Münchner Biotope: Straßenbahn-Wendeschleife an der Ackermannstraße

Lage

Schwabing-West, nördlich Schwere-Reiter-Straße, westlich Ackermannstraße

Schutzstatus kein Schutzgebiet, teilweise Mager­rasen nach 13d(1) BayNatSchG
Mü. Stadtbiotop Nr. nicht kartiert. Die Fläche ist aber biotopwürdig.
Flächennutzung Allgemeine Grünfläche
Flächengröße ca. 2,5 ha


Angesalbter, artenreicher Magerrasen auf kiesigem Rohboden. Im Hintergrund: Bäume auf künstlichen Tumuli



Pionier-Magerrasen mit einem Bestand der seltenen Heilwurz

Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation: „Die Trambahnschleife an der Ackermannstraße wurde speziell für die Olympischen Spiele 1972 gebaut. Baubeginn war 1970. Inbetriebnahme im Mai 1972. Während der Olympischen Spiele fuhren 3 Sondertrambahnlinien dorthin. Seitdem wird die Schleife nur noch unregelmäßig für betriebliche Zwecke von der MVG genützt.“ (pers. Mitt. Hübner, Freunde der Münchner Trambahn). Das ovale Gelände innerhalb der Wendeschleife und südlich davon ist leicht durch Hügel und flache Mulden reliefiert. Damit wurde die Gestaltung ganz offensichtlich an die von Prof. Grzimek gestalteten Außenanlagen des Olympiaparks angelehnt.

Auf der gesamten Fläche liegt Kies-Rohboden. Die Randbereiche des Gleisovals werden vorwiegend von Altgrasfluren eingenommen, die vom Glatthafer und dem Knaul-Gras aufgebaut werden. Teilweise ist dem Grasbestand auch die wärmeliebende Unbegrannte Trespe beigemischt.
Auf der Südseite befinden sich einige gepflanzte Schwarz-Kiefern und wenige Sukzessionssträucher. In der Nordwesthälfte liegen einige ca. 3 m hohe Hügel, die mit schwach ruderalisierten Altgrasfluren im Umfeld einzeln oder gruppenweise gepflanzter Berg-Ahorne von ca. 15 m Höhe bewachsen sind.
Die zwischen den Hügeln liegenden Mulden und der nördliche Randstreifen am Gleis werden von gräserarmen, artenreichen Pionier-Halbtrockenrasen eingenommen. Die weitgehend noch lückenhafte Vegetationsdecke dieses Bereichs ist zu mindestens 50% nach Art. 13d(1), BayNatSchG ge­schützt. Sie enthält zahlreiche seltene Pflanzenarten der Haiden, z.B. Hügel-Meister, Gekielter Lauch und Skabiosen-Flockenblume. Am leicht ruderalisierten Nordrand des Gleisovals hat sich ein Bestand der sonst für den Naturraum nicht charakteristischen Heilwurz etabliert. Auf der eutrophierten Westseite haben sich stellenweise Brennnessel und Roter Hartriegel als Sukzessionsgehölz eingestellt.
Der geschotterte Gleiskörper ist größtenteils vegetationsfrei. Nur im Bereich der Zufahrt im Südwesten ist das Schotterbett spärlich mit Arten der Hackfrucht-Wildkrautgesellschaften wie z. B. dem Klebrigen Greiskraut und anderen Nährstoffzeigern bewachsen. Die Südostseite des Geländes wird von einigen Bäumen, vor allem Spitz-Ahornen gesäumt. Der zentrale, mit einem flachen Hügel modellierte Bereich ist mit einer arten- und blütenreichen, teils noch lückigen Ruderalstaudenflur bewachsen. Es dominiert eine Möhren-Steinkleeflur mit zahlreichen Königskerzen, Weg-Disteln und Schmalblättriger Flockenblume. Kleinflächig sind auch wärmeliebende Saumstaudenfluren mit Bunter Kronwicke und Sichelklee vorhanden, stellenweise breitet sich die wuchernde Acker-Winde aus. Der einzige bekannte Wuchsort der Golddistel innerhalb des Mittleren Rings liegt im Bereich der Trambahnwendeschleife.

Die Fläche der Trambahnwendeschleife ist mit Sicherheit auch für viele wirbellose Tierarten (Schmetterlinge, Heuschrecken, Spinnen) von hoher Bedeutung. Leider konnten diese Tiergruppen im Rahmen der vorliegenden Studie nicht ausführlich untersucht werden. Die festgestellten Vorkommen des Gemeinen Grashüpfers und des Ikarus-Bläulings deuten aber bereits an, dass mit einer hohen Artenzahl zu rechnen ist.

Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
(* = gepflanzt)
*Gekielter Lauch, *Sanddorn
Moose und Flechten: nicht untersucht

Gehölze
Feld-Ahorn, Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Blutroter Hartriegel, Hasel, Pfaffenhütchen, Schwarz-Kiefer, Ahornblättrige Platane, Schwarzer Holunder, Winter-Linde

Gräser und Kräuter
Genfer Günsel, Wundklee, Quendel-Sandkraut, Hügel-Meister, Schwarz-Nessel, Fieder-Zwenke, Zittergras, Aufrechte Trespe, Wehrlose Trespe, Rundblättrige Glockenblume, Weg-Distel, Golddistel, Schmalblättrige Flockenblume, Skabiosen-Flockenblume, Acker-Winde, Bunte Kronwicke, Wilde Möhre, Gewöhnlicher Natternkopf, Schaf-Schwingel, Rauer Löwenzahn, Purgier-Lein, Gewöhnlicher Hornklee, Sichel-Klee, Weißer Steinklee, Gewöhnlicher Augentrost, Kriechender Hauhechel, Wilder Majoran, Gelber Wau, Färber-Wau, Begrannter Klappertopf, Quirl-Salbei, Kleiner Wiesenknopf, Jakobs-Greiskraut, Berg-Heilwurz, Gewöhnliches Leimkraut, Gewöhnliche Rauke, Feld-Klee, Großblütige Königskerze, Mehlige Königskerze, Kleinblütige Königskerze
Problempflanzen = Invasive Neophyten (0,5%-Deckungsanteil)
Kanadischer Katzenschweif, Robinie, Kanadische Goldrute
Fauna
Fasan, Tagpfauenauge, Großes Ochsenauge, Ikarus-Bläuling, Nachtigall-Grashüpfer, Gemeiner Grashüpfer, Roesels Beißschrecke, Grünes Heupferd
Besondere Strukturen
·         Offene Rohböden
·         Hohes Blütenangebot
Besondere Pflanzengesellschaften
·         Gierschfluren/Knoblauchsraukensäume 
·         Thermophile Saumstaudenfluren
·         Möhren-Steinkleefluren
·         Sand- und Felsgrusfluren
·         Halbtrockenrasen ( §13 d BayNatSchG)