Stadtteilbedeutsames
Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Kritisch
● Schutzstatus: Ausreichend
Lage: Freiraum zwischen Feldmoching und
Hasenbergl
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: Kein Schutzgebiet
Kartierter Münchner Stadtbiotop mit der Nr.: 309, insgesamt
geringer Anteil an der Gesamtfläche
ABSP-Nr: 351 und 352, insgesamt geringer Anteil an der Gesamtfläche
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Übergeordnete
Grünbeziehung aus Allgemeinen Grünflächen
Flächengröße: 21,9 ha
7.1 Geschichte, Geländebeschreibung,
Vegetation: In den 1950er bis 1980er Jahren wurden im Münchner Norden
erhebliche Siedlungserweiterungen durchgeführt. Im Bereich Feldmoching
blieb aber ein gut 200 Meter breiter Streifen von jeglicher Bebauung frei.
Er sollte eine geplante Autobahntrasse aufnehmen. Die Trasse sollte in
etwa vom heutigen Autobahndreieck Feldmoching auf geradem Wege nach Süden
zur Landshuter Allee verlaufen. Diese Straßenbauplanung wurde im Lauf der
1980er Jahre aufgegeben und die ehemals vorwiegend landwirtschaftlich
genutzte Fläche wurde statt zur Autobahn zur öffentlichen Grünanlage
umgewandelt („Grünzug Feldmochinger Anger“). Noch heute erkennt man
zwischen der Herbergstraße im Norden und der querenden Weitlstraße im
Süden die einzelnen historischen Ackerschläge, die 20-70 Meter breit
waren. Die Mehrzahl der ehemaligen Äcker ist inzwischen brachgefallen. Die
Flächen sind nun größtenteils mit Grasfluren bewachsen, die vor allem
Pflanzengesellschaften aus Nährstoff liebenden Pflanzenarten aufweisen.
Als Relikt des Ackerbaus ist die Acker-Winde (Convolvulus arvensis) immer
noch sehr häufig. An mehreren Stellen wurde bereits mit der gärtnerischen
Gestaltung des Grünzugs begonnen, vor allem um die Nutzbarkeit für die
Erholungssuchenden durch den Bau von Wegen zu verbessern. Leider wurde
dabei bisher weitgehend auf naturnahe Gestaltungselemente bzw. eine
naturgemäße Pflege verzichtet, so dass die angelegten Teile des Grünzugs
ziemlich eintönig geraten sind.
Den nördlichen
Abschluss des Feldmochinger Angers bildet eine mit Sträuchern und
Obstbäumen locker bepflanzte Fettwiese, die wohl nur selten gemäht wird.
Daran schließt südwärts bis zur Herbergstraße neben einem Scherrasen eine
artenreiche, frisch gepflanzte, aber kaum standortgerechte Hecke nahezu
ohne Saum an. Nördlich der den Grünzug querenden Dülferstraße haben sich
auf den kiesigen Ackerbrachen Bitterkrautfluren und andere mäßig
artenreiche Krautfluren mit ziemlich hohem Anteil der Kanadischen Goldrute
entwickelt. Während an noch lückigen Stellen Hornklee (Lotus corniculatus)
und Hopfenklee (Medicago lupulina) gelbe Blütenteppiche bilden, herrschen
besonders an den Randbereichen sehr blütenarme, verfilzte Grasfluren mit
hohem Glatthafer-Anteil vor. An die Dülferstraße grenzt südseitig ein
schmaler Streifen mit einer neu angelegten artenreichen Magerwiese an, die
sich im Westteil zu einem lückigen Kalkmagerrasen mit Karthäuser-Nelke
(Dianthus carthusianorum) und Wundklee (Anthyllis vulneraria) entwickeln
könnte.

Magerwiese nördlich
der Weilstraße. 2003 wurde die Wiese leider zu früh gemäht |
Das sehr aufwuchsschwache Magergrünland ohne erkennbare Störzeiger wurde
2003 jedoch bereits zum Blühbeginn Mitte Mai gemäht, was aus
naturschutzfachlicher Sicht kontraproduktiv war.
Eine ähnlich
artenreiche Begrünung und Pflege findet man auf der Nordseite der
Weitlstraße, wo immerhin ca. 20% des blütenreichen Magerrasens ungemäht
blieben. Hier wurden auch Laubbäume in die Sichtachse des Angers
gepflanzt, welche später den Blick erheblich stören dürften. Außerdem
wurden drei sehr eintönig wirkende Gebüschgruppen mit hohem Anteil nicht
heimischer Gehölzarten gepflanzt. |
Zwischen Dülfer- und Weitlstraße überwiegt auf den Brachflächen ein Mosaik
aus Fettwiesen und Grasfluren. Besonders Nährstoff liebende Ruderalfluren
mit hohem Brennnesselanteil konzentrieren sich entlang der Trampelpfade,
was wohl auf das jahrzehntelange Ausführen von Hunden zurückzuführen ist.
Die Ostgrenze des Feldmochinger Angers ist z. T. als niedriger Wall
gestaltet, auf dem vor allem Nährstoffzeiger wachsen. In Bereichen mit
lückigem Krautbewuchs haben sich dort niedrige Pioniergehölze, vor allem
Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea) und Eschen (Fraxinus excelsior),
eingestellt. Auf einer gut einen Hektar großen Ackerbrache hat sich fast
flächenhaft eine Goldrutenflur ausgebreitet. Am Nordrand des querenden
Asphaltwegs in Verlängerung des Rambertweges befindet sich ein über 2000
m2 großes Feld mit Schnittblumen zum Selberschneiden, nördlich davon
inmitten des Grünzugs ein Feldgebüsch aus Schwarzem Holunder (Sambucus
nigra) und Schlehen (Prunus spinosa). Viele Äste und ganze Sträucher sind
abgestorben, die Krautschicht besteht fast ausschließlich aus
Brennnesseln, vermutlich eine Folge des früheren Herbizideinsatzes auf der
umliegenden Ackerfläche. Kleine nitrophytenreiche Gebüsche haben sich auch
an den Füßen von Hochspannungsmasten entwickelt.

Ackerbrache mit gelb
blühendem Hornklee. Im Bildhintergrund die Siedlung am Hasenbergl |
Auf der Westseite beiderseits der Dülferstraße begrenzt den Grünzug ein
ca. 15 m breiter Gehölzstreifen aus vorwiegend Spitz-Ahorn (Acer
platanoides) und Eschen mit vorgelagertem nährstoffreichem Saum. Dieser
wurde auf der Nordseite der Dülferstraße durch eine vorgelagerte
Strauchpflanzung und einige dicht stehende Laubbäume ergänzt. Südlich
des Malvenwegs geht der Grünzug mit nährstoffreichen Grasfluren und
einer leicht modellierten Scherrasenfläche in derzeit noch ackerbaulich
genutztes Gebiet über. |
Vegetations- und
Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)
|
Laubbaumbestände
(Kronendach) |
5 |
Artenarme Fettwiese |
15 |
|
Nadelbaumbestände |
0,2 |
Acker / junge Ackerbrache |
6 |
|
Deckung der Strauchschicht |
2 |
Sonderkulturen |
1 |
|
Gras- und Krautfluren
nährstoffreicher Standorte |
20 |
Scherrasen |
4 |
|
Altgrasbestand |
35 |
Blumenrasen |
3 |
|
Trittrasen und Trampelpfade |
1 |
Magerrasen, basenreich
(geschützt durch Art. 13 d BayNatSchG) |
0,3 |
|
Initialvegetation trocken |
4 |
Sonstige Flächenanteile |
4 |
7.2 Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter
Arten: keine gefährdeten Arten festgestellt
Gehölze: Feld-Ahorn
(Acer campestre), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Hainbuche (Carpinus
betulus), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Hasel (Corylus avellana),
Gewöhnliches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Buche (Fagus sylvatica),
Esche (Fraxinus excelsior), Walnuss (Juglans regia), Liguster (Ligustrum
vulgare), Kultur-Apfel (Malus domestica), Fichte (Picea abies), Wald-Kiefer
(Pinus sylvestris), Trauben-Kirsche (Prunus padus), Schlehe (Prunus
spinosa), Kultur-Birne (Pyrus communis), Vielblütige Rose (Rosa multiflora),
Kratzbeere (Rubus caesius), Himbeere (Rubus idaeus), Lavendel-Weide (Salix
eleagnos), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Eberesche (Sorbus
aucuparia), Schwedische Mehlbeere (Sorbus x intermedia), Flieder (Syringa
vulgaris), Winter-Linde (Tilia cordata), Sommer-Linde (Tilia platyphyllos),
Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus)
Gräser und Kräuter (* =
sicher angesät): Gewöhnlicher Odermennig (Agrimonia eupatoria), Genfer
Günsel (Ajuga genevensis), Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris), *Wundklee
(Anthyllis vulneraria agg.), Meerrettich (Armoracia rusticana),
Kamtschatka-Beifuß (Artemisia verlotiorum), Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia
vulgaris), Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Acker-Glockenblume (Campanula
rapunculoides), *Östliche Schmalblättrige Flockenblume (Centaurea
pannonica), Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense), Acker-Winde (Convolvulus
arvensis), Bunte Kronwicke (Coronilla varia), Wiesen-Pippau (Crepis
biennis), Wilde Möhre (Daucus carota), *Karthäuser-Nelke (Dianthus
carthusianorum), Großblütiger Fingerhut (Digitalis cf. grandiflora),
*Schaf-Schwingel (Festuca ovina agg.), Wald-Erdbeere (Fragaria vesca),
Wiesen-Labkraut (Galium album agg.), Pyrenäen-Storchschnabel (Geranium
pyrenaicum), Flaumhafer (Helictotrichon pubescens), Kleines Habichtskraut
(Hieracium pilosella), Florentiner Habichtskraut (Hieracium piloselloides),
Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochoeris radicata), Acker-Witwenblume (Knautia
arvensis), *Pyramiden-Schillergras (Koeleria pyramidata), Wiesen-Platterbse
(Lathyrus pratensis), Rauer Löwenzahn (Leontodon hispidus), Wiesen-Margerite
(Leucanthemum vulgare), Hornklee (Lotus corniculatus), Futter-Esparsette
(Onobrychis viciifolia), Wilder Dost (Origanum vulgare), Luzerne (Medicago
sativa), Echter Steinklee (Melilotus officinalis), Wasser-Knöterich
(Persicaria amphibia), Gewöhnliches Bitterkraut (Picris hieracioides),
Mittlerer Wegerich (Plantago media), Hain-Rispengras (Poa nemoralis),
Aufrechtes Fingerkraut (Potentilla recta), Erdbeer-Fingerkraut (Potentilla
sterilis), Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), Wiesen-Salbei (Salvia
pratensis), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Tauben-Skabiose
(Scabiosa columbaria), Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea),
Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi), Taubenkropf-Leimkraut (Silene
vulgaris), Gras-Sternmiere (Stellaria graminea), Wiesen-Bocksbart
(Tragopogon pratensis), Huflattich (Tussilago farfara), Schwarze Königskerze
(Verbascum nigrum), Schmalblättrige Wicke (Vicia angustifolia), Behaarte
Wicke (Vicia hirsuta), Zaun-Wicke (Vicia sepium)
Problempflanzen = Invasive
Neophyten (5% Deckungsanteil): Schlanke Karde (Dipsacus strigosus),
Einjähriger Feinstrahl (Erigeron annuus), Kanadische Goldrute (Solidago
canadensis), Schneebeere (Symphoricarpus rivularis)
Besondere
Pflanzengesellschaften:
Fauna (ohne gefährdete
Arten, s. o.): Würfel-Dickkopf (Carterocephalus palaemon), Kleines
Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus), Hauhechel-Bläuling (Polyommatus
icarus), Moor-Wiesenvögelchen (Maniola jurtina) Schachbrett (Melanargia
galathea) [Angaben zu den beiden letztgenannten Arten: ABSP, 2005);
Nachtigall-Grashüfer (Chorthippus biguttulus), Roesels Beißschrecke
(Metrioptera roeselii), Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima)
Besondere Strukturen:
7.3 Nutzungen und Konflikte
|
Nutzung/Pflege/Zustand |
Konflikt |
Begründung |
|
Mahd der neu angelegten Magerwiesen bereits
Mitte Mai |
stark |
Für die Entwicklung blütenreicher Wiesen
sollte ein erster Mahdtermin frühestens Ende Juni gewählt werden. |
|
Gehölzpflanzungen mit nicht autochthonem,
oft sogar florenfremdem Material |
mäßig bis stark |
Standortheimische Pflanzensippen können
durch massenhafte Ansaat nicht autochthonen Materials ausgerottet
werden. Mittelfristig wird durch die Gehölzpflanzungen die historische
Sichtachse unterbrochen. |
|
Haus- und Sperrmüll, auch Glasscherben, vor
allem an den Rändern zur Bebauung |
mäßig |
Störung des Landschaftsbildes und der
Möglichkeit zur landschaftsgebundenen Erholung, fortschreitende
Eutrophierung und Ruderalisierung |
|
Ausführen von Hunden, vorwiegend unangeleint
|
mäßig |
Starke Eutrophierung der wegbegleitenden
Flächen |
|
Ausgedehnte Ackerbrachen |
gering |
Vorwiegend Entwicklung artenarmer
Grasfluren, lokal Expansion artenarmer Goldrutenbestände |
|
Naherholung (Spazieren gehen, Spielen), vor
allem innerhalb der bereits als Grünanlage umgestalteten Teilbereiche |
konfliktfrei |
|
7.4 Pflege- und
Maßnahmevorschläge
-
Die Mahd der neu angelegten
Grünlandbereiche sollte dem Bestand angepasst werden. Für die Magerwiesen
und Magerrasen ist eine einmalige Spätsommermahd am besten geeignet.
-
Entlang der eintönigen Gehölzpflanzungen
können blütenreiche Säume entwickelt werden. Dazu sollten die Gehölzränder
nur noch einmal im Jahr, vorwiegend im Herbst gemäht werden.
-
Bei der Pflege der Gehölzpflanzungen sollten
vorwiegend florenfremde Sträucher herausgeschnitten und buchtige Ränder
gestaltet werden.
-
Neue Wege sollten grundsätzlich eine
wassergebundene Decke erhalten. An den Wegrändern sollten nicht mehr, wie
bisher, Scherrasen als Begrenzungsflächen angelegt werden. Blütenreiche,
selten gemähte Wegraine würden das Landschaftsbild aufwerten.
-
Flächen, die von der expansiven, neophytischen
Goldrute eingenommen werden, bedürfen einer besonderen Pflege. Entweder
sollten sie einmal im Jahr schon im Frühsommer gemäht werden oder man
sollte sie umbrechen und mit autochthonem Wiesen-Saatgut neu einsäen.
-
Keine gärtnerischen Umgestaltungsmaßnahmen im
Bereich nährstoffarmer, blütenreicher Ackerbrachen
|