Stadtteilbedeutsames
Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: schlecht
● Schutzstatus: Ausreichend
Lage: westlich angrenzend an die
Feldbahnstraße, südlich der Schittgablerstraße
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: kein Schutzgebiet
Münchner Stadtbiotop-Nr.: 443
ABSP-Nr.: nicht erfasst
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Übergeordnete
Grünbeziehung aus Bahnanlagen und Allgemeinen Grünflächen
Flächengröße: 1,3 ha
16. 1 Geschichte,
Geländebeschrei-bung, Vegetation: Die nahe an einer
Eisenbahn-Güterverkehrsstrecke gelegene Ruderalfläche stellt vermutlich
ein ehemals gewerblich genutztes Gelände dar, worauf noch vorhandene
Gebäudefundamente im Mittelteil hinweisen. Der Ostteil wurde zumindest in
Teilbereichen gärtnerisch genutzt. Ungefähr seit Mitte der 1990er Jahre
erfolgt keine Nutzung mehr, seither unterliegt das Gelände einer
weitgehend natürlichen Sukzession.
Die Brachfläche ist
vom Nord nach Süd etwa 300 Meter lang und durchschnittlich 45 Meter breit.
Sie ist zur Feldbahnstraße mit einem ca. 70 Zentimeter hohen Erdwall im
südlichen und mit einem Drahtzaum im nördlichen Bereich abgegrenzt. Der
größte Teil der Fläche wird von einer mäßig artenreichen und verfilzten
Grasflur mit hohem bis sehr hohem Anteil der Kanadischen Goldrute
(Solidago canadensis) eingenommen. Vor allem westseitig breitet sich an
vielen Stellen Sukzessionsgebüsch von 1 bis 2 m Höhe aus. Dominante
Straucharten sind Sal- und Purpur-Weide (Salix caprea et purpurea), auch
Birken und Pappeln sind zahlreich vertreten. Umgeben von Gebüschen sind
mehrere flachgründig-kiesige Bereiche mit lückigem, niedrigem Krautbewuchs
und hoher Moosbedeckung vorhanden. Hier haben sich blütenreiche
Möhren-Steinklee-Fluren mit Natternkopf (Echium vulgare) und
Beifuß-Gestrüpp entwickelt, als Begleiter kommen Arten der Sandgrusfluren
wie z.B. Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre) und Bleiches Hornkraut
(Cerastium pallens) vor. An mehreren Stellen finden sich lückige
Schafschwingelrasen mit Magerrasenarten wie z.B. Florentiner Habichtskraut
(Hieracium piloselloides) und Genfer Günsel (Ajuga genevensis), aber auch
Platthalm-Rispengras (Poa compressa). Auf den noch vegetationsarmen
Kiesböden findet sich eine Vielzahl Ameisenbauten. Zudem wurden zahlreiche
Hauhechel-Bläulinge (Polyommatus icarus) und mehrere Individuen des
gefährdeten Idas-Silberfleck-Bläulings (Lycaeides idas) beobachtet, welche
im Raupenstadium mit den Ameisen in Symbiose leben.
In der Flächenmitte
blieben noch als Relikte der früheren Nutzung Asphaltdecken erhalten, die
inzwischen an mehreren Stellen aufgesprungen sind. Dort liegen
unregelmäßig verteilt Baustoffe verschiedener Größe sowie jede Menge
Sperrmüll herum. Der westliche Randstreifen ist vor allem im Südteil auf
6-10 m Breite durch eine Vielzahl abgelagerter Gartenabfällen eutrophiert.

Problem in vielen
Stadtbrachen:
wilde Müllablagerungen |
Dadurch wurde auch die Ausbreitung der Kanadischen Goldrute (Solidago
canadensis) und kriechender Kräuter mit starkem Wuchsvermögen sowie der
Waldrebe (Clematis vitalba) einge-
leitet. Im Nordosten untergliedern zwei niedrigwüchsige Heckenabschnitte
mit Dornsträuchern, u. a. Hunds-Rose (Rosa canina agg.) und Schlehe
(Prunus spinosa) die Fläche. Wenige mittelgroße Laubbäume tragen ebenso
wie stellenweise vor-
handenes Totholz zu einer Strukturbereicherung des Geländes bei. Ältere
Kirschbäume und Bereiche mit brachgefallenen Löwenzahn-Glatthaferwiesen
vor allem im Ostteil deuten auf eine frühere Gartennutzung hin. |
 |
Auf der Westseite der
Feldbahnstraße Ecke Schittgablerstraße befindet sich eine weitere kleine
Ruderalflur auf Kies-Rohboden, die sehr ähnlich strukturiert ist. Dort hat
sich ein Pioniergehölz, vorwiegend aus Birken, entwickelt.
Bild: Typische Ansicht der
Brachfläche: Mosaik aus Einzelbäumen, Pioniergebüschen und ruderalisiertem
Grasland |
Vegetations- und
Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)
|
Laubbaumbestände
(Kronendach) |
7 |
Altgrasbestand/Grünlandbrache |
55 |
|
Deckung der
Sukzessionsgehölze |
10 |
Trittrasen und Trampelpfade |
0,5 |
|
Gras- und Krautfluren
nährstoffreicher Standorte |
15 |
Initialvegetation trocken |
8 |
|
Wärmeliebende Ruderalfluren
und Säume |
4 |
Sonstige Flächenanteile |
1 |
16.2
Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter
Arten: Idas-Silberfleck-Bläuling (Lycaeides idas), Blauflügelige
Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens)
Gehölze: Spitz-Ahorn
(Acer platanoides), Hänge-Birke (Betula pendula), Blutroter Hartriegel
(Cornus sanguinea), Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Esche
(Fraxinus excelsior), Liguster (Ligustrum vulgare), Garten-Apfel (Malus
domestica), Fichte (Picea abies juv.), Pappel (Populus sp.), Vogel-Kirsche
(Prunus avium), Süß-Kirsche (Prunus ), Schlehe (Prunus spinosa), Hunds-Rose
(Rosa canina agg.), Kratzbeere (Rubus caesius), Brombeere (Rubus fruticosus
agg.), Silber-Weide (Salix alba juv.), Sal-Weide (Salix caprea),
Lavendel-Weide (Salix eleagnos), Purpur-Weide (Salix purpurea), Schwarzer
Holunder (Sambucus nigra), Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)
Gräser und Kräuter:
Heide-Günsel (Ajuga genevensis), Große Klette (Arctium lappa), Glatthafer
(Arrhenatherum elatius), Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia vulgaris),
Graukresse (Berteroa incana), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos),
Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Sand-Schaumkresse (Cardaminopsis
arenosa), Stachel-Segge (Carex muricata agg.), Rispen-Flockenblume
(Centaurea stoebe), Bleiches Hornkraut (Cerastium pallens), Wegwarte
(Cichorium intybus), Wilde Möhre (Daucus carota), Wilde Karde (Dipsacus
fullonum), Natternkopf (Echium vulgare), Frühlings-Hungerblümchen (Erophila
verna), Schaf-Schwingel (Festuca ovina agg.), Rot-Schwingel (Festuca rubra),
Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Hügel-Erdbeere (Fragaria viridis),
Wiesen-Labkraut (Galium album agg.), Echtes Labkraut (Galium verum),
Pyrenäen-Storchschnabel (Geranium pyrenaicum), Florentiner Habichtskraut
(Hieracium piloselloides), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum),
Hornklee (Lotus corniculatus), Gewöhnlicher Steinklee (Melilotus
officinalis), Ross-Minze (Mentha longifolia), Gewöhnlicher Zahntrost
(Odontites vulgaris), Kriechende Hauhechel (Ononis repens), Gewöhnliches
Bitterkraut (Picris hieracioides), Platthalm-Rispengras (Poa compressa),
Silber-Fingerkraut (Potentilla argentea), Aufrechtes Fingerkraut (Potentilla
recta), Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), Sauer-Ampfer (Rumex
acetosa), Quirl-Salbei (Salvia verticillata), Kleiner Wiesenknopf
(Sanguisorba minor), Bunte Kronwicke (Securigera varia), Scharfer
Mauerpfeffer (Sedum acre), Rainfarn (Tanacetum vulgare), Feld-Klee
(Trifolium campestre), Mittlerer Klee (Trifolium medium), Wiesen-Goldhafer
(Trisetum flavescens), Huflattich (Tussilago farfara), Gewöhnlicher
Feldsalat (Valerianella locusta), Mehlige Königskerze (Verbascum lychnitis),
Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus), Schmalblättrige Wicke (Vicia
tenuifolia)
Problempflanzen = Invasive
Neophyten (20% Deckungsanteil): Schmetterlingsstrauch (Buddleja
davidii), Einjähriger Feinstrahl (Erigeron annuus), Gewöhnliche Nachtkerze
(Oenothera biennis), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)
Besondere Pflanzengesellschaften:
-
Wärme liebende Zickzackklee-Säume (Trifolion
medii Th. Müll. 61) / fragmentarisch
-
Möhren-Steinkleefluren (Dauco-Melilotion Görs
66)
-
Sand- und Felsgrusfluren (Sedo-Scleranthetalia
Br.-Bl. 55)
Fauna (ohne gefährdete
Arten, s. o.): Feld-Lerche (Alauda arvensis / Teilhabitat), Fasan
(Phasianus colchicus), Distelfalter (Cynthia cardui), Frühlings-Mohrenfalter
(Erebia medusa), Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus)
Besondere Strukturen:
16.3 Nutzungen und
Konflikte
|
Nutzung/Pflege/Zustand |
Konflikt |
Begründung |
|
Abgelagerte Gartenabfälle, vor allem auf der
Westseite |
stark |
Eutrophierung erheblicher Flächenanteile;
Förderung der Ruderalisierung bzw. Ausbreitung von Neophyten, Verlust
nährstoffarmer Lebensräume |
|
Abgelagerter Haus- und Sperrmüll |
mäßig bis stark |
Störung des Landschaftsbildes, Verdacht auf
Eintrag toxischer Materialien, Lebensraumverlust für Arten
nährstoffarmer Standorte |
|
Expansiver Bewuchs mit Kanadischer Goldrute |
mäßig bis stark |
Verdrängung artenreicher
Lebensgemeinschaften magerer Standorte |
|
Reste von Asphaltdecken und Baumaterialien |
gering bis mäßig |
Störung des Landschaftsbildes, Keimzellen
für weiterer Müllablagerungen |
|
Fehlende Pflege |
gering |
Rasche Ausbreitung von Sukzessionsgehölzen,
Goldruten- und Landreitgrasfluren |
|
Queren der Fläche zu Fuß |
gering |
Trittschäden durch Trampelpfade |
16.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge
-
Die stark fortschreitende Gehölzsukzession
sollte durch Zurückschneiden, Entfernen von Strauchweiden usw. unterbunden
werden, damit ausreichend große Offenlandbereiche (> 1000 m2) erhalten
bleiben.
-
Beseitigung der Haus- und
Sperrmüllablagerungen, wo möglich Zufahrtsbarrieren schaffen
-
In Bereichen mit reinen Goldrutenbeständen
sollte der Oberboden abgeschoben werden, damit sich wieder arten- und
blütenreiche Pionierrasen entwickeln können.
-
Vor allem auf der Westseite, wo bevorzugt Müll
angefahren wird, sollte der Wall neben der Feldbahnstraße geschlossen bzw.
auf 1 Meter erhöht werden.
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