Münchner Biotope: Luitpoldpark

Lage

Schwabing, zwischen Scheidplatz, Borschtallee, Bayern-Platz, Brunnerstraße, Bad Georgenschwaige

Schutzstatus kein Schutzgebiet
Mü. Stadtbiotop Nr. 226
Flächennutzung Allgemeine Grünfläche
Flächengröße ca.27 ha

Alte Baumbestände umgeben die Freiflächen. Als gestalterisches Element wurden Nagelfluh-Mauern verwendet


Am Westhang des Schwabinger Schuttbergs zeigen Brennesseln und Bärenklau Nährstoffreichtum des Bodens an

 
Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Der Luitpoldpark wurde 1911 von den Münchner Bürgern zum Anlass des 90. Geburtstages des Prinzregenten Luitpold als Park mit 90 Linden und einem Obelisken angelegt (www.muenchen-tourist.de/deutsch/stadtinformationen/parks/luitpoldpark.htm).

Ein Kernstück des Parks bilden immer noch die zur Gründung des Parks gepflanzten Sommerlinden. Sie sind entlang der Nord-Südachse des Parks in zwei bis drei Reihen gepflanzt. Das Zentrum des Parks, ein etwa einen Hektar großes rechteckiges Plateau mit einem Obelisken im Mittelpunkt erreicht man über eine breite Treppe von der Karl-Theodor-Straße aus. Vom Obelisken tut sich eine Blickachse nach Norden auf, die erst am steilen Hang des Schwabinger Schuttbergs endet, der an dieser Stelle mit Zierrosensträuchern dicht bepflanzt ist. Erschlossen ist der Park durch breite Kieswege, die beiderseits von kleinen, mit Rosen bepflanzten Zierbeeten begleitet werden.

Begrenzt wird das streng gegliederte Zentrum des Parks von jeweils ca. 1 m hohe Geländekanten, die mit Tuffsteinmauern abgestützt sind. Die nordseitig das Plateau begrenzende Tuffmauer ist reichlich mit Laub- und auch Lebermoosen bewachsen. In den zahlreichen Fugen gedeihen u. a. der Zerbrechliche Blasenfarn und zwei Exemplare, der sonst aus München nicht bekannten Hirschzunge (einzige deutsche Farn-Art mit ungeteilten Blättern).
West- und ostseitig des Plateaus befinden sich eindrucksvolle Altbaumbestände aus Eichen und Buchen mit z. T. abgestorbenen Stämmen und Baumhöhlen. Die Stammbasis einiger mehrstämmiger Buchen mit gekrümmtem Wuchs beträgt ca. 1,5 m. Leider sind die lichten Baumbestände bis auf kleine Reste von Krautsäumen völlig abgemäht. Nur das Umfeld des Bamberger Hauses auf der Westseite des Parks besitzt stufig aufgebaute Gehölzbestände und artenreiche Krautsäume.
In der nördlichen Fortsetzung der zentralen Blickachse unterhalb der Tuffmauer verlaufen zwei parallele Wege in einem Abstand von ca. 40 Metern. An den Innenseiten der Wege sind mehrere schmale Zierrosenbeete angeordnet. An den Außenseiten stehen Reihen alter Rosskastanien. Nördlich des Bamberger Hauses befindet sich eine Hainbuchen-Baumreihe und ein gut 1000 m2 großes rundes Labyrinth aus streng geschnittenen 1-2 m hohen Hainbuchen-Hecken. Der Nordteil des Parks wird von langweiligen, weitgehend ebenen Scherrasenflächen eingenommen. Nur auf der Westseite ist dieser Teil des Parks durch mittelgroße Bäume und Baumgruppen, u. a. auch einen Hain aus Schwarz-Kiefern, etwas gegliedert.
Der ehemalige Schwabinger Schuttberg, der aus den Trümmern des im Krieg weitgehend zerstörten Schwabing besteht, ist inzwischen eine reich gegliederte Parklandschaft geworden, die sich landschaftlich an den Luitpoldpark anschließt. Die Ostflanke des Hügels ist sehr steil und vollständig mit einem artenreichen Gehölzbestand mit lichter Strauchschicht bewachsen. Die Krautschicht der Gehölze besteht vorwiegend aus Giersch und Goldnessel. Auf dem ebenfalls von Gehölzbeständen mit vorwiegend dichter Strauchschicht geprägten Westhang sind abgeflachte Bereiche und einige bis über 2000 m2 große Lichtungen mit Ruderalfluren eingelagert. Der wellig ausgeformte Gipfelbereich erstreckt sich auf 100 m Länge in Nord-Südrichtung, er wird vorwiegend von Asphaltwegen und Scherrasen eingenommen. Auf der Südseite befindet sich eine von einer niedrigen Sandsteinmauer eingerahmte Aussichtsplattform. Der zum Hangfuß flach auslaufende Nordhang des Schuttbergs wird von üppigen, eher blütenarmen Ruderalfluren mit Wasser-Knöterich, Acker-Winde und einem Vorkommen der Knollen-Platterbse sowie einer im Sommer vergleichsweise blütenreichen, vom Bärenklau und Pastinak geprägten Fettwiese eingenommen.

  
Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
Hirschzunge; Eibe;
Moose: Verwandtes Goldhaarmoos, Schönes Goldhaarmoos, Stumpfblättriges Goldhaarmoos, Blasses Goldhaarmoos, Zwerg-Goldhaarmoos, Vielfruchtmoos, Papillen-Drehzahn,
Flechten: Parmelia tiliacea, Parmelia subrudecta, Physcia stellaris

Gehölze
Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Hänge-Birke, Hainbuche, Blutroter Hartriegel, Hasel, Pfaffenhütchen, Buche, Hänge-Buche, Esche, Heckenkirsche, Schwarz-Kiefer, Ahornblättrige Platane, Pappel, Hybridpappel, Kaukasische Flügelnuss, Garten-Birne, Stiel-Eiche, Berg-Johannisbeere, Schwarze Johannisbeere, Hunds-Rose, Wein-Rose, Kratzbeere, Schwarzer Holunder, Mehlbeerbaum, Sommer-Linde, Gewöhnlicher Schneeball

Gräser und Kräuter
Giersch, Hunds-Petersilie, Knoblauchsrauke, Meerrettich, Gewöhnlicher Beifuß, Mauer-Raute, Wald-Zwenke, Wehrlose Trespe, Zaun-Winde, Acker-Glockenblume, Rundblättrige Glockenblume, Wiesen-Flockenblume, Taumel-Kälberkropf, Schöllkraut, Acker-Winde, Bunte Kronwicke, Wiesen-Pippau, Zerbrechlicher Blasenfarn, Rasen-Schmiele, Ruprechtskraut, Gewöhnliche Nelkenwurz, Wiesen-Bärenklau, Kleinblütiges Springkraut, Weiße Taubnessel, Knollen-Platterbse, Gelbe Taubnessel, Gewöhnlicher Hornklee, Weg-Malve, Luzerne, Kriechende Hauhechel, Pastinak, Große Bibernelle, Wasser-Knöterich, Zottiger Klappertopf, Gewöhnliches Leimkraut), Wiesen-Bocksbart, Feld-Klee, Schwarze Königskerze

Problempflanzen = Invasive Neophyten (0,5%-Deckungsanteil):
Einjähriger Feinstrahl, Behaartes Knopfkraut, Japan-Knöterich, Robinie, Kanadische Goldrute, Schneebeere

Besondere Pflanzengesellschaften
·         Knoblauchsrauken-Taumel-Kälberkropf-Saum
·         Halbruderale Ackerwinden-Queckenrasen
·         Kalkgebundene Mauerfugengesellschaften

Fauna
·         Eichhörnchen, Zilpzalp, Roesels Beißschrecke, Nachtigall-Grashüpfer, Ikarus-Bläuling

Besondere Strukturen
·         Markantes Oberflächenrelief
·         Baumhöhlen
·         Mauer-, Ritzenvegetation
·         Dickstämmige Bäume (> 75 cmDurchmesser in 1 m Höhe)
·         Hohes Blütenangebot