Stadtteilbedeutsames
Biotop
● Pflege- und Erhaltungszustand: Kritisch
● Schutzstatus: nicht Ausreichend
Lage: Obermenzing: zwischen Blutenburg und Frauendorferstraße,
nördlich der Franz-Wüllner-Straße bzw. Menterstraße
Schutzstatus nach Naturschutzrecht: Kein Schutzgebiet
Kartierter Münchner Stadtbiotop mit der Nr.: 455
ABSP-Nr.: 129
Flächennutzung nach Flächennutzungsplan: Übergeordnete Grünbeziehung
aus Allgemeinen Grünflächen
Flächengröße: 22,6 ha
6.1 Geschichte,
Geländebeschreibung, Vegetation: Die historische Sichtachse zwischen
den Schlössern Nymphenburg und Blutenburg wurde mit der Errichtung des
Nymphenburger Schlossparks in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts
angelegt, sie wurde früher gezielt von Baumbewuchs freigehalten. Die
Blickverbindung ist spätestens seit den 1970er-Jahren nicht mehr
vorhanden, weil an den querenden Bahnstrecken Bäume aufgewachsen sind,
welche nicht mehr beseitigt wurden.
Die Grünverbindung
zwischen den Schlössern wurde in ihrem Westteil in den 1980er Jahren vor
allem an den Rändern als Parkanlage umgestaltet. Die Zentralflächen der
Sichtachse werden landwirtschaftlich genutzt. Die Breite der
Grünverbindung reicht von nur 50 Metern im Bereich der Frauendorferstraße
bis zu 150 Metern bei der Blutenburg. Zwei Straßen zerschneiden den
„Durchblick“.

Typisches
Landschaftsbild am Durchblick in Obermenzing: Die leicht gegenüber der
Umgebung abgesenkten Äcker in der Sichtachse weisen einige Feldgehölze auf |
Die im Zentrum der
Sichtachse liegenden Äcker sind gegenüber der Umgebung um fast einen Meter
eingesenkt. Auf den Äckern wurden 2003 Sonnenblumen und Wintergerste
angebaut. Mehrere Ackerflächen lagen 2003 brach bzw. waren allenfalls
streifenweise mit Bienenfreund (Phacelia tanacetifolia) zur Gründüngung
eingesät. Auf den Brachflächen hatten sich einjährige
Hackfrucht-Wildkrautgesellschaften und Acker-Kratzdistelfluren entwickelt.
Innerhalb der östlichsten Ackerbrache befinden sich drei kleine
Feldgehölzinseln, vorwiegend aus Apfel- und Zwetschgenbäumen.
|
Die Ackerflächen sind
von 3 bis15 Meter breiten, mäßig artenreichen Fettwiesen mit viel
Wiesen-Labkraut (Galium album agg.) und Wiesen-Bärenklau (Heracleum
sphondylium) umgeben. Stellenweise kommen auch Magerkeitszeiger wie
Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) und Zottiger Klappertopf (Rhinanthus
alectorolophus) vor. Das Grünland ist im West- und Mittelteil infolge zu
seltener und jahreszeitlich zu später Mahd ruderalisiert, es haben sich
vielerorts Pfeilkresse (Cardaria draba), Acker-Winde (Convolvulus
arvensis), Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) oder auch Brennnesseln
(Urtica dioica) und Giersch (Aegopodium podagraria) stark ausgebreitet.
Aus den Gehölzsäumen dringen stellenweise Neophyten wie der Japanischer
Flügelknöterich (Fallopia japonica) oder die Kanadische Goldrute (Solidago
canadensis) in die Wiesen vor. Südlich der Passionistenstraße weist der
breite, hier kaum ruderalisierte Wiesenstreifen eine flache Steigung um
ca. einen Meter auf. Dort ist eine kleine Obstwiese mit mehreren
Apfel-Halbstämmen angelegt. Am östlichen Abschluss des „Durchblicks“, nahe
der Frauendorferstraße, hat sich innerhalb eines geländemodellierten
Bereiches mit Höhenunterschieden bis zu 2 Metern eine
Salbei-Flaumhaferwiese erhalten. Dieser artenreiche Wiesentyp ist im
Münchner Raum inzwischen sehr selten geworden. Er benötigt eine angepasste
Früh- und Spätsommermahd. Diese Pflegemahd wird zurzeit nicht
gewährleistet, was den Bestand der Wiese bedroht.

Nur selten finden sich
in den Fettwiesen Magerkeitszeiger wie der Wiesen-Salbei. Im
Bildhintergrund –
die Blutenburg |
Die Grünverbindung „Am Durchblick“ wird nord- und südseitig durch dicht
gepflanzte, etwa 5 Meter breite Gehölzstreifen von den Gärten der
benachbarten Siedlungen abgegrenzt. Der ca. 15 Jahre alte
Laubbaumbestand mit einzelnen Fichteninseln wirkt ziemlich eintönig.
Weil die Bäume viel zu nah an den südseitigen Weg gepflanzt wurden,
mussten sie inzwischen stammnah entastet werden und wirken dadurch
verstümmelt. Krautsäume entlang der Gehölzstreifen sind nur spärlich
entwickelt. Einige Knoblauchsrauken- und Gierschsäume sind nur an der
Nordseite des „Durchblicks“ ausgebildet. Dort sind nördlich des Fußweges
auch einige Buchten mit Fettwiesen angelegt. |
Erwähnenswert sind 3 kleine Vorkommen des Doldigen Milchsterns
(Ornithogalum umbellatum) und ein Wuchsort des Braunen Storchschnabels
(Geranium phaeum) in einem Krautsaum nahe der Passionistenstraße. Beide
Arten sind natürlicher Bestandteil der deutschen Flora, in den Münchner
Grünanlagen treten beide aber nur als seltene Gartenflüchtlinge auf.
Vegetations- und
Strukturtypen (Anteilsschätzung in %)
|
Laubbaumbestände (Kronendach) |
15 |
Artenarme Fettwiese |
8 |
|
Nadelbaumbestände (Kronendach) |
2 |
Trittrasen und Trampelpfade |
1 |
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Deckung der Strauchschicht |
7 |
Acker/Ackerbrache |
60 |
|
Gras- und Krautfluren nährstoffreicher
Standorte |
3 |
Scherrasen |
1 |
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Altgrasbestand/Grünlandbrache |
4 |
Sonstige Flächenanteile |
5 |
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Artenreiches Extensivgrünland/Magerwiese |
6 |
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6.2 Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter
Arten (sicher angesalbt*): *Brauner Storchschnabel (Geranium phaeum)
Gehölze: Feld-Ahorn (Acer
campestre), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer
pseudoplatanus), Hänge-Birke (Betula pendula), Hainbuche (Carpinus betulus),
Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Hasel (Corylus avellana),
Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Gewöhnliches Pfaffenhütchen
(Euonymus europaeus), Buche (Fagus sylvatica), Esche (Fraxinus excelsior),
Efeu (Hedera helix), Walnuss (Juglans regia), Rote Heckenkirsche (Lonicera
xylosteum), Kultur-Apfel (Malus domestica), Fichte (Picea abies),
Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Vogel-Kirsche (Prunus avium), Steinweichsel
(Prunus mahaleb), Trauben-Kirsche (Prunus padus), Schlehe (Prunus spinosa),
Stiel-Eiche (Quercus robur), Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum), Kreuzdorn
(Rhamnus cathartica), Hunds-Rose (Rosa canina agg.), Vielblütige Rose (Rosa
multiflora), Brombeere (Rubus fruticosus agg.), Himbeere (Rubus idaeus),
Sal-Weide (Salix caprea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Eberesche
(Sorbus aucuparia), Winter-Linde (Tilia cordata), Sommer-Linde (Tilia
platyphyllos), Berg-Ulme (Ulmus glabra), Wolliger Schneeball (Viburnum
lantana)
Gräser und Kräuter:
Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus
pratensis), Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris), Sandkraut (Arenaria
serpyllifolia), Meerrettich (Armoracia rusticana), Wald-Zwenke (Brachypodium
sylvaticum), Pfeilkresse (Cardaria draba), Wald-Segge (Carex sylvatica),
Berg-Flockenblume (Centaurea montana), Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense),
Acker-Winde (Convolvulus arvensis), Wiesen-Labkraut (Galium album agg.),
Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense), Pyrenäen-Storchschnabel (Geranium
pyrenaicum), Flaumhafer (Helictotrichon pratensis), Wiesen-Bärenklau
(Heracleum sphondylium), Wolliges Honiggras (Holcus lanatus),
Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Weiße Taubnessel (Lamium
album), Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare), Hornklee (Lotus
corniculatus), Armenische Traubenhyazinthe (Muscari armeniacum),
Dolden-Milchstern (Ornithogalum umbellatum), Wasser-Knöterich (Persicaria
amphibia), Bienenfreund (Phacelia tanacetifolia), Mittlerer Wegerich
(Plantago media), Hain-Rispengras (Poa nemoralis), Kleiner Klappertopf
(Rhinanthus minor), Sauerampfer (Rumex acetosa), Kleiner Wiesenknopf
(Sanguisorba minor), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Bunte Kronwicke
(Securigera varia), Rote Lichtnelke (Silene dioica), Acker-Senf (Sinapis
arvensis), Gewöhnlicher Beinwell (Symphytum officinale), Wiesen-Goldhafer
(Trisetum flavescens), Gewöhnlicher Feldsalat (Valerianella locusta),
Behaarte Wicke (Vicia hirsuta)
Problempflanzen = Invasive
Neophyten (0,5% Deckungsanteil): Orientalisches Zackenschötchen (Bunias
orientalis), Schlanke Karde (Dipsacus strigosus), Einjähriger Feinstrahl
(Erigeron annuus), Japanischer Flügelknöterich (Fallopia japonica),
Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)
Fauna (ohne gefährdete
Arten, s. o.): Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), Zilpzalp (Phylloscopus
collybita), Würfel-Dickkopf (Carterocephalus palaemon), Distelfalter
(Cynthia cardui), Frühlings-Mohrenfalter (Erebia medusa), Hauhechel-Bläuling
(Polyommatus icarus) Moor-Wiesenvögelchen (Maniola jurtina), Nierenfleck
(Thecla betulae) [Angaben zu den beiden letztgenannten Arten: ABSP, 2005)
Besondere
Pflanzengesellschaften:
-
Salbei-Flaumhaferwiese
(Salvio-Arrhenatheretum Hundt 1958), wenigstens fragmentarisch
-
Hackfrucht-Wildkrautgesellschaften
(Polygono-Chenopodion W. Koch 26 em.Siss.et Westh.46)
Besondere Strukturen:
6.3 Nutzungen und Konflikte
|
Nutzung/Pflege/Zustand |
Konflikt |
Begründung |
|
Zu seltene und jahreszeitlich zu späte Mahd
des eutrophierten Grünlandes |
stark |
Blütenarmut der Wiesenstreifen; starke
Zunahme von Nährstoffzeigern und Ruderalpflanzen. Stellenweise dringen
auch invasive Neophyten ein. |
|
Zu nahe an den Wegen liegende
Gehölzpflanzungen müssen häufig stark zurückgeschnitten werden. |
mäßig bis stark |
Die Bäume werden durch den ständigen Schnitt
unansehnlich und krankheitsanfällig. Gehölzmäntel können sich nicht
ausbilden. |
|
Ausmähen der Gehölzränder |
mäßig |
Krautsäume können sich nicht entwickeln,
Rückzugsräume für Wildtiere fehlen, besonders im Winter |
|
Ackerbau/ Biozideinsatz auf einem Teil der
Ackerparzellen |
gering bis mäßig |
Nachwirkungen der langjährig prägenden
Nutzung sind noch feststellbar. Die Vielfalt an Ackerwildkräutern ist
stark verarmt. Mit der Umwidmung zur Grünanlage ist der Biozideinsatz
stark zurückgegangen. |
|
Ausführen von Hunden, meist unangeleint |
gering |
Zusätzliche Eutrophierung und
Ruderalisierung |
|
Fahrradfahren/Joggen; fast ausschließlich
auf den Wegen |
konfliktfrei |
|
|
Naherholung (Spazieren gehen), vor allem auf
den Wegen |
konfliktfrei |
|
|
Naturbeobachtung |
konfliktfrei |
|
6.4 Pflege- und
Maßnahmevorschläge
-
Die meisten Grünlandstreifen bieten sich für
eine Entwicklung zu artenreichen Wiesen an. Dafür müsste der Mahdzyklus
auf zweimal jährlich gesenkt werden (s. Karte). Besonders stark
ruderalisierte Gras- und Nitrophytenfluren sollten nur einmal jährlich
gemäht werden, um sie zu artenreichen Staudengesellschaften
weiterzuentwickeln.
-
An Gehölzen, die mehr als zwei Meter von den
Erschließungswegen abgerückt sind, können blütenreiche Säume entwickelt
werden. Dazu sollten die Gehölzränder nur noch einmal im Jahr, vorwiegend
im Herbst gemäht werden.
-
Langfristig sollten nicht alle Ackerflächen in
Grünland umgewandelt werden. Zum Erhalt des Landschaftsbildes und der
Artenvielfalt bieten sich extensiv genutzte Äcker an. Dort könnten z. B.
Gründünger- oder alten Kulturpflanzen angebaut werden.
-
Innerhalb des Grünzugs sollten keine Herbizide
eingesetzt werden.
-
Extensive Bewirtschaftung der kleinen
Streuobstwiese nahe der Passionistenstraße
|