Stadtteilbedeutsames
Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: kritisch
● Schutzstatus: Ausreichend
Lage: Untermenzing, nördlich Obere
Mühlstraße, westlich Behringstraße
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: kein Schutzgebiet
Münchner Stadtbiotop-Nr.: nicht kartiert
ABSP-Nr.: 123
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Friedhof
Flächengröße: 8,3 ha
10.1 Geschichte,
Geländebeschreibung, Vegetation: Die Untermenziger Dorfkirche St.
Martin wurde 1499 erbaut. Der heute von einer Mauer eingefasste kleine
Dorfriedhof um die Kirche St. Martin besteht also bereits seit über 500
Jahren (Rudolph, E., 1997, S. 124 ff.). Er ist damit 74 Jahre älter als
der älteste, erhaltene Friedhof in München, der Alte Südliche Friedhof.
Der Parkfriedhof in Untermenzing kann dagegen erst auf eine 15jährige
Geschichte zurückblicken, er wurde zu Beginn der 1990er Jahre westlich der
Behringstraße auf der Niederterrasse der Würm angelegt.
Innerhalb des nur ca.
1500 Quadratmeter großen Dorffriedhofs sind die Gräberreihen westlich der
Kirche durch streng geschnittene, ca. 150 cm hohe Eibenhecken und einige
in Reihen gepflanzte niedrigkronige Vogel-Kirschen unterteilt. Die übrige
Vegetation besteht überwiegend aus Zierrasen, der bis zu den
Friedhofsmauern ausgemäht wird , einzig entlang der in Nord-Süd-Richtung
verlaufenden Eibenhecke ungefähr in der Friedhofsmitte hat sich ein
schmaler, artenarmer Gierschsaum erhalten können. Die 1,7 Meter hohe
Umfriedungsmauer ist fast vollständig vor längerer Zeit renoviert worden.
Sie ist teilweise bemoost oder mit Efeu bewachsen. Nur auf einem kurzen
Abschnitt auf der Nordseite blieb eine vom Schöllkraut (Chelidonium majus)
geprägte Mauerfugenvegetation erhalten.

Parkfriedhof
Untermenzing: Durch das häufige Mähen der Rasenflächen bis unter die
Gehölze wird das Entstehen artenreicher Krautsäume unmöglich gemacht |
Der annähernd quadratische Parkfriedhof am westlichen Würmufer ist auf
drei Seiten mit einer Laubholzhecke mit geringem Koniferenanteil
umfriedet, die Ostgrenze zur Behringstraße bildet eine 1,7 m hohe, von
Wildem Wein bewachsene Mauer. Die Grabstätten konzentrieren sich
derzeit noch auf den östlichen und mittleren Bereich. Trotz des noch
geringen Alters des Friedhofs findet man einen erstaunlich hohe Zahl
von Laubbäumen mit mittleren Stammdicken von 30-40 cm Durchmesser. Mit
einem besonders hohen Anteil sind Linden (Tilia sp.) vertreten, auch
die zur Blütezeit einen unangenehmem Geruch verbreitende, florenfremde
Silber-Linde (Tilia tomentosa) wurde in mehreren Exemplaren gepflanzt.
Über zwei Meter hohe Laubholzhecken untergliedern die Gräberfelder,
die ungefähr zur Hälfte aus nicht heimischen Gehölzarten, insbesondere
Spiersträuchern, Forsythien und Flieder bestehen. Die Rasenflächen um
die Grabstätten sind artenarm und erscheinen ausgesprochen intensiv
gepflegt, Krautsäume um die Gehölze fehlen fast überall. |

Dorffriedhof
Untermenzing: Gräber und Gräberfelder sind sehr gepflegt, Wildkräuter fehlen
weitgehend. Die frisch sanierte Friedhofsmauer beginnt wieder mit Efeu
einzuwachsen |
Im Norden und
Süden des Parkfriedhofs finden sich mäßig artenreiche Magerwiesen. In
die Wiese im Nordteil ist ein kleiner Steinpflasterhügel mit
Pflasterfugenvegetation, u. a. mit Rundblättriger Glockenblume
(Campanula rotundifolia) integriert. In dieser Wiese ist die Kleine
Bibernelle (Pimpinella saxifraga) sehr häufig. Relativ magere
Pioniervegetation mit Sandkraut (Arenaria serpyllifolia) und
Mauerpfeffer-Arten (Sedum sp.) findet man ferner auf den kaum begangenen
Wegen im Nord- und Westteil außerhalb der bestehenden Gräberfelder. Um
den Betriebslagerschuppen im Süden haben sich auf den sandig-lehmigen
Rohböden nährstoffarme Gras- und Ruderalfluren mit hohem Anteil an
Neophyten entwickelt. Vor allem der Einjährige Feinstrahl (Erigeron
annuus) hat sich über mehrere tausend Quadratmeter stark ausgebreitet.
Die nahezu ungenutzten Streifen zwischen den Wegen und Gehölzbeständen
im Westteil werden von selten gemähten, teils ruderalisierten
Grünlandbeständen unterschiedlicher Trophiestufen eingenommen. Vor allem
nahe den Wegrändern befinden sich an vielen Stellen kleinflächige,
niederwüchsige Mauerpfefferfluren. |
Vegetations- und
Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)
|
Laubbaumbestände |
30 |
Artenreiches
Extensivgrünland/Magerwiese |
10 |
|
Nadelbaumbestände |
1 |
Artenarme Fettwiese |
3 |
|
Deckung der Strauchschicht |
10 |
Scherrasen |
|
|
Gras- und Krautfluren
nährstoffreicher Standorte |
1 |
Intensiv gepflegte
Zierbeete |
25 |
|
Altgrasbestand/Grünlandbrache |
5 |
Zierhecken |
0,2 |
|
Trittrasen und Trampelpfade |
2 |
Sonstige Flächenanteile |
35 |
|
Initialvegetation trocken |
1 |
|
|
10.2 Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter
Arten (*= angepflanzt): *Kornelkirsche (Cornus mas), *Eibe (Taxus
baccata); Grünspecht (Picus viridis), Sperber (Accipiter nisus)
Gehölze: Feld-Ahorn
(Acer campestre), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer
pseudoplatanus), Papyrus-Birke (Betula cf. papyrifera), Hänge-Birke (Betula
pendula), Hainbuche (Carpinus betulus), Kornelkirsche (Cornus mas),
Blutroter Hartriegel (Cornus sanguineus), Hasel (Corylus avellana),
Gewöhnliches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Buche (Fagus sylvatica),
Forsythie (Forsythia intermedia), Efeu (Hedera helix), Liguster (Ligustrum
vulgare), Wilder Wein (Parthenocissus tricuspidata), Fichte (Picea abies),
Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Fingerstrauch (Potentilla fructicosa),
Vogel-Kirsche (Prunus avium), Trauben-Kirsche (Prunus padus), Schlehe
(Prunus spinosa), Trauben-Eiche (Quercus petraea), Stiel-Eiche (Quercus
robur), Hunds-Rose (Rosa canina), Vielblütige Rose (Rosa multiflora),
Kratzbeere (Rubus caesius), Brombeere (Rubus fruticosus agg.), Schwarzer
Holunder (Sambucus nigra), Eberesche (Sorbus aucuparia), Gewöhnlicher
Flieder (Syringa vulgaris), Weißblühende Spiräe (Spiraea alba), Rotblühende
Spiräe (Spiraea bumalda), Eibe (Taxus baccata), Winter-Linde (Tilia
cordata), Sommer-Linde (Tilia platyphyllos), Silber-Linde (Tilia tomentosa),
Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)
Gräser und Kräuter:
Windröschen (Anemone blanda), Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris),
Sandkraut (Arenaria serpyllifolia), Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia
vulgaris), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Acker-Glockenblume
(Campanula rapunculoides), Rundblättrige Glockenblume (Campanula
rotundifolia), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Orant (Chaenorhinum
minus), Wiesen-Pippau (Crepis biennis), Wilde Karde (Dipsacus fullonum),
Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium), Kleinblütiges
Weidenröschen (Epilobium parviflorum), Schaf-Schwingel (Festuca ovina agg.),
Wiesen-Labkraut (Galium album agg.), Weicher Storchschnabel (Geranium
molle), Ruprechtskraut (Geranium robertianum), Wiesen-Bärenklau (Heracleum
sphondylium), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Wiesen-Margerite
(Leucanthemum vulgare), Pfennigkraut (Lysimachia nummularia), Gewöhnliches
Bitterkraut (Picris hieracioides), Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga),
Mittlerer Wegerich (Plantago media), Frühlings-Fingerkraut (Potentilla
tabernaemontani), Kleiner Klappertopf (Rhinanthus minor), Wilde Sumpfkresse
(Rorippa sylvestris), Bunte Kronwicke (Securigera varia), Scharfer
Mauerpfeffer (Sedum acre), Milder Mauerpfeffer (Sedum sexangulare), Weiße
Lichtnelke (Silene alba), Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris),
Gras-Sternmiere (Stellaria graminea), Geruchlose Kamille (Tripleurospermum
perforatum), Wiesen-Goldhafer (Trisetum flavescens), Schwarze Königskerze
(Verbascum nigrum), Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus),
Wohlriechendes Veilchen (Viola odorata)
Problempflanzen = Invasive
Neophyten (3% Deckungsanteil): Kanadischer Katzenschweif (Conyza
canadensis), Zwergmispel (Cotoneaster sp.), Einjähriger Feinstrahl (Erigeron
annuus), Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum), Gewöhnliche Nachtkerze
(Oenothera biennis), Essigbaum (Rhus typhina), Robinie (Robinia
pseudoacacia)
Fauna (ohne gefährdete
Arten, s. o.): Kaninchen (Oryctolagus cuniculus), Eichhörnchen (Sciurus
vulgaris), Zilpzalp (Phylloscopus collybita), Gebirgsstelze (Motacilla
cinerea), Feldsperling (Passer montanus) [Angaben zu den beiden
letztgennanten Arten aus ABSP, 2005), Distelfalter (Cynthia cardui), Großes
Ochsenauge (Maniola jurtina), Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus),
Nachtigall-Grashüpfer (Chorthippus biguttulus), Brauner Grashüpfer
(Chorthippus brunneus), Gewöhnlicher Grashüpfer (Chorthippus parallelus),
Roesels Beißschrecke (Metrioptera roeselii)
Besondere Pflanzengesellschaften:
Besondere Strukturen:
10.3 Nutzungen und Konflikte
|
Nutzung/Pflege/Zustand |
Konflikt |
Begründung |
|
Hoher Anteil florenfremder Laubgehölze |
mäßig |
Florenfremde Gehölze weisen eine weitaus
artenärmere Fauna auf als florenheimische Gehölze |
|
Häufige und umfassende Mahd im Bereich der
Gräberfelder des Parkfriedhofes und im gesamten Dorffriedhof |
mäßig |
Fast vollständiges Fehlen von Krautsäumen
und ungemähten, blütenreichen Grasfluren |
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Einschürige Mahd der Magerwiesen |
konfliktfrei |
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Naherholung (Spazieren gehen, auf Bänken
Sitzen, Grabbesuche) |
konfliktfrei- |
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10. 4 Pflege- und Maßnahmevorschläge
-
Eine höhere Artenvielfalt der Wiesen und Rasen
könnte durch eine Reduzierung der Mahdhäufigkeit im Bereich der
Gräberfelder erzielt werden. Um die gliedernden Hecken könnte durch die
Beschränkung der Mahd auf einen zweijährigen Turnus ein blütenreicher
Staudensaum entwickelt werden.
-
Im Dorffriedhof könnte am Mauerfuß ein für
solche Standorte typischer, artenreicher Saum entstehen, wenn dort ein 50
cm breiter Streifen dauerhaft ungemäht bliebe.
-
Die Artenvielfalt der Magerwiesen im
Parkfriedhof kann am besten durch einschürige Mahd im Spätsommer
gewährleistet werden.
-
Das Falllaub sollte, wo möglich, in Bereich
der Strauchpflanzungen liegen bleiben. Falllaub ist der bevorzugte
Überwinterungsort zahlreicher Kleintiere.
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