Münchner Biotope: Friedhof Sendling

Lage

Untersendling, südlich der Albert-Roßhaupter-Straße, zwischen Karwendelstraße und Bahnstrecke

Schutzstatus kein Schutzgebiet; ein Baum ist als Naturdenkmal ausgewiesen
Mü. Stadtbiotop Nr. 490
Flächennutzung Friedhof 

Flächengröße

2,2 ha

 
Sendlinger Friedhof, im Hintergrund mittiger Rundbrunnen und ein prächtiger Spitzahorn

Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Die erste Bestattung auf dem Sendlinger Friedhof an der Albert-Roßhaupter Straße (damals Forstenrieder Straße) fand 1877 statt. Die Opfer der Sendlinger Mordweihnacht (1705) sind also nicht, wie immer wieder fälschlich dargestellt, im Friedhof an der Albert-Roßhaupter-Straße beigesetzt worden, sondern im seit langer Zeit aufgelassenen kirchlichen Friedhof am Sendlinger Berg und im Alten Südlichen Friedhof.
Die über fast 130 Jahre dauernde gleichförmige Nutzung der Friedhofsfläche hat wohl dazu geführt, dass einige für naturnahe Wälder typische Flechtenarten die Verstädterung Münchens bis heute überdauern konnten. Unter anderem kommt die Bartflechte vor. Die in den letzten Jahrzehnten in München sonst nirgends mehr festgestellte Blattflechte besitzt ebenfalls ein kleines Vorkommen.
Die in Nord-Süd-Richtung gestreckte, ungefähr rechteckige Friedhofsfläche wird von einem rechtwinkligen Wegenetz erschlossen. Alle Wege sind wassergebunden. Die 2,5 m breiten Hauptwege sind weitgehend vegetationslos, die ca. 1,5 m breiten Querwege sind überwiegend mit einem lückigen Trittrasen bewachsen

Die Bereiche zwischen den streng geometrisch angelegten Grabstätten werden fast vollständig von monotonen Scherrasen eingenommen. Unregelmäßig über das Gelände verteilt finden sich Einzelbäume unterschiedlichen Alters.
Häufigste Baumart ist der Spitz-Ahorn, daneben kommen auch zahlreiche Robinien und einige Koniferen sowie Zuchtformen mit teils hängendem Wuchs vor. Einige Stämme sind mit Efeu berankt, den größten Stammdurchmesser mit ca. 100 cm hat ein als Naturdenkmal ausgewiesener Spitz-Ahorn ungefähr in der Friedhofsmitte. Das im Nordwesten neben den Bahngleisen befindliche Lager ist mit einer 1,8 m hohen, fast 80 m langen Thujenhecke zum Friedhof hin abgegrenzt. Diese setzt sich südwärts als frei wachsende Zierhecke mit buchtigen Rändern und hohem Anteil nicht heimischer Sträucher unter einer Platanen-Baumreihe fort. Die (potenziellen) Säume sind sowohl auf der West- als auch auf der Südseite sogar bis 1,5 m hinter der randlichen Gräberreihe fast bis an die Begrenzungsmauer nahezu vollständig ausgemäht. Nur ansatzweise sind lückige, ziemlich artenarme Knoblauchsraukensäume unter dem Gehölztrauf auf der Süd- und Ostseite ausgebildet. Die Kronen einer vorwiegend aus ziemlich dickstämmigen Spitz-Ahornen, Eschen, Hainbuchen und anderen Laubgehölzen bestehenden Baumreihe knapp außerhalb des Holzbretterzauns auf der Ostseite ragen bis zu 10 m in den Friedhof herein. Darunter befinden sich am Wegrand einige Nischen aus niedrigen, streng geschnittenen Hartriegelhecken mit Sitzbänken und Abfallsammelflächen. Die Gräberfelder mit lockerem Baumbestand sind vor allem im Nordteil des Friedhofs bis zu 60 cm gegenüber den Wegen erhöht. Ca. 80% der Grabstätten sind ziemlich intensiv gepflegt und weitgehend frei von Wildkräutern, auf 15% nehmen Wildkrautarten wenigstens 5% Deckung ein. 5% der Grabstellen sind aufgelassen und entweder mit Scherrasen eingesät worden oder es kommt Spontanvegetation auf.

Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
(* = gepflanzt)
Eibe (*)
Flechten: Usnea filipendula, Hypogymnia farinacea, Parmelia subrudecta, Parmelia tiliacea, Usnea hirta u.a. Moose: Verwandtes Goldhaarmoos, Lyell´s  Goldhaarmoos, Stumpfblättriges  Goldhaarmoos, Blasses  Goldhaarmoos, Zwerg-Goldhaarmoos, Schönes Goldhaarmoos, Grüner Drehzahn u.a.

Gehölze
Spitz-Ahorn, Moor-Birke, Hainbuche, Blutroter Hartriegel, Buche, Esche, Lärche, Fichte, Hybrid-Platane, Vogel-Kirsche, Vogelbeere, Thuja, Sommer-Linde, Schnabelblättriger Schneeball

Gräser und Kräuter
Gewöhnliche Schafgarbe, Giersch, Knoblauchsrauke, Schöllkraut, Mutterkraut, Garten-Wolfsmilch, Wald-Erdbeere, Gundermann, Funkie, Kleinblütiges Springkraut, Rauer Löwenzahn, Pfennigkraut, Mauerlattich, Mittlerer Wegerich, Wohlriechendes Veilchen

Problempflanzen = Invasive Neophyten (3%-Deckungsanteil)
Schlanke Karde, Aufrechter Sauerklee, Robinie

Besondere Pflanzengesellschaften: keine vorhanden

Fauna: Eichhörnchen

Besondere Strukturen: dickstämmige Bäume (> 75 cm Durchmesser in 1 m Höhe)