Münchner Biotope: Ackermannbogen, ehemalige Stetten- und Waldmann Kaserne

Lage

Schwabing-West, nördlich Schwere-Reiter-Straße, östlich bzw. südlich der Ackermannstraße

Schutzstatus kein Schutzgebiet; kleine Teilfläche Magerrasen nach Art. 13d(1) Bay­NatSchG geschützt
Mü. Stadtbiotop Nr. kleine Teilfläche als Biotop 117 kartiert.
Flächennutzung größtenteils immer noch Sondergebiet Landesverteidigung, geplant ist ein Nutzungsmix aus Wohngebiet, Gewerbeflächen und Grünflächen
Flächengröße ca. 32 ha


Rückzugsbereich für Tier- und Pflanzen-arten  - Vernässte Mulde, Tümpel, Zwergbinsenflur



Ablagerung von Sperrmüll, organischen Abfällen direkt neben artenreichen Magerrasen


Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Das ausgedehnte Areal ist, wie auch der benachbarte Olympiapark, Teil des ehemaligen Militärgeländes auf dem Oberwiesenfeld. Im Münchner Stadtplan von 1925 (Oskar Brunn) ist die Fläche noch als Exerzierplatz weitgehend ohne Gebäude dargestellt. Nach dem Krieg wurde das Gelände von der US-Armee, danach von der Bundeswehr genutzt.
Heute finden sich mehrere Nutzungsformen auf dem Areal: das Gelände der ehemaligen Stetten-Kaserne im Süden liegt weitgehend brach, auf dem Gelände der Waldmann-Kaserne im Nordosten wird derzeit mit einer umfangreichen Wohnbebauung begonnen und im Norden befinden sich als Parkplatz, gewerblich oder als Deponie genutzten Bereiche.

Das südliche Kasernengelände an der Schweren Reiter Straße ist mit einem rechtwinkligen asphaltierten oder mit Granit gepflasterten Straßennetz erschlossen. Kleinräumig haben sich in den Pflasterfugen und in angrenzenden Gehwegplatten Mauerpfefferfluren oder lückige, annuelle Ruderalfluren entwickelt. Die Grünflächen um die inzwischen vorwiegend gewerblich genutzten ehemaligen Kasernengebäude bestehen fast ausschließlich aus Scherrasen mit einem für Innenstadtverhältnisse üppigen Baumbestand. Es überwiegen Einzelbäume und Baumgruppen mit jeweils 30-50 cm Stammdurchmesser, wenige Spitz-Ahorne und Eschen haben auch dickere Stämme. Stellenweise kommen in Gebäudenähe auch Strauch-Unterpflanzungen vor, u. a. mehrere Exemplare des Blasenstrauchs. Auf der Westseite zwischen der Gebäudezeile und der Baumhecke an der Ackermannstraße existiert auch ein Bereich magerer Blumenrasen mit dem Kleinen Habichtskraut, einer für die Münchner Heiden typischen Pflanze.
Nordwärts der Kasernenbebauung grenzt an die Ackermannstraße ein extensiv genutzter Sportplatz. Das Spielfeld ist mit einem Blumenrasen mit reichlich Kleinköpfigem Pippau und einigen Königskerzen bewachsen. Östlich des Sportplatzes liegen nährstoffarme Kiesböden, die nur schwach ruderalisierten Grasfluren und Flutrasen tragen.
Ein naturschutzfachlich bedeutsamer Reliktbestand eines Kalkmagerrasens (Stadtbiotop 117) befindet sich im Südosten hinter dem Gebäude Schwere Reiter Straße 37. Infolge der Beweidung durch Kaninchen sind noch gut 1500 m2 offen und sehr blütenreich mit Vorkommen einiger seltener Arten wie: Sprossende Felsennelke und Schweizer Moosfarn. Auch der gefährdete Idas-Silberfleckbläuling, eine Tagfalterart kommt dort vor. Infolge langjähriger Brache sind die Randstreifen jedoch teils mit Birken und Purpur-Weiden verbuscht, teils vergrast und mäßig ruderalisiert. Der Nordteil ist durch die kontinuierlichen Ablagerungen von Gras- und Gehölzschnitt zu einer nährstoffreichen Ruderalflur oder gar reiner Nitrophytenflur geworden. Inzwischen wurden die Gartenabfälle nach einer Intervention des LBV entfernt, ob die ursprüngliche Vegetation sich wieder einstellt, bleibt fraglich.

Im Bereich der früheren Waldmann-Kaserne herrschen kiesige Rohböden mit arten- und blütenreicher Pioniervegetation z.B. mit dem Rosmarin-Weidenröschen, Nachtkerzen und dem Gewöhnlichem Bitterkraut vor. Vor allem findet sich die Pioniervegetation an den Rändern bzw. Böschungen der zahlreichen ungefähr rechteckigen, 2-3 m tiefen Kiesgruben, die durch das Entfernen der früheren Gebäudefundamente entstanden sind. In Teilbereichen hat eine starke Gehölzsukzession mit Berg-Ahorn, Birken und Hartriegel eingesetzt. Nach Norden ziehen sich zwei mehrfach unterbrochene Heckenreihen mit Hainbuchen von ca. 8 m Höhe mit schmalen Säumen. Westlich davon befindet sich eine strukturreiche, magere Ruderalflur , die in eine flache vernässte Mulde mit 2-3 m2 großen Tümpel übergeht, an dessen Rand sich Nässezeiger wie Sumpf-Vergissmeinnicht und eine Zwergbinsenflur mit Sumpfbinse und dem Braunen Zyperngras angesiedelt haben. Diese für Pioniergewässer typische Pflanzengesellschaft wurde innerhalb des Mittleren Rings nur hier angetroffen.
Das nordwestliche Viertel des Areals ist durch eine dichte Baumhecke von 5-30 m Breite von den übrigen Flächen getrennt. Dort befindet sich eine typische Stadtbrache mit verdichtetem Kiesrohboden, Lagerflächen und wilden Müllablagerungen. Diese Stadtbrache ist die einzige Brache nennenswerter Größe innerhalb des Mittleren Rings. Diese, für den erweiterten Innenstadtbereich deutscher Städte sehr ungewöhnliche, Tatsache belegt den schnellen Nutzungswandel und hohen Immobilienwert der Münchner Innenstadtflächen. Aufgegebene Gewerbe- oder Bahnflächen werden innerhalb weniger Jahre umgenutzt. An bemerkenswerten Strukturen dieser Brache sind heckenähnliche Gebüschfragmente mit zahlreichen Straucharten zu nennen. Diesen angegliedert ist ein Kies-Abraumhügel mit artenreicher, magerer Grasflur und Ruderalvegetation mit Weiden-Sukzession sowie eine kleine Feldgehölzinsel und wärmeliebende Säume mit Wildem Dost und Wohlriechendem Odermennig. Die Strukturvielfalt wird durch leicht zerfurchten, teils verdichteten Boden mit flachen Pfützen und fragmentarischen Flutrasen sowie mehrfachen Wechsel des anstehenden Substrats von lehmig zu sandig erhöht. Zur Ackermannstraße ist die Fläche mit einer dichten, aber unterbrochenen, ca. 8 m hohen Baumhecke aus Spitz-Ahorn abgegrenzt.


Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten

Wechselkröte (BK 1982 wohl erloschen), Graue Sklavenameise, Idas-Silberfleckbläuling, Braunes Zypergras, Feld-Ulme, Rosmarin-Weidenröschen;
Moose und Flechten: Schönes Goldhaarmoos, Zwerg-Goldhaarmoos, Stumpfblättriges Goldhaarmoos, Thuidium abietinum, Tortella inclinata, Physcia stellaris – alles Einzeldaten/keine vollständige Untersuchung durchgeführt

Gehölze
Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Rosskastanie, Hänge-Birke, Hainbuche, Blasenstrauch, Blutroter Hartriegel, Eingriffliger Weißdorn, Deutzie, Esche, Liguster, Fichte, Schwarz-Kiefer, Zitter-Pappel, Vogel-Kirsche, Schlehe, Berg-Johannisbeere, Kartoffel-Rose, Kratzbeere Brombeere, Sal-Weide, Lavendel-Weide, Purpur-Weide, Schwarzer Holunder, Vogelbeere, Winter-Linde, Sommer-Linde
Gräser und Kräuter
Großer Odermenning, Rotes Straußgras, Weißes Straußgras, Gewöhnlicher Beifuß, Barbarakraut, Fieder-Zwenke, Feld-Steinquendel, Zaun-Winde, Weg-Distel, Schmalblättrige Flockenblume, Wiesen-Flockenblume, Rispen-Flockenblume, Taumel-Kälberkropf, Wiesen-Magarite, Sumpf-Kratzdistel, Acker-Kratzdistel, Acker-Winde, Bunte Kronwicke, Kleinköpfiger Pippau, Schmalblättriger Doppelsame, Weber-Karde, Gewöhnlicher Natternkopf, Gewöhnliche Sumpfbinse, Kleines Liebesgras, Reiherschnabel, Wasserdost, Schaf-Schwingel, Echtes Labkraut, Wasser-Schwaden, Kahles Bruchkraut, Kleines Habichtskraut, Florentiner Habichtskraut, Tüpfel-Johanniskraut, Glieder-Binse, Kröten-Binse, Flatter-Binse, Gewöhnliches Leinkraut, Blutweiderich, Grüne Minze, Sumpf-Vergissmeinnicht, Kriechender Hauhechel, Sprossende Felsennelke, Gewöhnliches Bitterkraut, Platthalm-Rispengras, Floh-Knöterich, Gänse-Fingerkraut, Norwegisches Fingerkraut, Aufrechtes Fingerkraut, Frühlings-Fingerkraut, Zottiger Klappertopf, Kleiner Wiesenknopf, Scharfer Mauerpfeffer, Milder Mauerpfeffer, Schweizer Moosfarn, Grüne Borstenhirse, Gewöhnliches Leimkraut, Schwarzer Nachtschatten, Bittersüßer Nachtschatten, Acker-Gänsedistel, Gemeiner Thymian, Feld-Klee, Großblütige Königskerze, Schwarze Königskerze
Problempflanzen = Invasive Neophyten (0,3%-Deckungsanteil): Kamtschatka-Beifuß, Schmetterlingsstrauch, Einjähriger Feinstrahl, Behaartes Knopfkraut, Riesen-Bärenklau, Gewöhnliche Nachtkerze, Essigbaum, Schmalblättriges Greiskraut, Kanadische Goldrute, Schneebeere
Fauna (s.a. gefährdete Arten)
Eichhörnchen, Kaninchen, Zilpzalp, Weißrandiger Mohrenfalter (BK 1997), Ikarus-Bläuling, Kleiner Feuerfalter, Roesels Beißschrecke, Gemeiner Grashüpfer, Nachtigall-Grashüpfer, Heide-Schnecke
Besondere Strukturen
·         Markantes Oberflächenrelief (im Nordosten)
·         Totholz/Totholzlagerhaufen
·         Offene Rohböden
·         Hohes Blütenangebot
·         Trockenmauern mit Mauerspalten
·         Ephemere Gewässer/Tümpel
·         Dickstämmige Bäume (>75 cm Durchmesser in 1 m Höhe)
Besondere Pflanzengesellschaften
·         Thermophile Saumstaudenfluren
·         Möhren-Steinkleefluren
·         Sand- und Felsgrusfluren
·         Zwergbinsenflur ( geschützt nach § 13 d BayNatSchG)
·         Halbtrockenrasen ( geschützt nach § 13 d BayNatSchG )