Aktuelles: Die Graugans – ein Münchner Symboltier soll gefangen und getötet werden

Zur Bundesgartenschau 2005 warb das Münchner Fremdenverkehrsamt noch mit der Graugans vor dem Olympiaturm. Tausende Touristen fotografieren jedes Jahr die Graugänse am Nymphenburger Schloss und am Kleinhesseloher See. Zu Ostern sind die flauschigen Gänseküken ein gern gesehener Frühlingsbote. Nun werden die Tiere von einigen wenigen Protagonisten zu einem Problem gemacht, dem man angeblich nur durch Fang und Tötung Herr werden kann. Das Münchner Kreisverwaltungsreferat hat deshalb auf Antrag der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung einen jagdrechtlichen Ausnahmebescheid erlassen, der den Fang und die Tötung der Graugänse zur Schonzeit und inmitten von Erholungsparks erlaubt.

Warum sind Graugänse in München kein Problem?

  1. Die Münchner Badelandschaft ist für Graugänse unattraktiv. Weder auf den Isarkieseln, noch an den Badeseen finden sich die Tiere ein. Gänsekot ist für Badende also kein Problem.
  2. Die Münchner Graugänse sind seit den 1950er Jahren zu Gast in den Parks. Sie sind Nachkommen der Gänseherde des Nobelpreisträgers Konrad Lorenz, der an ihnen bahnbrechende Erkenntnisse für die Wissenschaft, z.B. das Phänomen der Prägung entdeckt hat.
  3. Nachfragen bei allen Münchner Umweltverbänden ergaben, dass die einzigen Anrufe zum Thema Gänse nur das Thema betrafen, wie man den beliebten Tieren, die als Symbol für Treue (lebenslange Paarbindung) gelten, in Notlagen am besten helfen kann. Es gab nie eine Beschwerde über die Tiere. Sie sind damit offensichtlich weniger problematisch als z.B. die Stadtamseln, über deren lautstarken Gesang sich schon mehrere Spätaufsteher beschwert haben - allerdings ohne dann gleich die Tötung unserer Stadtamseln zu verlangen.

Wie kann man Liegewiesen im Englischen Garten und Nymphenburger Schlosspark frei von Gänsekot halten:

  1. Gänse lieben nur ganz kurzgrasige Wiesen. Schon etwas weniger oft gemähte Wiesen sind für Gänse unattraktiv. Dort kann man bequem liegen und sogar Blumen bewundern, die in ultrakurzen Rasen nicht gedeihen können.
  2. Quer in der Wiese verlaufende, niedrige Hecken halten Gänse zuverlässig ab.
  3. Speziell trainierte Hunde können Gänse wirksam von beliebten Liegewiesen vertreiben.
  4. Das Fütterungsverbot wird in den Parks nicht kontrolliert. Es erfolgt auch keine Aufklärung über die Wirkung des Futters. Würde aufgeklärt und kontrolliert, würden sich die Gänse besser verteilen und seltener fortpflanzen.

Der Landesbund für Vogelschutz lehnt deshalb den Fang und die Tötung der Münchner Graugänse entschieden ab. Wir werden mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Tötungsaktion vorgehen.

Den verantwortlichen Behörden und Wissenschaftlern muss man den Vorwurf machen, eine fachlich und moralisch fragwürdige Massentötung von Wildtieren in der Stadt vorbereitet zu haben, ohne über Alternativen nachgedacht zu haben. Eine vernünftige und offene Diskussion mit den Naturschutzverbänden hätte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine praktikable Lösung erbracht.

München, den 30.04.2008
Dr. Heinz Sedlmeier
Leiter der Kreisgeschäftsstelle München des LBV
  

   
Donnerstag, 8.5.2008
G
egen den Gänsemord im Nymphenburger Park und im Englischen Garten starten wir eine Unterschriftensammlung, gemeinsam mit Bund Naturschutz und Ornithologischer Gesellschaft in Bayern. Bitte sammeln Sie Unterschriften bei jeder Gelegenheit und verteilen Sie Listen im Bekanntenkreis sowie in Geschäften.Vielen Dank für Ihre Unterstützung. (Unterschriftenliste, pdf 39 kB)
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Luy