago minima;1995), Weißer Steinklee (Melilotus albus), Kriechende Hauhechel (Ononis repens), Dornige Hauhechel (Ononis spinosa), Wilder Dost (Origanum vulgare), Zierliche Sommerwurz (Orobanche gracilis), Glanzloser Pastinak (Pastinaca sativa ssp. urens), Sprossende Felsennelke (Petrorhagia prolifera), Gewöhnliches Bitterkraut (Picris hieracioides), Platthalm-Rispengras (Poa compressa), Silber-Fingerkraut (Potentilla argentea), Frühlings-Fingerkraut (Potentilla tabernaemontani), Quirl-Salbei (Salvia verticillata), Echtes Seifenkraut (Saponaria officinalis), Dreifinger-Steinbrech (Saxifraga tridactylites), Bunte Kronwicke (Securigera varia), Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre), Weißer Mauerpfeffer (Sedum album), Felsen-Fetthenne (Sedum reflexum), Milder Mauerpfeffer (Sedum sexangulare), Rötliche Fetthenne (Sedum telephium), Nickendes Leimkraut (Silene nutans), Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris), Rainfarn (Tanacetum vulgare), Trauben-Gamander (Teucrium botrys), Frühblühender Thymian (Thymus praecox), Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), Mittlerer Klee (Trifolium medium), Mehlige Königskerze (Verbascum lychnitis), Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum), Mäuseschwanz-Federschwingel (Vulpia myuros)

Problempflanzen = Invasive Neophyten (20%-Deckungsanteil): Kanadischer Katzenschweif (Conyza canadensis), Fächer-Zwergmispel (Cotoneaster horizontalis), Einjähriger Feinstrahl (Erigeron annuus), Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis agg.), Fünfblättriger Wilder Wein (Parthenocissus quinquefolia), Schmalblättriges Greiskraut (Senecio inaequidens), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)

Besondere Pflanzengesellschaften:

  • Thermophile Saumstaudenfluren (Origanetalia vulgaris Th. Müll. 61)

  • Möhren-Steinkleefluren (Dauco-Melilotion Görs 66)

  • Sand- und Felsgrusfluren (Sedo-Scleranthetalia Br.-Bl. 55)

  • Dreifinger-Steinbrechfluren (Saxifraga tridactylitae - Poetum compressae Géhu et Ler. 57)

  • Gesellschaft des Schmalblättrigen Hohlzahn (Galeopsietum angustifoliae Büker 42)

  • Rainfarn-Beifuß-Gestrüpp (Artemisio - Tanacetetum vulgaris Br.-Bl. 31 corr. 49)

Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.): Brauner Grashüpfer (Chorthippus brunneus), Kleine Goldschrecke (Chrysochraon brachyptera), Schornsteinfeger (Aphanthapus hyperanthus), Würfeldickkopf (Carterocephalus palaemon), Großes Ochsenauge (Maniola jurtina), Schachbrettfalter (Melanargia galathea)

Besondere Strukturen:

  • Kleinrelief, zerfurchte Oberfläche

  • offene Rohböden

  • Mauer-, Pflasterfugenvegetation

  • Höhlen in Gebäudefundamenten

  • dichtes Gebüsch

  • Totholz/Totholzlagerhaufen

  • zahlreiche Tierbauten

  • hohes Blütenangebot

12.3 Nutzungen und Konflikte

Nutzung/Pflege/Zustand

Konflikt

Begründung

Biotopvernetzung gestört

stark

Durch den Bau des Gewerbegebietes Freiham mit Autobahnanschluss und den Bau der Autobahn 99 in diesem Bereich ist das Gleislager in eine Insellage geraten. Mittelfristig ist deshalb mit einer starken Artenverarmung zu rechnen.

Sukzession auf der Gesamtfläche

gering bis mäßig

Vor allem im Nordteil Aufwuchs und Ausbreitung von Gehölzbeständen oder der Kanadischen Goldrute; dabei Verdrängung der Arten und Lebensgemeinschaften wärmegetönter Rohbodenstandorte

Ausführen von Hunden, unangeleint

gering bis mäßig

Störung der Tierwelt, insbesondere bodenbrütender Vögel, deshalb vermutlich keine erfolgreiche Brut der in Bayern vom Aussterben bedrohten Heidelerche mehr möglich

Müllablagerungen lokal in Eingangsnähe

gering

Räumlich eng begrenzte Eutrophierung bzw. geringe Vermüllung; Begünstigung der Ausbreitung von Goldrutenbeständen

Spazierengehen, Zugang zu einem Tennisplatz

gering

Die Besucher gehen meist auf einem Betonweg und Trampelpfaden, mit der Öffnung des Geländes sind aber zunehmende Störungen der Tierwelt anzunehmen

Naturbeobachtung/Naturerfahrung

konfliktfrei

 

12.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge

  • Die sich expansiv ausbreitende, neophytische Goldrute sollte durch eine Frühsommermahd geschwächt werden, da sie sonst weite Teile der Fläche überwuchern wird.

  • Stellenweise sollten auch Gebüsche entfernt werden, um ein Zuwachsen der wertvollen Trockenrasen und Magerwiesen zu verhindern. Im Nordteil sollten vor allem einzeln aufgewachsener Jungbirken und Hartriegel entfernt werden. Ähnliches gilt für Pappel-Ausläufern und die bereits ausgebildete Streufilzauflage.

  • Stellenweise haben sich artenarme Landreitgras- und Goldrutenfluren mit dichtem Wurzelfilz so ausgebreitet, dass sich ein Abschieben des Oberbodens empfiehlt. Auf dem Rohboden siedeln sich dann rasch erneut die charakteristischen Trockenrasen-Arten an.

  • Das gesamte Gebiet sollte aufgrund der überragenden Artenausstattung als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden.

  • Eine gärtnerische Gestaltung von Teilen des Gebietes, wie von Ochs et al. angedacht, ist mit den Zielen des Naturschutzes für dieses Gebiet nicht vereinbar.

  • Die Artenvielfalt des Gleislagers geht auf Störungsarmut (viele Jahre lang kaum Besucher) und Nährstoffarmut zurück. Auf dieser Fläche sollte deshalb ausnahmsweise über ein Wegegebot und Leinenpflicht für Hunde nachgedacht werden. Leinenpflicht macht allerdings nur Sinn, wenn auch kontrolliert wird, z. B. durch die Naturschutzwacht.