Münchner Biotope: Königsplatz

Lage

Maxvorstadt; Grünflächen nördlich und südlich des Platzes

Schutzstatus kein Schutzgebiet
Mü. Stadtbiotop Nr. 151
Flächennutzung Allgemeine Grünfläche
Flächengröße ca. 4,8 ha


Statt Pflasterung wächst wieder
Kurzrasen auf dem Königsplatz


Schach, im Hintergrund die Staatl.
A
ntikensammlung


Erholungspause


Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Der von Leo von Klenze entworfene Königsplatz erhielt 1848 mit dem Abschluss des Baus der Propyläen sein endgültiges Gesicht. Er gilt heute als einer der schönsten Plätze Deutschlands. Während der Nazizeit wurde der Königsplatz zum Aufmarschplatz umgestaltet und gepflastert. Erst 1988 wurde die Pflasterung wieder entfernt und der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. Die Ruinenfundamente an der Meiserstraße stellen die Reste der ehemaligen Ehrentempel der Nationalsozialisten dar.
Die Freiflächen des Königsplatzes wurden nach historischem Vorbild mit Kurzrasen angelegt. Die Grünanlagen an der Luisen- bzw. Arcis- und Meiserstraße sind auf 10-15 Meter Breite mit sehr dichten, gestuften Laubgehölzbeständen bewachsen. Vorherrschende Baumarten sind Winter- und Sommer-Linde, Esche und Rosskastanie. Die dichtwüchsige Strauchschicht ist ziemlich artenreich mit Feld-Ulmen an der Meiserstraße, und hoher Deckung des Roten Hartriegels entlang der gesamten Ostseite. Im Unterwuchs kommt stellenweise bodendeckender Efeu vor. Außer an der Meiserstraße fehlen Krautsäume.
Die Reste der Nazi-Ehrentempel an der Meiserstraße haben sich inzwischen zu einem Biotop entwickelt. In den Pflasterfugen wachsen u. a. Ruprechtskraut, Rauer Löwenzahn und sogar eine Moosart, die in Bayern eigentlich nur in den Alpen vorkommt, Schleichers Zwischenzahn, hat hier einen Außenposten gefunden.
Östlich und nördlich der Glyptothek befinden sich von niedrigen Holzgeländern eingefasste Scherrasen. Der Bestand an Großbäumen aus den genannten Gehölzarten ist insbesondere entlang der breiten Wege ziemlich dicht. Nordwestlich der Glyptothek wurde ein umzäunter Kinderspielplatz mit Sandfläche, Verbundpflaster und Scherrasen angelegt, der von sehr dichtem, gestuftem Gehölzbestand mit viel Spitz-Ahorn umgeben ist. Nur hier ist neben einem Weg andeutungsweise eine nährstoffreiche Krautflur mit Giersch und Taumel-Kälberkropf entwickelt. Die Stammdicke der Bäume beträgt überwiegend 40-50 cm, vereinzelt bis zu 70 cm.


Artenzusammensetzung, Vorkommen gefährdeter Arten
(* = gepflanzt)
*Milchstern, *Eibe, *Feld-Ulme; Moose und Flechten: Bemerkenswerte dealpine Art: Schleichers Zwischenzahn (Ruinen der Nazitempel)

Gehölze:
Spitz-Ahorn, Rosskastanie, Hainbuche, Blutroter Hartriegel, Esche, Efeu, Heckenkirsche, Mehlbeerbaum, Winter-Linde, Sommer-Linde
Gräser und Kräuter:
Hundspetersilie, Knoblauchsrauke, Wunder-Lauch, Landschilf, Wiesen-Schaumkraut, Taumel-Kälberkropf, Schöllkraut, Ruprechtskraut, Gewöhnliche Nelkenwurz, Kleinblütiges Springkraut, Weiße Taubnessel, Gelbe Taubnessel, Scharbockskraut
Problempflanzen = Invasive Neophyten
(2%-Deckungsanteil): Robinie
Fauna:
Zilpzalp, Haussperling
Besondere Strukturen:
Mauer-, Ritzenvegetation, dichtes Gebüsch


Der Königsplatz aus meiner Sicht

Als ich mich im Jahr 1996 für mögliche Aktivitäten beim LBV interessierte, bekam ich die Möglichkeit einer Betreuung der Nistkästen am Königsplatz angeboten. Einmal im Jahr – am besten Ende Oktober oder im November - sollten die Kästen geleert und gesäubert werden.

 
1. Am Königsplatz gibt‘s Nistkästen? Wo denn?

Ja, es gibt etwas mehr als 20 in dem Park hinter der Glyptothek, in dem auch ein Spielplatz sowie Tischtennisplatten und große Schachspiele zu finden sind. Als ich mir im Sommer Notizen über die Hangplätze meiner Kästen machte, geriet ich bei den in der Nachmittagssonne Schach spielenden älteren Herren augenblicklich in den Verdacht, falsch geparkte Fahrräder aufschreiben zu wollen.
 
2. Warum Nistkästen?

Manche Vögel bauen ihre Nester in die Äste und Zweige von Bäumen und Sträuchern, z. B. die Amsel. Andere brüten auf dem Boden – wie der Zaunkönig. Und wieder andere brüten in Höhlen. Einige können diese Höhlen selbst produzieren wie die Spechte – der Buntspecht kommt auch am Königsplatz vor. Andere nutzen die Spechthöhlen als Nachmieter. Zu diesen gehören: der Haussperling, die Kohl- und die Blaumeise und der Kleiber.
Für Höhlen braucht man alte Bäume und bei alten Bäumen fällt eher schon mal ein dicker Ast beim Sturm herunter als bei den jungen Bäumen. Im Wald außerhalb der Stadt ist das kein Problem, aber in der Stadt sind besonders an schönen Tagen viele Menschen gerne im Park, sonnen sich, spielen, lesen oder gehen spazieren. Wenn dann ein herabfallender Ast jemanden verletzt, dann haftet derjenige, der für den Park verantwortlich ist – in den meisten Fällen die Stadt. Aus Gründen dieser sogenannten Verkehrssicherheitspflicht werden gefährdete Bäume dann häufig gefällt und viele Höhlenbrüter suchen – wie viele andere Münchner auch – eine neue Wohnung. Für die Vögel hat die Stadt als Ersatzquartiere Nistkästen aufgehängt.

 
3. Wer wohnt in den Nistkästen?

Im Herbst leere ich mit Unterstützung der Kreisgeschäftsstelle München die Nistkästen und melde die Anzahl der belegten Kästen nach Vogelarten aufgeschlüsselt. In den Parks in der Stadtmitte ist natürlich nicht die größte Vielfalt zu finden. In „meinen“ Kästen waren es bisher nur drei Arten: der Haussperling – Vogel des Jahres 2003 -, die Kohl – und die Blaumeise.
Allerdings gab es 1996 noch sieben Kästen mit Spatzennestern, die vor allem aus Grashalmen bestehen, aber auch Wollfäden, Vogelfedern, Bonbonpapiere oder Fetzchen von blauen Müllsäcken enthalten können. Die Zahl der Spatzennester in den Nistkästen nahm ab, in den letzten Jahren fand ich gar keine mehr. Der allgemein zu beobachtende Rückgang der Haussperlingspopulation kann durch meine Beobachtungen nur bestätigt werden.
Aber es gibt auch Schönes zu beobachten. Wenn ich im April und Mai die Einfluglöcher der Nistkästen auf Flugverkehr beobachte, kann ich einem Vogelkonzert lauschen, Hummeln beim Blütenbesuch anschauen und hin und wieder eine für mich neue Pflanzenart entdecken.
 

Besonders freue ich mich auf die Zeit vom späten April bis Anfang Mai, wenn an einer Stelle nahe der Luisenstraße, gegenüber vom Lenbachhaus, der Doldige Milchstern blüht, der sicher dort mal gepflanzt wurde, und einen wunderschönen Anblick bietet. Als ich einmal zu dieser Zeit wieder meine Beobachtungen machte, traf ich auf einen Opa, der auf einer der Bänke saß, vor sich das schlafende Enkelkind im Sportwagen. Ich sprach ihn an und machte ihn auf einen Nistkasten aufmerksam, an dem Blaumeiseneltern im Abstand von 2-3 Minuten bei der Fütterung ihrer Brut zu beobachten waren, damit das Enkelchen etwas zu sehen hätte. Da meinte er mit einem Seufzer: „Sie haben aber einen schönen Beruf!“ Beruf ist es keiner – aber schön ist es schon.

Barbara Krause, 2006

 
  Doldiger Milchstern