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Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Der ehemalige Rangierbahnhof in Berg am Laim ist etwa 80 Jahre alt. In
den historischen Karten des Münchner Stadtmuseums ist er erstmals 1933
(Max Megele, 1933) eingezeichnet. Stillgelegt wurde der Bahnhof mit der
Inbetriebnahme des neuen Rangierbahnhofs in Allach vor etwa 15 Jahren. Die
Hauptschienenverbindung vom Ostbahnhof in Richtung Mühldorf existiert
schon seit 1871 (s. Biotop Nr. 29 – Ostbahnhof).
Das in dieser Studie untersuchte Bahngelände setzt sich zusammen aus der
vielgleisigen, in Ost-West-Richtung verlaufenden Eisenbahnstrecke auf der
Nordseite und einem 1992 aufgelassenen Bahnbetriebswerk, das sich
unterhalb einer ca. 5 m hohen Böschung südseitig anschließt (vgl.
Lisson, 1991). |
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Die Bahnstrecke
Die Gleiskörper der vielbefahrenen Bahnstrecke sind vor allem
im Bereich von Steinhausen zueinander höhenversetzt und mit Überwerfungsbauwerken
versehen, wodurch relativ breite Böschungen in den Gleiszwischenräumen
entstanden sind. In diesen Böschungsbereichen siedeln vorwiegend mit
Gras- und Krautfluren nährstoffarmer Standorte. Inzwischen haben sich
auch Pioniergehölze in großer Artenvielfalt eingestellt. Sie weisen
bereits Wuchshöhen bis zu 5 m auf und bedecken ein Viertel bis die Hälfte
der Böschungsflächen. Besonders zahlreich kommen Hänge-Birke und
Strauchweiden vor. Eine bis auf wenige Lücken geschlossene Hecke mit
einer Goldrutenflur im Unterwuchs trennt die Reisezuggleise von einem sich
verzweigenden, kaum mehr genutzten Abstellgleis. An dieses Abstellgleis
grenzt ein aufgeweiteter unversiegelter Weg an, so dass hier eine enorme
Standortvielfalt von offenen kiesig-sandig-lehmigen Böden bis zu
verdichteten staunassen Bereichen mit Pfützenbildung anzutreffen ist. Während
die dort häufige Ablagerung von Astwerk eher zur Strukturbereicherung
beiträgt, hat das ebenso häufig gelagerte nährstoffreiche
Wiesen-Schnittgut lokale Eutrophierungen und den Eintrag der expansiven
Neophyten Schlanke Karde und Drüsiges Springkraut verursacht. Am östlichen
Ende des Abstellgleises, unmittelbar südlich des S-Bahn-Haltepunkts
Berg-am-Laim schließt dichtes Gebüsch im Wechsel mit Grasfluren und Gehölzen
das Bahngelände ab.
Der
stillgelegte Rangierbahnhof
Unterhalb einer 4-5 m hohen, 10 m breiten Böschung grenzt das
ehemalige Rangierbahnhofgelände an den Hauptschienstrang (München-Rosenheim)
an. Die trennende Böschung ist mit mesophilen Gras- und Ruderalfluren mit
dominanter Goldrute und hochwüchsigem, lichtem Baumbestand bewachsen.
Die Schotterfläche des aufgelassenen Bahnhofs ist inzwischen zur Hälfte
von Ruderalfluren nährstoffarmer Standorte bewachsen. Häufige Stauden
sind dort die Kanadische Goldrute und das in Bayern gefährdete
Rosmarin-Weidenröschen (Epilobium
dodonaei). Ein besonders hoher Struktur- und Artenreichtum ist im
Zentralbereich des Bahnhofs rund um das verfallende Gebäude eines
ehemaligen Stellwerks zu finden. Die Stellwerksruine ist auf der
Nordwestseite durch ein kleines Gebüsch mit einer dickstämmigen
Silber-Weide eingewachsen. Daran schließen artenreiche Grasfluren mit
vereinzeltem Vorkommen von Magerrasenpflanzen an. Die Randzonen der
angrenzenden Gleise bzw. der Bereich der aufgelassenen Drehscheibe wird
von ziemlich nährstoffarmen Pionierrasen eingenommen, die Hauptlebensraum
der Blauflügeligen Ödlandschrecke sind. Nach Angaben der Münchner
Stadtbiotopkartierung kommt auch die in Bayern vom Aussterben bedrohte
Blauflüglige Sandschrecke hier vor. Mehrere kleine Schotter- und
Kieshaufen sowie abgelagerte Ersatzteile für Bahnfahrzeuge erhöhen die
Strukturvielfalt und ermöglichen auch die Existenz der Zaun-Eidechse. Auf
engem Raum wechselt das Substrat vom Grobschotter zu feinerdereicher bis
sandiger Auflage und zu Schlacke, die nur im engeren Gleisbereich
ausgebracht wurde. Durch die unterschiedliche Besiedelung dieser
verschiedenen Substrate mit Moosen, Flechten oder höheren Pflanzen ergibt
sich kleinräumig ein breites Farbenspektrum. Der Schotter im Gleisbereich
westseitig vor der ehemaligen Fahrzeughalle ist vorwiegend ziemlich stark
verölt und daher von einigen aufwachsenden Birken einmal abgesehen,
weitgehend vegetationsfrei |
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Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
Feldhase,
Zauneidechse, Blauflüglige Ödlandschrecke, Sandschrecke (BK 1997),
Sandddorn, Rosmarin-Weidenröschen
Moose und Flechten: nicht untersucht
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Gehölze
Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Hänge-Birke, Gewöhnliche Waldrebe,
Zwerg-Mispel, Blutroter Hartriegel, Eingriffliger Weißdorn, Esche,
Heckenkirsche, Silber-Pappel, Vogel-Kirsche, Hunds-Rose, Kratz-Beere,
Sal-Weide, Purpur-Weide, Hohe Weide, Schwarzer Holunder |
Gräser und Kräuter
Fieder-Zwenke, Dach-Trespe, Wirbel-Dost, Knäueliges Hornkraut,
Lochschlund, Bunte Kronwicke, Wilde Karde, Gewöhnlicher Natternkopf,
Scharfes Berufkraut, Reiherschnabel, Frühlings-Hungerblümchen,
Wald-Erdbeere, Kahles Bruchkraut, Gewöhnliches Habichtskraut,
Mauer-Habichtskraut, Florentiner Habichtskraut, Savoyer Habichtskraut, Gewöhnlicher
Hufeisenklee, Spurre, Tüpfel-Johanniskraut, Rauer Hufeisenklee, Gewöhnliches
Leinkraut, Gewöhnlicher Hornklee, Kriechender Hauhechel, Sprossende
Felsennelke, Gelber Wau, Dreifinger-Steinbrech, Weiße Fetthenne, Gewöhnliches
Leimkraut, Großer Bocksbart, Feld-Klee |
| Problempflanzen = Invasive Neophyten (15%-Deckungsanteil)
Schmetterlingsstrauch, Kanadischer Katzenschweif, Schlanke Karde, Einjähriger
Feinstrahl, Drüsiges Springkraut, Gewöhnliche Nachtkerze, Japan-Knöterich,
Schmalblättriges Greiskraut, Kanadische Goldrute, Riesen-Goldrute |
Fauna (s.o.
gefährdete Arten)
Admiral, Ikarus-Bläuling, Malven-Dickkopf, Nachtigall-Grashüpfer,
Brauner Grashüpfer, Langfühler-Dornschrecke, Grünes Heupferd,
Heideschnecke |
Besondere
Strukturen
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Kleinrelief (zerfurchte Oberfläche) z. T. ephemere Gewässer/Tümpel
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Dickstämmige Bäume und dichtes Gebüsch
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Offene Rohböden
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Totholz/Totholzlagerhaufen |
Besondere Pflanzengesellschaften
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Thermophile Saumstaudenfluren
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Möhren-Steinkleefluren
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Sand- und Felsgrusfluren
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Pionierfluren
auf Feinschotter |