Münchner Biotope: Hofgarten mit Finanzgärtchen

Lage

Maxvorstadt, zwischen Hofgartenstraße, Odeonsplatz und Von-der-Tann-Straße

Schutzstatus Landschaftsschutzgebiet (LSG)
Mü. Stadtbiotop Nr. 153
Flächennutzung Allgemeine Grünfläche

Flächengröße

ca. 8 ha


Kugel-Spitzahorne, Hecken und Blumenrasen umgeben den
Diana-Rundtempel im Hofgarten, im Hintergrund Linden


Hofgarten, im Hintergrund Theatinerkirche


Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Der Hofgarten ist einer der bedeutendsten fürstlichen Renaissancegärten nördlich der Alpen. Herzog Maximilian I. ließ den Hofgarten im Norden der Residenz 1613-1617 nach dem Vorbild italienischer Renaissancegärten anlegen. Der Finanzgarten liegt auf dem Gelände einer 1638 im 30-jährigen Krieg errichteten Bastion. Mit der Gründung des Theatinerklosters wurde er den Mönchen als Nutzgarten überlassen. (Angaben zur Geschichte: http://www.schloesser.bayern.de/deutsch/garten/uebers/muenchen.htm) 

Der westliche Teil des Hofgartens ist im Renaissance-Stil rechteckig und streng geometrisch angelegt. Die Wege im Park sind breit und schnurgerade in drei Karrees angelegt. Im Inneren des Gartens führen aus Richtung der vier Eckpunkte zusätzlich Wege diagonal in die Mitte, wo sich ein Diana-Rundtempel befindet, in welchem an Sommernachmittagen häufig klassische Instrumentalmusik gespielt wird. Der Hofgarten ist außen umrahmt von zwei bis drei Reihen alter Winter-Linden mit 10-15 m Wuchshöhe, die innerhalb einer etwa 30 Meter breiten gekiesten Wegfläche stehen. Die südlichste Baumreihe entlang der Hofgartenstraße besteht aus Fleischroten Rosskastanien ungefähr gleicher Wuchshöhe.

Die äußeren Karrees sind mit 90 cm hohen streng geschnittenen Kornelkirschen-Hecken umgrenzt. Sie enthalten 12 Parzellen extensiv gepflegter Blumenrasen. Dort kommen Arten der Magerwiesen wie das Kleine Habichtskraut und der Rauhe Löwenzahn vor. Die Innenkarrees sind mit 80 cm breiten Zierbeeten im Kontakt zu Scherrasen umrahmt, welche 2002 mit Eisbegonien bepflanzt waren. Die kleinen Rundplätze mit Rundbrunnen an den Ecken des inneren Karrees sind mit einigen kugelförmigen drei Meter hohen Spitz-Ahornen in gleichem Abstand umgeben. Vor der zwei Meter hohen Kornelkirschen-Schnitthecke, welche die Außenkarrees zu den Lindenreihen abgrenzt, befinden sich beiderseits Zierbeetstreifen mit Strauch- und Beetrosen.
Nach Osten setzt sich der Hofgarten über eine relativ flache Blumenrasenböschung zu einem 2,5 m tiefer gelegenen Parterre vor der Staatskanzlei fort. Dort befindet sich ein ausgedehntes, von einer Kornelkirschen-Hecke eingefasstes Kriegerdenkmal. Auf dessen Nord- und Südseite liegen jeweils 0,25 ha große quadratische Scherrasen mit in strengen Reihen gepflanzten, inzwischen 6 m hohen Platanen. Der erst Mitte der 1990er Jahre wiederhergestellte Köglmühlbach verläuft auf der Ostseite der Staatskanzlei in einem vollständig gleichförmigen Betonbett ohne jegliche natürliche Struktur. Auch die Grünflächenverbindung zum Englischen Garten nördlich der Staatskanzlei, ein strukturarmer Scherrasen mit einer Geländestufe und wenigen standortfremden Gehölzen, ist missglückt.

Das Finanzgärtchen liegt an der Galeriestraße nördlich des Hofgartens, hat eine Größe von ca. 2 ha und entstand von 1613-1617. Das wellige Gelände mit bis über fünf Meter hohen, unregelmäßig geformten Hügeln ist von einem schmiedeeisernen Zaun umgeben. Die Ostseite wird von einem kleinen, über 20 m hohen Buchen-Hallenwald nahezu ohne Strauch- und Krautschicht eingenommen. Das Gelände fällt hier steil ab. Die Buchenstämme erreichen im Südosten Stammdurchmesser von 60-70 cm, am Boden sind dort Moosrasen ausgebildet. Der restliche Park ist größtenteils mit einem ziemlich dichten, stufig aufgebauten Gehölzbestand bewachsen, es überwiegen Bäume mittleren Alters, wobei der Spitz-Ahorn relativ häufig ist. Die Strauchschicht ist insgesamt ziemlich dicht, vor allem der Schwarze Holunder ist häufig, es kommen aber auch zahlreiche Ziersträucher wie der Weiße Hartriegel und Spiersträucher vor. In der Mitte des Gärtchens befindet sich ein mehrere Meter hoher Tumulus mit Nagelfluh-Blöcken an den Böschungen. Dort befindet sich eine Grotte mit einem Heinrich-Heine-Denkmal. Auf den Hängen des Tumulus und im südlichen Randbereich des Gartens wachsen bis zu 5 m hohe Eiben mit Stammdurchmessern bis zu 15 cm. Zwei Lichtungen in der Mitte und im Nordwesten werden von einem ruderalisierten Blumenrasen mit sehr hoher Deckung von Gundermann und Kleiner Brunelle eingenommen. Diese Rasen werden intensiv von den im Finanzgärtchen häufigen Wildkaninchen abgeweidet.

 

  
Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
(* = gepflanzt)
*Stechpalme, *Eibe
Moose: Verwandtes Goldhaarmoos, Stumpfblättriges  Goldhaarmoos, Blasses  Goldhaarmoos, Zwerg-Goldhaarmoos, Schönes Goldhaarmoos, Vielfruchtmoos, Papillen-Drehzahn, Grüner Drehzahn
Flechten: Parmelia tiliacea, Usnea hirta

Gehölze
Feld-Ahorn, Spitz-Ahorn, Kugel-Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Rote Rosskastanie, Rosskastanie, Weißer Hartriegel, Kornel-Kirsche, Hasel, Deutzie, Buche, Forsythie, Esche, Efeu, Liguster, Pappel, Stiel-Eiche, Silber-Weide, Schwarzer Holunder, Spierstrauch, Flieder, Winter-Linde

Gräser und Kräuter
Gewöhnliche Schafgarbe, Knoblauchsrauke, Aufsteigender Fuchsschwanz, Wald-Zwenke, Zaun-Winde, Acker-Kratzdistel, Rasen-Schmiele, Garten-Wolfsmilch, Wiesen-Labkraut, Gewöhnliche Nelkenwurz, Gundermann, Kleinblütiges Springkraut, Kleines Habichtskraut, Rauer Löwenzahn, Margerite, Gewöhnlicher Hornklee, Hopfenklee, Kriechendes Fingerkraut, Kleine Braunelle, Sauerampfer, Roter Wiesen-Klee

Problempflanzen = Invasive Neophyten (2%-Deckungsanteil)
Schlanke Karde, Behaartes Knopfkraut, Robinie; diverse Ziersträucher

Besondere Pflanzengesellschaften
·         Knoblauchsraukensäume, nur ansatzweise im Finanzgärtchen

Fauna
Kaninchen, Eichhörnchen, Zilpzalp

Besondere Strukturen: (betreffen nur Finanzgärtchen
·         Markantes Oberflächenrelief
·         Dichtes Gebüsch, zahlreiche Tierbauten
·         Künstlicher Steilhang, von Kaninchen stark abgeweidete Rasen