Münchener Biotope - Außen2: Gleislager Neuaubing
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Überregional Bedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: gut ● Schutzstatus: Nicht Ausreichend
Lage: am südwestlichen Rand von
Neuaubing, südlich der Papinstraße 12.1 Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation: Das Gleislager in Neuaubing wurde 1937 auf der Westseite des Reisezugwagen-Ausbesserungswerks als Weichenlager angelegt. Auszubessernde Weichen und dazu notwendige Baustoffe aus ganz Bayern wurden dort deponiert. Nach Verlegung der Weichenwerkstätte zum Ausbesserungswerk Witten im Jahr 1967 diente die Fläche noch bis 1980 als Gleislager, wo Gleisjoche montiert und demontiert wurden (Lisson 1991). In den darauf folgenden Jahren wurde ein Großteil der Gleisanlagen teilweise oder vollständig abgebaut. Schrauben, andere Metallteile und Holzstücke liegen auch heute noch an vielen Stellen im Gelände herum. Inzwischen ist das Gleislager Neuaubing als Ausgleichsfläche für die Bebauung im Gewerbegebiet Freiham vorgesehen. Im Flächennutzungsplan der Stadt München (Stand 2006) ist das ehemalige Gleislager als Ökologische Vorrangfläche festgelegt worden. Das Grünkonzept für das Gewerbegebiet Freiham wurde von Ochs et al. entwickelt. Für das überregional bedeutsame Biotop im Gleislager Neuaubing ist unter anderem folgendes vorgesehen: „So wird eine sparsame Erschließung mit ergänzenden „Attraktionen“ wie zum Beispiel interessanten Torsituationen, Senkgärten usw. sowie mit Elementen der ehemaligen Bahnbetriebsfläche kombiniert und so der Genius loci des Ortes interpretiert.“ (aus http://www.muenchen.de ). Auf dem über 13 Hektar großen, ebenen Rohbodengelände haben sich vielfältige Vegetationsbestände mit einer hohen floristischen und faunistischen Artenvielfalt eingestellt. Bereiche mit geschlossener Vegetationsdecke auf feinkörnig, grusig-sandigen Rohböden mit schütter bewachsenen Flächen auf Grobschotter. Außerdem gibt es im Mittelteil des Areals, wo auch ein ca. 3 m breiter Betonweg das Gelände quert, mehrere asphaltierte oder betonierte Flächen. Die Asphalt- bzw. Betondecke ist an vielen Stellen rissig, so dass sich ein üppiger Pflasterfugenbewuchs aus Pionierfluren nährstoffarmer Standorte eingestellt hat. Z. B. kommen Mauerpfeffer-Arten (Sedum ssp.), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe) sowie Sandbirken (Betula pendula) und auch Moosteppiche vor. In Teilbereichen der feinerdereichen Streifen, vor allem im Nordosten des Areals, hat sich bereits ein ca. 8 m hoher Jungwald vor allem aus Birken und Pappeln entwickelt. Im westlichen Anschluss findet man eine mäßige Gehölzsukzession vor allem von Blutrotem Hartriegel (Cornus sanguinea), Hunds-Rosen (Rosa canina agg.) und Berg-Ulmen (Ulmus glabra) mit Wuchshöhen von 1-3 m. Vorherrschender Vegetationstyp im Nordteil sind Ruderalfluren nährstoffarmer Standorte mit Wuchshöhen von 60-100 cm. Sie bestehen aus einem Komplex von Goldruten- und Landreitgrasfluren sowie Glatthafer-Beständen. Die lückigen Goldrutenbestände sind blütenreich. Sie enthalten als Begleiter Bunte Kronwicke (Securigera varia), Kratzbeere (Rubus caesius), Wald-Platterbse (Lathyrus sylvestris) sowie einige für nährstoffarme Standorte charakteristische 1-2jährige Stauden. Nahe der Nordostgrenze des Gleislagers deckt die dort dominante Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) auf fast 2 ha Fläche bereits ca. 50% und scheint südwärts weiter stark zu expandieren. Auf weniger feinerdehaltigem Substrat gedeihen Möhren-Steinkleefluren mit Gewöhnlichem Bitterkraut (Picris hieracioides), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe) und Kriechendem Hauhechel (Ononis repens).
In den 1990iger Jahren wurden die Heidelerche
(Lulula arborea) als wahrscheinlicher Brutvogel im Gleislager
festgestellt. Aus den letzten Jahren liegen leider keine Nachweise mehr
vor. Die Heidelerche ist inzwischen in ganz Bayern vom Aussterben bedroht.
Außergewöhnlich artenreich ist die Entomofauna innerhalb des ehemaligen
Gleislagers. Aus den Gruppen der Heuschrecken, Schmetterlinge, Käfer,
Wildbienen und Wanzen wurden jeweils mehrere gefährdete Arten
festgestellt. Es handelt sich vor allem um charakteristische Trockenrasen-
oder Heidebewohner, wie z. B. den Himmelblauen Bläuling (Lysandra
bellargus), die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) oder
die vom Aussterben bedrohte Wildbiene Megachile rotundata.
Stellenweise findet man noch herumliegende Metallteile und verwitterte Holzstücke sowie kleine Mengen (Glas)scherben, Ziegel- bzw. Steinschutt aus der Zeit der früheren Nutzung als Wartungsanlage für Eisenbahnfahrzeuge. Mittig und im Nordteil ist der Betonboden an mehreren Stellen kleinflächig in eine ca. 2 m tiefe Unterkellerung durchgebrochen, so dass durch Betonsäulen gegliederte unterirdische Hohlräume unbekannter Größenausdehnug höhlenbewohnenden Tieren als Habitat zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es im genannten Bereich zwei knapp 2 m tiefe lang gestreckte Gruben mit Kiesrohboden und unregelmäßigen, teils steilen Randböschungen. Am nördlichen und nordwestlichen Rand grenzt eine Laubholzhecke das Areal zu angrenzenden Sportstätten ab. An die Hecken schließen sich nach innen relativ nährstoffreiche, hochwüchsige, aber insgesamt artenreiche Ruderalfluren mit Gehölzaufwuchs an. Dazwischen befindet sich eine kleine Gruppe ca. 20 Meter hoher Fichten mit grasreichem, heideähnlichem Unterwuchs, welcher Frühlings- und Filz-Segge (Carex caryophyllea et tomentosa) enthält. Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)
Heide-Lerche (Lulula arborea), Zaun-Eidechse (Lacerta agilis); Tagfalter: Kleiner Magerrasen-Perlmuttfalter (Clossiana dia; v. Scholley-Pfab, 2002), Idas-Silberfleck-Bläuling (Lycaeides idas), Himmelblauer Bläuling (Lysandra bellargus), Kleiner Sonnenröschen-Bläuling (Aricia agestis), Zwergbläuling (Cupido minimus), Roter Würfelfalter (Spialia sertorius); Heuschrecken: Laubholz-Säbelschrecke (Barbitistes serricauda), Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens), Zwerg-Ahlenläufer (Tachys sexstriatus; GeisER), Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus), Gestreifte Zartschrecke (Leptophyes albovittata), Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens); Wildbienen: Anthidium lituratum, Anthidium punctatum, Halictus lativentris, Megachile rotundata, Nomada atroscutellaris, Osmia ravouxi, Stelis ornatulaLandwanzen: Megalonotus sabulicola, M. hirsutus, Neottiglossa leporina), Odontoscelis fuliginosa, Rhyparochromus phoenicus [alle faunistischen Angaben zur Entomofauma aus ABSP, 2005) Gehölze: Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Felsenbirne (Amelanchier sp.), Hänge-Birke (Betula pendula), Erbsenstrauch (Caragana arborescens), Hainbuche (Carpinus betulus), Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguineus), Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Walnuss (Juglans regia), Liguster (Ligustrum vulgare), Garten-Apfel (Malus domestica), Fichte (Picea abies), Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Weiß-Pappel (Populus alba), Espe (Populus tremula), Stiel-Eiche (Quercus robur), Artengruppe Hunds-Rose (Rosa canina agg.), Kratzbeere (Rubus caesius), Silber-Weide (Salix alba), Sal-Weide (Salix caprea), Lavendel-Weide (Salix eleagnos), Purpur-Weide (Salix purpurea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Eberesche (Sorbus aucuparia), Gewöhnlicher Flieder (Syringa vulgaris), Winter-Linde (Tilia cordata), Berg-Ulme (Ulmus glabra), Wolliger Schneeball (Viburnum lantana), Kleines Immergrün (Vinca minor) Gräser und Kräuter: Gewöhnlicher Odermennig (Agrimonia eupatoria), Heide-Günsel (Ajuga genevensis), Feld-Beifuß (Artemisia campestris), Weidenblättriges Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Feld-Steinquendel (Calamintha acinos), Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides), Blaugrüne Segge (Carex flacca), Vogelfuß-Segge (Carex ornithopoda), Golddistel (Carlina vulgaris), Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe), Sand-Hornkraut (Cerastium semidecandrum), Natternkopf (Echium vulgare), Rosmarin-Weidenröschen (Epilobium dodonaei), Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens), Scharfes Berufkraut (Erigeron acris), Schmalblättriger Hohlzahn (Galeopsis angustifolia), Echtes Labkraut (Galium verum), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), Breitblättrige Platterbse (Lathyrus latifolius), Wald-Platterbse (Lathyrus sylvestris), Gewöhnliches Leinkraut (Linaria vulgaris), Purgier-Lein (Linum catharticum), Zwerg-Schneckenklee (Medicago minima;1995), Weißer Steinklee (Melilotus albus), Kriechende Hauhechel (Ononis repens), Dornige Hauhechel (Ononis spinosa), Wilder Dost (Origanum vulgare), Zierliche Sommerwurz (Orobanche gracilis), Glanzloser Pastinak (Pastinaca sativa ssp. urens), Sprossende Felsennelke (Petrorhagia prolifera), Gewöhnliches Bitterkraut (Picris hieracioides), Platthalm-Rispengras (Poa compressa), Silber-Fingerkraut (Potentilla argentea), Frühlings-Fingerkraut (Potentilla tabernaemontani), Quirl-Salbei (Salvia verticillata), Echtes Seifenkraut (Saponaria officinalis), Dreifinger-Steinbrech (Saxifraga tridactylites), Bunte Kronwicke (Securigera varia), Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre), Weißer Mauerpfeffer (Sedum album), Felsen-Fetthenne (Sedum reflexum), Milder Mauerpfeffer (Sedum sexangulare), Rötliche Fetthenne (Sedum telephium), Nickendes Leimkraut (Silene nutans), Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris), Rainfarn (Tanacetum vulgare), Trauben-Gamander (Teucrium botrys), Frühblühender Thymian (Thymus praecox), Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), Mittlerer Klee (Trifolium medium), Mehlige Königskerze (Verbascum lychnitis), Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum), Mäuseschwanz-Federschwingel (Vulpia myuros) Problempflanzen = Invasive Neophyten (20%-Deckungsanteil): Kanadischer Katzenschweif (Conyza canadensis), Fächer-Zwergmispel (Cotoneaster horizontalis), Einjähriger Feinstrahl (Erigeron annuus), Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis agg.), Fünfblättriger Wilder Wein (Parthenocissus quinquefolia), Schmalblättriges Greiskraut (Senecio inaequidens), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) Besondere Pflanzengesellschaften:
Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.): Brauner Grashüpfer (Chorthippus brunneus), Kleine Goldschrecke (Chrysochraon brachyptera), Schornsteinfeger (Aphanthapus hyperanthus), Würfeldickkopf (Carterocephalus palaemon), Großes Ochsenauge (Maniola jurtina), Schachbrettfalter (Melanargia galathea) Besondere Strukturen:
12.3 Nutzungen und Konflikte
12.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge
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