Münchner Biotope: Gleisachse Hauptbahnhof - Laim - Pasing

Lage

zwischen Pasing, Laim, Westend und Nymphenburg/Neuhausen

Schutzstatus kein Schutzgebiet; kleiner Teilbereich Magerrasen nach Art. 13d(1), BayNatSchG geschützt
Mü. Stadtbiotop Nr. lt. Ausgleichsflächengutachten für die Planung „Zentrale Bahnflächen“ sind zwischen Hauptbahnhof und Pasing ca. 24 ha Bahnbiotope (unterschiedliche Nr.) kartiert worden.
Flächennutzung zurzeit wird der Flächennutzungsplan für das Gesamtgebiet geändert. Bahnflächen werden zu Gunsten eines Nutzungsmix aus Wohnen, Gewerbe und Grünflächen entwidmet.
Flächengröße

ca. 36,5 ha (innerhalb Mittlerer Ring); ca. 87 ha (außerhalb des Mittleren Rings). Der kartierte Bereich umfasst nur einen Teil der insgesamt 173 ha großen städtischen Planung „Zentrale Bahnflächen“


Bahnbrache in Laim: auf Rohboden blüht der blaue Genfer Günsel (Bildmitte), im Hintergrund Pioniergehölzen


Typische Bewohner der Bahnbiotope: Heideschnecken auf scharfem Mauerpfeffer

  
Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Die Münchner Eisenbahngeschichte wurde 1839 mit der Eröffnung der Strecke München-Lochhausen eingeläutet. Diese erste Bahnstrecke verlief bereits auf der Hauptgleisstrecke Münchens zwischen dem heutigen Hauptbahnhof und Pasing. Der erste provisorische Bahnhof Münchens stand bereits auf der Fläche des heutigen Hauptbahnhofsgebäudes, das zwischen 1958 und 1960 umgebaut wurde. (Daten aus: http://zielbahnhof.de/muenchen_hbf.htm). Derzeit beginnen auf der Bahnstrecke große Umstrukturierungsmaßnahmen, die neue Gewerbe- und Wohnflächen entlang der Bahnachse schaffen sollen. An der Donnersberger Brücke dokumentieren zwei kürzlich entstandene Hochhäuser eindrücklich diesen Wandel.
Die Münchner Bahnbiotope sind aufgrund ihrer Wärmegunst (Stadtklima) und ihrer abwechslungsreichen Struktur, die von vegetationslosen Schottern bis zu mehrere Meter hohen Pioniergehölzen reicht, außerordentlich artenreich. So haben einige Tierarten hier ihren südbayrischen Verbreitungsschwerpunkt oder sogar ihr einziges Vorkommen. Festgestellt wurden auf den Bahnflächen zwischen Hauptbahnhof und Pasing unter anderem die Mauereidechse, die Zauneidechse, das Weinhähnchen, die Blauflüglige Sandschrecke und Massenbestände der Blauflügligen Ödlandschrecke. Die vom Aussterben bedrohte Sandschrecke wurde 2003 sogar innerhalb des Mittleren Rings nahe der Donnersberger Brücke festgestellt (eigene Beobachtung).

Untersucht wurden in dieser Studie vor allem die weitgehend ungenutzten, teils bereits abgebauten Gleisanlagen nördlich des Haupt-Gleisstrangs. Im Bereich des ehemaligen Rangierbahnhofs Laim und des östlich angrenzenden ehemaligen Paketbahnhofs erstrecken sich großflächige Bereiche mit Kies-Rohböden und Bahnschottern. Es wechselt vorwiegend relativ vegetationsarmer Grobschotter im Bereich der eigentlichen Gleiskörper mit feinkiesig-grusigem Substrat in den Gleiszwischenräumen, stellenweise deckt bewuchshemmende Schlacke den Schotterkörper ab. Die Gleiszwischenräume sind vorwiegend mit lückigen Pionierfluren mit einem hohen Anteil einjähriger Pflanzenarten wie Dreifinger-Steinbrech, Frühjahrs-Hungerblümchen oder Hornkräutern bewachsen. Gruppenweise hat sich ein lockerer, artenreicher Aufwuchs von Sukzessionsgehölzen mit 2-4 m Höhe eingestellt, dominiert von Sand-Birke, Rotem Hartriegel, Sal-Weide und Hunds-Rose. Größere, bereits bis über 10 m hohe Gehölzbestände aus Espe und Birke befinden sich zwischen Rangierbahnhofsgelände und Reisezuggleisen westlich der Friedenheimer Brücke und westlich des Bahnhofs Laim.

Westlich der Wotanstraße grenzt eine 1,2 m hohe schräge Mauer aus Quadersteinen mit zahlreichen Fugen und Moosbewuchs das Rangierbahnhofgelände nordwärts zur Winfriedstraße ab. An der Winfriedstraße liegt eine gepflasterte Ladestraße mit artenreicher Pflasterfugenvegetation. Die Randstreifen vor allem an den Lagergebäuden sind mit nährstoffreichen Ruderalfluren bewachsen.
Die Gleisanlage ist mit einigen Pfaden mit teils sandiglehmiger Auflage durchzogen. Auf dem größten Teil der Fläche siedeln artenarme Landreitgrasfluren oder Massenbestände des Schmalblättrigen Greiskrauts und des Einjährigen Berufkrautes. Auf kleineren Teilflächen kommen auch blütenreiche Möhren-Steinkleefluren mit Königskerzen, Pastinak und Weidenröschen vor. Der Schotter ist vielfach von gelben Krustenflechten überzogen.

Östlich der Wotanstraße gibt es im Bereich des Dampflokschuppens noch größere Anteile offenen Rohbodens mit spärlicher Initialvegetation. Dort finden sich vereinzelt Ablagerungen von frischer Schlacke, Schmieröl oder Sperrmüll. Ebenfalls im Bereich des Dampflokschuppens liegen aber auch Vorkommen des vom Aussterben bedrohten Behaarten Bruchkrauts und des in Bayern sehr seltenen Kalikrauts. Regelmäßig zu sehen ist in diesem Bereich der Feldhase. Er wagt sich an dieser Stelle am weitesten in die Innenstadt vor.
Weiter ostwärts befinden sich mehrere Meter breite, teils angeböschte Gleiszwischenräume, die öfter mit heckenähnlichen Gebüschstreifen aus Brombeer- und Waldrebengestrüpp bewachsen sind. Hier ist auch ein von Kaninchen und Feldhasen beweideter lückiger Kalkmagerrasen von ca. 2000 m2 Größe ausgebildet, der überwiegend von der Stein-Zwenke dominiert wird. Dieser Rasen weist einige blütenreiche Bereiche mit Genfer Günsel, Kriechendem Hauhechel, Natternkopf und Sand-Fingerkraut auf.
Im Bereich des ehemaligen Paketbahnhofs überwiegen vegetationsarme Grobschotterflächen. Auf feinkiesig-sandigen Flächen im Südteil dieses Geländes haben sich Natternkopf- und Mauerpfefferfluren entwickelt, die Massenpopulationen des Nachtigall-Grashüpfers und der Blauflügeligen Ödlandschrecke beherbergen. Auch hier dringen stellenweise Goldruten und Landreitgras ein und es breitet sich als Neuankömmling der Münchner Flora der Sommerflieder aus. Das parkartig gestaltete Vorfeld der Bahndirektion an der Richelstraße ist mit Spitz-Ahorn und Winter-Linden überschirmt. Leider wird die zugehörige Grünfläche zu oft gemäht; die Fläche bleibt deshalb artenarm. Auf der angrenzenden Gleisböschung befindet sich jedoch eine sehr blütenreiche Möhren-Steinkleeflur mit Natternkopf und Seifenkraut.
Unmittelbar östlich der Donnersberger Brücke hat sich auf einer neu geschaffenen Kiesfläche auf einem ehemaligen Industriegleis vorübergehend eine artenreiche Hackfrucht-Wildkrautflur entwickelt, dominiert vom Schwarzen Nachtschatten, mit kleinen Vorkommen von Garten-Melde, Schwarznessel und Vielsamigem Gänsefuß.

  
Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten
Feldhase, Zauneidechse, Weinhähnchen (BK2000), Sandschrecke, Blauflüglige Ödlandschrecke, Behaartes Bruchkaut, Rosmarin-Weidenröschen, Feld-Ulme, Pariser Labkraut, Binsen-Knorpelsalat, Kicher-Tragant, Luzerne Blattschneiderbiene, Himmelblauer Bläuling, Kahle Sandwespe, Kegelbiene, Wollbiene, Wollbiene, Maskenbiene, Feld-Spitzmaus, Großer Abendsegler (Teilhabitat), Heidelerche (Teilhabitat), Rotmilan (Teilhabitat): Daten in eckiger Klammer aus: Freiraum- und Ausgleichsflächengutachten Zentrale Bahnflächen München, 2000);
Moose und Flechten: nicht untersucht

Gehölze
Spitz-Ahorn, Hänge-Birke, Schmetterlingsstrauch, Blutroter Hartriegel, Gewöhnliche Waldrebe, Eingriffliger Weißdorn, Schwarzer Holunder, Zitter-Pappel, Hunds-Rose, Wein-Rose, Kratz-Beere, Brombeere, Sal-Weide, Purpur-Weide

Gräser und Kräuter (Auswahl charakteristischer Arten/ die Gesamtartenzahl dürfte bei etwa 200 liegen)
Genfer Günsel, Garten-Melde, Fieder-Zwenke, Feld-Steinquendel, Blaugrüne Segge, Rispen-Flockenblume, Lochschlund, Vielsamiger Gänsefuß, Bunte Kronwicke, Gewöhnliches Kreuzlabkraut, Grüne Erdbeere, Echtes Labkraut, Kahles Bruchkraut, Florentiner Habichtskraut, Schwertlilie, Feld-Kresse, Gewöhnliches Leinkraut, Purgier-Lein, Kriechende Hauhechel, Sand-Fingerkraut, Silber-Fingerkraut, Frühlings-Fingerkraut, Kali-Salzkraut, Dreifinger-Steinbrech, Scharfer Mauerpfeffer, Weiße Fetthenne, Tripmadam, Pastinak, Jakobs-Greiskraut, Hasen-Klee, Gewöhnlicher Feldsalat, Mehlige Königskerze, Schwarze Königskerze

Problempflanzen = Invasive Neophyten (15%-Deckungsanteil): Schmetterlingsstrauch, Kanadischer Katzenschweif, Zwergmispel, Einjähriger Feinstrahl, Gewöhnliche Geißraute, Virginische Kresse, Gewöhnliche Nachtkerze, Aufrechter Sauerklee, Japan-Knöterich, Sachalin-Knöterich, Essigbaum, Schmalblättriges Greiskraut, Kanadische Goldrute

Fauna (s.o. gefährdete Arten)
Ikarus-Bläuling, Brauner Grashüpfer, Nachtigall-Grashüpfer, Gewöhnlicher Grashüpfer, Roesels Beißschrecke, Großes Heupferd, Heideschnecke

Besondere Strukturen
·         Totholzlagerhaufen
·         Offene Rohböden
·         Trockenmauern mit Mauerspalten
·         Hohes Blütenangebot

Besondere Pflanzengesellschaften
·         Thermophile Saumstaudenfluren
·         Möhren-Steinkleefluren
·         Sand- und Felsgrusfluren, Halbtrockenrasen