Münchener Biotope - Außen2: Kleingartenanlagen am Echardinger Grünstreifen

Stadtteilbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Kritisch
● Schutzstatus: Ausreichend

Lage: Berg-am-Laim, westlich der Echardinger Straße bis südlich der Berg-am-Laim-Straße
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: kein Schutzgebiet
Münchner Stadtbiotop-Nr..:  nicht erfasst
ABSP-Nr.: nicht erfasst
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Kleingärten
Flächengröße: 6,2 ha

18.1 Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation: Wie die meisten Kleingartenanlagen in München wurde auch diese in der Nachkriegszeit wohl um 1960 angelegt. Die in Nord-Südrichtung gestreckte Kleingartenanlage besteht aus drei separat umzäunten Teilen, welche von zwei asphaltierten Fuß- und Radwegen mit breiten baumbestandenen Grünstreifen voneinander getrennt sind. Die Anlage wird im sehr schmalen Mittelteil zwischen Fehwiesen- und Altöttinger Straße nur von einem drei Meter breiten, schwach gekrümmten Weg erschlossen. Beiderseits ist jeweils nur eine Reihe Gartenparzellen angeordnet. Der gekieste Weg ist fast völlig vegetationsfrei, nur an wenigen Stellen findet man Anflüge von Trittrasen. Er ist an den Rändern von 50 cm breiten, sehr gepflegten Zierrasenstreifen gesäumt. Die Zäune um die Parzellen sind um etwa zwei Meter von den Wegrändern abgerückt. Der Zwischenraum zu den Zierrasenstreifen ist überwiegend mit locker strukturierten Hecken aus mehr oder weniger stark beschnittenen Ziersträuchern und mit aufrechten und bodendeckenden Zierstauden bepflanzt. Die Zugangswege zu den Parzellen sind einheitlich einen Meter breit, meist mit Gehsteig- oder Waschbetonplatten versehen und sie setzen sich in den Gärten noch sechs Meter weit fort. In der Mitte des mittleren Abschnitts befindet sich eine von Betonmauern umgebene, ca. 20 m2 große Sammelstelle für grobe, sperrige Gartenabfälle, nördlich davon ein Vielschnittrasen mit einer großen Vogel-Kirsche (Prunus avium). Auf der Westseite begrenzt eine Blechhütte für Gartengeräte und Erden das Rasenkarree und auch die Kleingartenanlage.

Nördlich der Altöttinger Straße schließt ein knapp 100 m langer, etwa 150 m breiter Kleingartenbereich an. Dort befindet sich an der Nordostecke eines kleinen gekiesten Platzes die Vereinsgaststätte mit einem Mini-Biergarten, welcher mit einem sechseckigen Betonpflaster versiegelt ist. Zwei noch relativ niedrige Rosskastanien fristen auf zwei kleinen Baumscheiben ihr Dasein. Auf der Westseite des Platzes schließt eine öffentliche Scherrasenfläche mit Nutzungseinschränkungen an, deren Ränder 5 Birken mit Stammdurchmessern von ca. 40 cm säumen. Der 80-90 m breite Nordteil bis zur Berg-am-Laim-Straße wird von zwei parallelen Wegen erschlossen, die Zierrasenstreifen entlang des schnurgerade verlaufenden westlichen Wegs sind größtenteils sehr gepflegt und doppelt mit Metallkanten eingefasst. Einige Fächer-Ahorne am Wegrand setzen einen gestalterischen Akzent.



Typische Ansicht der Kleingarten-
anlage: Entlang der überpflegten Wegränder könnten durch Redu-
zierung der Mahdhäufigkeit bunt blühende Krautsäume entwickelt werden


Der fast quadratische Südteil der Anlage wird von mehreren Wegen erschlossen, welche von teils bemoosten, teils brüchigen Betonkantensteinen eingefasst sind. Die Gartenparzellen sind außerhalb der Maschendraht-Umzäunung vorwiegend mit schmalen Laubholzhecken umgeben, welche aus mehreren, meist heimischen Straucharten in unterschiedlicher Mischung zusammengesetzt sind. Neben den Wegrandkanten am Fuß der Hecken wachsen an zahlreichen Stellen Polsterpflanzen wie z.B. Blaukissen (Aubrieta x cultorum) und Fetthennen (Sedum)- Arten auf die Wegfläche heraus. Insgesamt sind nur sehr wenige Parzellen in der Kleingartenanlage naturnah gestaltet, fast überall fällt einem die für Münchner Kleingärten ungewöhnlich intensive Pflege auf. Wildtiere oder bemerkenswerten Wildpflanzen fehlen deshalb fast völlig.

Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)

Laubbaumbestände (Kronendach)

4

Intensiv gepflegte Zier- und Nutzbeete

40

Deckung der Strauchschicht

2

Zierhecken

3

Trittrasen und Trampelpfade

0,5

Sonstige Flächenanteile

20

Scherrasen

33

 

 

18.2 Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten (gepflanzt): Kornelkirsche (Cornus mas)

Gehölze: Feld-Ahorn (Acer campestre), Japanischer Fächerahorn (Acer palmatum) Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Sauerdorn (Berberis thunbergii), Hänge-Birke (Betula pendula), Buchsbaum (Buxus sempervirens), Hainbuche (Carpinus betulus), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Hasel (Corylus avellana), Esche (Fraxinus excelsior), Efeu (Hedera helix), Eibisch (Hibiscus sp.), Walnuss (Juglans regia), Kerrie (Kerria japonica), Europäische Lärche (Larix decidua), Liguster (Ligustrum vulgare), Garten-Apfel (Malus domestica), Vogel-Kirsche (Prunus avium), Trauben-Eiche (Quercus petraea), Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum), Gelbe Rose (Rosa foetida), Brombeere (Rubus fruticosus agg.), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Weiße Spiräe (Spiraea arguta), Flieder (Syringa vulgaris), Winter-Linde (Tilia cordata), Sommer-Linde (Tilia platyphyllos), Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)

Gräser und Kräuter: Akelei (Aquilegia sp.), Blaukissen (Aubrieta x cultorum), Raue Segge (Carex hirta), Gewöhnliche Fingerhirse (Digitaria ischaemum), Hühnerhirse (Echinochloa crus-galli), Berg-Weidenröschen (Epilobium montanum), Garten-Wolfsmilch (Euphorbia peplus), Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Wiesen-Labkraut (Galium album agg.), Goldnessel (Lamium galeobdolon), Hornklee (Lotus corniculatus), Goldfelberich (Lysimachia punctata), Armenische Traubenhyazinthe (Muscari armeniacum), Gehörnter Sauerklee (Oxalis cornuta), Hirse (Panicum sp.), Gewöhnliche Bitterkraut (Picris hieracioides), Mittlerer Wegerich (Plantago media), Steinbrech-Arten (Saxifraga div. ssp.), Felsen-Fetthenne (Sedum reflexum), Milder Mauerpfeffer (Sedum sexangulare), Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus)

Problempflanzen = invasive Neophyten (3% Deckungsanteil): Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii), Kanadischer Kartzenschweif (Conyza canadensis), Einjähriger Feinstrahl (Erigeron annuus),  Sauerklee (Oxalis europaea), Robinie (Robinia pseudoacacia), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), Schneebeere (Symphoricarpus rivularis)

Besondere Pflanzengesellschaften: nicht gefunden

Fauna (ohne gefährdete Arten, s. o.):  Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), Admiral (Vanessa atalanta)

Besondere Strukturen:

  • hohes Blütenangebot

18.3 Nutzungen und Konflikte

Nutzung/Pflege/Zustand

Konflikt

Begründung

Herbizideinsatz auf den Wegen

mäßig

Bodenbelastung, Artenverarmung

Wegränder werden als Scherrasen gepflegt

mäßig

Strukturarmut, weitgehender Verlust als Lebensraum bzw. Vernetzungsachse

intensive gärtnerische Nutzung der Parzellen

gering bis mäßig

Die sehr hohe Pflegeintensität vermindert die Nutzbarkeit der Gärten als Lebensraum für wildlebende Pflanzen und Tiere.

Gastronomie/Vereinsgaststätte

gering

Unnötige Versiegelung des Freigeländes

Spazieren gehen auf den öffentlichen Wegen

konfliktfrei

 

Spiel- und Liegewiesennutzung

konfliktfrei

 


18.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge

  • Naturnähere Gestaltung der Wegrandstreifen im Mittel- und Nordteil, Entwicklung von Säumen im Bereich der Scherrasenflächen

  • Verzicht auf Herbizideinsatz

  • Allmähliches Ersetzen der florenfremden Gehölze und Kräuter im Mittel- und Nordteil durch standortheimische Arten