Münchner Biotope: Theresienwiese

Lage

Ludwigsvorstadt; Grünanlage an der Hans-Fischer-Straße und Grünstreifen entlang Bavariaring

Schutzstatus kein Schutzgebiet
Mü. Stadtbiotop Nr. nicht kartiert
Flächennutzung Allgemeine Grünfläche

Flächengröße

ca. 6 ha


Theresienwiese im Frühling


Seltener Naturgenuss inmitten der Stadt: ein Wildblumenstrauß wird auf der Theresien-wiese gepflückt. Im Hintergrund Baukräne auf der Theresienhöhe

Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Entlang der Ostseite der Theresienwiese verläuft ein etwa 30 m breiter Grünstreifen mit einer vierreihigen Allee aus mehreren hundert Winter-Linden. Diese Grünanlage wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zusammen mit der Villenbebauung an der Theresienwiese angelegt. Die Linden sind also inzwischen fast 100 Jahre alt.

Der über einen Kilometer lange Grünstreifen wird von zwei Straßendurchfahrten und drei Wegen unterbrochen. In der Mitte der Grünanlage verläuft ein durchgängig gepflasterter, etwa vier Meter breiter Fußweg. Entlang des Bavariarings ist ein asphaltierter Fahrradweg angelegt. Die restliche Fläche wird größtenteils von mehr oder weniger lückigem Scherrasen eingenommen. An stark betretenen Stellen ist der Lehmboden vegetationsfrei.

Zum Bavariaring hin schließen sich zahlreiche mit Granitsteinen gepflasterte Flächen mit Sitzbankgruppen an den Gehweg an. Auf der Westseite Richtung Theresienwiese sind auf 10 % der Gesamtfläche Spielplätze angelegt. Der Radweg am Bavariaring ist von der Grünanlage durch eine 1,5 m hohe streng geschnittene, ziemlich lichte Buchenhecke abgegrenzt.
An vielen Linden hat sich auffälliger Flechten- und Moosbewuchs eingestellt. Inzwischen kommen sogar drei Bartflechtenarten an der Theresienwiese vor. Diese Flechten sind extrem empfindlich gegenüber
schwefelsauren Immissionen. Der Schwefelgehalt der Münchner Luft ist durch schwefelfreies Benzin und verbesserte Kraftwerksfilter ganz erheblich gesunken, was die Wiederbesiedlung der Bäume mit Flechten ermöglicht hat. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts war die Münchner Innenstadt noch eine so genannte „Flechtenwüste“ (vgl. Kandler u. Poelt, 1984; Jürging, 1975).

Auf den an die Grünfläche angrenzenden Kiesschottern der Theresienwiese ist eine nährstoffreiche Grasflur mit Kletten und Kanadischer Goldrute ausgebildet. Vereinzelt findet man auch Wärme liebende Möhren-Steinkleefluren, die für überwärmte Innenstadtlagen typisch sind. Um den U-Bahnhof Theresienwiese sind auf einer größeren Fläche Linden in einem rechtwinkligen Muster gepflanzt. Der Bodenbewuchs ist hier noch spärlicher, neben zahlreichen Trampelpfaden, Trittrasen und vegetationsfreien, verdichteten Kiesflächen haben sich am Rand der Theresienwiese auch einjährige, von der Echten Kamille dominierte Ruderalfluren entwickelt.
Durch die Hans-Fischer Straße vom Grünstreifen der Theresienwiese getrennt liegt eine kleine relativ wenig besuchte Grünanlage. Sie markiert bereits den südlichen Rand der Geländekante zwischen Theresienwiese und Theresienhöhe. Der relativ flache, nordexponierte Hang der Grünanlage ist mit einem gestuften, relativ niedrigen Gehölzbestand ohne nennenswerten Krautsaum und einer blütenreichen Fettwiese mit Bärenklau, Rot-Klee und Wiesen-Pippau bewachsen. Das Zentrum der Grünanlage wird von einem Komplex aus Gehölzbeständen mit dichter Strauchschicht und zwei Lichtungen mit Scherrasen eingenommen. Infolge starken Ausmähens fehlen Krautsäume nicht nur an den Innenrändern des Gehölzbestands, sondern auch zwischen sehr dicht beisammen stehenden Einzelbäumen.

 
Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
(* = gepflanzt)
*Eibe,
Moose: Verwandtes Goldhaarmoos, Lyell´s  Goldhaarmoos, Stumpfblättriges  Goldhaarmoos, Zwerg-Goldhaarmoos, Schönes Goldhaarmoos, Gelbhaubiges Goldhaarmoos, Glattfrüchtiges Goldhaarmoos, Vielfruchtmoos, Grüner Drehzahn, Haarloser Grüner Drehzahn (! einer von drei bisher bekannten Standorten in Deutschland), Papillen-Drehzahn
Flechten: Bryoria fuscescens, Hypogymnia farinacea, Parmelia acetabulum, P. flaventior, P. tiliacea, P. subrudecta, Physcia stellaris

Gehölze
Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Rosskastanie, Hainbuche, Blutroter Hartriegel, Hasel, Eingriffliger Weißdorn, Buche, Esche, Heckenkirsche, Hunds-Rose, Schwarzer Holunder, Mehlbeerbaum, Winter-Linde, Sommer-Linde

Gräser und Kräuter
Knoblauchsrauke, Große Klette, Gewöhnlicher Beifuß, Wiesen-Pippau, Wilde Möhre, Wiesen-Labkraut, Gewöhnliche Nelkenwurz, Wiesen-Bärenklau, Mäuse-Gerste, Kleinblütiges Springkraut, Herbst-Löwenzahn, Echte Kamille, Rote Lichtnelke, Weißer Steinklee, Gebräuchlicher Steinklee, Wildkresse, Wiesen-Klee, Wohlriechendes Veilchen

Problempflanzen = Invasive Neophyten (0,1%-Deckungsanteil)
Robinie, Kanadische Goldrute

Besondere Pflanzengesellschaften
·         Knoblauchsraukensäume
·         Möhren-Steinkleefluren, fragmentarisch

Fauna
Eichhörnchen, Nachtigall-Grashüpfer, Brauner Grashüpfer

Besondere Strukturen
·         Markantes Oberflächenrelief (Südteil)
·         Offene Rohböden
·         Dichtes Gebüsch