Aktuelles: Bärlauchführung im Englischen Garten 2010

Rechtzeitig zum Frühlingsanfang sprießt auch heuer wieder der Bärlauch als erstes erntereifes Wildgemüse des Frühjahres zwischen welkem Laub am Boden hervor. Man findet ihn vor allem in feuchten Laubwäldern und an Flussufern, so sind in Münchens Isarauen und auch im Englischen Garten große Bärlauchvorkommen bekannt.

Hier verdeutlichte Herr Dopheide vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) Ende März bei trockenem Frühlingswetter den über 40 Teilnehmern einer kleinen Exkursion die ästhetischen, kulinarischen und medizinischen Vorzüge dieser Pflanze sowie ihren kulturhistorischen Werdegang. Eingehend besprochen wurden die Gefahren, die von Verwechslungsmöglichkeiten mit den giftigen Blättern von Maiglöckchen und Herbstzeitlosen ausgehen oder die durch die ungewollte Aufnahme von Fuchsbandwurmeiern entstehen können.

Der Bärlauch wird auch wilder Knoblauch genannt, mit dem er nahe verwandt ist. Und er riecht und schmeckt auch sehr ähnlich und ist dem Knoblauch zumindest ebenbürtig, wenn es um die gesundheitszuträglichen Eigenschaften geht.

Der Bärlauch erhielt seinen Namen gemäß der Sage, dass dereinst die Bären nach langem Winterschlaf bärenhungrig ihre Höhle verließen und sich als erstes an den frisch ergrünten Bärlauchpflanzen labten und hierdurch zu neuen Kräften kamen. In der Tat gilt der Bärlauch auch für uns Menschen nicht nur als sehr kräftigend, er wird zudem nachdrücklich als intensive körperreinigende Frühjahrskur empfohlen: man sollte 2 bis 3 Wochen lang täglich eine Handvoll frischer Blätter essen, um die Überzeugung des Kräuterpfarrers Künzle nachzuerleben, der da sagte:" Wohl kein Kraut der Erde ist so wirksam zur Reinigung von Magen, Gedärmen und Blut wie der Bärlauch."

Und schon die Römer wussten dieses Heilmittel einzusetzen bei weit fortgeschrittener Arterienverkalkung. Heutzutage ist er bei zu hohen Blutdruck- und Cholesterinwerten sowie bei Leberleiden als Heilpflanze gefragt. Zerquetschte Bärlauchzwiebeln in Milch trinkt man in kleinen Schlucken und vertreibt damit nicht nur Madenwürmer, sondern man kann hierdurch auch sonstige Unregelmäßigkeiten der Darmflora normalisieren.

Bei der Ernte der Pflanzen wurde großer Wert auf Natur schonendes Vorgehen gelegt: zunächst achtet man darauf, möglichst wenige Trittschäden zu verursachen. Dann wird von jeder Pflanze nur ein Blatt gepflückt. Das andere Blatt lässt man stehen, damit es per Fotosynthese genügend Nährstoffe erzeugen kann, die in der unterirdischen Zwiebel gespeichert werden und im nächsten Frühjahr dafür sorgen, dass eine neue Bärlauchpflanze an dieser Stelle wachsen kann. Außerdem erntet man nur so viele Pflanzen, wie man wirklich benötigt und sollte auch in größeren Bärlauchvorkommen nicht der eigenen Raffgier nachgeben. Und nach alter Indianersitte lässt man bei der Ernte auch immer mindestens die Hälfte eines Pflanzenbestandes stehen.

Die Exkursionsteilnehmer blieben auch weiter aktiv bei der Vorbereitung des Bärlauchs für verschiedene Geschmacksproben: frische Bärlauchblätter, gewaschen und kleingeschnitten auf Butterbrot schmeckten den Exkursionteilnehmern ausgezeichnet, noch größeren Zuspruch fand dann aber das anschließend bereitete Bärlauch-Pesto:

kleingehäckselte Bärlauchblätter werden bis zur Dreiviertelhöhe in ein leeres Marmeladenglas gefüllt, ein gestrichener Teelöffel Kräutersalz, drei bis vier gehäufte Teelöffel Haselnussbrösel und zwei Esslöffel Parmesankäsekrümel hinzugemengt. Dann rührt man so viel Sonnenblumenöl hinzu, dass die Konsistenz dieses Pestos sowohl als Nudelsoße wie auch als Brotaufstrich geeignet erscheint. Als Geheimtipp gilt Bärlauch-Pesto als Geschmacksgeber für Kartoffelsalat und auch andere Salate. Im Kühlschrank hält es sich mehrere Monate, man kann es inzwischen auch schon in etlichen Naturkostläden und Reformhäusern kaufen.

Zum kulinarischen Abschluss der Veranstaltung fand der Bärlauch-Schnaps großen Zuspruch, den man mit Doppelkorn, Bärlauchblättern und einer Hand voll Kandiszucker leicht selbst ansetzen kann und ihn in einem verschraubten Glas dann einfach zwei Wochen lang auf der Fensterbank ziehen lässt. Mit wachsender Vorfreude täglich schütteln, absieben und: wohl bekomms!

Ulrich Dopheide

Aktueller Hinweis:

Dienstag, 6. März 2012  20 Uhr

Essbare Wildkräuter des Frühjahres – bestimmen, nachhaltig ernten, Rezepte und Kostproben

Ulrich Dopheide, Vortragsabend im Bürgerhaus Gräfelfing, direkt am S-Bahnhof

 

Samstag, 31. März 2012

Bärlauchkundlich-kulinarischer Spaziergang

Am Oberstjägermeisterbach im Englischen Garten finden sich genügend frische Pflanzen zur Herstellung von Bärlauch-Pesto und weiterer Schmankerl, die vor Ort zubereitet und genossen werden. Heilkraft, Biologie und Kulturgeschichte des Bärlauchs werden ebenso besprochen wie neue Erkenntnisse zum Fuchsbandwurm. Diese und auch giftige Doppelgänger werden bei der Sammlung der Pflanzen berücksichtigt. Mit einem Stamperl Bärlauchlikör wird der Nachmittag beschlossen. Alle Teilnehmer erhalten Rezepte zur Mitnahme.

Ulrich Dopheide, 15 Uhr

Treffpunkt: Ecke Mommsen-/Osterwaldstraße (Nähe Haltestelle Dietlindenstraße, U6). Dauer: etwa 2 Stunden. Information: Tel. 0 89 / 2 19 64 30 53