Münchner Biotope: Haidhauser Friedhof

Lage

Haidhausen, zwischen Einstein- und Kirchenstr., westlich der Flurstraße

Schutzstatus kein Schutzgebiet
Mü. Stadtbiotop Nr. 189
Flächennutzung Friedhof
Flächengröße  ca. 2,5 ha
 

Verwilderte Grabstätten sind Refugien für Wildkräuter, Moose und Flechten

   

Der Stammfuß einer Esche bietet kleinflächige Rückzugsmöglichkeiten für Waldbodenvegetation

Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Am Platz der Alten Haidhauser Kirche steht wohl schon seit über 1.000 Jahren eine Kirche. Belegt ist die Geschichte der Kirche, die schon immer einen umgebenden Friedhof besaß, seit Anfang des 14. Jahrhunderts. Zusammen mit dem Alten südlichen Friedhof stellt der Friedhof Haidhausen wahrscheinlich die älteste Grünanlage in der Münchner Innenstadt (innerhalb des Mittleren Rings) dar.
Die knapp 3 ha große rechteckige Friedhofsanlage mit vier gerade verlaufenden, wassergebundenen Hauptwegen von 2-3 m Breite in Nord-Südrichtung ist größtenteils von einer 3 m hohen Ziegelmauer umgrenzt. Auf den etwas schmäleren Querwegen findet man teilweise Anflüge von Trittrasen mit Einjährigem Rispengras und grasbewachsene Wegränder. Die Fläche ist fast vollständig mit altem Baumbestand mit lichtem Kronenschluss bewachsen. Es dominieren Spitz-Ahorn und Buche, beigemischt sind aber auch viele weitere Baumarten, darunter einige Feld-Ulmen und Robinien mit Stammdurchmessern von 40-50 cm. Die Basis vieler Baumstämme ist moosreich, die Stämme sind vereinzelt mit Efeu berankt.

Bemerkenswert sind je ein besonders dickstämmiger Spitz-Ahorn und eine Flatter-Ulme mit Brettwurzeln im Nordteil des Friedhofs. Die Krautschicht ist in diesem Teilbereich infolge von ausgebrachtem Häckselmaterial sehr spärlich entwickelt. Kleinflächig kommt die Hohe Ambrosie vor. Trotz häufiger Mahd ist die Krautschicht ziemlich artenreich und von Waldbodenpflanzen geprägt, besonders von Veilchen und der Wald-Segge. Stellenweise sind unter den Baumkronen aufwuchsschwache Moosrasen entwickelt. Sowohl im Norden als auch im Süden sind sehr kleinflächig magere, artenreiche Blumenrasen mit hohem Kräuteranteil ausgebildet. Auch die Staudensäume an den Rändern des Friedhofs sind stark ausgemäht. Der Flächenanteil der Grabstätten ist mit gut 20% ziemlich gering, 5-10% der Grabstätten sind mäßig bis stark verwildert. Sie stellen Refugien für ungemähte Gras- und Staudenfluren magerer Standorte dar. In manchen Fällen wachsen bereits mehrjährige Sukzessionsgehölze auf.
Der Friedhof ist auf der Nordseite mit einer bis zu 4 m hohen Nagelfluhmauer zur Einsteinstraße abgegrenzt. Die Mauerkrone ist mit Moosen bewachsen, westseitig auch mit Wildem Wein. In Mauerfugen findet man stellenweise Mauerraute, Wurmfarn und Zarten Mauerlattich. Südlich der Kirche auf der Südseite schließt ein altes Kleinsteinpflaster mit Trittrasenvegetation, u. a. Kleinem Liebesgras und Zartem Mauerlattich an. An der Innenseite der Mauer stehen zwei markante Hohe Weiden, deren Kronen weit über den Gehsteig der Kirchenstraße hinausragen.
Die Moos- und Flechtenflora des Friedhofs ist bedeutend. Es kommen allein 36 baum­bewohnende Arten, darunter zahlreiche Arten der Roten Liste gefährdeter Moose Bayerns vor.

 
Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten

Flatter-Ulme, Feld-Ulme, Kornelkirsche
Moose: Lyell´s Goldhaarmoos, Stumpfblättriges Goldhaarmoos, Blasses Goldhaarmoos, Zwerg-Goldhaarmoos, Schönes Goldhaarmoos, Vielfruchtmoos, Papillen-Drehzahn, Grüner Drehzahn, Gewöhnliches Krausblattmoos u. a.
Flechtenarten: Parmelia tiliacea, Usnea hirta u. a.

 
Gehölze

Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Rosskastanie, Moor-Birke, Hainbuche, Weißer Hartriegel, Hasel, Raue Deutzie, Buche, Forsythie, Esche, Efeu, Rote Heckenkirsche, Hybrid-Pappel, Alpen-Johannisbeere, Hohe Weide, Winter-Linde, Sommer-Linde
 
Gräser und Kräuter

Giersch, Kriechender Günsel, Gewöhnlicher Frauenmantel, Hohe Ambrosie, Wiesen-Kerbel, Mauerraute, Wald-Zwenke, Wald-Segge, Rasen-Schmiele, Gewöhnlicher Wurmfarn, Kleines Liebesgras, Garten-Wolfsmilch, Rotschwingel, Wilde Erdbeere, Wiesen-Labkraut, Ruprechtskraut, Gewöhnliche Nelkenwurz, Mauer-Habichtskraut, Kleines Habichtskraut, Gewöhnliches Ferkelkraut, Weiße Taubnessel, Rainfarn, Pfennigkraut, Mauer-Lattich, Mittlerer Wegerich, Hain-Rispengras, Wohlriechendes Veilchen, Hain-Veilchen

 
Problempflanzen = Invasive Neophyten
(3%-Deckungsanteil)
Kanadisches Berufkraut, Einjähriger Feinstrahl, Wilder Wein, Robinie, Kanadische Goldrute, Gewöhnliche Schneebeere

 
Besondere Pflanzengesellschaften
·         Gierschsäume
·         Kalkgebundene Mauerfugengesellschaften

Fauna
·         Eichhörnchen, Zilpzalp
Besondere Strukturen
·         Schattige Mauern mit Mauerfugen
·         Dickstämmige Bäume ( > 75 cm Durchmesser in 1 m Höhe).