Münchner Biotope: Gleisanlagen / Abstellbahnhof Berg am Laim

Lage

Gleisanlagen zwischen Ostbahnhof und Haltepunkt Berg am Laim

Schutzstatus kein Schutzgebiet
Mü. Stadtbiotop Nr. der Teilbereich Rangierbahnhof Steinhausen ist zusammen mit einigen benachbarten Bahnbiotopen unter der Nr. 194 kartiert worden
Flächennutzung Bahn

Flächengröße

ca. 30 ha (überwiegend außerhalb des Mittleren Rings)


Bahnbrache mit Gras- und Gehölzsukzession


Leben zwischen Umweltgiften: Verölter Gleiskörper mit Birkensukzession 

Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Der ehemalige Rangierbahnhof in Berg am Laim ist etwa 80 Jahre alt. In den historischen Karten des Münchner Stadtmuseums ist er erstmals 1933 (Max Megele, 1933) eingezeichnet. Stillgelegt wurde der Bahnhof mit der Inbetriebnahme des neuen Rangierbahnhofs in Allach vor etwa 15 Jahren. Die Hauptschienenverbindung vom Ostbahnhof in Richtung Mühldorf existiert schon seit 1871 (s. Biotop Nr. 29 – Ostbahnhof).
Das in dieser Studie untersuchte Bahngelände setzt sich zusammen aus der vielgleisigen, in Ost-West-Richtung verlaufenden Eisenbahnstrecke auf der Nordseite und einem 1992 aufgelassenen Bahnbetriebswerk, das sich unterhalb einer ca. 5 m hohen Böschung südseitig anschließt (vgl. Lisson, 1991).

Die Bahnstrecke
Die Gleiskörper der vielbefahrenen Bahnstrecke sind vor allem im Bereich von Steinhausen zueinander höhenversetzt und mit Überwerfungsbauwerken versehen, wodurch relativ breite Böschungen in den Gleiszwischenräumen entstanden sind. In diesen Böschungsbereichen siedeln vorwiegend mit Gras- und Krautfluren nährstoffarmer Standorte. Inzwischen haben sich auch Pioniergehölze in großer Artenvielfalt eingestellt. Sie weisen bereits Wuchshöhen bis zu 5 m auf und bedecken ein Viertel bis die Hälfte der Böschungsflächen. Besonders zahlreich kommen Hänge-Birke und Strauchweiden vor. Eine bis auf wenige Lücken geschlossene Hecke mit einer Goldrutenflur im Unterwuchs trennt die Reisezuggleise von einem sich verzweigenden, kaum mehr genutzten Abstellgleis. An dieses Abstellgleis grenzt ein aufgeweiteter unversiegelter Weg an, so dass hier eine enorme Standortvielfalt von offenen kiesig-sandig-lehmigen Böden bis zu verdichteten staunassen Bereichen mit Pfützenbildung anzutreffen ist. Während die dort häufige Ablagerung von Astwerk eher zur Strukturbereicherung beiträgt, hat das ebenso häufig gelagerte nährstoffreiche Wiesen-Schnittgut lokale Eutrophierungen und den Eintrag der expansiven Neophyten Schlanke Karde und Drüsiges Springkraut verursacht. Am östlichen Ende des Abstellgleises, unmittelbar südlich des S-Bahn-Haltepunkts Berg-am-Laim schließt dichtes Gebüsch im Wechsel mit Grasfluren und Gehölzen das Bahngelände ab.

Der stillgelegte Rangierbahnhof
Unterhalb einer 4-5 m hohen, 10 m breiten Böschung grenzt das ehemalige Rangierbahnhofgelände an den Hauptschienstrang (München-Rosenheim) an. Die trennende Böschung ist mit mesophilen Gras- und Ruderalfluren mit dominanter Goldrute und hochwüchsigem, lichtem Baumbestand bewachsen.
Die Schotterfläche des aufgelassenen Bahnhofs ist inzwischen zur Hälfte von Ruderalfluren nährstoffarmer Standorte bewachsen. Häufige Stauden sind dort die Kanadische Goldrute und das in Bayern gefährdete Rosmarin-Weidenröschen (Epilobium dodonaei). Ein besonders hoher Struktur- und Artenreichtum ist im Zentralbereich des Bahnhofs rund um das verfallende Gebäude eines ehemaligen Stellwerks zu finden. Die Stellwerksruine ist auf der Nordwestseite durch ein kleines Gebüsch mit einer dickstämmigen Silber-Weide eingewachsen. Daran schließen artenreiche Grasfluren mit vereinzeltem Vorkommen von Magerrasenpflanzen an. Die Randzonen der angrenzenden Gleise bzw. der Bereich der aufgelassenen Drehscheibe wird von ziemlich nährstoffarmen Pionierrasen eingenommen, die Hauptlebensraum der Blauflügeligen Ödlandschrecke sind. Nach Angaben der Münchner Stadtbiotopkartierung kommt auch die in Bayern vom Aussterben bedrohte Blauflüglige Sandschrecke hier vor. Mehrere kleine Schotter- und Kieshaufen sowie abgelagerte Ersatzteile für Bahnfahrzeuge erhöhen die Strukturvielfalt und ermöglichen auch die Existenz der Zaun-Eidechse. Auf engem Raum wechselt das Substrat vom Grobschotter zu feinerdereicher bis sandiger Auflage und zu Schlacke, die nur im engeren Gleisbereich ausgebracht wurde. Durch die unterschiedliche Besiedelung dieser verschiedenen Substrate mit Moosen, Flechten oder höheren Pflanzen ergibt sich kleinräumig ein breites Farbenspektrum. Der Schotter im Gleisbereich westseitig vor der ehemaligen Fahrzeughalle ist vorwiegend ziemlich stark verölt und daher von einigen aufwachsenden Birken einmal abgesehen, weitgehend vegetationsfrei


Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
Feldhase, Zauneidechse, Blauflüglige Ödlandschrecke, Sandschrecke (BK 1997), Sandddorn, Rosmarin-Weidenröschen
Moose und Flechten: nicht untersucht

Gehölze
Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Hänge-Birke, Gewöhnliche Waldrebe, Zwerg-Mispel, Blutroter Hartriegel, Eingriffliger Weißdorn, Esche, Heckenkirsche, Silber-Pappel, Vogel-Kirsche, Hunds-Rose, Kratz-Beere, Sal-Weide, Purpur-Weide, Hohe Weide, Schwarzer Holunder
Gräser und Kräuter
Fieder-Zwenke, Dach-Trespe, Wirbel-Dost, Knäueliges Hornkraut, Lochschlund, Bunte Kronwicke, Wilde Karde, Gewöhnlicher Natternkopf, Scharfes Berufkraut, Reiherschnabel, Frühlings-Hungerblümchen, Wald-Erdbeere, Kahles Bruchkraut, Gewöhnliches Habichtskraut, Mauer-Habichtskraut, Florentiner Habichtskraut, Savoyer Habichtskraut, Gewöhnlicher Hufeisenklee, Spurre, Tüpfel-Johanniskraut, Rauer Hufeisenklee, Gewöhnliches Leinkraut, Gewöhnlicher Hornklee, Kriechender Hauhechel, Sprossende Felsennelke, Gelber Wau, Dreifinger-Steinbrech, Weiße Fetthenne, Gewöhnliches Leimkraut, Großer Bocksbart, Feld-Klee
Problempflanzen = Invasive Neophyten (15%-Deckungsanteil) Schmetterlingsstrauch, Kanadischer Katzenschweif, Schlanke Karde, Einjähriger Feinstrahl, Drüsiges Springkraut, Gewöhnliche Nachtkerze, Japan-Knöterich, Schmalblättriges Greiskraut, Kanadische Goldrute, Riesen-Goldrute
Fauna (s.o. gefährdete Arten)
Admiral, Ikarus-Bläuling, Malven-Dickkopf, Nachtigall-Grashüpfer, Brauner Grashüpfer, Langfühler-Dornschrecke, Grünes Heupferd, Heideschnecke
Besondere Strukturen
·         Kleinrelief (zerfurchte Oberfläche) z. T. ephemere Gewässer/Tümpel
·         Dickstämmige Bäume und dichtes Gebüsch
·         Offene Rohböden
·         Totholz/Totholzlagerhaufen
Besondere Pflanzengesellschaften
·         Thermophile Saumstaudenfluren
·         Möhren-Steinkleefluren
·         Sand- und Felsgrusfluren

·         Pionierfluren auf Feinschotter