Münchner Biotope: Industriebrache an der Dingolfinger Straße

Lage

Berg-am-Laim, zwischen Bahngelände, Dingolfinger Straße und Leuchtenbergring

Schutzstatus kein Schutzgebiet
Mü. Stadtbiotop Nr. nicht kartiert
Flächennutzung Gewerbegebiet, westliche Teilfläche ist Sondergebiet Verwaltung
Flächengröße ca. 3 ha

 

Eine kurze Brachezeit genügt für eine Explosion der Artenvielfalt: Grasfluren auf einem seit wenigen Jahren aufgelassenen Parkplatz

   

Inzwischen bebaut: artenreiche Krautfluren an der Dingolfinger Straße

Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Das bis vor wenigen Jahren größtenteils als Parkplatz genutzte Gelände lag zumindest von 2000-2002 brach. Ende 2002 wurde die Fläche mit einem großen Bürokomplex überbaut. Die Fläche wurde untersucht, um die Bedeutung kurzlebiger Stadtbrachen für die Stadtflora und -fauna zu erfassen.
Das gesamte 2002 brachliegende Gelände bestand damals zu mindestens 50% aus Beton- und Asphaltdecken mit Fugen und Sprüngen. Eine vom Roten Hartriegel aufgebaute Hecke, die als Begleitarten u. a. Schwarzen Holunder, einige bis zu 8 m hohen Bäume und die Waldrebe enthielt, gliederte das Areal in zwei Teilbereiche: Im nordöstlichen Bereich befanden sich Ruinen eingeschossiger Gebäude mit Flachdach, in deren Umfeld einige bis zu 20 m hohe Bäume, vor allem Pappeln, standen.

Um eine zentrale versiegelte Fläche gruppierten sich ausgedehnte kiesig-sandige Rohbodenflächen mit unterschiedlich dichter Vegetationsdecke. Es überwogen blütenreiche Möhren-Steinkleefluren, Teilflächen wurden auch von anderen Ruderalstaudenfluren eingenommen. An bemerkenswerten Arten kamen der Wiesen-Salbei, das Frühlings-Hungerblümchen und die Spurre vor. Bemerkenswert war auch ein ausgedehnter Bestand des wärme- und nährstoff-liebenden Lebermooses. Vielleicht hat es sich hier um den einzigen Standort dieser Unterart in München gehandelt. Interessant auch, dass sich in der kurzen Brachephase jeweils große Populationen des Nachtigall-Grashüpfers und des Braunen Grashüpfers aufbauen konnten. Auch die in München inzwischen seltene Vogelart Girlitz wurde zur Brutzeit auf der Fläche festgestellt.
Nahe den Bahngleisen hatten erste Pioniergehölze Fuß gefasst. Im Schatten der wenigen Großbäume siedelte eine Nährstoff liebende Krautflur. Im Westteil der Fläche hatte sich eine mesophile Pioniervegetation mit Staufeuchte-Zeigern wie z.B. dem Floh-Knöterich und dem Norwegischen Fingerkraut entwickelt. Wie auf Stadtbrachen üblich, nahmen Neophyten einen erheblichen Teil der Vegetationsdecke ein (ca. 10%).
Im Teilbereich südwestlich der Hecke war der Anteil versiegelter Flächen wesentlich höher, er betrug etwa 75%. Durch das kleinräumige wechselnde Relief der verschiedenen Gebäudereste besaß das Gelände eine erstaunliche Strukturvielfalt.
In den zahlreichen Fugen zwischen den einzelnen Betonplatten siedelte eine üppige und artenreiche Pflasterfugenvegetation, die mit ihrem Wurzelwachstum ein weiteres Aufspringen der Fugen und randliches Brechen der Betonplatten einleitete. Neben Pionierkräutern wie z.B. Rosmarin Weidenröschen und Kompass-Lattich und ausdauernden Gräsern wuchsen bereits Pioniergehölze mit einer Höhe bis zu 1,5 m hervor.
Im Süden des Areals hatten sich auf dem verdichteten, offenbar lehmigen Untergrund einige Pfützen gebildet, im Osten befand sich sogar ein wohl nur selten trockengefallenes mehrere Dezimeter tiefes Kleingewässer.

 
Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten

Idas-Silberfleckbläuling, Rosmarin Weidenröschen
Moose und Flechten: Papillen-Drehzahn, Grüner Drehzahn, Stumpfblättriges Goldhaarmoos, Zwerg-Goldhaarmoos, Schönes Goldhaarmoos

Gehölze
Hänge-Birke, Gewöhnliche Waldrebe, Blutroter Hartriegel, Hasel, Japanisches Goldröschen, Heckenkirsche, Pappel, Kratz-Beere, Sal-Weide, Lavendel-Weide, Purpur-Weide, Hohe Weide, Schwarzer Holunder, Flieder

Gräser und Kräuter
Gewöhnliche Schafgarbe, Zurückgebogener Fuchsschwanz, Färber-Hundskamille, Quendel-Sandkraut, Gewöhnlicher Beifuß, Dach-Trespe, Landschilf, Behaarte Segge, Lochschlund, Rainfarn, Schmalblättrige Flockenblume, Acker-Kratzdistel, Wilde Möhre, Behaartes Weidenröschen, Scharfes Berufkraut, Frühjahrs-Hungerblümchen, Schaf-Schwingel, Ruprechtskraut, Gewöhnliches Habichtskraut, Florentiner Habichtskraut, Tüpfel-Johanniskraut, Kleinblütiges Springkraut, Kompass-Lattich, Wiesen-Margerite, Gewöhnliches Leinkraut, Gewöhnlicher Hornklee, Gebräuchlicher Steinklee, Grüne Minze, Wilder Majoran, Pastinak, Platthalm-Rispengras, Floh-Knöterich, Norwegisches Fingerkraut, Wiesen-Salbei, Kleiner Wiesenknopf, Gewöhnliche Rauke, Spurre, Sumpf-Ziest, Wald-Ziest, Huflattich, Kleinblütige Königskerze, Eisenkraut
Problempflanzen = Invasive Neophyten (8%-Deckungsanteil)
Schmetterlingsstrauch, Kanadischer Katzenschweif, Einjähriger Feinstrahl, Virginische Kresse, Gewöhnliche Nachtkerze, Robinie, Schmalblättriges Greiskraut, Kanadische Goldrute
Fauna
Girlitz, Nachtigall-Grashüpfer, Brauner Grashüpfer, Ikarus-Bläuling, Glänzende Wegameise
Besondere Strukturen
·         Offene Rohböden, hohes Blütenangebot
·         Trockenmauern mit Mauerspalten
·         Ephemere Gewässer/Tümpel
Besondere Pflanzengesellschaften
·         Möhren-Steinkleefluren 
·         Sand- und Felsgrusfluren