Münchner Biotope: Großmarktgelände

Lage

Untersendling, zwischen Schäftlarn-, Lagerhaus- und Thalkirchner Straße

Schutzstatus kein Schutzgebiet
Mü. Stadtbiotop Nr. nicht kartiert
Flächennutzung Gewerblicher Gemeinbedarf
Flächengröße ca. 7 ha
  

Biotopstrukturen in einem Meer aus Beton: Pionierpflanzen, darunter
der seltene Schmalblättrige Hohlzahn, haben die Gleisschotter erobert

  
Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde das heutige Großmarktgelände als Handels- und Lagerplatz genutzt. Im Münchner Stadtplan von 1891 (Ricard Amtage städt. Vermessungsamt, Kurt Stöckers Kunstanstalt) ist die Fläche als Holzhof bezeichnet und besaß bereits einen Gleisanschluss. Seitdem fanden, wie für große Handelsflächen üblich, dynamische Änderungen im Gebäudebestand und den Erschließungsflächen statt.
Das Großmarktgelände besteht heute vor allem aus asphaltierten Zulieferstraßen und Abstellplätzen für LKW sowie aus Lagerhallen. Es ist insgesamt zu etwa 90% versiegelt. Der nördliche Bereich, wo nahezu der gesamte Handel abgewickelt wird, hat mit nahezu 99% Versiegelungsgrad keinerlei Bedeutung als Lebensraum für Wildpflanzen und -tiere und wird daher an dieser Stelle außer Acht gelassen. In die Betrachtung einbezogen ist nur der östliche und südliche Bereich um die Gleisanlagen und Ladestraßen

Gestaltete Grünflächen sind im Großmarktgelände kaum vorhanden. Nur an der nordseitigen asphaltierten Zufahrt gibt es wenige kleinflächige Zierpflanzungen, vor allem mit Schneebeeren. Innerhalb dieser rechteckigen Grünflächen wurde jeweils ein Baum gepflanzt, vor allem Robinien, aber auch eine Berg-Ulme. Östlich daran schließt eine vom Südbahnhof abzweigende Bahnstrecke an, die in einer 90° Kurve südwärts in das Großmarktgelände führt. Der Innenbogen dieser Gleiskurve ist von einer ca. 100 m langen Säulenpappelreihe gesäumt.
Auf dem Gleisschotter, insbesondere im Gleiszwischenraum, haben sich lückige Pionierfluren mit Schaf-Schwingel und dem für Grobschotterböden charakteristischen Schmalblättrigen Hohlzahn entwickelt. Letzterer kommt auch in den südwärts anschließenden, fast 500 m langen Ladegleisen sehr zahlreich und teils auch gesellschaftsbildend vor. Während im Freiladebereich der Gleise nur wenig besiedelbarer Schotteruntergrund vorhanden ist, sind im Südwestteil auf ca. 200 m Gleislänge ausgedehnte Gras- und blütenreiche Pionierfluren nährstoffarmer Standorte vorhanden. Dort kommen Florentiner-Habichtskraut, Scharfes Berufkraut und Platthalm-Rispengras sowie zahlreiche weitere Magerkeitszeigern vor. Sukzessionsgehölze, vor allem Sal-Weide und Holunder sind selten.
Wesentlich zur Struktur- und Artenvielfalt des Großmarktgeländes tragen die ausgedehnten Pflasterflächen aus Granitsteinen bei, da sich in den breiten Pflasterfugen zahlreiche Pflanzenarten ansiedeln können. Sowohl in dem gepflasterten Streifen westlich der Ladegleise als auch auf den gepflasterten Ladestraßen am südwestlichen Ende der Gleise finden sich typische Ritzenpflanzen wie das Kahle Bruchkraut, der Vogel-Knöterich oder das Kleine Liebesgras. Am Rand des Schotterkörpers neben einem ehemaligen Stellwerksgebäude befindet sich ein Vorkommen des gefährdeten Ruten-Schöterich.

  
Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten
Haussperling, Ruten-Schöterich, Mauereidechse, Rosmarin-Weidenröschen; Feld-Ulme
Moose und Flechten: nicht untersucht

Gehölze
Spitz-Ahorn, Gewöhnliche Waldrebe, Hybrid-Pappel, Kratz-Beere, Sal-Weide, Schwarzer Holunder, Berg-Ulme

Gräser und Kräuter
Quendel-Sandkraut, Grau-Kresse, Sand-Schaumkresse, Wiesen-Magarite, Bunte Kronwicke, Gewöhnliche Quecke, Scharfes Berufkraut, Schaf-Schwingel, Schmalblättriger Hohlzahn, Kahles Bruchkraut, Florentiner Habichtskraut, Gewöhnlicher Hornklee, Hopfenklee, Weißer Steinklee, Gebräuchlicher Steinklee, Platthalm-Rispengras, Gelber Wau, Große Fetthenne, Gewöhnliches Leimkraut, Großer Bocksbart, Wiesen-Bocksbart, Gewöhnlicher Feldsalat, Großblütige Königskerze, Mehlige Königskerze

Problempflanzen = Invasive Neophyten
(2%-Deckungsanteil)
Schlanke Karde, Einjähriger Feinstrahl, Virginische Kresse, Gewöhnliche Nachtkerze, Robinie

Fauna
Haussperling, Hausrotschwanz, Nachtigall-Grashüpfer, Brauner Grashüpfer, Ikarus-Bläuling, Heide-Schnecke

Besondere Strukturen
·         Offene Rohböden
·         Trockene Mauern mit Mauerspalten
·         Hohes Blütenangebot

Besondere Pflanzengesellschaften
·         Möhren-Steinkleefluren
·         Sand- und Felsgrusfluren


Gefährdeter Ruten-Schöterich neben Paletten direkt an den Gleisen