Münchner Biotope: Isar zwischen Wittelsbacher Brücke und Praterwehr

Lage

zwischen Wittelsbacher Brücke und Kabelsteg bzw. Praterwehr

Schutzstatus Landschaftsschutzgebiet; kleine Teilflächen Röhricht, Weidengebüsche bzw. Weichholzaue im Überflutungsbereich nach Art. 13d(1) BayNatSchG geschützt
Mü. Stadtbiotop Nr. 184 (Bereich Kleine Isar am Deutschen Museum), außerdem wurden einige Gehölze kartiert
Flächennutzung größtenteils Wasserfläche und Allgemeine Grünfläche, Gemeinbedarfsfläche Kultur (Deutsches Museum), im südlichen Teil kleinflächig auch Überschwemmungsflächen

Flächengröße

ca. 50 ha


Südlich der Reichenbachbrücke: frisch gemähte Hochwasserwiesen, rechts der kanalisierte Hauptstrom der Isar


Naturferner Isarabschnitt: mit Betonmauern gesichertes Ufer und Müllablagerungen

 
Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Die Regulierung der Isar in München begann bereits am Anfang des 19. Jahrhunderts. Damals wurde das Hochwasserbett in etwa auf die heutigen Maße eingeengt. Eine weitere entscheidende Veränderung bewirkte der Bau des Isarkanals von 1905 bis 1907. Der Bau des Sylvensteinspeichers 1959 machte die Isar endgültig zum regulierten Fluss. Mit dem derzeit erfolgenden Umbau der Isar (Isarplan) soll neben der Hochwassersicherung auch eine gewisse Renaturierung des Flusslaufs erreicht werden. Der Isarplan soll für den Abschnitt nördlich der Wittelsbacher Brücke 2004 umgesetzt werden. Die Planungen werden zurzeit noch kontrovers diskutiert. Eventuell wird vom bisher praktizierten Leitbild eines naturnahen Flusslaufs zugunsten einer hauptsächlich auf den Freizeitwert orientierten Lösung abgewichen.

Nördlich der Wittelsbacher Brücke verläuft die Isar bisher völlig gerade in einem gleichförmigen mit Natursteinblöcken verbauten Flussbett.

Auf der linken Flussseite existiert kein Hochwasserbett. Das künstliche Steilufer enthält einen gut 10 m breiten, dichten Gehölzstreifen mit hohem Anteil dickstämmiger Silber-Weiden. Bemerkenswert ist eine in ca. 5 m Höhe gekappte Silber-Weide mit hohlem, zu einem Drittel offenem Stamm. Eine Anzahl alter Baumstämme ist mit Efeu berankt. Neben dem asphaltierten Gehweg der Wittelsbacherstraße ist stellenweise ein nährstoffreicher Gierschsaum mit Kratzbeere ausgebildet, punktuell hat sich die neophytische Topinambur angesiedelt.

Das 70-80 m breite Hochwasserbett der Isar liegt ausschließlich rechts des Isarhauptstromes. Es ist schwach reliefiert mit Rinnen bzw. flachen Mulden und leichten Erhöhungen. Die Hochwasserwiesen bestehen vorwiegend aus artenarmem vom Deutschen Weidelgras dominiertem Grünland, das durch die starke Tritteinwirkung der Isarbesucher entstanden ist. Charakteristische Kräuter der Wiesen sind Weiß-Klee, Wiesen-Kümmel und Kleine Brunelle. An weniger trittbelasteten Stellen nahe der Wittelsbacher Brücke steigt die Artenzahl; z.B. kommen hier Bärenklau, Wiesen-Flockenblume und Hornklee vor. Kleinflächig ist sogar ein Fragment eines Auenmagerrasens vorhanden, u. a. kommt in diesem Rasen die Dornige Hauhechel vor. Die markantesten Bäume im Hochwasserbett sind einige große Silberweiden. Entlang der zahlreichen Trampelpfade haben sich vom Breit-Wegerich dominierte Trittrasen entwickelt. In verdichteten staunassen Mulden kommen lückige Straußgras-Flutrasen vor.
Der erste Wiesenschnitt erfolgte 2002 am 8. und 9. Juli. Dieser Zeitpunkt ist gut zur Pflege der Wiesen geeignet. Leider werden die Wiesen immer komplett gemäht. Besser wäre es, einzelne Streifen bis zum zweiten Schnitt stehen zu lassen oder dort sogar ein ganzes Jahr mit der Mahd auszusetzen.
Die „Frühlingsanlagen“ zwischen der Wittelsbacher Brücke und der Reichenbachbrücke sind auf leicht gewelltem Gelände mit bis zu 2 m Höhenunterschied angelegt. Die Grünanlage ist als Park mit als Scherrasen gepflegten Freiflächen angelegt. Der Bestand an alten, dickstämmigen und bis 35 m hohen Bäumen ist bemerkenswert hoch, insbesondere finden sich Eschen, aber auch Buchen und einige Berg-Ulmen. In den kleinräumigen Lichtungen um gefällte Altbäume haben sich nährstoffreiche Gras- und Krautfluren entwickelt, ein dichter Gebüschstreifen schirmt die angrenzende Eduard-Schmid-Straße ab. Am südseitigen Gehölzsaum zur Humboldtstraße wurden wärmebedürftige Pflanzenarten wie Bibernell-Rosen, Kamtschatka-Beifuß und Acanthus gefunden.
Das nur unmittelbar nördlich der Wittelsbacher Straße auf ca. 170 m Länge offen in einem ca. 2 m breiten, relativ naturnahen Bett fließende Freibadbächl ist an einer Stelle halbkreisförmig aufgeweitet und mit sehr artenreichem Rohrkolben-Röhricht bewachsen. Leider ist das Röhricht durch Hunde und Müllablagerungen erheblich beeinträchtigt und ruderalisiert. Es wird von Brennnesseln und Zaunwinde zunehmend überwuchert und von den Ausläufern eines angrenzenden Flügelnussbaums eingeengt.

Hinter der Reichenbachbrücke zweigt über ein in eine Ufermauer integriertes Wehr die Kleine Isar ab. Das Hochwasserbett der Kleinen Isar ist mit 50-60 Metern Breite für Innenstadtverhältnisse relativ groß. Trotz fast senkrechter, 3-5 m hoher Betonwände am Südostufer besitzt die Kleine Isar einen recht naturnahen Flusslauf mit stillen, seichten Nebenarmen bzw. Buchten und Kolken. In diesem Bereich ist sogar eine natürliche Flussdynamik mit Furkation (Verzweigung des Hauptstromes) möglich. Entlang der Ufer wechseln vegetationsarme Kiesbänke mit Rohrglanzgras-Röhrichten, Brennnesselfluren und Purpurweiden-Gebüschen ab. Daneben sind auch Pionierfluren auf Kiesboden ausgebildet. Besonders attraktiv blüht darin der blaue Natternkopf. und das gelbblütige Barbarakraut. Seit dem Hochwasser im Frühjahr 1999 breiten sich Weißer Steinklee und Einjähriges Berufkraut auf den damals neu entstandenen Kiesbänken aus.

Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
Biber, Gänsesäger, Kleine Glattschnecke (BK 1998), Kleines Tausendgüldenkraut, Eibe, Flatter-Ulme, Rosmarin-Weidenröschen

Gehölze
Spitz-Ahorn, Rosskastanie, Hänge-Birke, Buche, Esche, Efeu, Hopfen, Pappel, Säulen-Pappel, Kaukasische Flügelnuss, Bibernell-Rose, Silber-Weide, Grau-Weide, Lavendel-Weide, Purpur-Weide, Korb-Weide, Sommer-Linde, Silber-Linde, Berg-Ulme, Gemeiner Schneeball

Gräser und Kräuter
Acanthus, Bärlauch, Gemeiner Froschlöffel, Kalmus, Buschwindröschen, Aronstab, Mauerraute, Barbarakraut, Aufrechte Trespe, Sumpfdotterblume, Blaugrüe Segge, Schlank-Segge, Wiesen-Kümmel, Wiesen-Flockenblume, Kohl-Distel, Hohler Lerchensporn, Gewöhnlicher Natternkopf, Schmalblättriges Weidenröschen, Rosmarin-Weidenröschen, Behaartes Weidenröschen, Kleinblütiges Weidenröschen Rosen-Weidenröschen, Wasserdost, Steife Wolfsmilch, Mädesüß, Weichhaariger Hohlzahn, Kleines Habichtskraut, Florentiner Habichtskraut, Tüpfel-Johanniskraut, Gelbe Schwertlilie, Glieder-Binse, Gewöhnlicher Hornklee, Ufer-Wolfstrapp, Gewöhnlicher Gilbweiderich, Blutweiderich, Weißer Steinklee, Ross-Minze, Brunnenkresse, Kriechender Hauhechel, Dorniger Hauhechel, Rote Pestwurz, Gemeines Bitterkraut, Große Bibernelle, Gänse-Fingerkraut Kriechendes Fingerkraut, Sumpfkresse, Klebriger Salbei, Kleiner Wiesenknopf, Wald-Simse, Geflügelte Braunwurz, Scharfer Mauerpfeffer, Gewöhnliches Leimkraut, Bittersüßer Nachtschatten, Breitblättriger Rohrkolben, Echter Baldrian, Wasser-Ehrenpreis

Problempflanzen = Invasive Neophyten (0,2%-Deckungsanteil) Kamtschatka-Beifuß, Schmetterlingsstrauch, Kanadischer Katzenschweif, Schlanke Karde, Topinambur, Drüsiges Springkraut, Japan-Knöterich, Gewöhnliche Nachtkerze, Europäischer Sauerklee, Robinie, Schmalblättriges Greiskraut, Riesen-Goldrute

Besondere Pflanzengesellschaften
·         Gierschfluren/Knoblauchsraukensäume
·         Natternkopffluren
·         Sand- und Felsgrusfluren (fragmentarisch)
·         Großröhricht (§ 13 d BayNatSchG)
·         Weiden-Weichholzaue (§ 13 d BayNatSchG)

Fauna (s.a. oben gefährdete Arten)
Eichhörnchen, Waldmaus (BK 1998), Rötelmaus (BK 1998), Igel (/BK 1998), Steinmarder (BK 1998), Wasseramsel, Gebirgsstelze, Zaunkönig, Zilpzalp, Ikarus-Bläuling, Schachbrettfalter, Gemeine Schließmundschnecke (BK1998)

Besondere Strukturen
·         Strukurreiches Kleinrelief
·         Dickstämmige Bäume (> 75 cm Durchmesser in 1 m Höhe), Höhlenbäume
·         Sickerfeuchte Mauern
·         Dichtes Gebüsch
·         Ephemere Gewässer/Tümpel
·         Uferverbau: (Material: Beton-Bauteile, Natursteinblöcke)
·         Querbauwerke: 2 Sohlschwellen, 3 Wehre/ ca. 6-kammeriges Wehr am Wehrsteg

Nur kleine Isar: wechselnde Bettbreite bzw. Strömung innerhalb von Ufermauern, Absturz, Kolke, Stromschnellen, Kiesbank