Münchner Biotope: Alter nördlicher Friedhof 

Lage

Schwabing-Südwest, zwischen Adalbert-, Arcis-, Teng- und Zieblandstraße

Schutzstatus

geschützter Landschaftsbestandteil (LB)

Mü. Stadtbiotop Nr.

150

Flächennutzung

Friedhof

Flächengröße

ca. 3,7 ha

 
Geschichte, Geländebeschreibung, Vegetation
Der alte nördliche Friedhof wurde 1866 angelegt. Er ist deshalb eine der wenigen nie versiegelten Freiflächen der Münchner Innenstadt. Einige der Bäume und Grabplatten des Friedhofs dürften noch aus der Gründerzeit des Parks stammen. Der Friedhof ist seit etwa 70 Jahren aufgelassen und inzwischen eine beliebte Erholungsstätte.

Leider liegt der Alte nördliche Friedhof inzwischen als Insel inmitten des weitgehend versiegelten Schwabings. Diese Verinselung ist wohl neben der geringeren Größe der Hauptgrund dafür, dass der Alte Nördliche Friedhof weitaus artenärmer ist als der Alte Südfriedhof.

Die annähernd quadratische Friedhofsfläche mit ihrem Schachbrettmuster aus unversiegelten Wegen ist größtenteils von einer 2.5-3 m hohen, verfugten Ziegelmauer umschlossen. Der Friedhof ist mit einem lichten, teils stufig aufgebauten Gehölzbestand aus Laubbäumen mit vorherrschenden Stammdicken von 25-50 cm bewachsen. Der Anteil an Birken und Eschen am Baumbestand ist ziemlich hoch, auch einige Robinien mit Stammdurchmessern von über 40 cm sind enthalten. Besonders im Ostteil fallen die zahlreichen Hänge-Eschen von ca. 5-6 m Höhe auf. Sträucher wie Kornelkirsche oder Flieder sind nur vereinzelt in kleinen Gruppen beigemischt. Ein alter Spitzahorn trug zumindest bis 2001 einen größeren Bestand der Bartflechte. Diese Art ist extrem empfindlich gegenüber Luftverschmutzung. Das Vorkommen inmitten der Stadt deshalb bemerkenswert und ein Zeichen dafür, dass schwefelsaure Immissionen in München erheblich zurückgegangen sind.




Ein Totholzstamm bietet Fledermäusen und seltenen Insekten Nahrung und Versteck-
möglichkeiten



Der Flächenanteil der teils über hundert Jahre alten Grabstätten ist ausgesprochen gering. Viele Grabmäler haben einen Sockel aus Natursteinen, der häufig einen artenreichen Moosbewuchs trägt und am Rande oft mit Efeu berankt ist. In den Ritzen der Naturstein-Grabmäler findet man vereinzelt auch Ruprechtskraut und Zimbelkraut. Grabplatten sind recht selten. Sie werden fast alle sehr extensiv gepflegt und sind stets mit Bodendeckern oder Efeu und häufig
auch mit Wurmfarn bewachsen.
Im Übrigen ist der Boden zum größten Teil mit einer gut ausgebildeten, mäßig artenreichen Krautschicht bedeckt, die vermutlich mindestens 3-4mal jährlich gemäht wird. Es wechseln nährstoffreiche Bereiche mit Giersch und Knoblauchsrauke und Weißer Taubnessel mit Blumenrasen auf nährstoffarmen Böden. Die Blumenrasen sind vorzugsweise auf einigen mehrere hundert Quadratmeter großen Lichtungen entwickelt und enthalten neben dem dominierenden Rot-Schwingel auch typische Wiesenkräuter wie die Rundblättrige Glockenblume. Im tieferen Schatten unter mächtigen Baumkronen sind kleinflächig auch kräuterarme Moosrasen ausgebildet. In ungewöhnlich großer Zahl und Dichte sind an den Wegen Sitzbänke aufgestellt.


Artenzusammensetzung
Vorkommen gefährdeter Arten
Halsbandschnäpper (BK-1998); Türkentaube (BK 1996),
Eibe, Kornelkirsche;

Flechten: Usnea filipendula, Cladonia coniocraea u. a.
Moose: Lyell´s Goldhaarmoos, Zwerg-Goldhaarmoos, Schönes Goldhaarmoos, Vielfruchtmoos, Papillen-Drehzahn u. a.

Gehölze
Spitz-Ahorn, Berg-Ahorn, Zucker-Ahorn, Hänge-Birke, Moor-Birke, Buchs-Baum, Blasenstrauch, Hainbuche, Kornelkirsche, Buche, Esche, Hänge-Esche, Fichte, Ahornblättrige Platane, Pappel, Kratzbeere, Brombeere, Vogelbeere, Flieder, Sommer-Linde
Gräser und Kräuter
Giersch, Knoblauchsrauke, Hohe Ambrosie, Wiesen-Kerbel, Akelei, Wald-Zwenke, Rundblättirge Glockenblume, Sparrige Segge, Schöllkraut, Wiesen-Pippau, Zimbelkraut, Rasen-Schmiele, Wurmfarn, Ruprechtskraut, Gundermann, Kleinblütiges Springkraut, Weiße Taubnessel, Pfennigkraut, Rote Lichtnelke, Traubenhyazinthe, Mauer-Lattich, Mittlerer Wegerich, Kleine Braunelle, Großer Sauerampfer, Wohlriechendes Veilchen

Problempflanzen = Invasive Neophyten (8%-Deckungsanteil)
Kanadischer Katzenschweif, Einjähriger Feinstrahl, Behaartes Knopfkraut, Aufrechter Sauerklee, Robinie, Kanadische Goldrute

Fauna
(Auswahl auffälliger Arten)
Eichhörnchen, Zilpzalp, Amsel, Gartenbaumläufer, Halsbandschnäpper (BK-1998)

Besondere Pflanzengesellschaften
·         Gierschfluren/Knoblauchsraukensäume
·         Kalkgebundene Mauerfugengesellschaften

Besondere Strukturen
·         Mauerritzenvegetation
·         Kleine Totholzbestände