Münchner Biotope: Isar zwischen Praterwehr und John-F. Kennedy-Brücke

Lage

zwischen Kabelsteg bzw. Praterwehr und John-F. Kennedy-Brücke

Schutzstatus Landschaftsschutzgebiet; kleine Teilflächen (Magerrasen, Röhricht, feuchte Hochstaudenflur, Weich­holzaue im Überflutungsbereich) nach Art. 13d(1), BayNatSchG ge­schützt
Mü. Stadtbiotop Nr. einzelne Ufergehölze kartiert
Flächennutzung größtenteils Allgemeine Grünfläche oder Wasserfläche

Flächengröße

ca. 41 ha


Ergebnis von Bausünden im 19. Jahrhundert: das Isarbett ist nördlich der
Maximilianbrücke extrem eingetieft

 
Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation: Die Regulierung der Isar in München begann bereits am Anfang des 19. Jahrhunderts. Zwischen 1806 und 1812 wurde die Isar nördlich der Luitpoldbrücke begradigt und das Hochwasserbett durch Uferbefestigungen auf 43,8 Meter eingeengt. Nachdem durch den jetzt zu schmalen Querschnitt (Erhöhung der Fließgeschwindigkeit) eine enorme Sohlerosion einsetzte und die Isar sich immer weiter eintiefte, wurde 1889 das Flussbett auf den heutigen Zustand von ca. 60 Meter Breite erweitert. Die damalige flussbauliche Sünde ist heute noch durch den mehrere Meter hohen Sohlabsturz nördlich der Maximiliansbrücke augenfällig dokumentiert. Eine weitere entscheidende Veränderung der Ökologie des Flusses bewirkte der Bau des Isarkanals von 1905 bis 1907. Der Bau des Sylvensteinspeichers 1959 machte die Isar endgültig zum regulierten Fluss.
Auf Höhe des Praterwehrs ist die Isar in zwei Arme aufgeteilt, einen in einem betonierten Kanal von nur 25 m Breite fließenden westseitigen Arm unterhalb des Praterwehrs und einen naturnäheren 50- 60 m breiten östlichen Arm. Den ostseitigen Flusslauf begleitet der durch eine Steinmauer abgetrennte Auer Mühlbach auf 200 m Streckenlänge südlich der Maximiliansbrücke, bevor er unterirdisch einem in der angrenzenden Grünanlage gelegenen kleinen Kraftwerk zufließt.
Beide Flussarme überwinden einen Höhenunterschied von 5-6 Metern unmittelbar nördlich der Maximiliansbrücke über eine terrassierte Sohlschwelle. Der ostseitige Sohlabsturz vermittelt den Eindruck eines größeren Wasserfalls. Hinter dem Sohlabsturz vereinigen sich beide Flussarme zu einem ca. 60 m breiten Mittelwasserbett, das gegenüber dem Hochufer um etwa 7-8 m tief eingeschnitten ist. Das Hochufer ist beiderseits mit 5-7 m hohen, 80° steilen bis senkrechten Ufermauern gesichert. Die Mauern sind mit Moosen und stellenweise weit herabhängenden Lianen (Efeu und Wilder Wein) bewachsen. Im Mündungsbereich des Auer Mühlbachs kommt bei Niedrigwasser eine Kiesbank frei.
Am westlichen schmalen Uferstreifen neben der Widenmayerstraße verläuft eine weitgehend geschlossene doppelte Baumreihe ohne nennenswerten Unterwuchs, ostwärts grenzt eine wellige Parklandschaft mit dichtem Wegenetz, vorherrschend Scherrasen mit zahlreichen Trampelpfaden und eingelagerten Solitärbäumen bzw. Baumgruppen an. Infolge der starken Eintiefung der Isar fehlen Weiden in diesem Abschnitt, es kommen hauptsächlich Pappeln, Eschen, Spitz-Ahorn und Buchen mit einem hohen Anteil sehr dickstämmiger Individuen vor. Unter dichterem Baumbestand sind z. T. aufwuchsschwache, lückige Schatten- und Moosrasen zu finden, die aber dennoch häufig mitgemäht werden, so dass so gut wie keine Krautsäume verblieben sind.
Am Friedensengel wurde die ehemalige Aue für die Straßenauffahrt der Prinzregentenstraße auf über 250 m Länge fast vollständig zugeschüttet. Auf der Südböschung dieser Aufschüttung hat sich ein blütenreiches Grünland mit Rundblättriger Glockenblume und Großer Bibernelle entwickelt, das leider zu häufig gemäht wird und deshalb artenärmer ist, als es sein müsste.

Quellen
Südlich und nördlich der Auffahrt zur Prinzregentenstraße treten im unteren Hangbereich der Hochterrasse mehr oder weniger gefasste Fließquellen aus, die kleine Weiher speisen bzw. kleinräumige Vernässungen mit Pfützenbildung im Grünland am Hangfuß verursachen. Neben einem Spitz-Ahorn mit 120 cm Stammdurchmesser versickert ein Quellbach in einem häufig gemähten Flutrasen mit fragmentarischer Entwicklung eines Bachbungen-Kleinröhrichts. Der nördlich des Friedensengels befindliche ca. 80 m lange Achtersee ist an seinen Ufern mit Nagelfluh-Blöcken verbaut, der Grund mit viel Laub bedeckt. Am recht steilen Ostufer stürzen zwei Quellrinnsale über wohl künstlich angebrachte Tuffblöcke 1-2 m tief durch einen Eibenbestand in den Weiher. Die Quellen im Bereich des Friedensengels sind eines der ganz wenigen Relikte von Naturlandschaft innerhalb des Mittleren Rings. Die Münchner Quellen gehören zum Typ der Kalk-Tuffquellen, die nach der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie der Europäischen Union prioritär zu schützen sind. Das kennzeichnende Kalk-Tuffmoos kommt auch in den Quellen am Friedensengel vor.

Das Ostufer
Auf Höhe des Achtersees endet die ostseitige Ufermauer, nordwärts setzt sich eine ziemlich steile mit großen Steinblöcken befestigte, ca. 10 m breite Böschung fort, die jedoch inzwischen mit gestuftem standorttypischem Gehölzbestand und z. T. mageren Grasbeständen größtenteils zugewachsen ist. Sogar Eiben mit bis zu mehreren Metern Höhe sind dort nicht selten. Ungefähr ab der Max-Joseph-Brücke wird das Ostufer etwas flacher und es ist ungefähr auf dem Niveau der unteren Hochwasserlinie eine ca. 10-15 m breite Berme ausgebildet. Auf kurzen Abschnitten besteht hier eine streifenförmige typische Silberweiden-Weichholzaue mit altem Baumbestand. Der Unterwuchs des Auengehölzes wird von einer nitrophytischen Krautflur gebildet, die auch die Kratzbeere enthält. Bei Hochwasser werden diese Flächen mit Auelehm überdeckt. Das Ufer ist mit einer Steinschüttung bzw. Betonplatten verbaut, die Verbauung ist aber stellenweise zerbrochen und es haben sich Auskolkungen und am Rand der Berme Auelehmbänke gebildet. Abschnittsweise sind hier feuchte Mädesüß-Hochstaudenfluren mit Wasserdost und Rohrglanzgras-Landröhricht entwickelt.
Die nördlichsten 250 m vor der John-F.-Kennedy-Brücke wirken ausgesprochen naturnah. Dichtes Purpurweiden-Ufergebüsch, querliegende Bäume und ein unverbauter, 1-2 m breiter Quellbach mit Kleinröhricht, vermitteln den Eindruck eines Urwaldes. Das Umfeld des Auengehölzes ist allerdings durch Fahrspuren, Müll und eine Feuerstelle beeinträchtigt; ein 1-3 m breiter Trampelpfad zieht sich längs der gesamten Uferberme. Die Steilböschung zur oberhalb als Weg verlaufenden Thomas-Mann Allee ist mit z. T. recht dickstämmigen Bäumen der Hartholzaue (Eschen, Ahorn und einige Berg-Ulmen) bewachsen, deren Stämme teils auch mit Efeu berankt sind. Nennenswerte nährstoffreiche Krautsäume sind nur stellenweise ausgebildet, zu häufige Mahd verhindert im keilförmigen Grünstreifen die Entwicklung eines strukturreichen Grünlands. Der Bestand der gefährdeten Pflanzenarten Doldiger Milchstern und Schlangen-Lauch beschränkt sich daher auf wenige Wuchsorte im Trauf von Gehölzinseln. Bemerkenswert sind derzeit eine noch stehende abgestorbene Berg-Ulme mit über 70 cm Stammdurchmesser, die etwa 40 m südlich der John-F.-Kennedy-Brücke steht und eine weitere noch vital erscheinende Ulme ungefähr gleicher Stammstärke.

Das Westufer
Das Westufer verbreitert sich südlich der Max-Joseph-Brücke auf 40 m, entlang der Ifflandstraße bis auf 70 m. Es ist größtenteils mit dichtem Baumbestand bewachsen, dem auch dickstämmige Pappeln und Silber-Weiden beigemischt sind. Ein ca. 170 m langer Abschnitt im Bereich des ehemaligen Pionierübungsgeländes wird von einem vor weniger als 10 Jahren angelegtem Magergrünland eingenommen. Der südliche Teil ist mit Strauchweiden mäßig verbuscht. Der nördliche Teil ist als blütenreicher Magerrasen mit Karthäuser-Nelke, Wundklee und Ochsenauge entwickelt. Hier kommen auch mehrere Arten von Tagschmetterlingen und Heuschrecken vor.

Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
Schlangen-Lauch, Doldiger Milchstern
Eibe; Idas-Bläuling 
Flechten und Moose: nicht untersucht

Gehölze
Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Hainbuche, Blutroter Hartriegel, Deutzie, Buche, Esche, Efeu, Pappel, Vogel-Kirsche, Frühe Trauben-Kirsche, Stiel-Eiche, Berg-Johannisbeere, Rote Johannisbeere, Kratz-Beere, Silber-Weide, Bruch-Weide, Purpur-Weide, Hohe Weide, Mandel-Weide, Korb-Weide, Berg-Ulme

Gräser und Kräuter
Knoblauchsrauke, Schlangen-Lauch, Wundklee, Aufrechte Berle, Wald-Zwenke, Aufrechte Trespe, Weidenblättriges Ochsenauge, Wasserstern, Rundblättrige Glockenblume, Bitteres Schaumkraut, Schmalblättrige Wiesen-Flockenblume, Skabiosen-Flockenblume, Taumel-Kälberkropf, Gewöhnliches Hexenkraut, Bunte Kronwicke, Rasen-Schmiele, Behaartes Weidenröschen, Wasserdost, Riesen-Schwingel, Mädesüß, Sumpf-Storchschnabel, Gewöhnliche Nelkenwurz, Flutender Schwaden, Vierkantiges Johanniskraut, Kleinblütiges Springkraut, Weißer Steinklee, Rohr-Glanzgras, Große Bibernelle, Knotige Braunwurz, Jakobs-Greiskraut, Wald-Ziest, Bachbunge

Problempflanzen = Invasive Neophyten (1%-Deckungsanteil)
Schlanke Karde, Drüsiges Springkraut, Wilder Wein, Japan-Knöterich, Sachalin-Knöterich, Kanadische Goldrute

Besondere Pflanzengesellschaften
·         Gierschfluren/Knoblauchsraukensäume
·         Mädesüß- Hochstaudenflur (§13 d BayNatSchG)
·         Großröhricht (§13 d BayNatSchG)
·         Kleinröhricht, fragmentarisch in einem Quellbach
·         Weiden-Weichholzaue (§ 13 d BayNatSchG)
·         Wasserpflanzengesellschaften (§ 13 d BayNatSchG)

Fauna
Eichhörnchen, Zilpzalp, Zaunkönig, Tag-Pfauenauge, Zitronenfalter, Kleiner Fuchs, Rostfarbener Dickkopffalter, Ikarus- Bläuling, Gewöhnliche Strauchschrecke, Nachtigall-Grashüpfer, Heide-Libelle

Besondere Strukturen
·         Strukturreiches Oberflächenrelief
·         Sickerfeuchte Mauern
·         Totholz/Totholzlagerhaufen
·         Dickstämmige Bäume (>75 cm Durchmesser in 1 m Höhe), Höhlenbäume
·         Ephemere Gewässer/Tümpel
·         Uferverbau (Material: Naturstein, Beton)
·         Querbauwerke: je eine mehrstufige Kaskade in Großer und Kleiner Isar
·         Kolke, Kiesbank, Abstürze
·         Sturz- oder Fließquellen am Hangfuß