Pressemitteilung, 26.1.2007

Friedliche Invasion – Wacholderdrosseln besuchen München in großer Zahl

Seit zwei Tagen werden im 10-Minuten-Takt große Schwärme amselgroßer Vögel mit taubengrauem Kopf am Umweltberatungstelefon des LBV gemeldet. Die Anrufe überraschter Bürger kommen aus dem ganzen Stadtgebiet (z.B. Moosach, Feldmoching, Sendling, Pasing) und aus dem Umland (z. B. Ismaning, Heimstetten). Des Rätsels Lösung: Wacholderdrosseln sind in großer Zahl aus Nord- und Nordosteuropa angekommen. Die Wacholderdrossel ist ein so genannter Invasionsvogel, der sich nur selten in so großer Zahl wie diesmal auf den Weg nach Bayern macht. Die Zahl der Vögel im Stadtgebiet dürfte bereits bei über 10.000 liegen und es werden wohl ständig mehr. Im Gefolge der Wacholderdrossel finden sich auch kleinere Schwärme des Seidenschwanzes. Der Seidenschwanz ist ein Vogel der Taiga, der nur selten und unregelmäßig als Wintergast in Bayern beobachtet werden kann.

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, ihm die Beobachtung von Wacholderdrossel- und Seidenschwanzschwärmen zu melden, damit der Einflug dokumentiert werden kann.

Die Wacholderdrossel ist etwas größer als die nahe mit ihr verwandte Amsel. Sie hat einen taubengrauen Kopf, eine braun gesprenkelte Brust und einen weißen Bauch. Rücken und Flügel sind braun befiedert.

Es gibt zwar auch im Sommer in München ein paar hundert Wacholderdrosseln. Die Wacholderdrosseln aus Sibirien und Skandinavien, die uns jetzt besuchen, sind aber etwas größer als unsere heimischen Tiere. „Wo auf einmal so viele tausend Wacholderdrosseln her kommen, wissen wir auch nicht“, stellt Dr. Heinz Sedlmeier (Leiter der Geschäftsstelle München des LBV) fest. Bei unserer großen Wintervogelzählung am 6. Januar waren sie jedenfalls noch nicht da. Ganz offensichtlich versucht eine große Zahl der Tiere vor dem schlechten Wetter in Richtung Südwesten zu fliehen.“

Die Wacholderdrosseln leiden ganz offensichtlich unter Nahrungsknappheit, da es in unserer Agrarlandschaft immer weniger Beerensträucher gibt und durch die geschlossene Schneedecke keine Nahrung am Boden mehr gesucht werden kann. Deshalb kommen die eigentlich sehr scheuen Vögel in unserer Gärten und Grünanlagen, wo sie Vogelbeeren, Liguster und Rosensträucher abernten. Verwunderte Gartenbesitzer meldeten gestern und heute, dass hunderte von Wacholderdrosseln den einzigen Baum im Garten bevölkerten. Wer den Vögeln helfen möchte, kann Apfelhälften und Rosinen im Bereich von Bäumen und Sträuchern auslegen.

Der LBV sammelt alle Beobachtungsdaten für Bayern, deshalb machen auch Sie mit! Notieren Sie bei der Beobachtung der Wacholderdrosseln und der Seidenschwänze Datum, Uhrzeit, Beobachtungsort, Stückzahl, Aktivität, z.B.: Nahrungsaufnahme, rastend, umherfliegend, ziehend und bei Nahrungsaufnahme möglichst auch die Pflanzenart.

Melden Sie diese Daten unter Angabe Ihrer Adresse an den Landesbund für Vogelschutz – Kreisgruppe München, Auswertung Wachholderdrossel, Klenzestr. 37, 80469 München

Unter allen Meldern verlost der LBV als Dankeschön drei Kalender.

München, den 26.01.2007
V.i.S.d.P. und Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen: Dr. Heinz Sedlmeier, Klenzestr. 37, 80469 München
Tel.: 089/200270-71 oder 0172/8207499
Email: info@lbv-muenchen.de <mailto:info@lbv-muenchen.de>

Wacholderdrossel   Foto: Alfred Limbrunner