Münchner Biotope: Olympiapark

Lage

Oberwiesenfeld, zwischen Ackermannstraße und Georg-Brauchle-Ring

Schutzstatus kein Schutzgebiet: kleine Teilbereiche mit Magerrasen sind nach Art. 13d(1), BayNatSchG geschützt
Mü. Stadtbiotop Nr. 115
Flächennutzung Allgemeine Grünanlage

Flächengröße

(kartierter Ber.): ca. 78 ha


Olympiapark


Russisch-Orthodoxe Kapelle
(errichtet von "Väterchen Timofej")

 
Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Der ehemalige königlich-bayerische Exerzierplatz war von 1929-1939 Münchner Verkehrsflughafen. Nach dem Krieg wurde dort der Trümmerschutt der zerbombten Stadt aufgeschüttet, der später in den Olympiaberg umgewandelt wurde. Die Anlage des Olympiaparks auf dem brach liegenden Oberwiesenfeld begann 1966 mit der Vergabe der Olympischen Spiele nach München. Im Jahr 1972, dem Olympiajahr, wurde der Park der Öffentlichkeit übergeben. Für die Landschaftsgestaltung war Prof. Grzimek aus Kassel, ein Bruder des berühmten Tierfilmers verantwortlich. Die heutige, reich reliefierte Oberflächengestalt entstand auf dem ehemals planen Gelände erst bei der Anlage des Parks. Die damals ebenfalls angelegten Wildblumenwiesen waren eine Pionierleistung, die die allmähliche Abkehr vom streng künstlich gestalten Parks hin zu einer naturnäheren, ökologischen Grünflächengestaltung einleiteten. Der ehemalige Münchner Schuttberg, der aus den Trümmern der im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörten Münchner Innenstadt besteht, wurde in den Park integriert.
Das ausgedehnte Parkgelände mit Höhenunterschieden bis nahezu 50 m und mehreren steilen Hängen ist überwiegend durch Wiesen und Parkrasen geprägt. Im Zentrum des Parks liegt der künstlich angelegte Olympiasee.
Südwestlich des Olympiabergs befindet sich die Russisch-Orthodoxe Kapelle, die nach dem 2. Weltkrieg ein russischer Einsiedlermönch ("Väterchen Timofej") eigenhändig erbaut hat.
 
Die Wiesen und Parkrasen

Ein Großteil der Fläche südlich des Olympiasees wird als ein- oder zweischüriges Grünland gepflegt, das je nach Nährstoffreichtum des Standorts und Tritteinwirkung unterschiedlich arten- und blütenreich ist: Vor allem der steile, hohe Nordhang des Großen Olympiabergs wird überwiegend von blütenarmen Fettwiesen (Glatthaferwiesen) mit Ruderalpflanzen wie Meerretich, Giersch und Brennnesseln eingenommen.

   

  Der Westhang des Olympiabergs

Entlang der Ostflanke und am Südwesthang des Großen Bergs sowie auf den Ost- und Westflanken des südlich des Spiridon-Louis-Rings gelegenen Kleinen Olympiabergs kommen auch Salbei-Glatthafer- sowie Flaumhaferwiesen mit anhaltender Blüte bis in den Hochsommer vor. Es handelt sich hier um die an Pflanzen- und Insektenarten reichsten Wiesen der Münchner Innenstadt.
Über die Hälfte des Grünlandes wird zu spät im Jahr und zu selten, nämlich nur einmal statt zweimal jährlich, gemäht. Dies hat zur Folge, dass typische Wiesenpflanzen durch Kräuter aus städtischen Unkrautfluren verdrängt werden. Besonders trifft dies auf den Kleinen Olympiaberg zu: Acker-Kratzdistel, Acker-Winde, teils auch Einjähriges Berufkraut und Pfeilkresse sind bereits mit Deckungsgraden von 5-10% beigemischt. Demgegenüber kommen typische Arten magerer Wiesen wie Rundblättrige Glockenblume und Taubenkropf nur mehr spärlich vor. An zahlreichen Stellen haben sich durch mangelhafte Pflege Reinbestände des Japanischen Knöterichs entwickeln können. Z.T. sind diese Neophytenbestände bereits 100 bis über 2.000 m2 groß. Am Südosthang des Kleinen Bergs wird versucht, den Knöterich durch mehrmalige jährliche Mahd zu bekämpfen. Am Gipfel des Großen Bergs wurde sogar eine Fräse eingesetzt.
Am Westhang führen mehrere Trampelpfade zum Gipfel des Großen Bergs, deren Umfeld von arten- und sehr blütenarmen Weidelgraswiesen eingenommen wird. Eine ähnliche Vegetation tragen auch viele von Joggern genutzte Wegrandbereiche.

Die Gehölzflächen des Parks
Den Südhang des Großen Bergs bedeckt ein größerer Gehölzbestand. Häufig wurden dort Silber-Pappeln und Latschen gepflanzt.
Am Osthang des Großen Berges gibt es den einzigen mehrere Hektar großen, dicht-geschlossenen Laubgehölzbestand im Park. Hauptbaumarten sind Berg- und Spitzahorn (Stammdurchmesser: von 20-40 cm). Beigemischte Pappeln erreichen Stammdurchmesser bis 70 cm. Südwestlich daran schließt eine Streuobstwiese an, die vor allem Zier- und Strauchformen von Apfel und Birne mit teils reichlichem Flechtenbewuchs enthält und in ruderale Ackerwindensäume übergeht, die offenbar infolge unzureichender Schnittgutbeseitigung entstanden sind.
Eine magere Sukzessionsfläche mit lockerem Gehölzaufwuchs aus Purpur- und anderen Weiden sowie Weißdorn und Hartriegel gibt es auch westlich des Großen Bergs. Hier haben einige Magerrasenpflanzen wie Tauben-Skabiose, Feld-Thymian und Karthäuser-Nelke ein Refugium gefunden.

Der Olympiasee
Die Ufer des mit unregelmäßigen Rundungen geformten Olympiasees sind vollständig verbaut, allerdings nur teilweise mit einer senkrechten Betonkante bei direkt angrenzenden Wegflächen. Überwiegend wurden Nagelfluh-Blöcke verwendet, die ein wenig unregelmäßig angeordnet sind und vielerlei Sumpf- und Ruderalpflanzen eine Ansiedlungsmöglichkeit bieten (z.B. Wegrauke, Wilde Sumpfkresse, Ufer-Wolfstrapp, Bleicher Gauchheil-Ehrenpreis, Speise-Bohne). Infolge starker Abweidung durch Wasservögel bleiben die ufernahen Pflanzen recht niedrig. Am Willi-Gebhardt-Ufer wurden westseitig schmale Streifen mit Zierformen der Gelben und Sibirischen Schwertlilie angelegt. Ostseitig findet sich dort eine bis zu 10 m breite Ufer-Hochstaudenflur, die allerdings inzwischen stark eutrophiert und mit Drüsigem Springkraut durchsetzt ist. Sie enthält an bemerkenswerten Arten Akeleiblättrige und Kleine Wiesenraute, Großen Wiesenknopf und Herbst-Zeitlose. Am gegenüberliegenden Ufer nahe der Eissporthalle befinden sich durch zum Teil bemooste, schräge Betonmauern abgekammerte Scherrasen auf skelettreichem, nährstoffarmem, leicht reliefierten Untergrund. Die Rasen ähneln einer Buckelflur. An floristischen Besonderheiten enthalten sie Rauen Löwenzahn, Feld-Thymian, Kriechende Hauhechel und Frühlings-Fingerkraut. Der Strukturreichtum der Fläche wurde
durch das Einbringen von Steinblöcken unterschiedlicher Formen und Größen erhöht. Fast am gesamten Ufer des Olympiasees kommen in unterschiedlichen Abständen in kleinen lockeren Gruppen angeordnete, inzwischen ausgewachsene Silber-Weiden vor.

Nördlich des Olympiasees
Der Bereich um die Sportstätten nördlich des Sees ist zum größten Teil versiegelt, an den Wegrändern stehen einzelne Winter-Linden und Wald-Kiefern, an mehreren Stellen auch Strauchgruppen mit hohem Anteil standortfremder Arten, z.B. Schneebeere und Kartoffel-Rose. Die dort verbliebenen Rasenstreifen werden extrem häufig, sicher über 25mal jährlich gemäht.


Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
(* = gepflanzt)
Teichhuhn (BK 1998), Wechselkröte (BK-1982 -jetzt wohl ausgestorben), Idas Silberfleck (BK 1997), Sibirische Schwertlilie (* blaßblaue und dunkelviolettblaue Blüten), Sanddorn; Moose (Auswahl): Breites Sackmoos, Eichhörnchenschwanz-Moos, Verwandtes Goldhaarmoos, Schönes Goldhaarmoos, Blasses  Goldhaarmoos, Weitmündiges Goldhaarmoos, Stumpfblättriges Goldhaarmoos, Zwerg-Goldhaarmoos, Grüner Drehzahn, Papillen-Drehzahn u. a.
Flechten (Auswahl): Parmelia acetabulum, Parmelia flaventior, Parmelia tiliacea, Physcia stellaris, Usnea hirta

Gehölze

Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Hainbuche, Blutroter Hartriegel, Eingriffliger Weißdorn, Garten-Apfel, Latsche, Schwarzkiefer, Silber-Pappel, Pappel, Birne, Stiel-Eiche, Hunds-Rose, Kartoffel-Rose, Kratzbeere, Brombeere, Himbeere, Silber-Weide, Sal-Weide, Lavendel-Weide, Purpur-Weide, Schwarzer Holunder, Mehlbeerbaum, Winter-Linde, Silber-Linde, Berg-Ulme


Gräser und Kräuter
Gemeine Schafgarbe, Giersch, Knoblauchsrauke, Meerrettich, Flaum-Hafer, Aufrechte Trespe, Landschilf, Wirbeldost, Wiesen-Glockenblume, Rundblättrige Glockenblume, Pfeilkresse, Wiesen-Flockenblume, Skabiosen-Flockenblume, Rispen-Flockenblum, Herbstzeitlose, Acker-Winde, Karthäuser-Nelke, Kugeldistel, Behaartes Weidenröschen, Frühjahrs-Hungerblümchen, Mädesüß, Echtes Labkraut, Wiesen-Bärenklau, Geflügeltes Johanniskraut, Gewöhnliches Ferkelkraut, Sumpf-Schwertlilie, Wiesen-Platterbese, Knollen-Platterbse, Margerite, Gewöhnlicher Hornklee, Wolfstrapp, Gewöhnlicher Gilbweiderich, Wegmalve, Schneckenklee, Rote Lichtnelke, Traubenhyazinthe, Kriechende Hauhechel, Schilf, Silber-Fingerkraut, Frühlings-Fingerkraut, Hohe Schlüsselblume, Knolliger Hahnenfuß, Zottiger Klappertopf, Wilde Kresse, Wiesen-Salbei, Kleiner Wiesenknopf, Großer Wiesenknopf, Gewöhnliches Seifenkraut, Tauben-Skabiose, Aufgeblasenes Leimkraut, Telekie, Akeleiblättrige Wiesenraute, Kleine Wiesenraute, Gewöhnlicher Thymian, Feld-Klee, Eisenkraut, Bleicher Gauchheil-Ehrenpreis


Japanischer Staudenknöterich

Problempflanzen = Invasive Neophyten
(2%-Deckungsanteil)
Schlanke Karde, 
Riesen-Bärenklau, 
Drüsiges Springkraut, 
Japanischer Staudenknöterich, 
Kanadische Goldrute, 
Späte Goldrute, 
Schneebeere

 

Tiere in der Stadt: Fuchsbau im Olympiapark

  
Fauna

Eichhörnchen, Kaninchen, wahrscheinlich Fuchs (große Höhlen an den Hängen), Fasan, Zilpzalp, Hauhechel-Bläuling, Großes Ochsenauge, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Nachtigall-Grashüpfer, Gemeiner Grashüpfer, Roesels Beißschrecke, Punktierte Zartschrecke (BK-1994), Weiße Heideschnecke

Besondere Strukturen

· Markantes Oberflächenrelief
· Trockenmauern
· Von Wasservögeln stark abgeweidete Rasen
· Dichtes Gebüsch
· Hohes Blütenangebot

Besondere Pflanzengesellschaften
· Gierschfluren/Knoblauchsraukensäume
· Mädesüß- Hochstaudenflur (ruderale Ausbildung mit Nährstoffzeigern)
· Halbtrockenrasen (fragmentarisch)