Münchner Biotope: Kreiswehrersatzamt /  Bundeswehrverwaltungszentrum

Lage

Oberwiesenfeld, zwischen Hedwig-Dransfeld-Allee und Willi-Gebhardt-Ufer, nordöstlich der Dachauer Straße

Schutzstatus kein Schutzgebiet
Mü. Stadtbiotop Nr. nicht kartiert
Flächennutzung Sondergebiet Landesverteidigung

Flächengröße

ca. 11 ha


Artenreiche Alternative zum Zierrasen: angelegter Teich mit Seerosen und Röhricht


Ungemähte, blütenreiche Krautflur an einer Gebäudefassade

Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Das Areal ist, wie auch der benachbarte Olympiapark und die Kasernen am Ackermannbogen, Teil des ehemaligen Militärgeländes auf dem Oberwiesenfeld. Erste Gebäude sind auf dem Gelände bereits im Münchner Stadtplan von 1940 (Verlag Oscar Braun) zu erkennen. Nach dem zweiten Weltkrieg sind allerdings viele Bauten hinzugekommen. Die Fläche unterlag also einem ständigen Wandel.
Die Gebäudekomplexe der Bundeswehrverwaltung und des Kreiswehrersatzamtes umschließen eine Parkanlage mit zwei Feldgehölzen und ziemlich ausgedehnten Blumenrasen. Die Anlage ist durch schmale, unversiegelte Wege von nur 0,8 bis 2 m Breite erschlossen. Viele Wege werden von einem schmalen Streifen artenreicher Trittrasen begleitet. Die Mehrzahl der Rasenflächen ist ziemlich nährstoffarm und blütenreich. Diese Grünflächen sind locker mit Rosskastanien, Winter-Linden, Eschen, Buchen und auch anderen Laubbäumen bestanden. Bemerkenswert sind eine alte solitäre Waldkiefer und eine sehr dickstämmige Esche im Nordwesten.

Kennzeichnende Wiesenblumen sind: Kleine Brunelle, Wiesen-Schafgarbe und Herbst-Löwenzahn. Auf der Fläche südwestlich des Kreiswehrersatzamtes kann sich sogar der seltene Wirbeldost in den schätzungsweise 4-7x jährlich gemähten Flächen gut behaupten. Nordwestseitig des Kreiswehrersatzamtes schließt eine artenreiche, mehrschürige Magerwiese mit Mehliger Königskerze, Wiesen-Flockenblume und Kleiner Bibernelle an. Unter dichteren Baumbeständen und nordseitig an den Gebäuden sind aufwuchsschwache Moosrasen ausgebildet. Leider werden die Grünflächen bis an die Gehölzränder gemäht, die Ausbildung von Staudensäumen wird so verhindert. Einzig auf den kaum mähbaren 1 m breiten Randstreifen unmittelbar an manchen Gebäudefassaden haben sich blütenreiche Staudenfluren entwickeln können, die u. a. Echtes Johanniskraut, Natternkopf, Kleinen Wiesenknopf, Wilde Möhre und Schaf-Schwingel enthalten. Auf einem vergleichsweise hohen Anteil der Granitpflasterflächen vor und hinter den Gebäuden ist eine blütenreiche Flora der Pflasterfugen zu finden, z. B. mit Frühlings- und Mittlerem Fingerkraut, Kahlem Bruchkraut, Scharfem Mauerpfeffer und Florentiner-Habichtskraut.
Das nördliche der beiden Feldgehölze des Geländes enthält einen hohen Anteil alter Bäume, u. a. eine kleine Gruppe Waldkiefern. Die Strauchschicht ist undurchdringlich dicht. Es existiert ein weitgehend geschlossener Gehölzmantel, der auch die im Innenstadtbereich seltene Schlehe enthält. Krautsäume sind wegen der Mahd bis an den Gehölzrand nicht ausgebildet.

Das südliche Feldgehölz enthält vor allem ziemlich dickstämmige Buchen; es ist auf der Südostseite in mehrere Baumgruppen aufgelöst und nur stellenweise von Sträuchern und einer spärlichen Krautschicht unterwachsen. Bemerkenswert sind zwei noch stehende Buchen-Totholzstämme.
Fast im Zentrum der untersuchten Fläche liegt ein mehrere hundert Quadratmeter großer Folienteich. Er ist auf etwa einem Viertel der Uferlänge mit Schilfröhricht bewachsen. Zwanzig Prozent der Wasserfläche sind im Sommer von reich blühenden Zierformen der Seerose bedeckt. Die östliche Uferseite weist Trittschäden auf. 

Die Parkplätze im Osten des Geländes sind unversiegelt. Vor allem auf den wenig befahrenen Randflächen haben sich blütenreiche Ruderalfluren mit Wegwarte und Königskerzen entwickelt. Zwischen den Parkplätze und der Dachauer Straße liegen zwei rechteckige Rasenflächen, die von Baumreihen hauptsächlich mit Rosskastanien begrenzt werden. Bei den Rasen handelt es sich teilweise um blütenarme Blumenrasen, in denen zumindest noch die Kleine Bibernelle zur Blüte kommt, der überwiegende Teil wird aber von artenarmen Scherrasen eingenommen

Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
(* = gepflanzt)
*Sanddorn, *Eibe; Grünspecht

Gehölze
Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Rosskastanie, Hänge-Birke, Hainbuche, Blutroter Hartriegel, Hasel, Eingriffliger Weißdorn, Buche, Esche, Efeu, Echte Walnuss, Liguster, Fichte, Wald-Kiefer, Zitter-Pappel, Vogel-Kirsche, Schlehe, Stiel-Eiche, Kratz-Beere, Schwarzer Holunder, Vogelbeere, Winter-Linde

Gräser und Kräuter
Gewöhnliche Schafgarbe, Genfer Günsel, Knoblauchsrauke, Landschilf, Wirbeldost, Rundblättrige Glockenblume, Weg-Distel, Krause Distel, Wiesen-Flockenblume, Wegwarte, Wiesen-Pippau, Kleinköpfiger Pippau, Wilde Möhre, Gewöhnlicher Natternkopf, Behaartes Weidenröschen, Kleines Liebesgras, Schaf-Schwingel, Wiesen-Labkraut, Gewöhnliche Nelkenwurz, Kahles Bruchkraut, Florentiner Habichtskraut, Tüpfel-Johanniskraut, Kompass-Lattich, Saat-Lein, Gewöhnlicher Hornklee, Pfennigkraut, Seerose, Kriechender Hauhechel, Gewöhnliches Bitterkraut, Schilf, Kleine Bibernelle, Mittleres Fingerkraut, Frühlings-Fingerkraut, Gemeine Braunelle, Gelber Wau, Kleiner Wiesenknopf, Scharfer Mauerpfeffer, Gewöhnliches Leimkraut, Breitblättriger Rohrkolben, Mehlige Königskerze, Schwarze Königskerze

Problempflanzen = Invasive Neophyten (1%-Deckungsanteil)
Kanadischer Katzenschweif, Schlanke Karde, Robinie, Grüne Borstenhirse, Kanadische Goldrute

Fauna
Eichhörnchen, Teichhuhn
Zilpzalp, Distelfalter

Besondere Strukturen
·         Trockenmauern mit Mauerspalten
·         Dickstämmige Bäume (>75 cm Durchmesser in 1 m Höhe)
·         Dichtes Gebüsch
·         Totholz stehend

Besondere Pflanzengesellschaften
·         Möhren-Steinkleefluren
·         Sand- und Felsgrusfluren
·         Magere Grünlandgesellschaften
·         Großröhricht, mit Zierpflanzen