|
Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation: Die Regulierung der
Isar in München begann bereits am Anfang des 19. Jahrhunderts.
Zwischen 1806 und 1812 wurde die Isar nördlich der Luitpoldbrücke
begradigt und das Hochwasserbett durch Uferbefestigungen auf 43,8 Meter
eingeengt. Nachdem durch den jetzt zu schmalen Querschnitt (Erhöhung der
Fließgeschwindigkeit) eine enorme Sohlerosion einsetzte und die Isar sich
immer weiter eintiefte, wurde 1889 das Flussbett auf den heutigen Zustand
von ca. 60 Meter Breite erweitert. Die damalige flussbauliche Sünde ist
heute noch durch den mehrere Meter hohen Sohlabsturz nördlich der
Maximiliansbrücke augenfällig dokumentiert. Eine weitere entscheidende
Veränderung der Ökologie des Flusses bewirkte der Bau des Isarkanals von
1905 bis 1907. Der Bau des Sylvensteinspeichers 1959 machte die Isar endgültig
zum regulierten Fluss.
Auf
Höhe des Praterwehrs ist die Isar in zwei Arme aufgeteilt, einen in einem
betonierten Kanal von nur 25 m Breite fließenden westseitigen Arm
unterhalb des Praterwehrs und einen naturnäheren 50- 60 m breiten östlichen
Arm. Den ostseitigen Flusslauf begleitet der durch eine Steinmauer
abgetrennte Auer Mühlbach auf 200 m Streckenlänge südlich der
Maximiliansbrücke, bevor er unterirdisch einem in der angrenzenden Grünanlage
gelegenen kleinen Kraftwerk zufließt.
Beide
Flussarme überwinden einen Höhenunterschied von 5-6 Metern unmittelbar
nördlich der Maximiliansbrücke über eine terrassierte Sohlschwelle. Der
ostseitige Sohlabsturz vermittelt den Eindruck eines größeren
Wasserfalls. Hinter dem Sohlabsturz vereinigen sich beide Flussarme zu
einem ca. 60 m breiten Mittelwasserbett, das gegenüber dem Hochufer um
etwa 7-8 m tief eingeschnitten ist. Das Hochufer ist beiderseits mit
5-7 m hohen, 80° steilen bis senkrechten Ufermauern gesichert. Die Mauern
sind mit Moosen und stellenweise weit herabhängenden Lianen (Efeu und
Wilder Wein) bewachsen. Im Mündungsbereich des Auer Mühlbachs kommt
bei Niedrigwasser eine Kiesbank frei.
Am
westlichen schmalen Uferstreifen neben der Widenmayerstraße verläuft
eine weitgehend geschlossene doppelte Baumreihe ohne nennenswerten
Unterwuchs, ostwärts grenzt eine wellige Parklandschaft mit dichtem
Wegenetz, vorherrschend Scherrasen mit zahlreichen Trampelpfaden und
eingelagerten Solitärbäumen bzw. Baumgruppen an. Infolge der starken
Eintiefung der Isar fehlen Weiden in diesem Abschnitt, es kommen hauptsächlich
Pappeln, Eschen,
Spitz-Ahorn
und Buchen mit
einem hohen Anteil sehr dickstämmiger Individuen vor. Unter dichterem
Baumbestand sind z. T. aufwuchsschwache, lückige Schatten- und
Moosrasen zu finden, die aber dennoch häufig mitgemäht werden, so dass
so gut wie keine Krautsäume verblieben sind.
Am
Friedensengel wurde die ehemalige Aue für die Straßenauffahrt der
Prinzregentenstraße auf über 250 m Länge fast vollständig zugeschüttet.
Auf der Südböschung dieser Aufschüttung hat sich ein blütenreiches
Grünland mit Rundblättriger Glockenblume und Großer Bibernelle entwickelt, das leider zu häufig gemäht wird und deshalb
artenärmer ist, als es sein müsste.
|
|
Quellen
Südlich und nördlich der Auffahrt zur Prinzregentenstraße treten im
unteren Hangbereich der Hochterrasse mehr oder weniger gefasste Fließquellen
aus, die kleine Weiher speisen bzw. kleinräumige Vernässungen mit Pfützenbildung
im Grünland am Hangfuß verursachen. Neben einem Spitz-Ahorn mit 120 cm Stammdurchmesser versickert ein
Quellbach in einem häufig gemähten Flutrasen mit fragmentarischer
Entwicklung eines Bachbungen-Kleinröhrichts. Der nördlich des
Friedensengels befindliche ca. 80 m lange Achtersee ist an seinen Ufern
mit Nagelfluh-Blöcken verbaut, der Grund mit viel Laub bedeckt. Am
recht steilen Ostufer stürzen zwei Quellrinnsale über wohl künstlich
angebrachte Tuffblöcke 1-2 m tief durch einen Eibenbestand in den Weiher.
Die Quellen im Bereich des Friedensengels sind eines der ganz wenigen
Relikte von Naturlandschaft innerhalb des Mittleren Rings. Die Münchner
Quellen gehören zum Typ der Kalk-Tuffquellen, die nach der
Flora-Fauna-Habitatrichtlinie der Europäischen Union prioritär zu schützen
sind. Das kennzeichnende Kalk-Tuffmoos kommt auch in den Quellen am Friedensengel
vor.
Das Ostufer
Auf Höhe des Achtersees endet die ostseitige
Ufermauer, nordwärts setzt sich eine ziemlich steile mit großen Steinblöcken
befestigte, ca. 10 m breite Böschung fort, die jedoch inzwischen mit
gestuftem standorttypischem Gehölzbestand und z. T. mageren Grasbeständen
größtenteils zugewachsen ist. Sogar Eiben mit bis zu mehreren Metern Höhe sind dort nicht selten.
Ungefähr ab der Max-Joseph-Brücke wird das Ostufer etwas flacher und es
ist ungefähr auf dem Niveau der unteren Hochwasserlinie eine ca. 10-15 m
breite Berme ausgebildet. Auf kurzen Abschnitten besteht hier eine
streifenförmige
typische Silberweiden-Weichholzaue mit altem Baumbestand. Der Unterwuchs
des Auengehölzes wird von einer nitrophytischen Krautflur gebildet, die
auch die Kratzbeere
enthält. Bei Hochwasser werden diese Flächen mit Auelehm überdeckt. Das
Ufer ist mit einer Steinschüttung bzw. Betonplatten verbaut, die
Verbauung ist aber stellenweise zerbrochen und es haben sich
Auskolkungen und am Rand der Berme Auelehmbänke gebildet.
Abschnittsweise sind hier feuchte Mädesüß-Hochstaudenfluren mit
Wasserdost
und Rohrglanzgras-Landröhricht entwickelt.
Die
nördlichsten 250 m vor der John-F.-Kennedy-Brücke wirken ausgesprochen
naturnah. Dichtes Purpurweiden-Ufergebüsch, querliegende Bäume und ein
unverbauter, 1-2 m breiter Quellbach mit Kleinröhricht, vermitteln
den Eindruck eines Urwaldes. Das Umfeld des Auengehölzes ist allerdings
durch Fahrspuren, Müll und eine Feuerstelle beeinträchtigt; ein 1-3 m
breiter Trampelpfad zieht sich längs der gesamten Uferberme. Die Steilböschung
zur oberhalb als Weg verlaufenden Thomas-Mann Allee ist mit z. T. recht
dickstämmigen Bäumen der Hartholzaue (Eschen, Ahorn und einige
Berg-Ulmen) bewachsen, deren Stämme teils auch mit Efeu berankt sind.
Nennenswerte nährstoffreiche Krautsäume sind nur stellenweise
ausgebildet, zu häufige Mahd verhindert im keilförmigen Grünstreifen
die Entwicklung eines strukturreichen Grünlands. Der Bestand der gefährdeten
Pflanzenarten Doldiger Milchstern und Schlangen-Lauch beschränkt sich daher auf wenige Wuchsorte im Trauf
von Gehölzinseln. Bemerkenswert sind derzeit eine noch stehende
abgestorbene Berg-Ulme
mit über 70 cm Stammdurchmesser, die etwa 40 m südlich der
John-F.-Kennedy-Brücke steht und eine weitere noch vital erscheinende
Ulme ungefähr gleicher Stammstärke.
Das
Westufer
Das Westufer verbreitert sich südlich der Max-Joseph-Brücke auf 40 m,
entlang der Ifflandstraße bis auf 70 m. Es ist größtenteils mit dichtem
Baumbestand bewachsen, dem auch dickstämmige Pappeln und Silber-Weiden beigemischt sind. Ein ca. 170 m
langer Abschnitt im Bereich
des ehemaligen Pionierübungsgeländes wird von einem vor weniger als 10
Jahren angelegtem Magergrünland eingenommen. Der südliche Teil ist mit
Strauchweiden mäßig verbuscht. Der nördliche Teil ist als blütenreicher
Magerrasen mit Karthäuser-Nelke, Wundklee und Ochsenauge entwickelt. Hier kommen auch mehrere
Arten von
Tagschmetterlingen und Heuschrecken vor. |
|
Artenzusammensetzung
Vorkommen
gefährdeter Arten
Schlangen-Lauch, Doldiger Milchstern
Eibe;
Idas-Bläuling
Flechten und Moose: nicht untersucht
Gehölze
Spitz-Ahorn,
Berg-Ahorn,
Hainbuche,
Blutroter Hartriegel, Deutzie, Buche,
Esche, Efeu, Pappel, Vogel-Kirsche, Frühe Trauben-Kirsche, Stiel-Eiche, Berg-Johannisbeere, Rote Johannisbeere, Kratz-Beere, Silber-Weide, Bruch-Weide, Purpur-Weide, Hohe Weide, Mandel-Weide, Korb-Weide, Berg-Ulme
Gräser und Kräuter
Knoblauchsrauke, Schlangen-Lauch, Wundklee, Aufrechte Berle, Wald-Zwenke, Aufrechte Trespe, Weidenblättriges Ochsenauge, Wasserstern, Rundblättrige Glockenblume, Bitteres Schaumkraut, Schmalblättrige Wiesen-Flockenblume, Skabiosen-Flockenblume, Taumel-Kälberkropf, Gewöhnliches Hexenkraut, Bunte Kronwicke, Rasen-Schmiele, Behaartes Weidenröschen, Wasserdost, Riesen-Schwingel, Mädesüß, Sumpf-Storchschnabel, Gewöhnliche Nelkenwurz, Flutender Schwaden, Vierkantiges Johanniskraut, Kleinblütiges Springkraut, Weißer Steinklee, Rohr-Glanzgras, Große Bibernelle, Knotige Braunwurz, Jakobs-Greiskraut, Wald-Ziest, Bachbunge
Problempflanzen = Invasive Neophyten (1%-Deckungsanteil)
Schlanke
Karde, Drüsiges
Springkraut,
Wilder Wein, Japan-Knöterich, Sachalin-Knöterich, Kanadische Goldrute
Besondere
Pflanzengesellschaften
·
Gierschfluren/Knoblauchsraukensäume
·
Mädesüß- Hochstaudenflur (§13 d BayNatSchG)
·
Großröhricht (§13 d BayNatSchG)
·
Kleinröhricht,
fragmentarisch in einem Quellbach
·
Weiden-Weichholzaue (§ 13 d BayNatSchG)
·
Wasserpflanzengesellschaften (§ 13 d BayNatSchG)
Fauna
Eichhörnchen,
Zilpzalp,
Zaunkönig,
Tag-Pfauenauge,
Zitronenfalter,
Kleiner Fuchs,
Rostfarbener Dickkopffalter, Ikarus- Bläuling, Gewöhnliche Strauchschrecke, Nachtigall-Grashüpfer, Heide-Libelle
Besondere
Strukturen
·
Strukturreiches Oberflächenrelief
·
Sickerfeuchte Mauern
·
Totholz/Totholzlagerhaufen
·
Dickstämmige Bäume (>75 cm Durchmesser in 1 m Höhe), Höhlenbäume
·
Ephemere Gewässer/Tümpel
·
Uferverbau (Material: Naturstein, Beton)
·
Querbauwerke: je eine mehrstufige Kaskade in Großer und Kleiner
Isar
·
Kolke, Kiesbank, Abstürze
·
Sturz- oder Fließquellen am Hangfuß |