Münchner Biotope: Westpark

Lage

Untersendling, zwischen Hansapark, Heiterwanger-Straße, Garmischer und Siegenburger Straße

Schutzstatus kein Schutzgebiet: kleine Teilflächen (feuchte Hochstaudenflur, Röhricht, Magerrasen) nach Art. 13d(1), Bay­NatSchG geschützt
Mü. Stadtbiotop Nr. 479
Flächennutzung Allgemeine Grünanlage
Flächengröße (kartierter Ostteil): ca. 29 ha, Gesamtgelände ca. 72 ha
 

Nepal Pagode

    
Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Der Westpark wurde 1983 für die Internationale Gartenausstellung (IGA) fertig gestellt. Viele Elemente dieser Ausstellung sind auch heute noch zu bewundern, z.B. die Nepal Pagode, der Japanische und der Chinesische Garten (im nicht kartierten Westteil des Parks) und vieles mehr. Die Parkanlage ist einer voralpinen Hügellandschaft nachempfunden. Dafür wurden durch Aufschüttungen Hügel bis zu 15 m Höhe gestaltet. Das Zentrum des Parks bildet ein leicht gewundener Talraum wechselnder Breite mit mehreren Seen, der an den Flanken von einer Hügelkette begrenzt wird. Einige kreisrunde „Tumuli“ ragen besonders heraus

Die Hänge: Nach gut 20 Jahren Entwicklungsdauer sind, abgesehen von einigen älteren Stiel-Eichen nahe der Garmischer Straße, nur Gehölzbestände aus der Zeit der Anlage des Parks vorhanden. Sie konzentrieren sich auf die Oberhänge und auf die parkabgewandten Seiten der Hügelketten. Die Gehölze nehmen den überwiegenden Teil der Hänge ein. Nur stellenweise wurden dort auch andere Strukturen angelegt: Am Südhang ist im westlichen Bereich ein Steppenbeet mit Palmlilien, Schwertblättrigem Alant und anderen „imposanten“ Pflanzen

Chinesischer Garten

trockenwarmer Wuchsorte angelegt. Ein hoher Strukturreichtum ist am gegenüberliegenden, ziemlich schattigen Nordhang im Bereich des „Sardischen Gartens“ vorzufinden: Aus Lava, Gneis und Sandstein errichtete Steinblockmauern sind bewachsen mit Laubmoosen, Zimbelkraut, Gelbem Lerchensporn und Farnen. Innerhalb der Mauern kommen Sanddorn, Purpur-Weiden, Tamariske, Palmlilien, Acanthus und heimische Saumstauden vor. Es grenzen Sitznischen mit Grillplätzen und Ritzenpflaster sowie niedrigen Mauereinfassungen an. Auf weiteren Hangflächen sind mäßig artenreiche, ungedüngte Blumenwiesen angelegt, teils mit sehr dichter Bepflanzung aus Gelben Narzissen.

Das Tal: Der Talgrund im Westen einschließlich des Anstiegs zur Brücke über die Garmischer Straße wird vollständig von Scherrasen eingenommen, die zeitweilig von Gänsen beweidet werden. Im Mittelteil schließt der S-förmig gekrümmte, lang gestreckte „Ostsee“ an, der sich fast bis zum östlichen Rand des Parks als Becken mit Betonufer fortsetzt. Als natürlich wirkender Wasserzufluss mündet ein das Farntal durchfließender gefällereicher, naturnah gestalteter Bach am Westufer in den See.


Der "Ostsee"

Das nordwestliche Ufer ist stark trittbelastet, vor allem durch weidende Wasservögel. Die lückige Vegetationsdecke enthält neben Trittrasenpflanzen auch Ruderalstauden wie Einjähriges Berufkraut, Weißen Steinklee und Gelbe Gauklerblume. Am Südufer gegenüber dem Seecafé befindet sich ein Hain aus Sumpfzypressen. Die ca. 10 m hohen Koniferen stehen teilweise im Wasser. Landwärts schließen mit schmalen Wegen durchzogene Zierbeete an, die vor allem mit Zuchtformen von Hochstauden bepflanzt sind. Ufernah ist fragmentarisch Großröhricht ausgebildet. Westwärts schließt am Südufer ein weitgehend naturnaher, artenreicher trittgeprägter Rasen an, der stark mit Einjährigem Berufkraut durchsetzt ist. Dort treten volkstarke, aggressive Ameisen auf. Eventuell handelt es sich hier um eine Art, aus dem für die Münchner Schotterebene typischen Formica cinerea-Komplex (Sklavenameisen).


Auch kleine Gewässer
reichen Enten zum Brüten

Das Feuchtbiotop am Südufer des Sees: Der naturschutzfachlich wertvollste Teil des Parks befindet sich am südwestlichen Randbereich des Sees. Er ist aus einer Verpflanzung von oberbayrischer Moorvegetation in diesen Teil des Parks hervorgegangen. Obwohl von den besonders hochwertigen Moorgesellschaften wegen des künstlich nicht imitierbaren Bodenwasserhaushalts heute kaum mehr etwas zu erkennen ist, blieb dennoch ein schutzwürdiger Lebensraumkomplex erhalten: Der Randbereich neben den Wegen wird von einem leicht reliefiertem und ruderalisiertem Halbtrockenrasen mit zahlreichen

seltenen Pflanzenarten eingenommen, u. a. kommen der Gelbe Enzian und die Gewöhnliche Küchenschelle dort vor. Im Uferbereich siedelt eine Mädesüß-Hochstaudenflur, die stellenweise noch Arten der wechselfeuchten Pfeifengraswiesen wie Weiden-Alant und Breitblättriges Knabenkraut enthält. Der ständig flach überstaute Uferbereich wird von einem Großseggenried und Schilfröhricht eingenommen, auf der Südseite ist zwischen aufwachsenden Purpur-Weiden ein expandierender Bestand der Sumpf-Wolfsmilch etabliert.
Sehr erstaunlich sind Reliktvorkommen des Wiesengrashüpfers und des Sumpfgrashüpfers in diesem Bereich. Beide Arten sind in München nahezu ausgestorben, nur am nordwestlichen Stadtrand siedeln noch Restpopulationen. Die Westparkvorkommen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit 1982 mit Moorvegetation eingebracht worden. Dass die beiden hoch empfindlichen Heuschreckenarten der Feuchtwiesen 20 Jahre in völliger Insellage inmitten der Innenstadt überdauern konnten, legt den Schluss nahe, dass bei geeigneter Grünanlagenpflege viele Arten der Naturlandschaft auch in der Innenstadt überleben könnten.

Der See und sein Westufer: Im See befinden sich zwei heute unzugängliche Inseln, die teils mit Purpurweiden-Gebüsch bewachsen sind, das aus einem ehemaligen verpflanzten Schneeheide-Kiefernwald hervorgegangen ist. Ferner leben im Gewässer eine Population der aus Nordamerika stammenden Rotwangen-Schmuckschildkröte und Graskarpfen.


Thai Sala

Westseitig des Sees befindet sich eine gut 2000 m2 große Rohboden-Sukzessionsfläche mit mageren, teils noch lückigen Grasfluren und aufwachsenden Gehölzen, darunter eine Reif-Weide und Sanddorn. Mehrere Ameisenvölker, die teils auf den beiden dicken Totholzstämme leben, verhindern zuverlässig das Betreten dieser Fläche durch Parkbesucher.
Eingebrachte naturnahe Vegetationsbestände gibt es noch am östlichen Rand des von Waldkiefern überschirmten Heidegartens, wo sich ein Wasserbecken u. a. mit Straußblütigem Gilbweiderich und Gewöhnlicher Strandsimse befindet. In einem trockenen Graben mit flachen Böschungen am nordöstlichen Rand des Parks sind noch Bestände des Klebrigem Salbei, der Steinbrech-Felsennelke und des Weidenblättrigen Ochsenauges erhalten.

 
Artenzusammensetzung

Vorkommen gefährdeter Arten
(viele sicher angesalbt/künstlich eingebracht):
Gänsesäger, Teichhuhn (BK 1998), Kreuzotter (BK-1982) – wohl eingebracht, jetzt sicher ausgestorben, Sumpf-Grashüpfer, Wiesen-Grashüpfer, Meerbinse, Scheinzypergras-Segge, Breitblättriges Knabenkraut, Sumpf-Wolfsmilch, Gelber Enzian, Sanddorn, Schwertblättriger Alant, Straußblütiger Gilbweiderich, Königsfarn, Felsennelke, Hirschzunge, Gewöhnliche Küchenschelle, Blauweiderich

Moose
Verwandtes Goldhaarmoos, Lyell´s  Goldhaarmoos, Blasses  Goldhaarmoos, Zwerg-Goldhaarmoos, Stumpfblättriges  Goldhaarmoos, Vielfruchtmoos u. a.
Flechten: Bryoria fuscescens, Parmelia tiliacea, P. subrudecta, P. flaventior, Physcia stellaris, Usnea hirta u. a.

Gehölze (nur Auswahl):
Araukarie, Grau-Erle, Wald-Kiefer, Stiel-Eiche, Wohlriechende Brombeere, Reif-Weide, Purpur-Weide, Tamariske, Sumpfzypresse, Winter-Linde

Gräser und Kräuter (* = gepflanzt):
Acanthus, Kalmus, Großer Odermenning, Wald-Engelwurz, Ästige Graslilie, Wundklee, Große Sterndolde, Weidenblättriges Ochsenauge, Aufrechte Trespe, Landschilf, Scharfe-Segge, Rispen-Segge, Hänge-Segge (*), Wiesen-Flockenblume, Skabiosen-Flockenblume, Bunte Kronwicke, Karthäuser-Nelke, Heide-Nelke, Gewöhnliche Sumpfbinse, Behaartes Weidenröschen, Wasserdost, Purpur-Wasserdost (*), Knollige Spierstaude, Mädesüß, Sumpf-Labkraut, Färber-Ginster, Wiesen-Storchschnabel, Blut-Storchschnabel, Riesen-Schwaden, Geflügeltes Johanniskraut, Weiden-Alant, Sumpf-Schwertlilie, Glieder-Binse, Kröten-Binse, Breitblättriges Laserkraut, Wolfstrapp, Gewöhnlicher Gilbweiderich, Blutweiderich, Sichel-Klee, Wasser-Minze, Ross-Minze, Gelbe Gauklerblume, Pfeifengras, Kriechender Hauhechel, Wilder Majoran, Rote Pestwurz, Berg-Haarstrang, Schilf, Begrannter Klappertopf), Schlitzblättrige Rudbeckie (*), Klebriger Salbei, Wiesen-Salbei, Quirblütiger Salbei, Kleiner Wiesenknopf, Großer Wiesenknopf, Tauben-Skabiose, Teich-Simse, Sumpf-Helmkraut, Milder Mauerpfeffer, Kümmel-Silge, Raukenblättriges Greiskraut, Kalk-Blaugras, Teichlinse, Heil-Ziest, Sumpf-Ziest, Telekie (*), Edel-Gamander, Gelbe Wiesenraute, Kleine Wiesenraute, Breitblättriger Rohrkolben, Schmalblättriger Rohrkolben, Mehlige Königskerze, Wasser-Ehrenpreis, Schwalbenwurz, Yucca

Problempflanzen = Invasive Neophyten (2%-Deckungsanteil)
Einjähriger Feinstrahl, Japan-Knöterich, Kanadische Goldrute

Fauna (Auswahl auffälliger Arten)
Eichhörnchen, Kanadagans, Graugans, Reiherente, Gänsesäger, Waldlaubsänger (BK-1998), Zaunkönig, Zilpzalp, Rotwangen-Schildkröte, Kreuzotter (BK-1982 – wohl eingebracht, jetzt sicher ausgestorben), Sumpf-Grashüpfer, Wiesen-Grashüpfer, Rösels Beißschrecke, Gemeiner Grashüpfer, Nachtigall-Grashüpfer, Großes Heupferd, C-Falter, Ikarus-Bläuling, Kleiner Fuchs


Blütenreiche Feuchtwiese am Südufer des West-parksees 

Besondere Pflanzengesellschaften
·         Thermophile Saumstaudenfluren
·         Möhren-Steinkleefluren
·         Mädesüß- Hochstaudenflur
·         Großröhricht

Besondere Strukturen
·         Markantes Oberflächenrelief,
·         Totholz/Totholzlagerhaufen
·         Zahlreiche Tierbauten
·         Von Wasservögeln stark abgeweidete Rasen
·         Hohes Blütenangebot