Münchner Biotope: Bäche im Englischen Garten

Lage

zwischen Maxvorstadt bzw. Schwabing und Lehel bzw. Tucherpark, zwischen Prinzregentenstraße und Isarring

Schutzstatus Landschaftsschutzgebiet (LSG), zusätzlich einige Bäume Naturdenkmal 
Mü. Stadtbiotop Nr. Teil des Biotops 120 (südlicher Englischer Garten)
Flächennutzung Wasserfläche und Allgemeine Grünfläche

Flächengröße

ca. 6 km Bachläufe


Schwabinger Bach in der Schönfeld-
wiese mit Röhricht-Relikten und Rohr-Glanzgras


Entenbach: Naturfernes kanalisiertes Bett und vegetationsfreie Uferböschung

 
Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Das Bachsystem im Südteil des Englischen Gartens wurde in seinen Grundzügen von Sckell um 1789 angelegt. Es besteht im Wesentlichen aus Eisbach, Schwabinger Bach, Oberstjägermeisterbach und Entenbach. Die Bäche sind Reste des einst ausgedehnten Seitenarmsystems der Isar. Auch heute noch werden die Bäche mit Isarwasser gespeist, das aus dem Isarwerkkanal und der Isar (am Praterwehr) ausgeleitet wird. Im Gegensatz zu den aufgelassenen Stadtbächen fließen die Bäche im Englischen Garten größtenteils überirdisch und in einem ihrer ursprünglichen Betten. Für naturnahe Bäche typische eigendynamische Bettumlagerungen sind den regulierten Gewässern aber nicht mehr gestattet. Die größte Wasserführung besitzt der Eisbach, der mit 21 m3/s ständig dreimal soviel Wasser führt wie die Isar z.B. am Flaucher (bei Niedrigwasser).
Zwei Haupt-Bachläufe mit Verzweigungen durchziehen den Englischen Garten von Süden nach Norden. Es sind zum größten Teil kahle, strukturarme Gewässerbetten gleichmäßiger Breite ohne Totholz und nennenswerte Kolke. Auch flache Randzonen mit Kies- oder Sandbänken fehlen vollständig.

Der sehr wasserreiche und schnell fließende Eisbach ist auf seiner gesamten Länge im Park vollständig kanalisiert mit zueinander streng parallelen, verbauten, annähernd senkrecht angeböschten Ufern. Seine Wasserführung erhält der Eisbach aus zwei durch die Auflassung der Münchner Stadtbäche erforderlich gewordene, unterirdische Kanälen. Der Hauptkanal, der Fabrikbach, umfließt westlich das Lehel. An der Prinzregentenstraße vereinigt sich der Fabrikbach mit dem ebenfalls unterirdisch geführten Stadtsägmühlbach und tritt als Eisbach an die Oberfläche. Nördlich der Prinzregentenstraße sind die Eisbachufer mit Waschbeton befestigt. Die Uferrandzonen tragen naturferne Scher- und Trittrasen mit einigen Gehölzen bzw. Gehölzgruppen. Ab dem Hirschanger verläuft der Eisbach bis zur Oettingenstraße innerhalb eines dichten Gehölzbestands, die steinige Uferbefestigung ist hier stellenweise von den Wurzeln des angrenzenden Galeriegehölzes aufgebrochen. Im Bereich der Abzweigung des Schwabinger Baches stehen einige dickstämmige, annähernd 30 m hohe Buchen, Spitz-Ahorne und Eschen, im Unterwuchs befinden sich zahlreiche 2-6 m hohe Eiben mit teils strauchförmigem Wuchs. Hier sind zahlreiche Sitzbänke aufgestellt, die Trittbelastung ist sehr hoch, so dass nahezu keine Kräuter den Boden bedecken. Wohl eine der mächtigsten Eiben Münchens steht auf der Nordwestseite mit gut 10 m Wuchshöhe und einem gerippten Stamm von 40-50 cm Durchmesser! Zur Strukturbereicherung im nahen Umfeld tragen zahlreiche unregelmäßig angeordnete Findlingsblöcke bei.

Der heute von Westen zufließende Köglmühlbach hat mit dem ehemaligen Stadtbach dieses Namens nichts mehr zu tun. Er wurde erst 1992 als Abzweig (über einen Anstau) des unterirdisch geführten westlichen Stadtgrabenbaches wieder ans Tageslicht geholt. Im Bereich des auf einer Insel gelegenen Japanischen Teehauses ist der Köglmühlbach zu einem kleinen, 1971 angelegten, ovalen See aufgeweitet.
Die Ufer des Köglmühlbaches sind nahezu senkrecht mit Kalksteinblöcken verbaut. Auch der neue Abschnitt nordwestlich des Hauses der Kunst mit einem 4 m breiten Bett und mäßig hoher Fließgeschwindigkeit wirkt eintönig kahl, ohne jegliche typische Ufervegetation.

Der Schwabinger Bach beginnt am Hirschanger mit einem künstlichen, 15 m breiten, Wasserfall von knapp einem Meter Höhe, der 1814/15 angelegt wurde. In das, nach Norden auf ca. 10 m Breite verschmälerte, Gewässerbett sind Tuff-Steinblöcke unterschiedlicher Größe eingebracht, die mit Betonfundamenten fixiert wurden. Die Ufer des hier 1-1,5 m tief eingeschnittenen Bachbetts sind ebenfalls mit zahlreichen Steinblöcken unregelmäßig verbaut, so dass sich hier Kolke bilden konnten, die man ansonsten an den wasserreichen Bächen vermisst. Dadurch gibt es hier auch Bereiche unterschiedlicher Strömungsgeschwindigkeiten. Die Steinblöcke sind teilweise mit Moosen, Gräsern, Zimbelkraut und Farnen bewachsen.
Im weiteren Verlauf nordwärts durch die Schönfeldwiese zeigt der ziemlich schnell fließende Schwabinger Bach den Charakter eines Wiesenbachs. Seine Ufer sind abgeschrägt und mit Nagelfluhblöcken verbaut. Nur kleinflächige ca. 0,8 m breite Streifen mit Wasserschwaden- und Rohrglanzgras­röhricht sowie Mädesüß-Hochstaudenflur, sind abschnittsweise ungemäht. Die Randbereiche werden stark als Liegerasen und der Bach als Hundebad in Anspruch genommen. Stellenweise ist im Sommer trotz der häufigen Abfuhr durch die Stadtreinigung ein Müllproblem festzustellen. Bevor der Bach nach ca. 500 m in den zunehmend dichter werdenden, stufig aufgebauten Hirschangerwald eintaucht und seine Ufer wieder vorwiegend senkrecht mit Steinen verbaut sind, stehen am rechten Ufer zwei sehr dickstämmige Pappeln und eine alte Silber-Weide. Ungefähr ab der Reitschule kurz vor der Querung der Thiemestraße ist das linke Ufer des Schwabinger Bachs auf 200 m Länge durchwegs mit 1-2,5 m hohen Steinmauern verbaut. Dort grenzen Gärten von Wohnhäusern, vereinzelt auch Gebäudefassaden an. Im nördlichen Anschluss daran bis hin zum Isarring überwiegt auf beiden Uferseiten wieder eine Verbauung mit Steinblöcken. Das Galeriegehölz in diesem Bereich ist vor allem am Ostufer mit Efeu in außergewöhnlich hoher Deckung durchsetzt.

Der Oberstjägermeisterbach zweigt etwas nördlich der Himmelreichstraße in einem kastenförmigen Betonbett vom Eisbach ab. Er hat mit nur 1 m3/s eine viel geringere Wasserführung als der Eisbach und sein Bett ist wesentlich naturnäher ausgeformt. Die Bachbreite bleibt auch nicht einheitlich, sondern wechselt von 4 m bis nahezu 7 m, damit wechseln auch Fließgeschwindigkeit und Tiefe. Insgesamt 7 Sohlschwellen stauen das Wasser bis zu einer Tiefe über 80 cm auf, so dass sich die Strömung sehr stark vermindert. In einem nur 350 m langen Abschnitt südlich des Kleinhesseloher Sees befinden sich vier Schwellen. Schon an der ersten Schwelle zweigt die Hälfte der Wasserführung als Seebach in Richtung Kleinhesseloher See ab. Der 6 m breite Oberstjägermeisterbach wird in diesem Bereich durch den Stau fast zum Stillgewässer. Der Bach ist in seinem gesamten Verlauf von einem relativ lichten, artenreichen Laubbaumbestand gesäumt. Leider wurden besonders im Südteil standortfremde monotone Strauchpflanzungen mit Schneebeeren und Spiersträuchern vorgenommen. Bemerkenswert ist eine Schwarz-Pappel am Westufer südlich des Milchhäusls mit einem Stamm von ungefähr 1 m Durchmesser.

Gleich südlich der Steinernen Bank zweigt vom Oberstjägermeisterbach der Entenbach ab. Entlang seines kurzen Laufs zeigt er vielfältige Strukturen: Westlich der Steinernen Bank quert er mit einem U-förmigen, ca. 3 m breiten Bett, das mit Holzfaschinen gesichert ist, eine Wiese. Dort bleiben an den Trittbelasteten Uferrandstreifen leider nur einzelne Hochstauden, insbesondere Kohl-Kratzdisteln und Gelbe Schwertlilien von der zu häufigen Mahd ausgespart. Bemerkenswert ist eine als Naturdenkmal ausgewiesene alte Schlitzblättrige Buche mit 90 cm Stammdurchmesser nordwestlich der Brückenquerung des Hauptwegs. Dahinter weitet sich das weitgehend unverbaute Bachbett infolge eines Anstaus bis auf 6 m auf. Kurz vor den zwei Brücken sind gezielt zwei mehrere Dezimeter hohe Sohlschwellen angebracht, die ein deutlich hörbares Rauschen des sonst ruhig und langsam fließenden Entenbachs hervorrufen. Dieses Klangerlebnis war von Sckell bereits bei der Anlage des Englischen Gartens geplant worden.

Die Fischfauna der Bäche im Englische Garten (alle Daten wurden vom Verein „Die Isarfischer“ und vom „Landesfischereiverband (LFV)“ zur Verfügung gestellt):

Liste der vorkommenden Fischarten:

Name

Artname

H

RL

Aal

Anguilla anguilla

2

 

Aalrutte

Lota lota

2

2

Äsche

Thymallus thy­mallus

3-4

3

Bachforelle

Salmo trutta fario

2-3

V

Bachsaibling

Salvelinus fonti­nalis

1

 

Barbe

Barbus barbus

2-3

3

Barsch

Perca fluviatilis

3

 

Elritze

Phoxinus phoxi­nus

4

3

Giebel

Carassius aura­tus gibelio

1

 

Gründling

Gobio gobio

2-3

 

Hasel

Leucisus leucisus

3

 

Hecht

Esox lucius

3

 

Huchen

Hucho hucho

1-2

3

Karausche

Carassius caras­sius

1

 

Karpfen

Cyprinus carbio

1

 

Laube

Alburnus albur­nus

2-3

 

Mühlkoppe

Cottus gobio

4

V

Nase

Chondrostoma nasus

1-2

3

Regenbogenforelle

Oncorhynchus mykiss

2

 

Rotauge

Rutilus rutilus

3

 

Rotfeder

Scardinius erythrophthalmus

2

 

Schmerle

Noemacheilus barbatulus

4

3

Schneider

Alburnoides bi­punctatus

4

2

Dreistachliger Stichling

Gasterosteus aculeatus

2-3

3

Streber

Zingel streber

1-2

2

Abk.: H = Häufigkeit (1 = Einzelfund; 2 = selten; 3 = mittel; 4 = häufig; 5 = sehr häufig); RL = Gefährdungsgrad nach Roter Liste Bayerns (2 = stark gefährdet, 3 = gefährdet, V = Art der Vor­warnliste)

„Der Schwabinger Bach erhält Wasser vom Biedersteiner Kanal, der über die Würm mit dem Olympiasee, Nymphenburger Kanal und Starnbergersee verbunden ist. Darauf ist die hohe Fischartenzahl der Bäche im Englischen Garten zurückzuführen. Die Alterspyramide der Fischfauna ist allerdings gestört, es werden fast nur Jungfische festgestellt. Dies liegt daran, dass die Bäche regelmäßig ausgelassen werden (Bachauskehr) und anschließend neu besiedelt werden müssen. Das Aufkommen von extrem gefährdeten Arten muss zwingend bei der Restwassermenge berücksichtigt werden. Auch die Wasserkraftwerke im Stadtbereich stellen einen Gefährdungsfaktor dar. Da es sich überwiegend um Jungfische handelt, ist kein ausreichender Schutz über die Rechen gewährleistet. Jungfische können die Rechenstäbe (Abstände ca. 3 cm) mühelos durchschwimmen. Von einem permanenten Turbinentod ist auszugehen. (Hanfland, pers. Mitt.)“

 
Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten (* = gepflanzt)
Schwarz-Pappel, *Eibe, Eisvogel (Nahrungshabitat), Gänsesäger

Gehölze
Japanischer Fächer-Ahorn, Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Rosskastanie, Schwarz-Erle, Moor-Birke, Hainbuche, Buche, Esche, Efeu, Liguster, Fichte, Pappel, Vogel-Kirsche, Kaukasische Flügelnuss, Purgier-Kreuzdorn, Berg-Johannisbeere, Kratz-Beere, Silber-Weide, Trauer-Weide, Bruch-Weide, Schwarzer Holunder, Spierstrauch, Winter-Linde
Kräuter und Gräser
Giersch, Gewöhnlicher Frauenmantel, Knoblauchsrauke, Bärlauch, Wiesen-Kerbel, Wald-Zwenke, Bitteres Schaumkraut, Scharfe Seege, Behaarte Segge, Kohl-Distel, Zimbelkraut, Rasen-Schmiele, Gewöhnlicher Wurmfarn, Wasserdost, Mädesüß, Wald-Erdbeere, Ruprechtskraut, Flutender Schwaden, Wasser-Schwaden, Wiesen-Bärenklau, Gelbe Schwertlilie, Zusammengedrückte Binse, Weiße Taubnessel, Gelbe Taubnessel, Ross-Minze, Sumpf-Vergissmeinnicht, Gewöhnliche Pestwurz Alpen-Pestwurz, Rohr-Glanzgras, Gewöhnliches Lungenkraut, Knotige Braunwurz
Problempflanzen = Invasive Neophyten (<1.%-Deckungsanteil)
Schlanke Karde, Japan-Knöterich, Schneebeere
Fauna
Maulwurf, Eichhörnchen, Zaunkönig, Zilpzalp, Wasseramsel, Blässhuhn, Stockente, mehrere Libellenarten
Besondere Strukturen
·         Dichtes Gebüsch
·         Baumhöhlen
·         Dickstämmige Bäume (>75 cm Durchmesser in 1 m Höhe)
·         Abstürze, Kolke, Flachwasserzonen  am Oberstjägermeister- und Entenbach
Besondere Pflanzengesellschaften
·         Gierschfluren/Knoblauchsraukensäume
·         Möhren-Steinkleefluren
·         Mädesüß- Hochstaudenflur (geschützt nach § 13 d BayNatSchG)
·         Großröhricht (geschützt nach § 13 d BayNatSchG)/ fragmentarisch

Quellfluren (geschützt nach § 13 d Bay NatSchG)/ fragmentarisch