Münchner Biotope: Biedersteiner Kanal

Lage

Oberwiesenfeld/Schwabing, zwischen Landshuter Allee und Isarring; u.a. südseitig am Petuelring

Schutzstatus kein Schutzgebiet
Mü. Stadtbiotop Nr. 114
Flächennutzung Allgemeine Grünfläche

Flächengröße

ca. 3 km Kanallänge (kartierter Bereich)

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Endet so die über 300-jährige Geschichte des Schlosskanals? Uferböschungen aus Stein und Beton beeinträchtigen Stadtbild und Artenvielfalt


Die Neuanlage des Kanals im Bereich des neu entstandenen Petuelparks (Foto: http://www.muenchen.de)

 
Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Der Nymphenburg-Biedersteiner Kanal wurde Anfang des 18. Jahrhunderts angelegt, um den Nymphenburger Schlosspark mit Wasser aus der Würm zu versorgen. Beteiligte Architekten waren Charles Carbonet und Joseph Effner.
Der Bereich des Kanals innerhalb des Mittleren Rings dient dem Abfluss des Würm-Wassers in die Isar. Dieser Kanalteil ist in den letzten Jahrzehnten vielfach verändert worden. Unter anderem speist der Kanal inzwischen den Olympiasee und den Schwabinger See. Im Bereich des Petueltunnels ist der Kanal im letzten Jahr in ein neues Bett verlegt worden. Die weitgehend betonierten Ufer stammen wohl größtenteils aus den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Der Kanal verläuft heute in einem fast vollständig verbauten Bett mit gerader, an mehreren Stellen abknickender Führung von durchschnittlich 4 m Breite vom Nymphenburger Schlosspark zum Biederstein, wo er als Schwarze Lacke in den Schwabinger Bach mündet.

Gewässerabschnitt westlich des Petueltunnels
Der erste Abschnitt innerhalb des Mittleren Rings entlang des Willi-Gebhardt-Ufers im Olympiapark vor der Mündung in den Olympiasee ist von einer mäßig dichten Baumreihe mit vereinzeltem Strauchunterwuchs begleitet. Die Uferböschungen am Lutz-Long-Ufer westlich der Lerchenauer Straße tragen einen überaus häufig gemähten Scherrasen, dessen Aufwuchshöhe 6 cm wohl nie überschreitet. Demgegenüber ist der östlich anschließende Abschnitt entlang der Birnauer Straße dicht mit einem artenreichen Gehölzbestand bewachsen. Das Gewässer ist in diesem Abschnitt kaum noch sichtbar. Die Uferböschung ist zum angrenzenden, als Scherrasen gepflegten, leider oft vermüllten Straßenrandstreifen mit einer ein Meter hohen, streng geschnittenen Hainbuchenhecke abgegrenzt. Nahe der querenden Schleißheimer Straße weitet sich die Kanaltrasse zu einer Mulde auf, die von einer Altgrasflur bewachsen ist. Die Uferböschungen sind hier nur mit wenigen, gruppenweise angeordneten, Bäumen bestanden und tragen einen Bewuchs aus Kraut- und Grasfluren nährstoffreicher Standorte.

Baustelle Petuelring (aktueller Zustand s. Foto)
Nach einem gut 100 m langen überdeckten Abschnitt setzte sich der Kanal 2002 ostwärts in ein provisorisches Bett mit senkrechten Betonufern am Rand der Baustelle für den Petueltunnel fort. Jetzt fließt der Kanal dort in einem neuen, deutlich naturnah gestalteten Bett mit weichen Ufern. Diese erfolgreiche Maßnahme zeigt, welchen Gewinn für das Stadtbild ein offenes, naturnah gestaltetes Gewässer bringen kann. Gleich im Anschluss an die Schleißheimer Straße folgte ein ca. 100 m langer, strukturreicher Bereich mit gestuftem Gehölzbestand, ruderalen Gras- und Krautfluren sowie Neophytenbeständen im kleinräumigen Wechsel. Im Kanalverlauf bis zur Knorrstraße begleiteten einige Kieshügel und kiesige Rohbodenböschungen den Kanal auf der Südseite, auf welchen sich während der letzten 5 Jahre eine artenreiche Pioniervegetation entwickelt hatte. Insbesondere Möhren-Steinkleefluren mit Beimischung der Kanadischen Goldrute und mäßiger Gehölzsukzession von Birken und Strauchweiden. An einer unzugänglichen Verzweigung des Kanalbetts vor einer Bauhütte hatte sich ein fragmentarisches Kleinröhricht mit Zweizahn und möglicherweise der Schwanenblume angesiedelt. Im Abschnitt entlang der Barlachstraße wurde das provisorische Nordufer durchgehend von einer Metall-Spundwand begrenzt, am Südufer wechselten weitgehend gehölzfreie Bereiche mit gehölzbestandenen Abschnitten, welche u.a. Pappeln, Vogel-Kirschen und Grau-Erlen enthielten. In der teils hinter einem Bauzaun gelegenen krautigen Uferflur von 1-5 m Breite kamen vereinzelt Sumpf-Gänsedistel, Österreichische Sumpfkresse und Sumpf-Schafgarbe mit gefüllten Blüten vor. Im Gewässerbett waren stellenweise Wasserpflanzen angesiedelt, wahrscheinlich handelte es sich um den Flutenden Hahnenfuß. Östlich der Klopstockstraße war das Südufer infolge von abgelagertem Grasschnitt stellenweise stark eutrophiert und mit einer Nitrophytenflur bewachsen.

Abschnitt östlich der Leopoldstraße
Im Bereich der Leopoldstraße ist der Nymphenburg-Biedersteiner-Kanal verrohrt und fließt unterirdisch. Nachdem der Kanal den Schwabinger See (s. Fläche Nr.18) und das Ungererbad durchflossen hat, ist er erst wieder an der Stengelstraße zugänglich: Dort verläuft er unter ziemlich dichten Gehölzreihen zwischen zwei Fahrbahnen. Die 25-30° steilen Uferböschungen sind am Fuß mit Steinwurf verbaut, wobei die nun vielfach freiliegenden Baumwurzeln den Uferverbau an zahlreichen Stellen gesprengt haben. Nahe der Ungererstraße stehen mehrere alte, mehrstämmige Robinien mit Stammdurchmessern um 60 cm, nahe der Biedersteinerstraße eine 100 cm dicke Pappel. An den Böschungsoberkanten sind beiderseits teils üppige ruderale Grasfluren entwickelt. Nach Unterquerung der Biedersteiner/ Brabanter Straße stürzt der Kanal in einem kastenförmigen Bett mit Betonmauern über 6 Stufen, von je 60-70 cm Höhe, die westliche Niederterrassenkante der Isar hinab und erreicht mit hoher Fließgeschwindigkeit den Isarring.

 
Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
(* = gepflanzt:)
*Schwanenblume, Sumpf-Gänsedistel; Gänsesäger

Gehölze
Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Rosskastanie, Schwarz-Erle, Grau-Erle, Hänge-Birke, Buchsbaum, Hainbuche, Gewöhnliche Waldrebe, Buche, Esche, Efeu, Liguster, Silber-Pappel, Pappel, Vogel-Kirsche, Schlehe, *Pimpinell-Rose, Kratz-Beere, Sal-Weide, Lavendel, Purpur-Weide, Schwarzer Holunder, Winter-Linde, Berg-Ulme
Kräuter und Gräser
Sumpf-Schafgarbe (gefüllte Blüten), Giersch, Knoblauchsrauke, Große Klette, Geißbart, Dreiteiliger Zweizahn, Wald-Zwenke, Wehrlose Trespe, Taube Trespe, Landschilf, Zaun-Winde, Weg-Distel, Behaarte Segge, Wiesen-Flockenblume, Wegwarte, Bunte Kronwicke, Wiesen-Pippau, Wilde Möhre, Behaartes Weidenröschen, Wasserdost, Mädesüß, Pyrenäen-Storchschnabel, Ruprechtskraut, Gewöhnliche Nelkenwurz, Wiesen-Bärenklau, Tüpfel-Johanniskraut, Kleinblütiges Springkraut, Gewöhnliche Wald-Witwenblume, Kompass-Lattich, Weiße Taubnessel, Kriechender Lein, Wolfstrapp, Gebräuchlicher Steinklee, Wilder Majoran, Gewöhnliches Bitterkraut, Platthalm-Rispengras, Flutender Hahnenfuß, Österreichische Sumpfkresse, Knotige Braunwurz, Gewöhnliches Leimkraut, Acker-Gänsedistel, Wald-Ziest, Huflattich, Mehlige Königskerze, Kleinblütige Königskerze, Eisenkraut
Problempflanzen = Invasive Neophyten (3%-Deckungsanteil)
Kamtschatka-Beifuß, Schmetterlingsstrauch, Kanadischer Katzenschweif, Schlanke Karde, Einjähriger Feinstrahl, Gewöhnliche Geißraute, Japan-Knöterich, Robinie, Schmalblättriges Greiskraut, Kanadische Goldrute, Japanischer Klettenkerbel
Fauna
Grauschnäpper (BK1997), Zilpzalp
Besondere Strukturen
·         Offene Rohböden
·         Sickerfeuchte Mauern
Besondere Pflanzengesellschaften
·         Gierschfluren/Knoblauchsraukensäume
·         Möhren-Steinkleefluren
·         Wasserpflanzengesellschaften