Münchener Biotope - Außen2: Ehemalige Straßenbahntrasse Boschetsrieder Straße

Stadtteilbedeutsames Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Kritisch
● Schutzstatus: Ausreichend

Lage: Obersendling: zwischen Listseestraße und Ratzingerplatz
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: kein Schutzgebiet
Münchner Stadtbiotop-Nr.: nicht kartiert
ABSP-Nr.: nicht kartiert
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Verkehrsfläche
Flächengröße: 0,7 ha

14.1 Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation: 1964 wurde inmitten der Boschetsrieder Straße, zwischen den beiden Richtungs-Fahrbahnen, eine moderne Straßenbahntrasse gebaut, welche in Höhe der Listseestraße in einen Tunnel hinabführt. Bereits 1991 wurde nach der Inbetriebnahme der U-Bahn zum Bahnhof Fürstenried West der Betrieb der Straßenbahn wieder eingestellt. Ab der Wendeschleife am Ratzingerplatz bis zur Machtlfinger Straße liegen immer noch die Gleise im knapp 6 Meter breiten Schotterbett, auf der Rampe zum Tunnelportal hinab sind die Gleise abgebaut.



Selbstbegrünung: 15 Jahre nach Streckenaufgabe ist die Straßenbahn-
trasse weitgehend von Wildkräutern und Pioniergehölzen besiedelt worden


Auf der brach liegenden Trasse hat sich seit 1991 eine artenreiche Spontanvegetation aus Kräutern und Pioniergehölzen eingestellt. Nur kurze Trassenabschnitte und ein ca. ein Meter breiter Mittelstreifen zwischen beiden Gleisen sind noch weitgehend vegetationsfrei. Ausgehend von den Bäumen am Straßenrand und dem benachbarten Siedlungsgrün haben sich auf dem Schotterkörper vor allem Birke (Betula pendula), Ahornarten (Acer ssp.) und Hainbuche (Carpinus betulus) als Sukzessionsgehölze eingestellt und inzwischen durchschnittlich eine Höhe von einem bis eineinhalb Metern erreicht. Die im mittleren Abschnitt recht häufige Bibernell-Rose (Rosa spinosissima) ist aus der unmittelbar benachbarten Seitenstreifenpflanzung eingewandert.


Ein ca. 40 Meter langer Trassenabschnitt nahe dem Ratzingerplatz erweckt mit über dreißig Prozent Gehölzdeckung bereits den Eindruck eines Gebüsches. Ansonsten dominieren östlich der Geisenhausener Straße Wiesenkräuter, insbesondere das Wiesen-Labkraut (Galium album agg.). Westlich davon kommen drei Arten von Habichtskräutern vor, die in manchen Abschnitten der Trasse dichte Bestände bilden. Auch ein kleiner Bestand des Gelben Lerchensporns (Pseudofumaria lutea) hat sich angesiedelt. Auf der Südseite des Gleiskörpers scheint sich insgesamt mehr Feinerde angesammelt zu haben, daher ist der Bewuchs mit Gräsern hier dichter als auf der Nordseite. Im Bereich der ehemaligen Haltestelle Machtlfinger Straße stadtauswärts ist auch auf der Nordseite reichlich Feinerde infolge der Bremssand-Ablagerungen vorhanden. An der Bahnsteigkante findet man reichlich Pflasterfugenvegetation mit Kahlem Bruchkraut (Herniaria glabra).

Westlich der ehemaligen Haltestelle Machtlfinger Straße, dort sind die Gleise abgebaut, senkt sich der Schotterkörper zwischen Betonmauern um etwa vier Meter zur Tunneleinfahrt. Mit zunehmender Tiefe und abnehmender Helligkeit nimmt der Gehölzbewuchs erstaunlicherweise zu. Eventuell ist das auf mikroklimatische Ursachen wie höhere Luft- und Bodenfeuchtigkeit zurückzuführen. Neben Birke (Betula pendula) und Hainbuche (Carpinus betulus) dominieren Edellaubhölzer der Schluchtwälder, u. a. Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Esche (Fraxinus excelsior) und Sommer-Linde (Tilia platyphyllos). Nur im oberen Bereich bis in etwa einen Meter unter der Fahrbahnoberfläche siedeln vorwiegend Kräuter, vor allem Gewöhnliches und Wald-Habichtskraut (Hieracium lachenalii et murorum).
Bild: Neuankömmlinge auf den Kiesschottern der ehemaligen Straßenbahnlinie: Gelber Lerchensporn und Robinie


 

Vegetations- und Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)

Laubbaumbestände (Kronendach)

15

Initialvegetation trocken

25

Deckung der Strauchschicht

15

Vegetationsfreie Fläche

33

Altgrasbestand/Grünlandbrache

15

Sonstige Flächenanteile

12

Trittrasen und Trampelpfade

0,2

 

 

14.2 Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten: Orangerotes Habichtskraut (Hieracium aurantiacum)

Gehölze: Feld-Ahorn (Acer campestre), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Blut-Ahorn (Acer platanoides „Faassen´s Black), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Felsenbirne (Amelanchier sp.), Hänge-Birke (Betula pendula), Hainbuche (Carpinus betulus), Waldrebe (Clematis vitalba), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Esche (Fraxinus excelsior), Liguster (Ligustrum vulgare), Fichte (Picea abies), Vogel-Kirsche (Prunus avium), Blut-Pflaume (Prunus cerasifera), Trauben-Kirsche (Prunus padus), Stiel-Eiche (Quercus robur), Bibernell-Rose (Rosa spinosissima), Kratzbeere (Rubus caesius), Sal-Weide (Salix caprea), Eberesche (Sorbus aucuparia), Sommer-Linde (Tilia platyphyllos)

Gräser und Kräuter: Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), Herbst-Anemone (Anemone japonica), Akelei (Aquilegia sp.), Sandkraut (Arenaria serpyllifolia), Glatthafer (Arrhenatherum elatius), Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia vulgaris), Taube Trespe (Bromus sterilis), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Acker-Winde (Convolvulus arvensis), Wilde Möhre (Daucus carota), Gewöhnlicher Wurmfarn (Dryopteris filix-mas), Schaf-Schwingel (Festuca ovina agg.), Wiesen-Labkraut (Galium album agg.), Ruprechtskraut (Geranium robertianum), Kahles Bruchkraut (Herniaria glabra), Gewöhnliches Habichtskraut (Hieracium lachenalii), Wald-Habichtskraut (Hieracium murorum), Florentiner Habichtskraut (Hieracium piloselloides), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Herbst-Löwenzahn (Leontodon autumnalis), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), Zarter Mauerlattich (Mycelis muralis), Pastinak (Pastinaca sativa), Gewöhnliches Bitterkraut (Picris hieracioides), Mittlerer Wegerich (Plantago media), Platthalm-Rispengras (Poa compressa), Hain-Rispengras (Poa nemoralis), Gelber Lerchensporn (Pseudofumaria lutea), Gelbe Resede (Reseda lutea), Sauer-Ampfer (Rumex acetosa), Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre), Weißer Mauerpfeffer (Sedum album), Gras-Sternmiere (Stellaria graminea), Rainfarn (Tanacetum vulgare), Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum Sect. Ruderalia), Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), Wiesen-Goldhafer (Trisetum flavescens), Huflattich (Tussilago farfara), Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum), Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus)

Problempflanzen = Invasive Neophyten (5% Deckungsanteil): Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii), Zwergmispel (Cotoneaster sp.), Einjähriger Feinstrahl (Erigeron annuus), Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), Schneebeere (Symphoricarpus rivularis)

Besondere Pflanzengesellschaften: 

  • Sand- und Felsgrusfluren (Sedo-Scleranthetalia Br.-Bl. 55)

  • Möhren-Steinkleefluren (Dauco-Melilotion Görs 66)

Besondere Strukturen:

  • offener Rohboden

  • hohes Blütenangebot

14.3 Nutzungen und Konflikte

Nutzung/Pflege/Zustand

Konflikt

Begründung

Ablagerung von Müll, besonders im Bereich der ehemaligen Haltestelle Machtlfinger Straße

mäßig

Vor allem Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, teils auch Gefährdung durch Glasscherben, Nährstoffanreicherung und vermutlich toxische Kunststoffe

Sukzession, Gehölzaufwuchs unterschiedlicher Dichte

gering

In Teilbereichen werden lichtbedürftige Lebensgemeinschaften verdrängt.


14.4 Pflege- und Maßnahmevorschläge

  • Beseitigung des Mülls im Gleiskörper, vor allem der abgelagerten Kunststoffe

  • ufgewachsene Jungbäume sollten an einigen Stellen stark zurück geschnitten werden, um das artenreiche Mosaik aus Gebüsch und Krautfluren zu erhalten.