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Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Der Nymphenburg-Biedersteiner Kanal wurde Anfang des 18. Jahrhunderts
angelegt, um den Nymphenburger Schlosspark mit Wasser aus der Würm zu
versorgen. Beteiligte Architekten waren Charles Carbonet und Joseph Effner.
Der Bereich des Kanals innerhalb des Mittleren Rings dient dem Abfluss des
Würm-Wassers in die Isar. Dieser Kanalteil ist in den letzten Jahrzehnten
vielfach verändert worden. Unter anderem speist der Kanal inzwischen den
Olympiasee und den Schwabinger See. Im Bereich des Petueltunnels ist der
Kanal im letzten Jahr in ein neues Bett verlegt worden. Die weitgehend
betonierten Ufer stammen wohl größtenteils aus den 60er und 70er Jahren
des letzten Jahrhunderts.
Der Kanal verläuft heute in einem fast vollständig verbauten Bett mit
gerader, an mehreren Stellen abknickender Führung von durchschnittlich 4
m Breite vom Nymphenburger Schlosspark zum Biederstein, wo er als Schwarze
Lacke in den Schwabinger Bach mündet. |
Gewässerabschnitt westlich
des Petueltunnels
Der erste Abschnitt innerhalb des Mittleren Rings entlang des
Willi-Gebhardt-Ufers im Olympiapark vor der Mündung in den Olympiasee ist
von einer mäßig dichten Baumreihe mit vereinzeltem Strauchunterwuchs
begleitet. Die Uferböschungen am Lutz-Long-Ufer westlich der Lerchenauer
Straße tragen einen überaus häufig gemähten Scherrasen, dessen
Aufwuchshöhe 6 cm wohl nie überschreitet. Demgegenüber ist der östlich
anschließende Abschnitt entlang der Birnauer Straße dicht mit einem
artenreichen Gehölzbestand bewachsen. Das Gewässer ist in diesem
Abschnitt kaum noch sichtbar. Die Uferböschung ist zum angrenzenden, als
Scherrasen gepflegten, leider oft vermüllten Straßenrandstreifen mit
einer ein Meter hohen, streng geschnittenen Hainbuchenhecke abgegrenzt.
Nahe der querenden Schleißheimer Straße weitet sich die Kanaltrasse zu
einer Mulde auf, die von einer Altgrasflur bewachsen ist. Die Uferböschungen
sind hier nur mit wenigen, gruppenweise angeordneten, Bäumen bestanden
und tragen einen Bewuchs aus Kraut- und Grasfluren nährstoffreicher
Standorte. |
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Baustelle
Petuelring (aktueller Zustand s. Foto)
Nach einem gut 100 m langen überdeckten Abschnitt setzte sich der
Kanal 2002 ostwärts in ein provisorisches Bett mit senkrechten Betonufern
am Rand der Baustelle für den Petueltunnel fort. Jetzt fließt der Kanal
dort in einem neuen, deutlich naturnah gestalteten Bett mit weichen Ufern.
Diese erfolgreiche Maßnahme zeigt, welchen Gewinn für das Stadtbild ein
offenes, naturnah gestaltetes Gewässer bringen kann. Gleich im Anschluss
an die Schleißheimer Straße folgte ein ca. 100 m langer, strukturreicher
Bereich mit gestuftem Gehölzbestand, ruderalen Gras- und Krautfluren
sowie Neophytenbeständen im kleinräumigen Wechsel. Im Kanalverlauf bis
zur Knorrstraße begleiteten einige Kieshügel und kiesige Rohbodenböschungen
den Kanal auf der Südseite, auf welchen sich während der letzten 5 Jahre
eine artenreiche Pioniervegetation entwickelt hatte. Insbesondere Möhren-Steinkleefluren
mit Beimischung der Kanadischen Goldrute und mäßiger Gehölzsukzession
von Birken und Strauchweiden. An einer unzugänglichen Verzweigung des
Kanalbetts vor einer Bauhütte hatte sich ein fragmentarisches Kleinröhricht
mit Zweizahn und möglicherweise der Schwanenblume angesiedelt. Im
Abschnitt entlang der Barlachstraße wurde das provisorische Nordufer
durchgehend von einer Metall-Spundwand begrenzt, am Südufer wechselten
weitgehend gehölzfreie Bereiche mit gehölzbestandenen Abschnitten,
welche u.a. Pappeln, Vogel-Kirschen und Grau-Erlen enthielten. In der
teils hinter einem Bauzaun gelegenen krautigen Uferflur von 1-5 m Breite
kamen vereinzelt Sumpf-Gänsedistel, Österreichische Sumpfkresse und
Sumpf-Schafgarbe mit gefüllten Blüten vor. Im Gewässerbett waren
stellenweise Wasserpflanzen angesiedelt, wahrscheinlich handelte es sich
um den Flutenden Hahnenfuß. Östlich der Klopstockstraße war das Südufer
infolge von abgelagertem Grasschnitt stellenweise stark eutrophiert und
mit einer Nitrophytenflur bewachsen.
Abschnitt
östlich der Leopoldstraße
Im Bereich der Leopoldstraße ist der Nymphenburg-Biedersteiner-Kanal
verrohrt und fließt unterirdisch. Nachdem der Kanal den Schwabinger See
(s. Fläche Nr.18) und das Ungererbad durchflossen hat, ist er erst wieder
an der Stengelstraße zugänglich: Dort verläuft er unter ziemlich
dichten Gehölzreihen zwischen zwei Fahrbahnen. Die 25-30° steilen Uferböschungen
sind am Fuß mit Steinwurf verbaut, wobei die nun vielfach freiliegenden
Baumwurzeln den Uferverbau an zahlreichen Stellen gesprengt haben. Nahe
der Ungererstraße stehen mehrere alte, mehrstämmige Robinien mit
Stammdurchmessern um 60 cm, nahe der Biedersteinerstraße eine 100 cm
dicke Pappel. An den Böschungsoberkanten sind beiderseits teils üppige
ruderale Grasfluren entwickelt. Nach Unterquerung der Biedersteiner/
Brabanter Straße stürzt der Kanal in einem kastenförmigen Bett mit
Betonmauern über 6 Stufen, von je 60-70 cm Höhe, die westliche
Niederterrassenkante der Isar hinab und erreicht mit hoher Fließgeschwindigkeit
den Isarring. |
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Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten (* =
gepflanzt:)
*Schwanenblume, Sumpf-Gänsedistel; Gänsesäger |
Gehölze
Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Rosskastanie, Schwarz-Erle, Grau-Erle, Hänge-Birke,
Buchsbaum, Hainbuche, Gewöhnliche Waldrebe, Buche, Esche, Efeu, Liguster,
Silber-Pappel, Pappel, Vogel-Kirsche, Schlehe, *Pimpinell-Rose,
Kratz-Beere, Sal-Weide, Lavendel, Purpur-Weide, Schwarzer Holunder,
Winter-Linde, Berg-Ulme |
Kräuter und Gräser
Sumpf-Schafgarbe (gefüllte Blüten), Giersch, Knoblauchsrauke, Große
Klette, Geißbart, Dreiteiliger Zweizahn, Wald-Zwenke, Wehrlose Trespe,
Taube Trespe, Landschilf, Zaun-Winde, Weg-Distel, Behaarte Segge,
Wiesen-Flockenblume, Wegwarte, Bunte Kronwicke, Wiesen-Pippau, Wilde Möhre,
Behaartes Weidenröschen, Wasserdost, Mädesüß, Pyrenäen-Storchschnabel,
Ruprechtskraut, Gewöhnliche Nelkenwurz, Wiesen-Bärenklau, Tüpfel-Johanniskraut,
Kleinblütiges Springkraut, Gewöhnliche Wald-Witwenblume,
Kompass-Lattich, Weiße Taubnessel, Kriechender Lein, Wolfstrapp, Gebräuchlicher
Steinklee, Wilder Majoran, Gewöhnliches Bitterkraut,
Platthalm-Rispengras, Flutender Hahnenfuß, Österreichische Sumpfkresse,
Knotige Braunwurz, Gewöhnliches Leimkraut, Acker-Gänsedistel, Wald-Ziest,
Huflattich, Mehlige Königskerze, Kleinblütige Königskerze, Eisenkraut |
Problempflanzen = Invasive Neophyten (3%-Deckungsanteil)
Kamtschatka-Beifuß, Schmetterlingsstrauch, Kanadischer Katzenschweif,
Schlanke Karde, Einjähriger Feinstrahl, Gewöhnliche Geißraute, Japan-Knöterich,
Robinie, Schmalblättriges Greiskraut, Kanadische Goldrute, Japanischer
Klettenkerbel |
Fauna
Grauschnäpper (BK1997), Zilpzalp |
Besondere Strukturen
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Offene Rohböden
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Sickerfeuchte Mauern |
Besondere
Pflanzengesellschaften
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Gierschfluren/Knoblauchsraukensäume
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Möhren-Steinkleefluren
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Wasserpflanzengesellschaften |