Münchner Biotope: Schwabinger See

Lage

Schwabing, zwischen Traube-, Schinkelstraße und westlichem Abschnitt der Berliner Straße, nordwestlich vom Ungererbad

Schutzstatus kein Schutzgebiet; ein kleiner Teilbereich (Röhricht) nach § 13 d (1) BayNatSchG geschützt
Mü. Stadtbiotop Nr. nicht kartiert
Flächennutzung Wasserfläche, Allgemeine Grünfläche

Flächengröße

ca. 2,7 ha


Hochstaudenflur am Ufer mit rot blühendem Blut-Weiderich


Das Südufer des Schwabinger Sees. Problematisch auch hier: der Müll und das Zertrampeln der Vegetation

Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Der Schwabinger See wurde erst Ende der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts im Zuge einer von der Münchner Rückversicherung umgesetzten Bebauungsplanung angelegt. Der See ist damit das „jüngste“ Biotop, das in der vorliegenden Studie untersucht wurde. Der See liegt auf dem Gelände des ehemaligen Schwabinger Bahnhofs. Zwischenzeitlich befand sich auch ein großer Flohmarkt auf dem Gelände.
Der in Form eines „L“ angelegte See wird vom Nymphenburg-Biedersteiner Kanal durchflossen, der am Nordwestufer einmündet und den See auf der Südseite über eine gerundete 20 cm hohe Betonschwelle wieder verlässt. Das mit einer senkrechten Betonmauer verbaute, völlig bewuchsfreie West- und Nordufer verläuft fast gerade, auf der Nordseite schließen abschnittsweise 1-2 Stufen an, so dass das Ufer zugänglich ist. Die an das Ufer grenzenden 10-20 m breiten gekiesten oder gepflasterten Wegflächen werden von Grünstreifen mit ein bis zwei Baumreihen aus Rosskastanien und einigen Exemplaren der Flügelnuss begleitet.

Am Rand der angrenzenden Wohnbebauung sind mehrere ca. 4 m hohe Vierkantsäulen mit Klettergerüsten errichtet, die mit Wildem Wein und Efeu bewachsen sind. Auf dem mit Granitsteinen gepflasterten Platz im Südwesten des Sees sind Rosskastanien in Reihen gepflanzt. In den Pflasterritzen des Platzes gedeiht stellenweise eine artenreiche Flora. Auf der Ostseite befindet sich ein kleines rundes, aus Betonblöcken errichtetes Podest mit Granitpflasterauflage, das am Rand mit 6 Säulen-Pappeln bepflanzt ist. In den moosreichen Pflasterfugen gedeiht zerstreut die Rispen-Flockenblume, eine für die Münchner Schotterebene typische Art trockener Pionierstandorte.
Das süd- und südostseitige Seeufer ist naturnah ausgebildet. Die zwei bis vier Meter breite Ufervegetation besteht aus Gebüsch, hygrophilen Hochstaudenfluren, u. a. mit Drüsigem Springkraut und Röhricht. In Bereich westlich der Abflussschwelle befindet sich ein ca. 80 m2 großes (künstlich angelegtes) Verlandungsröhricht aus Schmalblättrigem Rohrkolben, Teichbinse und Sumpf-Gänsedistel. Das Bett des südwärts abfließenden Kanals ist zunächst auf 50-70 m Länge bis zu 12 m breit und naturnah ausgebildet, mittig durch einen Steinwurfdamm geteilt und beidseitig am Ufer von Feuchtgehölzstreifen ohne nenneswerten Krautsaum eingefasst. Die Strömung im westseitigen Kanalarm ist sehr gering.

Im See befinden sich zwei unzugängliche „Biotop“-Inseln mit Steinschüttungen an den Ufern, auf welchen allenfalls sporadisch der Gehölzaufwuchs zurückgeschnitten wird. Die östliche Insel ist mit einer eutrophen feuchten Hochstaudenflur mit Vorkommen der Sumpf-Gänsedistel und zahlreichen Weiden-Trieben bewachsen, welche ziemlich dicht mit Laubbäumen überschirmt ist. Die westliche, lang gestreckte Insel wird weitgehend von einem ca. 15 m hohen Weichholz-Feuchtwald aus Silber-Weiden und Pappeln mit dichter Naturverjüngung standorttypischer Bäume eingenommen, die vor allem ostseitig ausgebildete Hochstaudenflur ist - wie es für dieses Gebiet typisch ist - stark mit Goldrute durchsetzt.

 
Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten

Sumpf-Gänsedistel;
Moose und Flechten: nicht untersucht

Gehölze
Feld-Ahorn, Rosskastanie, Schwarz-Erle, Gewöhnliche Waldrebe, Kornelkirsche, Blutroter Hartriegel, Esche, Liguster, Heckenkirsche, Säulen-Pappel, Zitter-Pappel, Kaukasische Flügelnuss, Silber-Weide, Trauer-Weide, Sal-Weide, Bruch-Weide, Purpur-Weide, Korb-Weide, Schwarzer Holunder
Gräser und Kräuter (* = gepflanzt):>
*Kalmus, Giersch, Knoblauchsrauke, Quendel-Sandkraut, Dreiteiliger Zweizahn, Rispen-Flockenblume, Lochschlund, Behaartes Weidenröschen, Wasserdost, Mädesüß, Wasser-Schwaden, Kahles Bruchkraut, Tüpfel-Johanniskraut, Weiße Taubnessel, Ufer-Wolfstrapp, Blutweiderich, Acker-Minze, Ross-Minze, Wilde Malve, Weißer Steinklee, Wilder Wein, Gänse-Fingerkraut, *Teich-Simse, Sumpf-Helmkraut, Sumpf-Ziest, Schmalblättriger Rohrkolben
Problempflanzen = Invasive Neophyten (10%-Deckungsanteil)
Kanadischer Katzenschweif, Einjähriger Feinstrahl, Drüsiges Springkraut, Robinie, Kanadische Goldrute
Besondere Pflanzengesellschaften
·         Weiden-Feuchtgehölze
·         Mädesüß-Hochstaudenflur
·         Großröhricht (Phragmition, 13 d)
Fauna
·         Eichhörnchen, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Libellen (mehrere Arten)
Besondere Strukturen
·         Mauer-, Ritzenvegetation
·         Von Wasservögeln stark abgeweidete Rasen
·         Dichtes Gebüsch
·         Hohes Blütenangebot (stellenweise)