Münchner Biotope: Auer Mühlbach

Lage

entlang der Quellenstraße in der Au bis zum Riggauer Weg

Schutzstatus kein Schutzgebiet
Mü. Stadtbiotop Nr. 320
Flächennutzung Wasserfläche und Allgemeine Grünfläche
Flächengröße ca. 3,5 ha

Asphaltiertes und betoniertes Ufer des Auer Mühlbachs an der Quellenstraße


Seltene Kalk-Tuffmoose besiedeln Sickerstellen am Fuß einer Stützmauer

 
Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Die Geschichte des Auer Mühlbachs ist gut dokumentiert. Eine ausführliche Darstellung findet sich bei http://www.auer-muehlbach.de. Einige Stichpunkte sollen hier trotzdem kurz ausgeführt werden: Der Auer Mühlbach ist ein im Lauf der Jahrhunderte mehrfach vom Menschen für seine Zwecke veränderter, abgeleiteter Seitenarm der Isar. Ursprünglich diente der Bach dem Mühlenbetrieb. Die älteste dokumentierte Mühle war die „Bäckermühle“ in Giesing, die erstmals im Jahr 957 urkundlich erwähnt wird. Seit dem Bau des Isarkanals (1905-1907) wird der Auer Mühlbach aus diesem, südlich von Maria Einsiedel, abgeleitet. Um in sein ursprüngliches Bett zu gelangen, muss der Bach deshalb heute in einem Düker unter dem Isar-Hauptstrom durchgeleitet werden. Bei Niedrigwasser erhält der Bach, der auch heute noch der Energiegewinnung dient, mehr Wasser (10 m3/s) als die dann oft fast ausgetrocknete Isar (7 m3/s). Die Verrohrung und Auflassung eines größeren Teils der Fließstrecke des Baches erfolgte erst zwischen 1960 und 1970. Damals wurde das Verbauen und Auflassen der Münchner Stadtbäche noch als städtebaulicher Erfolg angesehen. 2002 wurde diese stadtplanerische Sünde ein klein wenig wieder rückgängig gemacht und „Am Neudeck“ ein Teil des Auer Mühlbachs wieder an die Oberfläche geholt.

Das gleichförmige, ca. 8 m breite Bett des Auer Mühlbachs verläuft auf der Westseite der Quellenstraße. Die schmale, für KFZ nicht zugelassene, Straße liegt am Hangfuß des östlichen Isar-Hochufers.
Das zur Quellenstraße und auch westseitig zu den angrenzenden Freiflächen und Gebäuden mit einem Metallgeländer abgegrenzte Bachbett ist beidseitig vollständig mit senkrechten Betonmauern verbaut. Aus der östlichen Beton-Ufermauer ragen ca. ein Dutzend Einleitungsrohre, deren Umgebung mit dichten Laubmoospolstern bedeckt ist. Die Fließgeschwindigkeit des Auer Mühlbachs ist insgesamt recht hoch, entlang eines gewerblich genutzten Gebäudes am Kegelhof, wo das Bachbett auf über 50 m Länge nur ca. 6 m breit ist, steigt sie auf über 3 m/s. Erstaunlicherweise siedelt dort ein großer Bestand des Sichelblättriges Gitterzahnmoos, das für klare Bergbäche kennzeichnend ist. Eventuell ist der Bestand am Auer Mühlbach der nördlichste in Oberbayern.

Vier Stege mit teils weniger als hundert Meter Abstand zueinander queren den Auer Mühlbach auf dem kurzen oberirdischen Abschnitt. Im Bereich der drei Unterwasserwehre sind gleichförmige Stromschnellen ausgebildet. Das Ostufer ist auf wenigstens 4 m Breite vollständig versiegelt, allerdings ist die Asphaltdecke der Quellenstraße in Ufernähe stellenweise aufgebrochen und es hat sich ein Trittrasen gebildet. Während im Südteil mehrere Gebäude unmittelbar ans Westufer gebaut sind, grenzen nördlich der Einmündung des Kegelhofbaches Rasenflächen mit Bäumen an, darunter sind auch wenige dickstämmige Silber-Weiden und Pappeln.

Der bis zu 40° steile Talhang ist oberwärts durchgehend vor allem mit Edellaubhölzern bewaldet. Es dominieren Eschen und Spitz-Ahorn mit Stammdurchmessern von 30-60 cm, einzelne Bäume sind auch dickstämmiger. Eine mäßig dichte Strauchschicht ist nur stellenweise ausgebildet, der Jungwuchs der genannten Baumarten ist aber reichlich vorhanden. Die Krautschicht aus Nährstoffzeigern ist sehr spärlich entwickelt. Im unteren Hangdrittel treten mehrere Sicker- bzw. Fließquellen aus, ungefasste Sickerquellen sind nahezu vegetationsfrei mit lückiger Decke aus Quellmoosen. Eine mehrere Liter pro Sekunde schüttende Quelle ist gefasst und ummauert, der Abfluss erfolgt über mehrere Kaskaden in einem mit Nagelfluh-Blöcken befestigten Bett. Vor allem im Nordteil ist am Hangfuß eine ungewöhnlich wuchsstarke, von Brennnesseln, Bärenklau und Knaul-Gras dominierte Nitrophytenflur entwickelt, die selbst nach einem Sommerschnitt Anfang Juli innerhalb von 8 Wochen nochmals eine Aufwuchshöhe von 60-90 cm erreicht hat. Im Südteil befinden sich am Rand der Quellenstraße auch zwei kleinflächige Fettwiesen. Am südlichen Ende der Quellenstraße trennt eine Gehölzinsel mit einer an der Stammbasis 1,2 m dicken Esche mit Zwieselwuchs das Bachbett von der Asphaltdecke auf 60 m Länge. Der bewaldete Steilhang ist durch mehrere diagonal verlaufende Wege mit Treppen erschlossen. Die in diesem Bereich vorhandenen Nagelfluh-Stützmauern sind sickerfeucht und beherbergen einen außerordentlich reichen Moosbewuchs. Einige Arten haben hier ihr einziges Innenstadtvorkommen.

Die Fischfauna des Auer Mühlbachs (alle Daten wurden vom Verein „Die Isarfischer“ und vom „Landesfischereiverband (LFV)“ zur Verfügung gestellt):

Die Fischfauna des Auer-Mühlbachs

Name

Artname

H

RL

Aal

Anguilla anguilla

2

 

Aitel

Leucisus cephalus

3

 

Äsche

Thymallus thymallus

3

3

Bachforelle

Salmo trutta fario

2

V

Bachsaibling

Salvelinus fontinalis

 

 

Barbe

Barbus barbus

2-3

3

Hecht

Esox lucius

2

 

Huchen

Hucho hucho

1-2

3

Regenbogenforelle

Oncorhynchus my­kiss

3

 

Rutte

Lota lota

1-2

2

Streber

Zingel streber

1-2

2


Der Auer Mühlbach beherbergt trotz seiner extremen Querbauwerke (Marienklausenwehr, Gasteig u. a) eine artenreiche Fischfauna. Die Alterspyramide der Fischfauna ist allerdings gestört, es werden fast nur Jungfische festgestellt. Dies liegt daran, dass der Bach regelmäßig ausgelassen wird (Bachauskehr) und anschließend neu besiedelt werden muss und daran, dass ein Fischaufstieg über die extrem hohen Wehre nicht möglich ist. Es ist lediglich ein Einschwemmen von Jungfischen an der Ausleitung aus der Isar vorstellbar. Das Aufkommen von extrem gefährdeten Arten im Auer Mühlbach gibt Aufschluss über die noch weit artenreichere Isar, wo auch die Hauptreproduktionsgebiete der Fische ligen. Die hohe Bedeutung der artenreichen und gefährdeten Fischfauna muss zwingend bei der Restwassermenge für die Isar berücksichtigt werden. Auch die Wasserkraftwerke im Stadtbereich stellen einen Gefährdungsfaktor dar. Da es sich überwiegend um Jungfische handelt, ist kein ausreichender Schutz über die Rechen ge­währleistet. Jungfische können die Rechenstäbe (Abstände ca. 3 cm) mühelos durchschwimmen. Von einem permanenten Turbinentod ist auszugehen. (S. Hanfland, pers. Mitt.)“


Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
Moose: Sichelbättriges Gitterzahnmoos, Wirteliges Schönastmoos, Schlankes Spaltzahnmoos, Veränderliches Starknervmoos u. a. Laubmoose

Gehölze
Spitz-Ahorn, Rosskastanie, Bärlauch, Buschwindröschen, Hohler Lerchensporn, Blutroter Hartriegel, Esche, Liguster, Pappel, Kratz-Beere, Silber-Weide, Schwarzer Holunder

Gräser und Kräuter
Giersch, Knoblauchsrauke, Mauerraute, Wald-Segge, Wiesen-Knaulgras, Behaartes Weidenröschen, Gewöhnliche Nelkenwurz, Wiesen-Bärenklau, Kleinblütiges Springkraut, Platthalm-Rispengras

Problempflanzen = Invasive Neophyten (2%-Deckungsanteil)
Schlanke Karde, Behaartes Knopfkraut, Japan-Knöterich, Schneebeere

Fauna
Eichhörnchen, Zaunkönig, Zilpzalp

Besondere Strukturen
·         Markantes Oberflächenrelief
·         Sickerfeuchte Ziegel- und Nagelfluhmauern
·         Dickstämmige Bäume (>75 cm Durchmesser in 1 m Höhe)
·         Uferverbau (Materialien: vorwiegend Stein und Beton, auf 20m Länge Holz)
·         Querbauwerke: 3 Unterwasserwehre, Stromschnellen
·         Fließ- und Sickerquellen

Besondere Pflanzengesellschaften
·         Gierschfluren/Knoblauchsraukensäume
·         Edellaubholz-Hangwald (mit verarmter Krautschicht)