Münchener Biotope - Außen2: Grünstreifen an der Friedenspromenade 

Stadtteilbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Mittel
● Schutzstatus: Ausreichend

Lage:   Gartenstadt Trudering, Südostseite der Friedenspromenade
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: Südliche Hälfte liegt im Landschaftsschutzgebiet (LSG)
Kartierter Münchner Stadtbiotop mit der Nr.: 455 (entspricht dem Südwestteil der Fläche)
ABSP-Nr.: nicht erfasst
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Übergeordnete Grünbeziehung aus Allgemeinen Grünflächen
Flächengröße: 7,2 ha

5.1 Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation: Die Friedenpromenade in Trudering verbindet die Wasserburger Landstraße mit der Gartenstadt Trudering. Die Wohnbebebauung an der Friedenspromenade entstand als Nachkriegs-Siedlungsprojekt, das vor allem zahlreiche Kriegs-Flüchtlinge aufgenommen hat. Der von Nordosten nach Südwesten verlaufende Straßenzug besitzt zwei Richtungsfahrbahnen in weitem Abstand zueinander. Der hier beschriebene Biotop besteht im Wesentlichen aus der zwischen den Fahrbahnen gelegenen Freifläche. Er verdankt seine Existenz den, in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts z. T. utopischen Straßenbauplänen (vgl. Sternprojekt in Stankiewitz 2005, S. 98 f.), für die große Trassen freigehalten wurden. Für den südlichen Teil der Straße und der Siedlung Friedenspromenade wurden damals noch vorhandene Restbestände der Perlacher Heide bebaut oder gärtnerisch umgestaltet.

Der von der Wasserburger Landstraße bis zur Straße „Am Hochacker“ durchgängige Grünstreifen von 1,8 km Länge und 25-30 m Breite wird von insgesamt 8 Straßen gequert. Im Norden zwischen Wasserburger Landstraße und Ottilienstraße trägt der dort strukturarme Grünstreifen einen einförmigen Scherrasen. Vereinzelt finden sich kleinere Bäume (Stammdurchmesser von 10-30 cm) und kleine Baum- und Gebüschgruppen. Nördlich der Florastraße enthalten die an den Rändern gepflanzten Gehölzreihen zahlreiche fremdländische Ziersträucher, eine Waldkiefern-Baumgruppe ist dicht mit Schneebeeren (Symphoricarpos rivularis) unterpflanzt. Nördlich der querenden Heilwigstraße unterbricht ein knapp 1000 m2 großes, von Sal-Weiden (Salix caprea) dominiertes Feldgehölz die Sichtachse der schnurgeraden Grünanlage. Andere, zwischen 50 und 200 m2 große, Gehölzgruppen sind mit florenfremden Kriechsträuchern unterpflanzt, potentielle Krautsäume werden abgemäht. Südlich der Solalindenstraße begleitet eine kurze Baumreihe aus Rosskastanien (Aesculus hippocastanum) die Fahrbahn der Friedenspromenade.


Neu angelegte Blumenwiese an der Friedenspromenade: Aufgrund des nicht autochthonen und ungünstig gemischten Saatgutes ist ein relativ artenarmer Klee-
Rasen entstanden

Zwischen der Ottilien- und Markgrafenstraße ist der Grünstreifen entlang der gerade fertig gestellten Neubau-
siedlung „Bajuwarenstraße“ abschnittsweise bis auf 40 m Breite erweitert. Dieser Bereich ist mit einer Blumenwiesen-
mischung eingesät, welche offenbar viele Kulturformen von Wildpflanzen und einen hohen Anteil an Leguminosen, insbesondere Hopfenklee (Medicago lupulina) in einer sehr großwüchsigen Variante, enthalten hat. Die mäßig blüten-
reiche, von mastigen Leguminosenarten dominierte Wiese mit einigen Arten der Magerrasen wie z.B. Wundklee (Anthyllis vulneraria) und Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa) wirkt sehr inhomogen; Teilbereiche werden von schütterem Rasenbewuchs bzw. von Weißklee-Teppichen eingenommen. Im Bereich neben dem dortigen Einkaufszentrum nimmt der Weiß-Klee auf dem stark verdichteten Lehmboden bereits über die Hälfte der Fläche ein. Aufgrund der zu beobachtenden Entwicklungstendenz ist in wenigen Jahren mit einem Ende der derzeitigen Arten- und Blütenvielfalt zu rechnen, weil offenbar bei der Anlage der Wiese nicht sorgfältig genug (falsche Saatmischung, kein autochthones Saatmaterial, Bodenverdichtung) vorgegangen wurde. Der nördliche und südliche Abschnitt entlang dieser Neubausiedlung ist spärlich mit Laubbäumen bepflanzt. Von zwei flächigen, mit geschreddertem Holz abgedeckten Pflanzungen sind bereits 70-80% der Sträucher eingegangen.

In östlicher Verlängerung der Gartenstadtstraße zweigt südlich der Neubausiedlung nach Südosten ein 40-60 m breiter Grünstreifen von gut 300 m Länge ab, welcher ebenfalls fast komplett mit einer sehr leguminosenreichen Blumenwiesenmischung mit Kulturformen begrünt wurde. Es hat sich eine vom Hopfen- und Hornklee dominierte, inhomogen wirkende Magerwiese mit üppig grünem Erscheinungsbild entwickelt. Der Mittelteil dieses Streifens mit verdichtetem Lehmboden wird von einem Tritt- und Blumenrasen eingenommen. Der durchgängig drei Meter m breite Weg trägt eine Eichen-Allee.



Nur an wenigen vom Rasenmäher
unerreichbaren Stellen können Wild-
kräuter zur Blüte kommen


Südlich der Markgrafenstraße bis etwas südlich der Vogesenstraße begrenzen beiderseits fast geschlossene Lindenreihen den Grünstreifen. Dort wächst auf einem relativ nährstoffarmen Standort ein Scherrasen, außerdem sind vereinzelt Gehölzgruppen vorhanden. Daran schließt südlich ein alter Baumbestand mit mächtigen Eichen an. Im Bereich zwischen Mondseestraße und Am Hochacker bedecken die tiefbeasteten Eichen und Fichten mehr als 50% des Grünstreifens. Dennoch werden fast alle verwinkelten, teilweise kaum 3 Meter breiten Gehölzlücken sehr häufig gemäht und tragen Scherrasen anstatt standorttypischer Waldsäume.
Südöstlich des hier beschriebenen Biotops hat sich östlich der Friedrich-Creuzer-Straße ein Streifen mit typischer, artenreicher Reliktvegetation einer Schotterheide erhalten.

Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)

Laubbaumbestände (Kronendach)

30

Scherrasen

35

Mischbaumbestände (Kronendach)

2

Trittrasen und Trampelpfade

6

Deckung der Strauchschicht

8

Intensiv gepflegte Zierbeete

0,1

Gras- und Krautfluren nährstoffreicher Standorte

1

Blumenrasen

5

Initialvegetation trocken

0,1

Sonstige Flächenanteile

3

Neu angelegte Magerwiese

20

 

 

5.2 Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten: (*=sicher angesät bzw. angepflanzt): *Gewöhnlicher Frauenspiegel (Legousia speculum-veneris), *Eibe (Taxus baccata)

Gehölze: Feld-Ahorn (Acer campestre), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Rote Ross-Kastanie (Aesculus x carnea), Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Hänge-Birke (Betula pendula), Hainbuche (Carpinus betulus), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Buche (Fagus sylvatica), Forsythie (Forsythia x intermedia), Esche (Fraxinus excelsior), Walnuss (Juglans regia), Kerrie (Kerria japonica), Liguster (Ligustrum vulgare), Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), Pfeifenstrauch (Philadelphus coronarius) Fichte (Picea abies), Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Steinweichsel (Prunus mahaleb), Stiel-Eiche (Quercus robur), Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum), Hunds-Rose (Rosa canina agg.), Kratzbeere (Rubus caesius), Himbeere (Rubus idaeus), Sal-Weide (Salix caprea), Eberesche (Sorbus aucuparia), Rotblühender Spierstrauch (Spiraea bumalda), Weißblühender Spierstrauch (Spiraea sp.), Winter-Linde (Tilia cordata), Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)

Gräser und Kräuter (K= züchterisch beeinflusste Sippen, keine Wildformen): Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris agg.), Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), Bärlauch (Allium ursinum), Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria), Gewöhnliches Ruchgras (Anthoxanthum odoratum), Wundklee (Anthyllis vulneraria agg.), Große Klette (Arctium lappa), Feld-Beifuß (Artemisia campestris), Kamtschatka-Beifuß (Artemisia verlotiorum), Gewöhnliches Barbarakraut (Barbarea vulgaris), Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Zaun-Winde (Calystegia sepium), Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides), Wiesen-Kümmel (Carum carvi), Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), Gewöhnliche Wiesen-Flockenblume (Centaurea vulgaris), Wiesen-Pippau (Crepis biennis), Wilde Möhre (Daucus carota), Schaf-Schwingel (Festuca ovina agg.), Wiesen-Labkraut (Galium album agg.), Echtes Labkraut (Galium verum), Ruprechtskraut (Geranium robertianum), Wolliges Honiggras (Holcus lanatus), Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochoeris radicata), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), Rauer Löwenzahn (Leontodon hispidus), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), Hornklee/K (Lotus corniculatus), Feld-Hainsimse (Luzula campestris), Osterglocke/K (Narcissus pseudonarcissus), Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia), Kleine Bibernelle/K (Pimpinella saxifraga), Spitz-Wegerich/K (Plantago lanceolata), Mittlerer Wegerich (Plantago media), Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), Sauerampfer (Rumex acetosa), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Rote Lichtnelke (Silene dioica), Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi), Nickendes Leimkraut (Silene nutans), Aufrechter Ziest (Stachys recta), Rainfarn (Tanacetum vulgare), Gewöhnlicher Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), Feld-Klee (Trifolium campestre), Saat-Wiesenklee (Trifolium pratense ssp. sativum), Wiesen-Goldhafer (Trisetum flavescens), Huflattich (Tussilago farfara), Schmalblättrige Wicke (Vicia angustifolia)

Problempflanzen = Invasive Neophyten (1% Deckungsanteil): Kanadischer Katzenschweif (Conyza canadensis), Schlanke Karde (Dipsacus strigosus), Robinie (Robinia pseudoacacia), Schneebeere (Symphoricarpus rivularis)

Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.):  Elster (Pica pica), Kleines Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus), Distelfalter (Cynthia cardui), Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus)

Besondere Strukturen:

  • hohes Blütenangebot in einem Teilabschnitt
     

5.3: Nutzungen und Konflikte

Nutzung/Pflege/Zustand

Konflikt

Begründung

Fast flächendeckend häufige Mahd

stark

Fehlen von Krautsäumen und Langgrasbeständen als Rückzugsräume für Flora und Fauna; Verhinderung von Blumenblüte und von Vogelbruten in Bodennähe

Nicht autochthone Ansaat

stark

Standortheimische Pflanzensippen können durch massenhafte Ansaat nicht autochthonen Materials ausgerottet werden.

Gehölzunterpflanzungen mit Schneebeeren und florenfremden Bodendeckern im Nordteil

mäßig

Eine standorttypische Strauch- und Krautschicht kann sich nicht bilden.

Ausführen von Hunden meist unangeleint

gering

Standorte sind größtenteils nicht mehr nährstoffarm, bodenbrütende Vogelarten kommen nicht vor

Naherholung (Spazieren gehen, Joggen) vor allem auf den Wegen und auf dem Trampelpfad im Südteil

konfliktfrei

 

Spielen im Grünstreifen südlich der Neubausiedlung

konfliktfrei

Der dortige Leguminosenrasen ist trittresistent und ohne nennenswerte ökologische Bedeutung


5.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge

  • Reduzierung der Mahdhäufigkeit auf der gesamten Grünfläche, außer im Bereich der neu angelegten Wiesenflächen um die Neubausiedlung. Die Grünflächen werden nicht als Liege- oder Spielwiesen genutzt, eine Reduzierung der Mahdhäufigkeit erhöht die Artenvielfalt.

  • Entwicklung 2 m breiter Krautsäume um die Gehölzgruppen, dazu muss der Mahdturnus auf einmal pro Jahr gesenkt werden.

  • Entwicklung von maximal fünfmal jährlich gemähten Blumenrasen und zweischürigen Blumenwiesen insbesondere südlich der Markgrafenstraße

  • Entfernung des dichten Gehölzunterwuchses innerhalb der Gehölze im Nordteil, um geeignete Lichtverhältnisse für die Entwicklung artenreicher Krautfluren mit Frühlingsgeophyten zu schaffen

  • Mittelfristig Umbruch und Neuanlage der unsachgemäß eingesäten Blumenwiese am Neubaugebiet Bajuwarenstraße

  • Neuanlage von Rohbodenflächen