Münchner Biotope: Ostbahnhof

Lage

Haidhausen, zwischen Orleans- und Friedenstraße, südwestlich Unterführung
Berg-am-Laim-Straße

Schutzstatus kein Schutzgebiet
Mü. Stadtbiotop Nr. nicht kartiert
Flächennutzung Bahn und Gemeinbedarfsfläche Verwaltung

Flächengröße

ca. 21 ha


Arten- und Blütenreichtum zwischen den Gleisen südwestlich des S-Bahnsteigs


Trotz Herbizideinsatz nicht totzukriegen: Holunder-Stock an Bahnsteigkante

Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Der Münchner Ostbahnhof wurde 1871 gebaut. Praktisch zeitgleich eröffnete die Strecke vom Münchner Zentralbahnhof nach Grafing-Rosenheim und vom Münchner Ostbahnhof nach Neuötting. Wie alle Bahnflächen unterlagen auch die Flächen um den Ostbahnhof im Lauf der Jahrzehnte einem dynamischen Wandel. Seit Jahrzehnten unveränderte Flächen können kleinräumig mit Flächen wechseln, die infolge von Betriebsmaßnahmen neu angelegt wurden.

Das ausgedehnte Personenbahnhofgelände umfasst 15 Durchgangsgleise, die zu etwa zwei Dritteln sehr häufig von Reisezügen befahren werden und 6 gepflasterte Bahnsteige von 220 bis 350 Meter Länge umfassen. Interessanterweise kann man sogar auf diesen Bahnsteigen eine Vielzahl von Pflanzenarten entdecken, die dem Lebensraum Pflasterfuge angepasst sind. An den Bahnsteigkanten selten befahrener Gleise wachsen sogar einige Gehölze auf. Z. B. wurden 2002 ein Feld-Ahorn und ein Schwarzer Holunder mit Stammdicken von 6-10 cm beobachtet. Die eigentlichen, geschotterten Gleiskörper sind infolge regelmäßiger Herbizidbehandlung weitgehend vegetationsfrei, vor allem die häufig befahrenen Hauptgleise. Nur auf wenig befahrenen Lade- bzw. Nebengleisen hat sich spärliche Initialvegetation eingestellt. In Längsrissen mancher morsch gewordener Holzschwellen haben sich Wildkräuter und Junggehölze, insbesondere Weiden und Birken angesiedelt.

Die Gleiszwischenräume sind vorwiegend mit sandig-grusigem bis feinkiesigem Substrat abgedeckt. Dort wächst Trockenheit ertragende Pioniervegetation. Vor allem Arten der Felsgrusfluren sind vertreten, stellenweise gesellen sich Nährstoffzeiger wie das Ruprechtskraut und die Kanadische Goldrute hinzu. Unterhalb der Bahnsteigkante von Gleis11 wurde im Mai ein kleiner Bestand des unbeständig auftretenden, stark gefährdeten Hunds-Kerbels mit immerhin 30-50 Individuen festgestellt. Hier handelt es sich um einen Wiederfund einer mehrere Jahrzehnte in München verschollenen Art.
Breitere Gleiszwischenräume, die es insbesondere im Anschluss an die Bahnsteigenden gibt, sind teils mit blütenreichen Ruderalfluren der Möhren-Steinklee-Gesellschaft, teils mit relativ artenarmen Altgrasfluren bewachsen. Vereinzelt können hier auch Pioniergehölze auftreten. Im Frühjahr bildet das gelbe Frühlings-Greiskraut einen reichen Blühaspekt, im Hoch- bis Spätsommer die ebenfalls gelbe Kanadische Goldrute zusammen mit dem rosafarbenen Rosmarin-Weidenröschen. Im Südosten des Bahnhofsgeländes befindet sich im Bereich der Autoreisezug-Abfertigung eine große asphaltierte Fläche, die an den Rändern von schmalen kurzlebigen Ruderalfluren, z. B. mit Vorkommen der Pfeilkresse gesäumt ist. Der auf der Nordseite nahe dem Haidenauplatz gelegene gepflasterte Hof des Zollamts ist zur Straßenseite hin mit einer Hecke abgegrenzt. Südlich davon schließt sich eine Schotterfläche mit kaum noch genutzten Gleisen an, auf welchem sich eine blütenarme Grasflur entwickelt hat. Bemerkenswert ist an dieser Stelle eine nur wenige Meter hohe strauchförmige Stiel-Eiche mit weit ausladenden basalen Ästen.

 
Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
Hunds-Kerbel, Feld-Ulme, Rosmarin-Weidenröschen, Sandbiene (BK 1999)

Gehölze
Hänge-Birke, Weißer Hartriegel, Stiel-Eiche, Kratz-Beere, Vielblütige Rose, Sal-Weide, Purpur-Weide
Gräser und Kräuter
Quendel-Sandkraut, Graukresse, Taube Trespe, Dach-Trespe, Pfeilkraut, Kleines Hornkraut, Sand-Hornkraut, Wegwarte, Kleinköpfiger Pippau, Wilde Möhre, Frühjahrs-Hungerblümchen, Weicher Storchschnabel, Ruprechtskraut, Gewöhnliches Habichtskraut, Tüpfel-Johanniskraut, Zusammengedrückte Binse, Gewöhnliche Kresse, Gewöhnliches Leinkraut, Platthalm-Rispengras, Dreifinger-Steinbrech, Scharfer Mauerpfeffer, Rauke, Wiesen-Bocksbart, Acker-Ehrenpreis
Problempflanzen = Invasive Neophyten (7%-Deckungsanteil)
Schmetterlingsstrauch, Kanadischer Katzenschweif, Schlanke Karde, Virginische Kresse, Japan-Knöterich, Schmalblättriges Greiskraut, Frühlings-Greiskraut, Kanadische Goldrute
Fauna (s.o. gefährdete Arten)
Stein-Hummel, Ikarus-Bläuling, Nachtigall-Grashüpfer
Besondere Strukturen
·         Offene Rohböden
·         Trockenmauern mit Mauerspalten
·         Hohes Blütenangebot
Besondere Pflanzengesellschaften
·         Möhren-Steinkleefluren
·         Sand- und Felsgrusfluren